DFB-Team in der Einzelkritik Däbritz fast wie Birgit Prinz

Lina Magull ist zur ständigen Unruhestifterin aufgestiegen. Sara Däbritz traf im dritten WM-Spiel in Folge, wie einst Birgit Prinz. Und Alexandra Popp glänzte bei ihrem Jubiläum - mit einer Einschränkung.
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Almuth Schult (Tor): Viertes WM-Spiel und weiter ohne Gegentor: Deutschlands Sicherheitszentrale heißt Almuth Schult. Die Keeperin überragte gegen Nigeria in der Luft. Sie half aber auch beim Spielaufbau und gab sich souverän im Passspiel, das war in der Vorbereitung und im Test gegen Japan (Endstand: 2:2; beide Gegentreffer durch Schult verschuldet) noch anders gewesen. Je länger dieses Turnier dauert, desto sicherer scheint Schult zu werden.

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Giulia Gwinn (Abwehr): Die künftige Spielerin des FC Bayern war nicht so stark wie zuletzt gegen Südafrika. Sie hatte in Zweikämpfen mit ihren 1,70 Meter öfter das Nachsehen, verlor einige Laufduelle und so wurden ihre Außenbahn und die von Verena Schweers auf links diesmal zu Schwachstellen in der Defensive. Bei Angriffen ist Gwinn aber immer wieder eine Waffe.

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Sara Doorsoun (Abwehr): Die 27-Jährige gehört schon zu den älteren Spielerinnen bei dieser WM im DFB-Kader. Aber es ist auch für sie die erste WM, und noch immer begleiten nervöse Auftritte ihr Turnier. Der gegen Nigeria war einer der Sorte "besonders nervös": Abspielfehler, Unsicherheiten bei Ballannahmen und Koordinationsfehler bei hohen Bällen waren zu häufig. Das war noch kein Viertelfinal-Niveau.

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Marina Hegering (Abwehr): Als Hegering in den Pressebereich trat, wirkte sie wie in den 90 Minuten zuvor: ruhig, abgeklärt, sicher. Gegen den körperlich starken Gegner brachte sie ihre Kopfballstärke ein, war überzeugend im Zweikampf und zeigte sich verbessert im Passspiel. Sie koordinierte auch und half ihrer diesmal schwächeren Innenverteidiger-Partnerin Doorsoun, ins Spiel zu finden. Hegerings Partie war eine im Ruhepuls-Modus, das ist ein Kompliment.

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Verena Schweers (Abwehr, bis 46. Minute): Hat kaum Argumente für einen Startplatz im Viertelfinale geliefert. Ihre sonst guten Standardsituationen waren diesmal unpräzise, Mitte der ersten Hälfte wurde Schweers als Eckenschützin abgelöst. In der Offensive aus dem Spiel heraus war sie erneut kein Faktor. Problematischer ist aber, dass sie ihre linke Abwehrseite diesmal nicht unter Kontrolle bekam, die 30-Jährige ließ sich einige Male überlaufen. Sie musste zur Pause raus.

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Carolin Simon (Abwehr, ab 46. Minute): Man muss ein Fragezeichen hinter die Spielerin von Olympique Lyon setzen. Nicht, weil sie schwach spielt, sondern, weil sie zu selten spielt. Erneut kam sie erst zur Pause, erneut stabilisierte sie dann das Team auf der linken Abwehrseite, erneut war sie offensiv stärker als Schweers. Kurz: Simon gab ein weiteres Bewerbungsschreiben für einen Startplatz ab.

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Melanie Leupolz (Mittelfeld, bis 46. Minute): Leupolz entwickelt sich zum Anker der deutschen Defensive. Diesmal bildete sie im Spielaufbau mit Hegering und Doorsoun ein Dreieck, darin übernahm sie meist die Kontrolle, spielte den ersten Pass nach vorne (wenn auch meist nur Sicherheitspässe). An Leupolz kann man derzeit gut den Plan des deutschen Teams ablesen: Sicherheit zuerst. Wenn sie noch in der Offensive zulegen und gefährliche Angriffe einleiten würde, dann wäre sie herausragend.

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Klara Bühl (Angriff, ab 46. Minute): Bühl rückte nach ihrer Einwechslung in den Sturm, sollte mit ihrer Laufstärke und Geschwindigkeit eine Waffe bei Kontern sein. Problem: Es gab kaum Konter, und so blieb die 18-Jährige insgesamt unauffällig. Einmal konnte sie sich aber auszeichnen, in der 57. Minute initiierte sie eine Großchance per Hackenpass - doch Svenja Huth vergab.

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Lina Magull (Mittelfeld, bis 69. Minute): Auf das starke Spiel gegen Südafrika (4:0) folgte nun ein weiterer überzeugender Auftritt. An beiden Toren in der ersten Hälfte war die Münchnerin beteiligt: Das Führungstor durch Popp bereitete sie per Ecke vor, den Elfmeter zum 2:0 holte sie heraus. Magull geht auch mal ins Eins-gegen-Eins, ist mit ihrer Dribbelstärke eine Unruhestifterin, aber wenn es sein muss, hält sie den Ball, nimmt Tempo aus dem Spiel. Wenn man über die Gewinnerinnen im deutschen Team spricht, dann spricht man über die 24-Jährige.

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Lena Oberdorf (Mittelfeld, ab 69. Minute): Als sie ins Spiel kam, war klar, dass Dzsenifer Marozsán nicht mehr eingesetzt werden würde. Die Spielmacherin hatte nach ihrem Zehenbruch aus dem Auftaktduell gegen China erstmals wieder im Kader gestanden. Aber zurück zu Oberdorf: präsent, anspielbar und mit etwas zu viel Risiko im Passspiel. Das durfte sie sich erlauben, das Weiterkommen war so gut wie sicher.

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Svenja Huth (Mittelfeld): Probierte viel, doch ihr gelang wenig. Dribblings misslangen, Pässe in die Spitze gingen zum Gegner. Huth braucht ein Erfolgserlebnis. Außerdem hatte sie Glück: Selbst nach dem Videobeweis sah es eher danach aus, dass sie beim Führungstor durch Popp knapp im Abseits stand und somit Torhüterin Nnadozie die Sicht versperrte. Der Treffer zählte dennoch.

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Sara Däbritz (Mittelfeld): Drittes WM-Tor in Folge erzielt, das hat vor Däbritz nur Fußballlegende Birgit Prinz geschafft. Man kommt also nicht an der künftigen Spielerin von Paris Saint-Germain vorbei, wenn man die derzeit wichtigsten Kräfte des Teams aufzählt. In der zweiten Hälfte und nach der Auswechslung von Leupolz rückte Däbritz von der linken Seite in die Mitte vor die Abwehr. Genau dort liegt Däbritz Stärke, dort kann sie ihre Dynamik und Zweikampfstärke einbringen. Das tat sie auch, doch im Passspiel hatte sie ihre Schwächen. Gute Chancen konnte sie nicht kreieren - das gelingt auch derzeit den Teamkolleginnen zu selten. Marozsán fehlt eben.

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Alexandra Popp (Angriff): 100. Länderspiel bestritten, ein Tor erzielt, zur Spielerin der Partie gekürt - es war eine traumhaftes Jubiläum für Popp. Eigentlich. Denn die Stürmerin sah wegen Meckerns eine Gelbe Karte. Diese Verwarnung könnte noch wehtun, denn mit der zweiten Gelben Karte müsste Popp ein Spiel aussetzen. Das Problem: Sie redet viel mit der Schiedsrichterin, nicht immer mit ruhiger Stimme; die Wolfsburgerin verlässt auch häufig den Angriff, um mit ihrer körperlichen Robustheit die Defensive zu stabilisieren.

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Lea Schüller (Angriff): Die 21-Jährige feierte ihr Startelfdebüt bei der WM, doch es war lange nicht klar, ob man ihr dazu gratulieren sollte. Nigeria war kein passender Gegner für Schüller; die Ausrichtung des eigenen Teams kam ihr auch nicht gelegen. Schüller misst zwar 1,73 Meter, ist aber körperlich nicht so robust wie eine Popp und hatte gegen die physisch starke Abwehr meist das Nachsehen. Problematisch ist auch, dass es ihren Mitspielerinnen zu selten gelang, in die Sturmspitze zu kombinieren. Am Ende durfte man Schüller doch gratulieren, sie belohnte ihre Laufstärke und nutzte einen Fehlpass des Gegners aus. Genau so machen es die Spitzenstürmerinnen. So eine kann Schüller noch werden.

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Martina Voss-Tecklenburg (Bundestrainerin): Zu Beginn des Turniers hatte Voss-Tecklenburg viel getauscht, auch während der Partie mussten ihre Spielerinnen immer wieder die Positionen tauschen. Das sollte den Gegner verunsichern, hatte aber auch Chaos im eigenen Spiel zur Folge. Mittlerweile hat sich eine Stammelf gebildet, mit festeren Positionen, und das scheint dem Team Sicherheit zu geben. Eine gute Maßnahme war, Magull und Leipolz nach ihren starken Leistungen gegen Südafrika in der Startelf zu lassen. Die Hereinnahme von Simon zur Halbzeit begründete die Bundestrainerin mit "mehr Stabilität für links", auch das war die richtige Entscheidung. Die vielen Tore nach Standardsituationen (diesmal nach Eckball und per Elfmeter), lassen darauf schließen, das hierauf Wert im Training gesetzt worden ist. Ein gutes Mittel, zumal mit Marozsán die Spielgestalterin weggebrochen ist.

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