Titelbilder SPIEGEL-Titel - die stärksten Cover von 1977 bis 1986

70 Jahre SPIEGEL, das sind auch gut 3600 gedruckte Titelbilder. Stets müsse es "ein Unikat sein", schrieb Herausgeber Rudolf Augstein, "und dies Woche für Woche". Eine Auswahl - hier die Jahre 1977 bis 1986.
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70 Jahre SPIEGEL, das sind auch gut 3600 gedruckte Titelbilder (und ein Vielfaches an ungedruckten Entwürfen). "Ein SPIEGEL-Titelbild", schrieb Rudolf Augstein, "muß ein Unikat sein und dies Woche für Woche." Die Cover des SPIEGEL sind ein Stück deutsche Designgeschichte. Eine Auswahl aus sieben Jahrzehnten - hier von 1977 bis 1986.

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Ein Titel, der im Sommer 1977 für Aufruhr sorgte - vor allem in Italien natürlich. Italienische Tageszeitungen druckten das Titelbild ab und kommentierten beleidigt: "Wieder einmal wird die italienische Situation schlimmer dargestellt, als sie in Wirklichkeit ist", schrieb etwa "Il Tempo". Der "Corriere della Sera" fragte: "Warum kommen die deutschen Touristen weiterhin en masse?" und merkte spitz an: "Die Spaghetti sind zu weich gekocht." Auch das noch.

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Im "Deutschen Herbst" 1977, nachdem Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer von der RAF entführt und ermordet worden war, wurde "Sympathisant" zu einem Schimpfwort, mit dem man in der Bundesrepublik jeden diskreditieren konnte, der einem nicht passte. Der SPIEGEL machte sich in einer ganzen Serie die Mühe zu differenzieren, angefangen bei der Unterscheidung zwischen einem "Täter, der terroristische Straftaten aktiv unterstützt, dazu auffordert oder sie billigt", und demjenigen, "der die vorgeblichen Motive zu verstehen angibt, aber nicht die Taten billigt". War zum Beispiel Claus Peymann, damals Schauspieldirektor in Stuttgart, ein RAF-Sympathisant, weil er Geld für die Zahnbehandlung von Gudrun Ensslin sammelte? Und falls ja, durfte man trotzdem noch in sein Theater gehen?

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Anlass für diese Titelgeschichte war eine große Joseph-Beuys-Ausstellung im New Yorker Guggenheim-Museum. Der SPIEGEL wunderte sich ein wenig über den "Grad internationaler Wertschätzung", den der damals 58-jährige Künstler mit seinen Aktionen, Zeichnungen und Objekten erlangt hatte. In Deutschland galt Beuys, "der in Jeans, Sportweste und selten gelüftetem Filzhut einhergeht", noch immer als umstritten - als "'Double eines Geniestreichs' (Hans Platschek in der 'Zeit') oder schlicht als 'Dada-Jeck' ('Münchner Merkur')", wie der SPIEGEL Kollegen anderer Medien zitierte.

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Wer in den Achtzigerjahren aufwuchs, wuchs mit der Angst vor dem Weltuntergang auf. Das Waldsterben war nur eine von vielen Bedrohungen, und der SPIEGEL war ganz vorn dabei. "Es fällt nicht leicht, sich klarzumachen, wie real die Apokalypse in den Achtzigern war", schrieb Johann Grolle, Autor im Ressort Wissenschaft, im SPIEGEL kürzlich aus Anlass des 70-jährigen Bestehens. "Das Ökosystem Wald als Solches galt als gefährdet, die Versteppung Mitteleuropas schien bevorzustehen." Aus heutiger Sicht stellt sich die Sache anders dar: "Tatsächlich jedoch verbarg die nekrophile Wortseligkeit nur, dass es an Maßstäben, die Gesundheit der Bäume zu beurteilen, fehlte", so Grolle. "Denn ob Nadelverlust und Kronenverlichtung, die wichtigsten Kriterien im Waldzustandsbericht, als alleiniger Gradmesser der Schäden überhaupt tauglich sind, ist bis heute zweifelhaft."

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Nicht alles war schlecht in den Achtzigerjahren: "E.T.", Steven Spielbergs "freundliches Monster", war ein Lichtblick. "Der Frieden der Sterne", überschrieb der SPIEGEL seine Titelgeschichte über den (damals) "kassenträchtigsten Kinoheuler aller Zeiten". "Haben Sie auch geweint?", war die Frage, die man sich nach dem Kinobesuch gegenseitig stellte. Auch Nancy Reagan und Lady Diana, so wurde überliefert, verdrückten Tränen angesichts der Geschichte des Außerirdischen, der so gern "nach Hause telefonieren" wollte.

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Auch bei der Aids-Berichterstattung war der SPIEGEL sehr früh dran. Bereits im Sommer 1983 erschien die erste Titelgeschichte, es folgten viele weitere. Der zum Teil alarmistische Ton - Aids wurde als "Seuche" in einer Reihe genannt mit Pest, Cholera und Pocken - verstörte viele Aktivisten und ärgert sie bis heute. Andere argumentierten, dass der Wissenschaftsredakteur und ausgebildete Arzt Hans Halter mit seinen frühen Warnungen vor der gefährlichen Krankheit im SPIEGEL möglicherweise mehr Menschen das Leben gerettet hat als in seiner Zeit als Mediziner.

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Die deutsche Sprache und ihr drohender Verfall waren dem SPIEGEL im Lauf der Jahrzehnte immer wieder Titelgeschichten wert. Die Zeichnerin Marie Marcks (1922-2014) legte der Familie in ihrer Karikatur im Sommer 1984 damals angesagte Sprüche in den Mund. In der Titelgeschichte warnte der SPIEGEL: "Mit der Rechtschreibung wird es immer schlechter, das Ausdrucksvermögen nimmt mehr und mehr ab. Der Niedergang meldet sich nicht nur in den Schulen der Bundesrepublik, sondern längst auch in den Amtsstuben, in Büros oder Betrieben."

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"Ein neuer Mann an der Spitze des Sowjetreiches, ein neuer Typ - auch eine neue Politik?" So fragte der SPIEGEL im März 1985. "In einer für Moskauer Verhältnisse sensationell kurzen Frist einigte sich das Politbüro auf einen sensationell jungen Chef: Michail Gorbatschow, 54. Doch die alten Apparatschiks haben noch nicht aufgegeben, und manches an dem Neuen ist widersprüchlich: Er will zwar Reformen, aber er preist auch die alte, verkrustete Ordnung." Wohl niemand hätte damals für möglich gehalten, dass weniger als fünf Jahre später die Mauer fallen und sich bald darauf die Sowjetunion auflösen würde - vermutlich auch Gorbatschow selbst nicht.

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Zeigen, was ist: Große aktuelle Ereignisse hat der SPIEGEL auf dem Titel fast immer ganz direkt abgebildet. Am 5. Mai 1986 zeigte er - hinter einem Strahlenwarnzeichen - das zerstörte Kernkraftwerk von Tschernobyl; die Redaktion nannte es ein "Monument technischer Hybris". Neun Tage zuvor war der Reaktor in der Ukraine explodiert, große Mengen Radioaktivität waren ausgetreten. "Noch in 2000 Kilometer Entfernung vom Katastrophenort knatterten die Geigerzähler tagelang: Radioaktiv verseuchte Luftmassen schoben sich über Europa", schrieb der SPIEGEL. "Viele Ängste sind berechtigt: Der Super-GAU von Tschernobyl hat die Propheten widerlegt, die das 'Restrisiko' der Atomenergie allzu gering veranschlagten."

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1986 warnte die Deutsche Physikalische Gesellschaft erstmals vor dem Treibhauseffekt: CO2 heize die Atmosphäre auf, ein Anstieg der Temperatur auf der Erde um drei bis neun (!) Grad sei zu befürchten. Ein Teil des Eises an den Polkappen werde schmelzen und den Meeresspiegel ansteigen lassen. Der SPIEGEL, so notierte Wissenschaftsredakteur Johann Grolle 30 Jahre später, "nahm diese Prognose zum Anlass, auf seinem Titel publikumswirksam den Kölner Dom unter Wasser zu setzen". Die Geschichte damals hebt an mit einer fiktiven Szenerie aus dem Sommer 2040: Hamburg und Hongkong, London, Kairo und New York sind "längst vom Meer verschluckt", Großbritannien ist "in einen Archipel zerfallen". Ganz so schlimm ist es nicht gekommen, aber wer weiß - ohne solche Horrorszenarios hätte das Umdenken in Politik und Gesellschaft, das 2015 auf dem Pariser Klimagipfel endlich zu Ergebnissen geführt hat, vielleicht noch länger auf sich warten lassen.

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