Deutschland nach '45 Trümmerfrauen, Schwarzmarkt, Flüchtlinge - eine Zeitreise

Ruinen, Hunger, Kälte - aber auch viel Freiheit: Damals waren sie Kinder, heute schildern sie ihre Erinnerungen an Deutschland nach 1945: Zeitzeugen erzählen über die Nachkriegszeit.
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Ende des Krieges, Schluss mit den Durchhalteparolen: Drei britische Soldaten, 1945 in der Stadt Goch in Nordrhein-Westfalen. Deutschland wurde nach der Kapitulation am 8. Mai 1945 in vier Besatzungszonen aufgeteilt, Improvisation prägte überall den Alltag im Kampf ums Überleben.

Foto: EDDIE WORTH/ AP
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Riskantes Vergnügen: Mit großer Begeisterung spielten die Kinder nach dem Krieg mit Munition oder Kriegsschrott. Nicht wenige verletzten sich dabei - oder verloren gar ihr Leben. Diese zwei Münchner Jungen spielen mit Maschinengewehrpatronen, die sie beim Stöbern in der Infanteriestraße gefunden haben (Foto von 1947). "Die Patronen haben wir geöffnet und draufgehauen mit einem Hammer - das gab eine herrliche Stichflamme", erinnert sich auch...

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...Claus Günther aus Hamburg an die Aufregung um die Munitionsfunde. Zum Kriegsende war er 14 Jahre alt und machte kürzlich mit, als einestages und das Magazin SPIEGEL GESCHICHTE zum Zeitzeugen-Talk über die Nachkriegszeit einluden.

Foto: SPIEGEL ONLINE
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Stein auf Stein: Auch das Beseitigen der Trümmer geriet für manche zum Spiel - Münchner Kinder, aufgenommen 1949. "Die Trümmer waren für uns ein Abenteuerspielplatz. Wir haben alles Mögliche gesammelt und uns aus Kacheln eine Küche gebaut", erzählt...

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...Irmgard Schulz, ebenfalls von der Hamburger Zeitzeugenbörse, die beim Zeitzeugen-Talk dabei war. Als sie nach Ende des Zweiten Weltkriegs zurückkehrte, konnte sie "gar nicht glauben, dass ich in Hamburg war: Hier war alles platt - oder das meiste jedenfalls. Rundum Trümmer."

Foto: SPIEGEL ONLINE
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Ersehnte Mahlzeit: Berliner Kinder warten im Februar auf die Ausgabe der Schulspeisung (Foto von 1947). Um die Not der Kleinsten zu lindern, erhielten die Schulkinder in der Stadt schon ab November 1945 täglich eine warme Mahlzeit. Die meisten Zeitzeugen von heute waren damals Kinder. "Zeitzeugen sind unersetzliche Quellen für jeden Historiker, weil wir das, was wir von Zeitzeugen hören, nicht in den Akten finden", sagt...

Foto: ullstein bild
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...der Berliner Historiker Wolfgang Benz, der als Experte beim Zeitzeugen-Talk zu Gast war.

Foto: ullstein bild
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Verzweifelte Suche nach Brennmaterial: Ein Mann 1946 beim Holzhacken in Berlin - dieser Baumstumpf war im einst so prächtigen Tiergarten noch übrig. Im November 2017 startete die einestages-Redaktion einen Zeitzeugen-Aufruf. Daraufhin meldeten sich mehr als 500 Menschen, um uns ihre persönlichen Erfahrungen aus der Nachkriegszeit zu schildern.

Foto:

ullstein bild

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Die Ruinen von Dresden: Zum Kriegsende lagen zahlreiche deutsche Städte in Schutt und Asche, darunter Berlin, Hamburg, Hannover, Köln. Mitte Februar 1945 hatten die Alliierten auch Dresden bombardiert und fast vollständig zerstört.

Foto: Deutsche Fotothek / Walter Hahn
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Flüchtlingstreck auf der Frischen Nehrung: Auf der Flucht vor der Roten Armee in Ostpreußen überqueren Zivilisten und deutsche Soldaten Anfang 1945 das zugefrorene Haff. Nach dem Krieg verzeichneten allein die drei westlichen Besatzungszonen rund zehn Millionen Flüchtlinge und Vertriebene, die sich eine neue Heimat aufbauen mussten - und alles andere als willkommen waren. Es war ein enormer Bevölkerungszuwachs, der zu heftigen Konflikten führte. Für die Einheimischen im Nachkriegsdeutschland waren die Neuankömmlinge schlicht Nahrungskonkurrenten.

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Spielball der Politik: Als sich etwas später die Gründung zweier deutscher Staaten anbahnte, entdeckten die Parteien auch die Vertriebenen als Wählergruppe, wie dieses CDU-Plakat zu den Kommunalwahlen in Nordrhein-Westfalen von 1948 zeigt.

Foto: KAS
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Als der bittere Winter nahte: Wiesbadener Kinder suchen im November 1946 in zerstörten Gebäuden nach Kohleresten. Überlebenswichtig, denn die Temperaturen sanken alsbald auf bis zu minus 20 Grad. Im Extremwinter 1946/47 starben viele tausend Menschen in Deutschland an den Folgen von Hunger und Frost.

Foto: ullstein bild
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Kampf gegen die Kälte: Eine Frau belädt in Berlin-Grunewald ihren Kinderwagen mit Zweigen und Ästen - in Zeiten des Kohlemangels war Holz von unschätzbarem Wert (Aufnahme von 1946).

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Mit kurzen Hosen im Schnee: Auch Bekleidung war Mangelware nach dem Krieg - Kinder im Flüchtlingslager Empelde (bei Hannover); Aufnahme von 1947.

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Fringsen: Wer keine Kohle hatte, der nahm sie sich - wie diese Kinder zwischen den Bahnhöfen Hamburg und Altona (Foto von 1946). "Fringsen" hieß das damals, benannt nach dem Kölner Erzbischof Josef Kardinal Frings. Der Kirchenmann hatte Kohleklau und anderen Diebstahl in der Silvesterpredigt 1946/47 in Notsituationen für moralisch gerechtfertigt erklärt.

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"Mit 800 Kalorien kann niemand arbeiten": 1947 kam es zu zahlreichen Arbeitsniederlegungen, Hunderttausende gingen auf die Straße, um gegen die Zustände im Nachkriegsdeutschland zu protestieren. Das Foto entstand in Hamburg am 9. Mai 1947. Vielfach entlud sich die Verzweiflung in Wut auf die Besatzer. Mit Slogans wie "Wir haben Hunger", "Versprechungen machen uns nicht satt" und "Wir fordern Brot" machten die Menschen ihrem Ärger Luft.

Foto: ullstein bild
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Ziegelsteinverwertung: Nehmen, was die Ruinen hergeben - eine Berliner Trümmerfrau am Bayrischen Platz beim Säubern und Stapeln von Ziegelsteinen.

Foto: Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte / Friedrich Seidenstücker
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"Tschocklett plies!" Das riefen Kinder am Straßenrand den amerikanischen Soldaten zu - und wurden erhört (Foto von 1945). Die GIs schenkten ihnen Schokolade und Kaugummi, aber auch Apfelsinen und Peanut Butter, bis dato völlig unbekannte kulinarische Köstlichkeiten.

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Tanzveranstaltung in Berlin: Am 18. Juli 1945 schwoften britische und amerikanische Soldaten mit jungen deutschen Frauen. So feierten sie das Ende des "Fraternisierungsverbotes", das zum Ende des Krieges und unmittelbar danach galt: Alliierte Soldaten sollten keine freundschaftlichen Kontakte zu Deutschen knüpfen, sich keinesfalls "verbrüdern". Das Verbot...

Foto: imago/United Archives International
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... wurde allerdings schon bald schrittweise gelockert und am 1. Oktober 1945 ganz aufgehoben. Hier warten US-Soldaten und zwei "Fräuleins" in Kassel gemeinsam auf einen Zug (Aufnahme von 1945).

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Fön gegen Schuhe - und beide Handelspartnerinnen sind zufrieden. Im Nachkriegsdeutschland entwickelte sich ein lebhafter Tauschhandel, 1948 brachte dann die Währungsreform mehr Stabilität.

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Schwarzmarktrazzia: Dieser Junge hatte Pech - er wurde im Juli 1947 in Hannover von einer Polizistin festgenommen. Schwarzmarkt und Tauschhandel florierten nach dem Krieg, wovon dieses zeitgenössische Gedicht zeugt:
"Den Schmuck hat man als Butter aufgegessen
die Meißner Tassen trägt man jetzt als Schuh
So wächst dem Eigner, was er einst besessen
von Grund auf umgewandelt wieder zu."

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Mit Care-Paketen sicherten amerikanische Helfer das Überleben ungezählter Deutscher. Die Care-Organisation wurde im November 1945 gegründet, ab Juni 1946 erreichten ihre Nahrungsmittelpakete Europa, hier 1947 Kinder in einem Berliner Lager. Dass die fernen Amerikaner, kurz zuvor noch Kriegsgegner, auf Hilferufe reagierten, grenzte für viele hungernde Deutsche an ein Wunder.

Foto: ullstein bild
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Später Fund: Dieses Foto zeigt den Inhalt eines Care-Paketes, das 1946 nach Berlin geschickt worden war und erst 1980 bei einer Wohnungsauflösung gefunden wurde.

Foto: ullstein bild
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Begehrtes Brennholz: Die Säcke sind halb so groß wie die Kinder - Berliner Jungs schleppen gesammeltes Holz nach Hause (Foto von 1946).

Foto: Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte / Friedrich Seidenstücker
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Bitte hinten anstellen: Ausgabe der Schulspeisung an einer Hamburger Schule (Aufnahme von 1946). In ihrer Zone führten die Briten eine Speisung im März 1946 ein. Um die Allerkleinsten kümmerten sich die Schweden: Von 1946 bis 1949 profitierten die Drei- bis Sechsjährigen in der Britischen Zone, in Berlin und in Österreich (vor allem Wien) von der sogenannten Schwedenspeisung.

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Schatz in der Erde: Jungen aus dem Flüchtlingslager Laatzen (bei Hannover) bei der Kartoffelnachlese (Foto von 1947). Das "Stoppeln" gehörte für die Kinder zum Nachkriegsalltag: Sie gingen auf schon abgeerntete Felder, um von den Bauern übersehene Kartoffeln, Rüben und anderes aufzusammeln.

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Begehrte Knolle: Sehnsüchtig drängen sich die Kinder um diesen Marktstand in München, um einen Blick auf die Kartoffeln zu erhaschen.

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Berockte Soldaten: Deutsche Offiziere übergeben ihre persönliche Waffen an einen schottischen Offizier (Foto von 1945). Dass die schottischen Soldaten in Röcken einmarschierten, führte bei nicht wenigen Deutschen zu Erheiterung. So erinnert sich etwa Zeitzeuge Rudolf May (Jahrgang 1940, aus Lübeck): "Männer in Röcken! Einer spielte Dudelsack, der andere führte eine weiße Ziege an der Leine. Keine Waffen. Nur dieser quäkende Sack, der aussah wie ein karierter Igel mit wenigen Stacheln."

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