Deutschlands kuriose Regenten Spritzkuchenkönigin und Bratwurstkrone

Sie tragen freiwillig goldene Bratwürste oder Nudeldiademe auf dem Kopf: In Deutschland lassen sich Dutzende Menschen als Botschafter allerlei Spezialitäten krönen. Eine Auswahl der ungewöhnlichen Regenten.
1 / 9

Deutsche Nudelkönigin: Die amtierende Hoheit im Namen der Pasta ist seit Mai Patricia I. Die 29-Jährige wurde im sachsen-anhaltischen Steuden gekrönt und ist jetzt zwei Jahre lang als Nudelkönigin unterwegs. Die Krone der Hallenserin ist mit Nudeln verziert. "Anfangs war es wirklich seltsam, ich in diesem pompösen Kleid und immer etwas auf dem Kopf", sagt sie. Inzwischen habe sie sich daran gewöhnt und genieße es, mehrmals im Monat als kulinarische Monarchin zu Festen und Veranstaltungen eingeladen zu werden. Die Wahl gewann sie gegen zwei Konkurrentinnen mit ihrem Pasta-Wissen. Kein Wunder: Patricia Schenk ist im normalen Leben Einzelhandelskauffrau in einem Supermarkt - verantwortlich für die Nudelabteilung.

Foto: Hendrik Schmidt/ dpa
2 / 9

Eberswalder Spritzkuchenkönigin: Jenny I. läuft mit glitzerndem Diadem, sonnengelbem Pünktchenkleid im Rockabilly-Stil und der unausweichlichen Schärpe auf. Auch sie kennt ihr Produkt vom Hauptberuf, Jenny Bechly-Günzel ist gelernte Konditorin. Spritzkuchen sind ein Brandteig, in Kringel gespritzt und schwimmend in Fett ausgebacken. Auf die Idee, eine Spritzkuchenkönigin zu krönen, kam der Brandenburger Bäckermeister Björn Wiese. "Ein Stück Geschichte sollte wieder in Erinnerung gerufen werden." Der Bäcker und Konditor Gustav Louis Zietemann (1807-1880) verkaufte mit Inbetriebnahme der Bahnlinie Berlin-Stettin 1842 seine Spritzkuchen am Bahnhof Eberswalde.

Foto: Bernd Settnik/ dpa
3 / 9

Nussknackerkönigin: Im Erzgebirge, wo die Figuren aus Holz seit der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihre Heimat haben, wird seit 2005 eine Nussknackerkönigin gekürt. Derzeitige Amtsinhaberin ist die 26-jährige Christin Kopitzke. Die Majestät soll die Stadt Neuhausen, die Region, das Handwerk und das Nussknackermuseum bekannter machen. Letzteres schaffte schon vier Einträge ins Guinness-Buch der Rekorde - etwa als größte Nussknackersammlung der Welt: Mehr als 5500 Exemplare von 49 Millimeter bis mehr als zehn Meter Höhe gibt es zu sehen. Zwei der berühmten Holzfiguren trägt auch die Monarchin auf dem Kopf - im Miniformat an ihrer Krone.

Foto: DPA/ Michael Kopitzke/ Christin Kopitzke
4 / 9

Bratwurstkönig: Er wird nicht gekrönt, er muss sich den goldenen Kopfschmuck, über dem eine Wurst schwebt, erarbeiten - Thüringens Bratwurstkönig. Der Repräsentant der Thüringer Nationalspeise wird in einem Wettbewerb gekürt. Die Majestät muss einen Rost anwerfen und dabei auch noch Späße machen können. Ganz wichtig: Würste werden gebraten. Wer Würste grillen will, ist gleich durchgefallen. Es heiße schließlich Bratwurst, sagt Uwe Keith vom Verein der Freunde der Thüringer Bratwurst. Derzeit trägt Gerhard I. (Bild), ein pensionierter Metzgermeister, Krone und Zepter, das an eine hölzerne Wurstzange erinnert.

Foto: Martin Schutt/ dpa
5 / 9

Wenn Gerhard Herbst, so heißt der Regent, nicht in Wurstangelegenheiten bei Festen und Messen unterwegs ist (wie hier mit Wurstkönigin Anne Sonntag), hält er schon mal Audienz im Bratwurstmuseum in Holzhausen bei Arnstadt. Thüringens Wurstkult zieht sich durch ganz Europa: Seit der Anerkennung als regionale Spezialität durch die EU stieg der Absatz stark. Die Jahresproduktion liegt bei etwa 40.000 Tonnen.

Foto: arifoto UG/ dpa
6 / 9

Rettichkönig: Er ist der erste Mann auf diesem Thron. Im pfälzischen Schifferstadt schwingt Rettichkönig Lukas I. das Zepter. Der 22-jährige Lukas Kopping trägt den Rettich-Titel, der mit Unterbrechungen seit 1936 vergeben wird - bislang aber nur an Frauen. Kopping ist nun für zwei Jahre "Botschafter des Rettichanbaus" und der "Rettichmetropole", wie sich Schifferstadt nennt.

Foto: DPA/ Bilderhaus Gabi Mirgeler
7 / 9

Deutsche Hutkönigin: Diese Monarchin trägt keine Krone, sondern einen Hut. In Lindenberg im Allgäu dreht sich alles um diese Form der Kopfbedeckung - die Stadt hat eine lange Tradition der Hutmacher. Auch das deutsche Hutmuseum ist hier beheimatet. Vor sieben Jahren wurde deshalb die erste Hutkönigin gewählt. Seit 2016 ist Janine Halder die amtierende Repräsentantin der Hutmacher-Stadt.

Foto: DPA/ Deutsches Hutmuseum
8 / 9

Waldkönigin: "Das Schönste ist die Resonanz der Leute", sagt Maria Dolge zu ihrem Amt als Sachsen-Anhalts Waldkönigin. Besonders Kinder seien bei ihren Auftritten auf Festen und Veranstaltungen ganz aus dem Häuschen. Auch Erwachsene erzählten ihr oft, was sie mit dem Wald verbinden. "Jeder hat eine Beziehung zum Wald." Seit September 2016 soll Dolge die Aktivitäten der Forstwirtschaft bekannter machen - als erste Waldkönigin des Landes. Ihren Titel bekam sie ganz unkompliziert: "Ich arbeite in der Forstverwaltung, wurde gefragt und habe Ja gesagt."

Foto: DPA/ Landeszentrum Wald Sachsen-Anhalt
9 / 9

Spargelherzogin: Elin I. herrscht im Kreis Herzogtum Lauenburg im Süden Schleswig-Holsteins. Seit 2016 bekleidet Elin Lippert, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, dieses Amt. Ein mit ihren Eltern bekannter Spargelbauer habe sie auf die Idee gebracht, sich zu bewerben, sagt die 20-Jährige. "Schon mein Großvater hat im Garten Spargel angebaut."

Foto: Carsten Rehder/ picture alliance / dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.