Billy the Kid So wild war der Westen

Ein US-Anwalt kaufte ein uraltes Foto auf dem Trödel - es ist wohl Millionen wert: Billy the Kid mit dem Sheriff, der ihn erschoss. Die Geschichte dieses Revolverhelden zählt zu den Lieblingslegenden der Amerikaner.
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Sensationsfund: Experten sprechen aufgeregt über diese jüngst entdeckte Ferrotypie, ein Foto aus Eisenblech. Sie soll nicht nur eine der seltenen Aufnahmen von Billy the Kid sein (2. von rechts), sondern auch den Mann zeigen, der ihn zu Fall brachte - Sheriff Pat Garrett mit dem markanten Bart (links). Ein Indiz: der gut sichtbare Adamsapfel von Billy the Kid. Nach Ansicht einiger Historiker und Fotospezialisten spricht viel für die Echtheit, wegen der Bildtechnik, Gesichtsähnlichkeiten sowie der Handschrift von Sheriff Garrett auf dem Foto, das nun einige Millionen Dollar wert sein dürfte.

Foto: imago/ZUMA Press
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Glücklicher Entdecker: Das Foto der fünf Cowboys hing jahrelang im Haus von US-Strafverteidiger Frank Abrams - als Dekoration in einem Raum, den er regelmäßig auf Airbnb untervermietete. Erst nachdem er eine Dokumentation über ein Foto sah, das Billy the Kid beim Krocketspielen zeigen soll, besah er sich seinen Cowboy-Schnappschuss genauer. Eine Besonderheit: Nach Angaben der Bildagentur ist das hier gezeigte Foto seitenverkehrt zur Originalplatte. Denn beim Verfahren der Ferrotypie entstehen seitenverkehrte Bilder. Wenn man ein Foto zweimal spiegelt, sieht man wieder die Originalsituation - und der (unbekannte) Revolvermann auf der rechten Seite war demnach tatsächlich Rechtshänder.

Foto: imago/ZUMA Press
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Unschuldiger Blick: Dies ist das einzige unumstritten authentische Foto von Billy the Kid. Er soll für einen fahrenden Fotografen posiert haben, um das Foto Paulita Maxwell zu schenken, die angeblich seine Freundin war. Es zeigt Billy als glattrasierten jungen Mann in staubbedeckten Stiefeln, Baumwollhose und Hemd, wollener Weste und Strickjacke, mit Halstuch und eingedelltem schwarzem Hut auf dem Kopf. Er stützt sich auf den Lauf seines Gewehrs, von der linken Hüfte baumelt ein Revolver (auf der Ferrotypie auch hier wohl seitenverkehrt, demnach war er Rechtshänder, anders als es der Paul-Newman-Western "The Left Handed Gun" aus den Fünfzigerjahren nahelegt). "Seine weichen blauen Augen waren so attraktiv, dass diejenigen, die ihn zum ersten Mal sahen, den Eindruck gewinnen konnten, er sei nur ein Opfer der Umstände", schrieb die "New York Times". - Die Auktion des Fotos...

Foto: AFP/Brian Lebel Old West Show & Auction
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...geriet im Jahr 2011 zur Sensation. 25 Cent soll der Outlaw für den Schnappschuss gezahlt haben; im Vorfeld der Auktion wurde das Sammlerstück auf 300.000 bis 400.000 Dollar geschätzt. Am Ende ging das mehr als 130 Jahre alte Foto für 2,3 Millionen Euro in den Besitz von William Koch über: ein US-Unternehmer, der mit seinem Zwillingsbruder David die Koch Industries leitet und die Republikaner sponsert. Zudem ist Koch ein eifriger Sammler, unter anderem von Spitzenweinen.

Foto: Mark Leffingwell/ REUTERS
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Umstrittene Fotografie: Auch dieses Bild soll Billy the Kid zeigen - und sorgte im Herbst 2015 für viel böses Blut. US-Sammler Randy Guijarro hatte 2010 eine Reihe von Ferrotypien für zwei Dollar auf einem Flohmarkt in Fresno (Kalifornien) gekauft. Einer der Männer auf dem Bild kam ihm bekannt vor: Sah er nicht aus wie Billy the Kid? Guijarro befragte Experten, doch mehrere Historiker widersprachen ihm energisch. Trotzdem erwachte das Interesse eines Filmproduzenten, der Guijarros Recherchen für "National Geographic" begleitete - die Produzenten gewannen sogar Kevin Costner als Erzähler dieser modernen Wild-West-Schatzsuche.

Foto: Kagin's
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"The Croquet Kid": Die Dokumentation von "National Geographic" versucht zu beweisen, dass der Mann links im Bild Billy the Kid ist. Seine ungewöhnlich feine Aufmachung begründen die Filmproduzenten (und Eigentümer Randy Guijarro) damit, dass Billy eine Hochzeit besucht habe, auf der sich die Gesellschaft beim Krocketspielen die Zeit vertrieb. Das Foto soll auf der Tunstall-Ranch entstanden sein und sowohl einige Mitglieder der Cowboy- und Outlaw-Bande "The Regulators" als auch Paulita Maxwell zeigen. Obwohl das Krocketspiel in dieser Zeit beliebt war, Kleidung und Stil der Fotografierten auf die richtige Zeit verweisen, zweifeln Experten den Ort der Aufnahme und die Identität des Mannes an. Tatsächlich ist es schwer, eine Ähnlichkeit zwischen diesem Foto und dem einzigen als authentisch verbürgten Foto von Billy the Kid zu erkennen.

Foto: Kagin's
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Schüchterner Revolverheld: Auch dieses Foto soll den berühmten Outlaw zeigen - bevor er den Anzug gegen staubige Cowboykluft tauschte und zur Waffe griff. Davon ist zumindest Fotobesitzer Ray John de Aragon überzeugt. Der Sammler in New Mexiko überließ das Foto 2014 einer Forensikerin, die Ähnlichkeiten von Kopfform und Gesicht feststellte. Sie glaubt, dass der junge Mann den gleichen Ring am kleinen Finger trägt wie auf dem verbürgten Foto. Kenner der Billy-Legende zweifeln: Ray John de Aragon ist in der Szene dafür bekannt, häufiger vermeintlich authentische Fotos zu präsentieren.

Foto: imago/ZUMA Press
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Familienfoto: Ray John de Aragon behauptet, dass das Billy-the-Kid-Foto aus der Familie seiner Großmutter stammt und so den Weg in seine Sammlung fand. Die Großmutter des Sammlers ist hier rechts im Bild zu sehen. Laut de Aragon war sie eine Medizinfrau und behandelte Billy. Sein Vater soll Mitglieder aus Billys Bande "The Regulators" gekannt haben.

Foto: imago/ZUMA Press
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Begeisterter Sammler: Ray John de Aragon nimmt ein Foto unter die Lupe, auf dem seiner Meinung nach Billy the Kid zu sehen ist. Experten sind skeptisch: Er präsentiere regelmäßig neue Fotos und behaupte, sie stammten aus seinem Familienbesitz, kritisiert Paul Hutton, Geschichtsprofessor an der Universität von New Mexiko. Gründe, neue Fotos von Billy the Kid zu finden, gibt es genug: Sie sind so rar, dass sie Millionen wert sind.

Foto: imago/ZUMA Press
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Gouverneur und Autor: Drei Jahre lang, von 1878 bis 1881, war Lew Wallace als Gouverneur für das Territorium von New Mexiko zuständig. In dieser Zeit sollte Billy als Zeuge gegen die Bande von Murphy und Dolan aussagen und dafür begnadigt werden, wozu es jedoch nie kam. Wallace stammte aus einem politisch engagierten Haushalt: Sein Vater war Vizegouverneur von Indiana, seine Mutter machte sich für Frauenrechte stark. 1880 erschien sein Roman "Ben Hur".

Foto: Library of Congress
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Billy-Land: Dieses Gemälde zeigt Gutachter beim Vermessen der heutigen Bundesstaaten New Mexiko und Arizona. Das New Mexico Territorium bestand ab 1850 und reichte ursprünglich bis ins heutige Arizona hinein. Den südlichsten Teil kauften die USA 1853 von Mexiko, weil sie den Bau einer Eisenbahnstrecke durch das Gebiet planten.

Foto: Ed Vebell/Getty Images
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"Dead or Alive": 5000 Dollar Belohnung waren in den Siebzigerjahren des 19. Jahrhunderts auf Billys Kopf ausgesetzt. Das Poster spricht von ihm als 18-Jährigem, damit könnte es aus dem Jahr 1877 stammen. Wahrscheinlicher ist jedoch das Jahr 1887, als Billy der Mord an Sheriff Brady vorgeworfen wurde. Dafür spricht auch, dass das Poster von einem neuen Sheriff, Jim Dalton, ausgestellt wurde. "Er ist der Anführer der schlimmsten Bande, die das Territorium bisher gesehen hat", schreibt der Sheriff. Das Kopfgeld sollte erhalten, wer Billy the Kid gefangen nahm oder seinen Tod glaubhaft nachweisen konnte.

Foto: Fototeca Storica Nazionale./ Getty Images
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Skrupellose Rinderzüchter: James Dolan (links) und Lawrence Murphy betrieben gemeinsam eine erfolgreiche Rinderzucht, bekannt als "The House" nach ihrem Hauptsitz, einem gigantischen Holzbau in der Prärie von New Mexiko. In den 1870er-Jahren hatten Dolan und Murphy quasi ein Monopol - und fühlten sich daher bedroht, als der junge britische Züchter John Tunstall in Lincoln County auftauchte und ihnen Konkurrenz machte. Um ihn aus dem Geschäft zu drängen, taten sie sich mit Sheriff William Brady zusammen.

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Ehrgeiziger Konkurrent: Rinderzüchter John Tunstall heuerte in Lincoln County eine Gruppe junger Männer an und bildete sie zu Cowboys aus. Billy the Kid war einer von ihnen - Tunstall engagierte den Revolverheld, nachdem Billy ihn bestohlen hatte. Die Verschwörung mit dem örtlichen Sheriff William Brady, die zur Ermordung des 27-jährigen Tunstall führte, gilt als Auslöser des Lincoln County War.

Foto: P. W. Butler
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Korruption statt Recht: Sheriff William Brady sollte in Lincoln County, dem größten Bezirk des Territoriums von New Mexiko, für Recht und Ordnung sorgen. Doch wie so viele Männer im Wilden Westen machte Brady gern seine eigenen Gesetze. So ließ er sich von seinen Freunden Dolan und Murphy überzeugen, deren Rivalen John Tunstall aus dem Weg zu räumen. Brady heuerte bekannte Kriminelle als Hilfssheriffs an - wohlwissend, dass damit Tunstalls Leben in Gefahr war. Er schickte sie Tunstall allein entgegen, um die Schuld später von sich weisen zu können. Bradys Rechnung ging nicht auf: Billy the Kid und die "Regulatoren"-Bande griffen zur Selbstjustiz und erschossen Brady auf offener Straße.

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Gesetzeshüter: Sheriff Pat Garrett (links) posiert mit den Sheriffs James Brent und John Poe. Anders als sein Vorgänger William Brady schien Garrett in seinem Job nicht käuflich zu sein. Seine Rolle in der Legende um Billy the Kid ist dennoch umstritten: Im Schutz der Dunkelheit legte Garrett sich im Schlafzimmer der Maxwell-Familie auf die Lauer, bei der Billy Unterschlupf gefunden hatte. Dort schoss er ohne Vorwarnung auf den jungen Mann, der spätabends unbewaffnet den Raum betrat.

Foto: ullstein bild
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Er brachte Billy zur Strecke: Ob Sheriff Pat Garrett von hinten in den Rücken von Billy the Kid schoss oder, wie er selbst behauptete, in die Brust - das ist unklar. Bekannt ist indes, dass Garrett die Verfolgung des Revolverhelden nicht uneigennützig aufnahm: Er hatte die Jagd auf Billy versprochen, um die Wahl zum Sheriff zu gewinnen. Nachdem er Billy the Kid mit guter Detektivarbeit aufgespürt und gefangengenommen hatte, dieser ihm jedoch bei einem spektakulären Ausbruch entwischt war, musste Garrett seine Ehre wiederherstellen. Nach Billys Tod fühlte Garrett sich dazu berufen, die Lebensgeschichte des Banditen aufzuschreiben. Sein Buch trug maßgeblich zur Legendenbildung um den ruchlosen, Pistolen schwingenden Outlaw bei.

Foto: ullstein bild
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Zur Schau gestellt: Eine zeitgenössische Zeichnung zeigt, wie Billy the Kid nach seiner Festnahme von Pat Garrett vorgeführt wurde. Garrett brachte den Outlaw zunächst nach Las Vegas in New Mexiko, wo er, in Ketten gelegt, von den Einwohnern begafft wurde. Von dort aus brachte man Billy nach Santa Fe, anschließend per Zug zurück nach Lincoln. Dort wurde ihm der Prozess gemacht und der junge Revolverheld ins Gefängnis gesteckt - während man den Galgen baute, an dem er gehängt werden sollte.

Foto: Bettmann Archive
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Wer ist der wahre Billy? Einige Wochen nach dem Tod des Revolverhelden versprach das Magazin der "Wide Awake Library" ("Hellwach-Bibliothek") eine Schilderung des "wahren Lebens" von Billy the Kid. Ein Gauner, der danach noch berühmter wurde als zu Lebzeiten. Um seinen Tod ranken sich zahlreiche Gerüchte. Eines davon besagt, in jener Julinacht 1881 sei gar nicht Billy the Kid ermordet worden, sondern ein Unbekannter. In den folgenden Jahren behaupteten mindestens zwei Männer, der wahre Billy zu sein - nachgewiesen wurde das nie.

Foto: imago/United Archives International