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Vergessene Orte Die verlassene HVA-Zentrale der Stasi

Der Auslandsdienst der DDR galt als Elite-Einheit innerhalb der Stasi. Spezialisten der HVA planten Agenten-Einsätze im Feindesland oder versuchten den Westen mit Desinformation zu verwirren. Heute ist das riesige Büro der HVA-Zentrale in Berlin verwaist.
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Abweisend wirkt die ehemalige Zentrale des Auslandsgeheimdienstes der Stasi in Berlin-Lichtenberg an der Ecke Ruschestraße/Frankfurter Allee. Die Hauptverwaltung A (HVA) wurde mehr als 30 Jahre von Markus Wolf geleitet; von 1986 bis 1990 führte sie dann Werner Großmann. Der Berliner Architektur-Fotograf Robert Conrad  hat die heute leerstehende, ehemalige HVA-Zentrale dokumentiert. Mitte Oktober erscheinen einige der Aufnahmen in Conrads neuem Bildband "Vergessene Orte in Berlin und Brandenburg". 

Foto: Robert Conrad
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Wachsende Behörde: Die HVA-Zentrale war für die Einschleusung und Führung der DDR-Spione im Ausland zuständig. Ihrer Bedeutung nahm schnell zu, sodass 1977/78 die neue Zentrale an der Ruschestraße als gewaltiger Bürokomplex in Plattenbauweise entstand. Für die Errichtung der drei Gebäudeflügel mit 13 Geschossen und insgesamt 34.200 Quadratmetern Bürofläche wurden einige Bauten aus der Kaiserzeit abgerissen. Als Elite-Einheit innerhalb der HVA galt die Abteilung X, zuständig für Desinformation. Sie versuchte, durch die Lancierung wahrer, halbwahrer und erfundener Meldungen Unruhe und Zwietracht im Westen zu schüren.

Foto: Robert Conrad
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Wolfs Revier: Im neunten Stockwerk der HVA-Zentrale arbeitete die Führungsriege. Hier hatte auch HVA-Chef Markus Wolf sein Dienstzimmer. Es war etwas größer als die Büros anderer Mitarbeiter, nach heutigen Maßstäben wirkt es aber eher bescheiden.

Foto: Robert Conrad
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Für den Notfall: Diese Aufnahme zeigt einen Kriechgang im HVA-Gebäude, der als Fluchttunnel in einen Innenhof führte.

Foto: Robert Conrad
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Entspannen vom Spitzeln: Nur privilegierte Mitarbeiter hatten Zugang zu einigen Annehmlichkeiten im HVA-Komplex. Die Saunaräume ...

Foto: Robert Conrad
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... lagen im Kellergeschoss des Südflügels der HVA-Zentrale an der Frankfurter Allee. Links im Bild ist noch ein Saunaofen mit Steinen zu erkennen.

Foto: Robert Conrad
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Abklingbecken für Spione: Das kleine Tauchbecken mit einem Wandmosaik neben der Sauna.

Foto: Robert Conrad
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Erste Eindrücke: Horst Kopp wurde 1960 für die Stasi angeworben und besuchte zunächst die Schule der HVA in Belzig. In seinem Buch "Der Desinformant" erinnert er sich an seinen ersten Besuch in der "damals noch überschaubaren" HVA-Zentrale: "Der Innenhof erinnerte mich an die Kaserne in Stettin und an meinen Vater, den ich dort mit der Mutter während des Krieges besucht hatte. Alles wirkte viel, viel kleiner als in meiner Kindheitserinnerung."

Foto: Robert Conrad
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Langlebig: "Die Abteilung VII, bei der ich mich melden sollte, befand sich zu ebener Erde", erinnert sich Kopp. "Am Ende eines Ganges rumpelte unablässig ein Paternoster." Den Paternoster gibt es heute immer noch im Westflügel des Gebäudes.

Foto: Robert Conrad
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HVA-Bürozimmer im neunten Stock: "Ich war enttäuscht: Der Major (Rolf Wagenbreth, Kopps Vorgesetzter) arbeitete in einem kleinen, überdies spartanisch eingerichteten Raum. Die Büros, die er mir anschließend zeigte, schienen noch eine Spur bescheidener."

Foto: Robert Conrad
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Ehemalige Aktenschränke im Nordflügel im zehnten Stock der HVA-Zentrale. "Alle Geheimdienste setzten auf Desinformation", sagt Horst Kopp, und bezieht sich auf die Publizisten und Politologen Walter Lippmann und Harold Laswell. Die erklärten Ende der Dreißigerjahre: "Wenn die öffentliche Meinung so eine machtvolle Kraft in der Welt ist, in einer Welt, in der unser Überleben gefährdet ist, dann sollten wir daran interessiert sein, diese Meinung in unserem Sinne zu beeinflussen." Danach richtete sich auch die HVA.

Foto: Robert Conrad
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Im Archiv der HVA: "Haben wir in der Abteilung X der HVA vom Klassenfeind gelernt?", fragt Horst Kopp in seinem Buch. Und gibt selbst die Antwort: "Es wäre eine Lüge, würde ich dies bestreiten."

Foto: Robert Conrad
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Im Verteidigungsmodus: Schutzraum im Nordflügel der HVA-Zentrale. 2007 behauptete der ehemalige HVA-Chef Werner Großmann, die Arbeit seiner Behörde sei rein defensiver Natur gewesen. Ziel der HVA sei es gewesen, einen Beitrag zu leisten "zum äußeren Schutz der DDR und der anderen sozialistischen Länder, zur Entwicklung und Festigung der gesellschaftlichen Verhältnisse im Inneren. Niemals bestand das Ziel in der Destabilisierung oder gar Liquidierung der BRD."

Foto: Robert Conrad
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Kontrollierte Hitze: Diese Aufnahme von 2017 zeigt die Elektroheizung der Sauna. Maximal 150 Grad waren möglich - das brachte auch hartgesottene Agenten ins Schwitzen.

Foto: Robert Conrad
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Ein Schutzraum mit Gasschleuse im Kellergeschoss der ehemaligen HVA.

Foto: Robert Conrad
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Kellergeschoss: Nach der Wende wurde der HVA-Komplex bis 2011 durch die Deutsche Reichsbahn bzw. Deutsche Bahn AG genutzt. Von 2015 bis 2017 wurde in Teilen der Anlage eine temporäre Flüchtlingsnotunterkunft eingerichtet. Derzeit herrscht Leerstand.

Foto: Robert Conrad
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Der Zeitzeuge Horst Kopp 2019 als Rentner in seiner Wohnung in Kyritz, wo er einst zur Schule ging. Seine Wohnung teilt der 85-jährige sich mit seiner resoluten Lebensgefährtin und einer Hündin. Ein paar FDJ-Gefährten von damals leben immer noch in Kyritz, die alten Herren grüßen sich dann mit dem traditionellen FDJ-Gruß "Freundschaft".

Foto: Christoph Gunkel/ DER SPIEGEL