Die größten Oscarskandale Preisverdächtig daneben

Bei den Oscars wurde "La La Land" statt "Moonlight" zum Gewinner erklärt - na und? In der Geschichte des begehrtesten Filmpreises der Welt gab es schon viel, viel schlimmere Aufreger und Fehltritte.
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Der Detektiv wider Willen: Peinlich, peinlich - Warren Beatty und Faye Dunaway dürften sich in Grund und Boden geschämt haben, als sie bei der Oscarverleihung 2017 den Musikfilm "La La Land" zum Gewinner der Kategorie "bester Film" erklärten - obwohl tatsächlich der Film "Moonlight" gewonnen hatte. Doch beide können beruhigt sein: In ihrer bewegten Geschichte haben die Academy Awards schon so einiges an Peinlichkeiten, Aufregern und Skandälchen erlebt.

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Äußerst peinlich war etwa ein Vorfall bei den Oscarverleihungen 1938: US-Schauspieler Spencer Tracy wurde für seine Nebenrolle als portugiesischer Fischer im Film "Manuel" ausgezeichnet. Nur stand, wie er erst nach einer Weile realisierte, auf der heißbegehrten Trophäe gar nicht sein Name - sondern der des Comic-Detektivs "Dick Tracy".

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Die Gefallene: Ausgezeichnet wurde sie 2013 als "Beste Hauptdarstellerin" für ihre Rolle in "Silver Linings" - und Jennifer Lawrence scheiterte ausgerechnet bei ihrem Auftritt in der Oscar-Show. Als sie sich die Trophäe abholen wollte, stolperte sie auf der Treppe zur Bühne. Schuld war das lange Kleid, offiziell jedenfalls. Zwei Jahre später räumte sie ein, einmal vor einer Oscarverleihung aus einer Bong, einer asiatischen Wasserpfeife, geraucht zu haben. Welche Preisverleihung das genau war, wollte sie nicht sagen. Schließlich stolperte sie noch ein zweites Mal: 2014, auf dem Roten Teppich.

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Sudel-Borat: Mit seiner Ankündigung, zur Oscarverleihung 2007 als Diktator zu erscheinen, hatte der Komiker Sacha Baron Cohen alias "Borat" bereits für Ärger gesorgt. Als er dann kam, setzte er noch eins drauf: Er brachte eine Urne mit dem Bild des verstorbenen nordkoreanischen Machthabers Kim Jong Il mit - und verschüttete den Urneninhalt auf dem Roten Teppich. Das aschfarbene Pulver traf auch den Anzug von TV-Moderator Ryan Seacrest.

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Die Unaufhaltsame: Eigentlich waren ausladende Reden in den frühen Jahren der Oscarverleihung noch nicht üblich. Ganz im Gegenteil: Viele Filmschaffende beschränkten sich, wenn sie den Goldmann endlich in der Hand hielten, auf ein simples "Dankeschön". Damit wollte sich die britische Schauspielerin Greer Garson 1943 offensichtlich nicht zufrieden geben, nachdem sie ihre Trophäe als die "Beste Hauptdarstellerin" im Weltkriegsdrama "Mrs. Miniver" erhalten hatte. Rund sieben Minuten lang redete sie und redete und redete. Die Ansprache blieb nicht ohne Wirkung - nach Garsons Auftritt wurde die Redezeit streng begrenzt, zunächst auf eine Minute, später auf 45 Sekunden.

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Schlechter Verlierer: Für das US-Drama "Dreamgirls" hoffte Eddie Murphy 2007 den Oscar als "Bester Nebendarsteller" zu gewinnen. Tat er aber nicht: Der Preis ging an Alan Arkin für "Little Miss Sunshine". Sobald Arkins Name genannt war, stand Murphy auf und verließ den Saal.

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Undichte Stelle: Kurz vor der offiziellen Oscarverleihung 2004 flog der Schauspieler Carmine Caridi aus der Academy of Motion Picture Arts and Sciences, der Organisation, die die Oscars verleiht. Caridi wurde mit Mafiafilmen bekannt, gegen ihn ermittelte das FBI: Im Internet zirkulierte eine illegale Kopie des Films "Something's Gotta Give" ("Was das Herz begehrt") und ließ sich zurückverfolgen zu einer Version, die Caridi als abstimmungsberechtigtem Mitglied überlassen worden war. Die Ermittlungen betrafen noch weitere Raubkopien, die Caridi offenbar in den vorangegangenen drei Jahren weitergegeben hatte.

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Der Politische: Bei der Oscarverleihung 1971 war der Kriegsfilm "Patton - Rebell in Uniform" der große Abräumer und heimste sieben Oscars ein. Auch Hauptdarsteller George C. Scott, der den General George S. Patton verkörpert hatte, wurde ausgezeichnet, als bester Hauptdarsteller. Doch Scott lehnte - als erster Darsteller überhaupt in der Geschichte des Preises - die Ehrung ab. Seine Begründung: Mit dem Oscar stelle man sich zu klar auf eine der Seiten im Kalten Krieg. Außerdem sei die ganze Zeremonie "erniedrigend" und nichts als eine "zweistündige Fleischparade".

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Die Ausgegrenzte: Als Hattie McDaniel 1940 ihren Oscar als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle als "Mammy" im Südstaatendrama "Vom Winde verweht" entgegennahm, war es eine handfeste Sensation - denn McDaniel war die erste schwarze Preisträgerin. Dennoch wurde in der Zeremonie offensichtlich, wie gegenwärtig Rassismus in den USA der Vierzigerjahre noch war: Die Darstellerin musste von den weißen Darstellern getrennt Platz nehmen.

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Der Überehrgeizige: 2003 wollte die US-Filmakademie den Hollywoodschauspieler Peter O'Toole mit einem Ehren-Oscar für sein Lebenswerk auszeichnen. Der damals 70-Jährige lehnte allerdings zunächst ab, ihm war die Auszeichnung zu früh: "Würde die Akademie die Ehrung bitte verschieben, bis ich 80 bin?", schrieb er in einem offenen Brief an die Institution zurück. Als Schauspieler sei er schließlich "noch im Rennen" und könne noch auf regulärem Wege einen Oscar gewinnen. Akzeptiert hat er ihn schließlich doch - und bis zu seinem Tod 2013 auch keinen anderen mehr bekommen, trotz insgesamt acht Nominierungen im Laufe seiner Karriere.

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Die Lakonische: Für ihre Rolle als Prostituierte in dem Thriller "Klute" wurde Jane Fonda 1972 als beste Hauptdarstellerin ausgezeichnet. Zu freuen schien sie sich schon über ihren Preis - doch große Worte waren ihre Sache nicht, diesmal (hier im Video zu sehen).  Wegen ihres politischen Engagements, vor allem als vehemente Gegnerin des Vietnamkrieges, war die Schauspielerin zu dieser Zeit stark umstritten ("Hanoi-Jane"). Sie erklärte nur: "Es gibt vieles zu sagen - aber ich werde heute Abend nichts davon sagen." Und ging mit einem Dankeschön wieder von der Bühne.

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Der Wütende: Die USA hatten gerade mit der Bombardierung Bagdads begonnen, im März 2003 stand die Oscarverleihung ganz unter dem Eindruck des Irakkriegs. Die Gala hatte eher besinnlichen Charakter - bis der amerikanische Satiriker Michael Moore mit seinem Anti-Waffenlobby-Film "Bowling For Columbine" den Oscar für die beste Dokumentation gewann und zu einem Wutausbruch gegen den Präsidenten ansetzte: "Wir sind gegen diesen Krieg, Mr. Bush. Schämen Sie sich, Mr. Bush. Schande über Sie!" Die Verbalexplosion, begleitet von Buhrufen aus dem Publikum, endete nach nicht einmal 45 Sekunden, der maximalen Dankesredezeit.

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Der Abwesende: Er sei "tief berührt, einen Oscar als bester Regisseur für einen Film erhalten zu haben, der Ereignisse rekapituliert, die meiner persönlichen Erfahrung so nahe kommen", so Roman Polanski nach seinem Oscargewinn 2003. Er sagte es im fernen Paris. An der Verleihung in Los Angeles hatte Polanski nicht teilnehmen wollen, weil ihm bei Einreise in die USA die Verhaftung drohte. 1978 war er dort wegen Verführung einer Minderjährigen zu sexuellen Handlungen zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Der Film, der seiner persönlichen Erfahrung so nah kam, war "Der Pianist" und thematisierte den Holocaust.

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Der Improvisator: Eigentlich hatte Oscarmoderator Jerry Lewis seinen Job bei den Academy Awards 1959 schon hinter sich gebracht. Doch am Ende der Preisverleihung stellte er fest, dass noch 20 Minuten Sendezeit übrig waren. Irgendwie mussten die wohl oder übel gefüllt werden. Der Komiker meisterte die Situation, indem er mit seinem Publikum kurzerhand den Song "There's No Business Like Show Business" anstimmte. 

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Die Küssende: Küsse auf dem roten Teppich mögen nicht unbedingt skandalträchtig sein. Doch durch die Boulevardpresse ging ein Aufschrei, als Angelina Jolie nach ihrer Oscarauszeichnung als beste Nebendarstellerin in "Durchgeknallt" ihrem Bruder James Haven einen innigen Kuss auf dem roten Teppich gab. Da Jolie zudem in ihrer Dankesrede betonte: "Ich bin gerade so in meinen Bruder verliebt", sprossen Gerüchte über ein inzestuöses Verhältnis zwischen den Geschwistern. Die Schauspielerin sagte zu den Schlagzeilen später, der Kuss sei "vollkommen fehlgedeutet" worden. Das britische Klatschblatt "Daily Mirror" behauptete schließlich 2014, der Kuss sei ein Zeichen besonders tiefer Verbundenheit angesichts einer damals beginnenden Krebsbehandlung Havens gewesen.

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Der Begeisterte: Okay, ein Skandal war es nicht - und aufgeregt haben sich vermutlich nur die Unglücklichen, die bei der Oscarverleihung 1999 direkt vor dem italienischen Komiker, Schauspieler und Regisseur Roberto Benigni saßen. Denn als dessen NS-Drama "Das Leben ist schön" 1999 als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet wurde, rastete Benigni aus: Ekstatisch sprang er auf seine Stuhllehne, riss die Arme hoch, balancierte über die nächsten Stuhllehnen und die Köpfe seiner Sitznachbarn hinweg nach vorn, um schließlich mit Känguruh-Sprüngen auf die Bühne zu hüpfen und eine atemlose Dankesrede zu halten.  Ein starker Moment in der Oscar-Geschichte.

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Die Geklauten: Vor den Academy Awards verschwanden im Jahr 2000 unter mysteriösen Umständen die wichtigsten Teilnehmer der Zeremonie - nämlich die Oscars selbst. 55 der begehrten Goldfiguren waren auf einmal unauffindbar. Diebe hatten die in Chicago hergestellten Trophäen von einem Ladedock in einer Vorstadt von Los Angeles entwendet. Bald verhaftete die Polizei zwei Verdächtige, doch die Statuen blieben weiterhin verschwunden. Bis schließlich der 61-jährige Müllsammler Willie Fullgear 52 der geklauten Oscars in einer Mülltonne hinter einem Waschsalon in Los Angeles fand. Vor Reportern freute sich Fullgear nach seinem Fund: "Ich hatte mehr Oscars als jeder Filmstar." Ein weiterer Oscar wurde später bei einer Drogenrazzia entdeckt, zwei blieben unauffindbar.

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Der Spaßvogel: Als Moderator für die Oscarverleihung 1995 hatten die Veranstalter Late-Night-Legende David Letterman eingeladen. Eigentlich eine sichere Wahl, sollte man meinen. Aber irgendwann fing Letterman, trotz des mäßigen Echos beim Publikum, an, sich über die Vornamen von Keanu Reeves, Uma Thurman und Oprah Winfrey lustig zu machen. Vor allem Star-Talkerin Winfrey nahm ihm das nachhaltig übel: Für die nächsten zehn Jahre weigerte sie sich, in Lettermans Late-Night-Show aufzutreten. Als sie ihm 2005 schließlich verzieh und doch sein Studio betrat, brachte sie ihm ein Geschenk mit: ein Foto von sich und Uma Thurman.

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Die Umstrittene: Auf die Bühne gerufen wurde Vanessa Redgrave bei den Academy Awards 1978, um als beste Nebendarstellerin im NS-Widerstandsdrama "Julia" ausgezeichnet zu werden. Doch in ihrer Dankesrede bezog sie sich vor allem auf die Folgen eines anderen Filmprojektes: Redgrave hatte als Sprecherin am US-Dokumentarfilm "The Palestinian" mitgewirkt, der die schwierige Situation von Palästinensern im Jahr 1977 schilderte. Aus Protest gegen diesen Film hatten Mitglieder der Jewish Defense League vor dem Veranstaltungsort demonstriert. Redgrave wiederum wetterte in ihrer Ansprache unter Buhrufen des Publikums gegen den "kleinen Haufen zionistischer Gangster, dessen Verhalten eine Beleidigung für Juden überall auf der Welt" sei. Später im Verlauf der Veranstaltung nahm Drehbuchautor Paddy Chayefsky noch einmal Bezug auf Redgraves Rede und erklärte: "Ein schlichtes 'Danke' hätte gereicht."

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Der Dresscode-Ächter: "Flitzer", die bei öffentlichen Veranstaltungen nackt durchs Bild rannten, waren in den Siebzigerjahre beileibe nicht selten. Darum erschienen der Oscarmoderator David Niven und Elizabeth Taylor auch nur milde amüsiert, als bei den Academy Awards 1974 ein Mann namens Robert Opel splitterfasernackt über die Bühne huschte. 

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David Niven kommentierte trocken: "Ist es nicht faszinierend? Der einzige Lacher, den dieser Mann wohl je bekommen wird, ist dafür, der Welt zu zeigen, wo er zu kurz gekommen ist."

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Die Gerissene: Im Jahr 1951 stand Hollywoods legendäre Diva Marilyn Monroe nicht als Nominierte, sondern als Moderatorin auf der Bühne der Oscarverleihung. Sie sollte den Oscar in der Kategorie "Bester Ton" für den Film "Alles über Eva" verleihen. Doch direkt vor dem großen Auftritt passierte ein Malheur: Monroes glamouröses schwarzes Tüllkleid riss. Mit behelfsmäßig zusammengeschustertem Outfit trat sie schließlich sichtlich beschämt vor das Publikum  - und bemühte sich, mit gesenktem Kopf und eilig vom Blatt ablesend, die Sache schnell hinter sich zu bringen.

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Der Vertretene: Elf Oscars gewann das Mafia-Epos "Der Pate" bei den Oscarverleihungen 1972. Auch Darsteller "Marlon Brando" sollte für seine Rolle als Don Vito Corleone ausgezeichnet werden - doch an seiner Stelle stieg eine Stellvertreterin auf die Bühne:  In vollem Stammesschmuck trat die Apachin Sacheen Littlefeather vor das Publikum und erklärte, Brando boykottiere die Oscarverleihung aus Protest gegen die Unterdrückung amerikanischer Ureinwohner. Eigentlich hatte der Schauspieler ihr auch noch ein 15-seitiges Manifest ausgehändigt, das sie dort verlesen sollte - doch nach angeblichen Drohungen des Produzenten, sie von der Bühne entfernen zu lassen, habe sie auf den Vortrag verzichtet und das Schriftstück nur Backstage vorgelesen.
Den verschmähten Preis mopste übrigens kein geringerer als Oscarmoderator und Film-Agent Roger Moore und nahm ihn mit nach Hause - bis die Academy ihn von einem Wachmann wieder einsammeln ließ.

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