Citroën-Historie Ente, Granaten und die Göttin

Die Geschichte Citroëns ist geprägt von der Leidenschaft und Weitsicht des Firmengründers: André Citroën fertigte nicht nur Autos, sondern auch Winkelzahnräder und Granaten. SPIEGEL ONLINE zeigt einige Höhepunkte aus der über hundertjährigen Unternehmenshistorie.
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André Citroën: Das Fundament des Erfolgs legte der 1878 in Paris geborene Visionär bei einem Besuch in Polen. Dort besichtigte er eine Fabrik, die im Vergleich zu herkömmlichen Zahnrädern effizientere Winkelzahnräder produzierte. Er erwarb das Patent für das Produktionsverfahren und verwendete sie ab 1905 im Getriebebau.
Ins Automobilgeschäft stieg der Franzose 1908 ein, als er das Management des angeschlagenen Herstellers Mors übernahm.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs begann Citroën seine Idee des günstigen Autos für die Massen umzusetzen. Das Ergebnis: Der 10 HP Typ A.
André Citroën starb am 3. Juli 1935 an den Folgen einer Krebserkrankung.

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Winkelzahnrad: Ab 1905 fertigte André Citroën Getriebe auf Grundlage seines Patents. Schon zu dieser Zeit zeigte sich das Talent des Franzosen. Er erkannte früh die Möglichkeiten, welche die industrielle Produktion bot.

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Während des Ersten Weltkriegs zeigte André Citroën eine weitere Facette seiner unternehmerischen Fähigkeiten. Er erkannte, dass es den französischen Streitkräften an Granaten mangelte. Deshalb schlug er dem Verteidigungsministerium 1915 vor, in die Waffenproduktion einzusteigen. Nach einer kurzen Anlaufphase garantierte der Franzose die Fertigung von 10.000 Granaten pro Tag - insgesamt rund 23 Millionen.

Foto: CITROEN COMMUNICATION
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Citroën Typ A: André Citroën hatte die Vision, ein robustes, zuverlässiges und erschwingliches Auto für die Massen anzubieten. Der erste Schritt auf dem Weg zu diesem Ziel war der Typ A 10 HP, der zwischen 1919 und 1921 gebaut wurde.
Von dem 18 bis 22 PS starken Wagen produzierte der Unternehmer rund 24.000 Exemplare.

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Citroën Traction Avant: Mit diesem zwischen 1934 und 1957 gebauten Wagen begründete André Citroën seinen avantgardistischen Ruf. Der Name Traction Avant ist Programm, denn das von Flaminio Bertoni designte Auto war einer der ersten Pkw mit Frontanrieb. Darüber hinaus kennzeichnete den Wagen die selbsttragende Karosserie und eine hydraulische Bremsanlage. Diese Merkmale waren einzeln betrachtet nicht revolutionär, doch hatte sie niemand zuvor in einem Modell kombiniert
Der Bau der Produktionsanlagen hätte fast das Ende des Unternehmens bedeutet. Nur der Einstieg der Gebrüder Michelin 1935 rettete den Autobauer vor dem Ruin.

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Kultmobil Ente: Der Citroën 2CV - besser bekannt als Ente - lief zwischen 1948 und 1990 vom Band. Insgesamt produzierten die Franzosen knapp 3,9 Millionen Exemplare dieses Autos, dessen Entwicklung bereits Ende der dreißiger Jahre begann. Wegen des Zweiten Weltkriegs verzögerte sich jedoch die Serienproduktion.
Zunächste war die Blechkiste als billiges und unkompliziertes Arbeitsgerät für französische Landwirte gedacht. Es sollte möglich sein, einen gefüllten Eierkorb in dem Wagen unbeschadet über einen Feldweg zu transportieren - deshalb die extrem weiche Federung. Schnell entwickelte sich der 2CV zum französischen Volkswagen und war später auch in Deutschland ein beliebtes Auto für Studenten.
Citroën verbaute luftgekühlte 2-Zylinder-Boxermotoren mit einem Leistungsspektrum von 9 bis 29 PS.

Foto: CITROEN / JEROME LEJEUNE
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Citroën Ami 6: Einigen Großstädtern war die Ente Ende der fünfziger Jahre zu provinziell. Deshalb sollte der Ami 6 ab 1961 mehr urbanen Chic ins Portfolio der Franzosen bringen.
Besonders auffällig sind die nach unten gewölbte Motorhaube und die schräge Heckscheibe. Zwischen 1961 und 1977 rollten etwa eine Million Exemplare des Mittelklassewagens vom Band. Heute sind gut erhaltene Ami 6 recht selten und teuer. Potentielle Käufer müssen bis zu 6600 Euro kalkulieren.

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Wegweisender Transporter: Was für Deutsche der VW Bus, ist den Franzosen der Citroën Typ H. Der Wellblech-Transporter hat seit 1947 nicht nur das französische Wirtschaftsleben geprägt, sondern auch die Bauart des modernen Kastenwagens.
Wie bei solchen Autos üblich, stand der Nutzen im Vordergrund und nicht der Komfort. Entsprechend spartanisch ist der Typ H ausgestattet.
Zwischen 1947 und 1981 baute Citroën rund 500.000 Exemplare in nahezu unveränderter Form. Angetrieben wurde der Kastenwagen von einem 1,6-Liter-Motor mit gerade mal 40 PS.

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Schwierige Kooperation: Die Zusammenarbeit der Franzosen mit dem italienischen Sportwagenbauer Maserati war wie eine wilde Ehe.
Als Ergebnis präsentierte Citroën 1970 den SM, der mit einem V6-Motor der Italiener ausgestattet war. Das Aggregat leistete 178 PS und beschleunigte den formschönen Wagen aus bis zu 225 km/h. Die Franzosen stellten die Produktion 1975 nach rund 13.000 Exemplaren ein.
Der SM bereitete Besitzern und Kfz-Mechanikern große Probleme. Besonders der Motor mit 2,6 Litern Hubraum war recht unzuverlässig ebenso wie viele der umgesetzten Innovationen, wie geschwindigkeitsabhängige Servolenkung und hydraulisches Kurvenlicht.
Trotzdem ist der SM ein Lieberhaberstück, für das Interessenten in gutem Zustand heute rund 23.000 Euro investieren müssen.

Foto: Citroen
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Lebensretter: Die von Flaminio Bertoni gestaltete DS ist eine Göttin. Nicht nur, weil die Modellbezeichnung "Déesse" übersetzt eben dies bedeutet, sondern auch, weil sie einfach ein wunderschönes mit raffinierten Details - zum Beispiel mitlenkende Scheinwerfer und automatische Kupplung - ausgestattetes Auto ist.
Endgültig zur Legende wurde das Auto wohl am 22. August 1962 - der Tag des gescheiterten Anschlags von Petit-Clamart auf den damaligen französischen Präsidenten Charles de Gaulle. Die Attentäter schossen auf die DS, in welcher der Präsident saß - und zerstörten einen Reifen. Doch dank der hydropneumatischen Federung konnte der Wagen auf drei Rädern fahren und der Chauffeur die DS samt de Gaulle in Sicherheit bringen.

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Nachfolger für eine Legende: Der Citroën CX löste 1975 die innig geliebte DS ab - kein leichtes Erbe. Dementsprechend konnte das Auto zunächst die Erwartungen der Kunden und Fachleute nicht erfüllen.
Trotz der nicht immer besten Verarbeitungsqualität erfreute sich das Auto in bestimmten Kreise gewisser Beliebtheit. Wegen der hydropneumatischen Federung verträgt das Auto eine Zuladung von 500 Kilogramm. Deshalb war besonders die Break genannte Kombiversion beliebt als Liefer-, Kranken- und Leichenwagen.
Das der CX heute dennoch einen Indie-Kultstatus genießt, liegt vielleicht auch daran, dass der Wagen heute recht selten ist. Besonders die frühen Modelle erlagen dem Rostfraß.

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Citroën Berlingo: Mit diesem 1996 erstmals gezeigtem Hochdachkombi verhalfen die Franzosen dieser Fahrzeugklasse zu einer Renaissance.
Die Idee selbst nämlich ist sehr viel älter. Ein früher Vorläufer der Autos, die als Pkw anfangen und als Kleinlieferwagen enden, ist zum Beispiel der 1951 vorgestellte Citroën 2 CV mit Wellblechverschlag am Heck - die berühmte Kasten-Ente oder der Renault R4.
Für den Hersteller ist nicht nur die Tradition des Fahrzeugkonzepts wichtig. Vielmehr hat der Berlingo die Marke wieder in das Bewusstsein der Käufer gerückt. Denn die Modelle der neunziger Jahre, wie etwa Xsara, Xantia und Saxo fielen im Straßenbild kaum auf.

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Ein neuer Versuch: Fünf Jahre musste die automobile Oberklasse ohne Citroën auskommen. Erst 2005 präsentierten die Franzosen einen Nachfolger für den XM - den C6.
Auch wenn die Gestaltung des Innenraums und die technischen Details nicht besonders auffälig sind, setzt der C6 von außen betrachtet die Tradition der extravaganten Gestaltung fort. Wie die DS lässt sich die Form der Karosserie nur schwer kategorisieren - sie ist eine Mischung aus Konzepten wie Coupé, Schrägheck und Limousine.

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Citroën DS3: Der neue Kleinwagen der französischen Marke ist eigentlich nur die dreitürige Variante des Modells C3, soll aber eine ganz neue Produktlinie begründen. Citroën-Fahrzeuge mit dem Kürzel DS im Namen sind gedacht als luxuriös aufgemachte Autos, die Kunden mit speziellen Ansprüchen ansprechen sollen.
Zwar ist den Franzosen wieder ein auffälliges Design gelungen, ob das Auto jedoch das Zeug zur Ikone hat?

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