César Manrique auf Lanzarote Unsere Insel soll schöner werden

Wo andere Ödnis sahen, entdeckte er ein Juwel. César Manrique machte die karge Insel Lanzarote attraktiver. Den Rest seines Lebens kämpfte er gegen Massentourismus und Monsterhotels - bis ihm nur noch Dynamit einfiel.
1 / 20

Vulkanbilder: Auch wenn auf Lanzarote vor allem die Bauwerke und Skulpturen an César Manrique erinnern, so hat er doch die meiste Zeit mit Malen verbracht. In jedem seiner Häuser besaß er ein Atelier. Als Inspiration für seine abstrakten Bilder diente ihm seine Heimat: "Meine Bilder sind Träumereien über einer gleichbleibenden, sublimen Erscheinung von Natur, wie ich sie auf einer einzigartigen vulkanischen Insel fand", erklärte er in Interviews. Lanzarote war seine Heimat, die er liebte - und an der er auch zu verzweifeln drohte: wegen des Massentourismus, den er selbst mit ausgelöst hatte.

Foto: Fundacion Cesar Manrique
2 / 20

Gelungene Symbiose: Manriques Wunsch war es, seine Landschaftsbauten mit der umgebenden Natur in Einklang zu bringen. Das gelang ihm auch beim Aussichtspunkt Mirador de la Pena auf der Nachbarinsel El Hierro. Er verwendete inseltypische Bauelemente wie Naturstein, um die Fassade möglichst gut in die Landschaft zu integrieren.

Foto: Corbis
3 / 20

Kampf dem Schund: Nicht nur auf Lanzarote wurde der Künstler gerufen, wenn missratene Hotelanlagen verschönert werden sollten. 1982 erhielt er einen Sonderauftrag der Madrider Stadtverwaltung: Die Anwohner des Neubauviertels Barrio del Pilar demonstrierten gegen ein neu errichtetes Einkaufszentrum. Manrique ließ die hässliche Betonfassade mit grünen Pflanzen bewachsen, schmückte die Decken mit farbenfrohen Motiven und stellte seine Plastiken auf. Heute gilt "La Vaguada" als Touristenmagnet.

Foto: Fundacion Cesar Manrique
4 / 20

Versteckter Aussichtspunkt: Der gläserne Erker Miradór del Rio wurde von Manrique bereits 1974 fertiggestellt. Der Rundbau ermöglicht einen beeindruckenden Blick auf die kleine Nebeninsel La Graciosa ("Die Anmutige"). Das Gebäude ist so gut in die Landschaft integriert, dass es mit dem felsigen Boden Lanzarotes zu verschmelzen scheint.

Foto: CC BY-SA 3.0/Balou46
5 / 20

Politischer Mäzen: Kurz vor seinem Umzug von Spanien in die USA lernte Manrique in den Sechzigerjahren auf einer Feier Nelson Rockefeller kennen. Der Gouverneur von New York und spätere Vizepräsident war von seinen Arbeiten fasziniert und bat Manrique, sich mit ihm in Kontakt zu setzen, sobald er in News York ankommen würde. Durch Rockefellers Hilfe konnte Manrique erste Bilder in der renommierten Galerie von Catherine Viviano ausstellen.

Foto: Fundacion Cesar Manrique
6 / 20

Befreundet mit der Kunst-Avantgarde: In seiner New Yorker Zeit schloss Manrique Freundschaften, die ihm später bei seinem Kampf um den Erhalt Lanzarotes nützlich wurden. So traf er sich 1984 mit Pop-Art-Star Andy Warhol und der berühmten Kunstkritikerin Barbara Rose in New York. Manrique wurde nicht müde, bei jedem Dinner darüber zu reden, dass man den Touristenzustrom auf Lanzarote begrenzen müsse.

Foto: Fundacion Cesar Manrique
7 / 20

Prominenter Besuch: Den Ruhm seines Lavahauses in Tahiche nutzte Manrique auch, um berühmte Persönlichkeiten nach Lanzarote zu locken. 1991 empfing er hier den spanischen Premierminister Felipe Gonzáles und den deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl.

Foto: Fundacion Cesar Manrique
8 / 20

Hoch hinaus: Das letzte Naturdenkmal auf Lanzarote von César Manrique war ein Kakteengarten unweit des Dorfes Guatiza. Die Idee hatte er bereits in den Siebzigerjahren, doch erst 1989 wurde ihm ein passender Steinbruch zur Verfügung gestellt. Für den Eingangsbereich entwarf Manrique eine acht Meter hohe Kaktusskulptur aus Eisen.

Foto: Fundacion Cesar Manrique
9 / 20

Farbmeister: Viele seine Landschaftsgärten und Skulpturen schenkte Manrique (hier 1990 in seinem Atelier) der Insel. Geld verdiente er Zeit seines Lebens mit abstrakten Bildern. Manrique sah es als Pflicht an, die Schönheit Lanzarotes hervorzuheben - eine Bezahlung wäre ihm unredlich erschienen.

Foto: Fundacion Cesar Manrique
10 / 20

Tierfreund: Manrique war ein Meister der Selbstinszenierung. Gern ließ er sich mit seinen Hunden fotografieren, um zu zeigen, wie wichtig ihm Tiere und Umwelt waren (Aufnahme von 1992). Solche Shootings würden die Leute zu mehr Umweltschutz motivieren, erklärte er. Manrique schwebte eine Symbiose vor zwischen Natur und vom Menschen erschaffener Kunst.

Foto: Fundacion Cesar Manrique
11 / 20

Spiel mit dem Winden: Trotz tropischer Temperaturen ist es auf der Kanareninsel Lanzarote oft sehr windig. Sowohl der Passatwind als auch Ausläufer des Levante sind auf der trockensten der kanarischen Inseln zu spüren. Manrique machte sich diese Eigenschaft seiner Heimat zu eigen und stellte überall auf der Insel farbenfrohe Mobiles auf.

Foto: Xavi Gomez/ Cover/Getty Images
12 / 20

Kunst in Bewegung: Mehrmals konnte Manrique Autokarosserien nach eigenen Wünschen bunt gestalten. Sein farbenfroher BMW 730i aus dem Jahr 1990 steht heute im Münchener BMW-Museum. Schon 1987 dekorierte er einen Seat Ibiza. Auf Lanzarote kann man die Manrique-Fahrzeuge mieten, um über die Insel zu fahren. Eine Art von Kommerz, die dem Künstler selbst missfallen hätte.

Foto: CC BY-SA 3.0/Olli 1800
13 / 20

Denkmal an der Unfallstelle: In einem Kreisel des Dorfes Tahiche prallte Manrique 1992 in seinem Auto mit einem anderen Fahrzeug zusammen und verstarb wenig später. An genau dieser Stelle hat die Manrique-Stiftung ein Windspiel des Künstlers aufbauen lassen. Viele Lanzaroter sahen in diesem Tod bittere Ironie: Der Mann, der sich vehement gegen den steigenden Verkehr auf der Insel ausgesprochen hatte, starb ausgerechnet bei einem Autounfall.

Foto: Xavi Gomez/ Cover/Getty Images
14 / 20

Essen unter Tage: Als César Manrique in den Sechzigerjahren die Lavahöhle Jameos del Agua besichtigte, war der Tunnelkomplex zu einer Schuttdeponie verkommen. Heute zählt er zu den größten Touristenmagneten der Insel. Auf Manriques Geheiß wurde eine Seitenhöhle zu einem kleinen Restaurant umgebaut.

Foto: Corbis
15 / 20

Kultstätte: Mittlerweile hat sich auf Lanzarote ein Manrique-Kult entwickelt. Fremdenführer bieten Reisen zu den größten Wirkstätten des Künstlers an. Selbst Manriques Wohnhaus in der Palmenstadt Haria, in dem er die letzten Jahre seines Lebens verbrachte, ist heute ein Museum. An der Decke hängen Manriques selbsterschaffene Lampenkonstruktionen, die er aus Glasbällen und Eisenstangen zusammengefügt hatte.

Foto: Corbis
16 / 20

Recycling-Kunst: Für seine Skulpturen nutzte Manrique Eisenstücke, die er bei seinen Streifzügen über die Insel fand. Die Metallelemente, die meist von verrosteten Fischerbooten stammten, formte er zu Figuren oder Schriftzügen. Wenn er Holz integrierte, nahm er dafür Strandgut - aus Achtung vor der Natur.

Foto: imago/Werner Hinz
17 / 20

Bewahrer der Natur: Lanzarote hat aufgrund der Bodenbeschaffenheit viel weniger Pflanzenarten zu bieten als die Nachbarinseln La Palma oder Gran Canaria. Gleichwohl setzte Manrique sich dafür ein, die einheimische Flora und Fauna zu bewahren. Besonders gut gelang ihm das in seinem Kakteengarten unweit des Dorfes Guatiza.

Foto: imago/Werner Hinz
18 / 20

Verspielte Figuren: Anders als seine abstrakten Bilder sollten die Plastiken von Manrique dem Betrachter leicht zugänglich sein. Er wollte damit Emotionen hervorrufen, meist ein Lachen. Manriques Figuren sind überall auf der Insel verstreut, sie zieren sogar Eingänge von Toilettenhäusern. Für Manrique war das keine Profanität: Jedes Element einer Wohnanlage sollte dem Auge des Besuchers gefallen.

Foto: imago/PEMAX
19 / 20

Weißes Wahrzeichen: Manrique war ein Verfechter der traditionellen Baukunst. Gebäude und Kirchen, die kurz vor dem Zerfall standen, kaufte er auf und ließ sie restaurieren. In seinem Kakteengarten ist eine klassische Windmühle zu sehen, die für Touristen begehbar gemacht wurde.

Foto: imago/blickwinkel
20 / 20

Gefallener Riese: Während des Tropensturms "Delta" im Jahre 2005 geriet Manriques Windspiel bei Tahiche in Mitleidenschaft. Heute steht die überlebensgroße Skulptur wieder und gilt als Orientierungspunkt für Touristen, die durch das Dorf fahren müssen, um zu Manriques Lavablasen-Haus zu gelangen.

Foto: epa efe P. H./ picture-alliance/ dpa/dpaweb
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.