Klickjagd auf Facebook So buhlen deutsche Online-Medien um Aufmerksamkeit

Das Portal "Heftig" wurde oft für seine Klickfang-Tricks kritisiert. Doch auch andere Online-Medien locken ihre Leser auf ähnliche Art - manche systematisch, manche ab und zu.
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Nicht nur "Heftig" geht auf Facebook auf Klickfang: Auch Seiten wie "TV Movie" sind sich für viele Klickfänger-Methoden nicht zu schade. Hier verspricht die Seite eine "Sensation": "Noch mehr Bundesliga im Free TV!" Wer klickt, wird enttäuscht. Sky hat angekündigt, zu Werbezwecken demnächst lediglich ein bestimmtes Spiel ausnahmsweise einmal frei empfangbar auszustrahlen.

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In der Vergangenheit ist "TV Movie" auch für eine andere Art von Clickbait kritisiert worden: eine neugierig machende Schlagzeile wie "Einer dieser vier 'GZSZ'-Stars hat ganz schön zugelegt", dazu vier Personen, um die es gehen könnte. Potenziell werden dem Leser so erst einmal auch drei Fantasiegeschichten nahegelegt, denn eigentlich geht es nur um Oli P.. Und der hat auch anders zugelegt, als man denkt: Er hat angeblich Muskeln aufgebaut und 20 Kilo abgenommen.

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Mit seinen Klickködern auf Facebook fällt derzeit auch "Brigitte" auf. Diese Meldung mit dem Titel "Da freuen sich nicht nur Stammkunden: Gute Nachrichten für alle Lidl-Kunden" führt nur zu einem Artikel über einen "Stern TV"-Test von Dosenravioli, bei dem das Lidl-Produkt gut abgeschnitten hat.

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Völlig übertreibt "Brigitte" hier: Auf Facebook heißt es "Schock-Studie: Zu viel Schlaf kann tödlich sein!". Im Artikel steht dann nur: "In Kombination mit langem Sitzen und einem generellen Bewegungsmangel wirke sich langes Schlafen ebenso schlecht wie Alkohol und Zigaretten auf den Körper aus." Außerdem heißt es: "Wie der Co-Autor Adrian Baumann betont, macht es einfach keinen Sinn, die Faktoren nur einzeln zu untersuchen."

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Eine "traurige Nachricht für alle Fans" von "Game of Thrones" hat derweil Stern.de im Angebot: Die achte und letzte Staffel der Serie soll nur acht Folgen haben. Echte Fans hatten davon aber schon gehört: "Das ist seit Monaten bekannt", lautet der beliebteste Facebook-Kommentar dazu: "Und morgen im Stern: Breaking - Donald Trump neuer US-Präsident?"

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Dass es dank Clickbait mitunter schwer ist, überhaupt Nachrichten zu lesen, zeigt dieser Fall von Stern.de: "Ab 1. März ist etwas ganz bestimmtes im Wald verboten", raunt das Portal 14 Tage nach diesem Datum. "Dieses Verhalten kann demnächst 50.000 Euro Strafe kosten". Nach dem Klick auf den Artikel muss man erst einmal ein 46-sekündiges Video mit Texteinblendungen und Vorab-Werbespot schauen, um zu erfahren, dass es ums Rauchen geht.

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Dieselbe Klickfang-Idee wie Stern.de hatte - einen Tag später - "Der Westen". "Wenn du DAS beim Spaziergang tust, musst du seit März bis zu 25.000 Euro bezahlen", heißt es auf Facebook. Die Auflösung gibt es dann immerhin ohne Video-Gucken.

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Schrecklicher als sie ist klingt diese Meldung von "Chip": "Schock! Konzert von Mega-Star in Köln fällt aus". Dahinter verbirgt sich eine Konzertabsage des Sängers Drake, die wohl maximal seine Fans schockt. Ob die jedoch der Tech-Seite (die mittlerweile auch über viele andere Themen berichtet) folgen, ist zu bezweifeln. Der verlinkte "Focus Online"-Artikel hat gerade mal vier Sätze.

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Spektakulär klingt auch dieser "Chip"-Beitrag: "Eigentlich kostenpflichtige Android-Apps kostenlos nutzen. Ja, das geht!" Die Auflösung ist jedoch unspektakulär: Über einen Amazon-Softwarestore bekommt man einige Apps gratis, die in Googles Store Geld kosten. So lässt sich immerhin die Zeile "Im App Store keinen einzigen Cent ausgeben" rechtfertigen.

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Vor einer "fiesen Fall" warnt hier "Focus Online". "Wenn ihr im Internet auf bestimmte Bereiche klickt, kostet euch das viel Geld." Die "Bereiche" entpuppen sich als dubiose Werbebanner, die Gewinne versprechen, aber - erst nach eigener Dateneingabe - dazu führen können, dass man einen Vertrag mit einer Gewinnspielfirma abschließt.

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In diesem Fall ist bei "Focus Online" auf Facebook von "Halluzinationen und Tod" durch die falsche Einnahme von Hustensaft und Schmerztabletten die Rede. Im zugehörigen Artikel geht es dann um die verschiedenen Folgen von Medikamenten - die größtenteils harmloser daherkommen oder nur bei "mehrfacher Überdosierung" auftreten.

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Wie Clickbait geht, weiß auch die "Welt" - und zeigt das mit einer Sex-Meldung, die vermutlich ohnehin auf ein gewisses Interesse stößt. Noch glücklicher als der Orgasmus macht angeblich Kuscheln.

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Noch unspektakulärer ist die Auflösung dieses "Welt"-Postings: Die "deutsche Stadt, die ins Visier der Superreichen gerät", ist schlicht Berlin.

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Wohl eher um Shares, als um Klicks bettelt hier "The European". "Grüne wollen Sex unter Geschwistern erlauben", heißt es auf Facebook - was Grünen-Hasser vielleicht wütend machen und zum Teilen des Posts animieren sollte. Nur wer klickt, erfährt schließlich, dass es sich um keine aktuelle Partei-Initiative handelt. Sondern um eine fünf Jahre alte Pressemitteilung der Grünen Jugend von Augsburg handelt.

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Einen Artikel über Kinder-Missbrauch durch Imame, der von der "Huffington Post" übernommen wurde, hat "The European" auf Facebook neulich mit "Es ist unglaublich, aber leider wahr" angepriesen.

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Auch SPIEGEL ONLINE kann sich auf Facebook manchmal in Sachen Clickbait nicht zurückhalten. Hier wird ein "Bento"-Artikel beworben mit "Eine Schwarze schreibt ein Buch über Schwarze. Als die Autorin Buch-Cover sieht, rastet sie aus" sowie "Die Geschichte hinter diesem Buch-Cover macht wütend".

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Im Mai 2016 sorgte ein SPIEGEL-ONLINE-Post zu einem Bento-Text mit der Zeile "Bei Cover 5 mussten wir weinen" sogar für eine Art Klassentreffen der Social-Media-Mitarbeiter unter dem Beitrag. Sogar Mediendienste berichteten. . Der Text stammte ursprünglich zufälligerweise von einem Blog des Autor dieses Artikels hier.

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Als mitverantwortlich für den Hype ums Clickbait gilt neben "Heftig" unter anderem "Buzzfeed". Hier wirbt die deutschsprachige Seite des Portals für einen Online-Mathetest. "Wenn du 8 von 9 Punkten schaffst, bist du ein wahres Genie", heißt es dazu.

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Wenn vom "Heftig"-Stil die Rede ist, sind meistens zwei Arten von Facebook-Teasern gemeint: Listen mit einem angeblichen besonderen Highlight und/oder Versprechungen dazu, wie man auf den Artikel reagiert. "Was sich Nr. 2 eingebrannt hat, ist großes Kino" wird hier dem Leser versprochen: Nach dem Klick gibt es bei einem Mann weiße Stellen in Form eines Büstenhalters und eines Tangas zu sehen. Andere "Heftig"-Locksprüche lauten etwa so: "9 Dinge, die deine Mutter geheim hielt. Sie werden dich zum Weinen bringen."

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