Historische Antarktisfotos Bilder aus der Eishölle

Zwei Schiffe gingen verloren, zehn seiner Helfer mussten zwei Jahre lang ums Überleben kämpfen: 1914 geriet eine Antarktis-Expedition des Polarforschers Ernest Shackleton völlig außer Kontrolle. Ein Jahrhundert später wurden Fotos der Horrormission im ewigen Eis entdeckt.
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Seltene Aufnahme vor der Katastrophe: Der Wissenschaftler Alexander Stevens blickt 1915 an Bord des Expeditionsschiffes "Aurora" grimmig in die Kamera. Ahnte der Brite, dass Shackletons Antarktis-Expedition in einer Tragödie enden würde? Fast zwei Jahre lang war Stevens mit neun Kameraden in der Antarktis gefangen, nachdem ein Sturm die "Aurora" von ihrem Anker losgerissen hatte und das Schiff hoffnungslos abtrieb. Drei der zehn Zurückgebliebenen starben; die übrigen wurden im Frühjahr 1917 gerettet.

Diese Aufnahme wurde zusammen mit 21 anderen Negativen erst knapp hundert Jahre später von neuseeländische Konservatoren des "Antarctic Heritage Trust" (AHT) entdeckt. Für Nigel Watson, dem Direktor des AHT war das "ein phantastischer Fund", besonders weil die Geschichte der zehn verlorenen Männer bis heute kaum bekannt sei.

Foto: Antarctic Heritage Trust/nzaht.org
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Porträt eines vergessenen Helfers: Der britische Wissenschaftler Alexander Stevens posiert vermutlich um 1915 entschlossen vor einer großen Box mit der Aufschrift "Sir Ernest Shackleton's Antarctic Expedition Shell Benzine". Stevens gehörte zu der sogenannten "Ross Sea Party", die für Shackletons Antarktis-Durchquerung Verpflegungsdepots anlegen sollte. Zwei Jahre lang war Stevens nach dem Verlust der "Aurora" in der Antarktis gefangen; sein Schicksal und das seiner Kameraden war lange kaum bekannt.

Foto: Antarctic Heritage Trust/nzaht.org
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Erste Eindrücke: Die Aufnahmen der Ross Sea Party - jenes Mannschaftsteils, der die Antarktis vom Rossmeer aus anfuhr und für Shackleton Verpflegungsdepots anlegen sollte - dokumentieren den ersten, wohl noch hoffnungsvollen Blick der Männer auf eine Gegend, in der sie zwei Jahre lang gefangen sein sollten.

Dieses Foto stammt vermutlich von Anfang 1915, als sich die Männer an Bord der "Aurora" der Hut-Point-Halbinsel näherten

Foto: Antarctic Heritage Trust/nzaht.org
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Fotoschatz aus dem Eisarchiv: 2013 wurde in der Dunkelkammer von Scott's Hut, jener ehemaligen Operationsbasis des Polarforschers Robert Falcon Scott, ein Karteikasten mit 22 Negativen gefunden - ein zusammengefrorener Klumpen, ein Jahrhundert alt, konserviert allein durch die Kälte der Antarktis. Ein neuseeländischer Fotospezialist erwärmte die unbekannten Negative, trennte sie voneinander und säuberte sie vorsichtig - die Qualität der hundert Jahre alten Bilder war erstaunlich gut.

Foto: Antarctic Heritage Trust/nzaht.org
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Trügerische Idylle: Die "Aurora", fotografiert 1913 während der Douglas-Mawson-Expedition. Diese Forschungsreise überstand das Schiff noch schadlos; zwei Jahre später geriet die "Aurora" jedoch während Shackletons "Endurance"-Expedition in einen heftigen Sturm und wurde im Eis eingekeilt. Mit einem zerstörten Ruder trieb das Schiff monatelang manövrierunfähig ab. Erst im Frühjahr 1916 konnte sich das Schiff aus dem Eis befreien und erreichte schließlich die Küste Neuseelands.

Foto: National Archives of Australia
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Eisberg vor der Insel Big Razorback: Wer aus dem Team der "Aurora" die ein Jahrhundert lang verschollenen Aufnahmen machte, ist heute nicht mehr eindeutig zu rekonstruieren. Womöglich war es der Priester Arnold Spencer-Smith, der offiziell für das Fotografieren eingeteilt war. Spencer-Smith starb im März 1916 während der Expedition.

Foto: Antarctic Heritage Trust/nzaht.org
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Ross Sea Party: Dieser Teil der "Endurance"-Expedition - später von der Forschung lange vernachlässigt - sollte über das Rossmeer die Antarktis anfahren und ab 1915 Depots anlegen, um Shackleton die Durchquerung der Antarktis zu ermöglichen.

Hinten von links: Victor G. Hayward, John L. Cope, Alfred H. Larkman, Paton, Richard W. Richards, Clarence C. Mauger, Alexander Stevens, Arnold Spencer-Smith, William Mugridge.
Mitte: Leslie J. Thomson, Aubrey H. Ninnis, A. Warren, Ernest E. Joyce, Andrew K. Jack, Aeneas Mackintosh, Irwine O. Gaze, Joseph R. Stenhouse, Lionel Hooke, Emile Octave d'Anglade, Harold Shaw, William Kavanagh, ganz links: Adrain Donnelly, Harry E. Wild.
Sitzend: S. Grady, Charles Glidden, Edward Wise, Arthur Downing, Sydney Atkin.

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Eis in Sicht! Die kürzlich entdeckten Fotos, geschossen von Shackletons Helfern am Rossmeer, mögen mitunter nur Eisberge zeigen. Doch ihr Fund ist auch deshalb bedeutsam, weil er an jene unbekannten, zwei Jahre lang in der Antarktis verschollenen Männer erinnern, die für Shackletons Ruhmsucht ihr Leben riskiert.

Foto: Antarctic Heritage Trust/nzaht.org
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Verloren: Von Beginn an diente Shackletons Expedition nur dem Ziel, Rekorde zu setzen und seinen Ruhm zu mehren. Dafür splittete der Brite seine Mannschaft in zwei Gruppen auf: Er selbst fuhr mit der "Endurance" in das Weddell-Meer, um von dort aus die Antarktis-Durchquerung zu beginnen. Gleichzeitig fuhr eine zweite Gruppe mit der "Aurora" zum Rossmeer auf der anderen Seite des Eiskontinents. Von hier aus sollte die Gruppe Verpflegungsdepots für Shackletons Gruppe anlegen.

Der Plan scheiterte früh, als die "Endurance" hoffnungslos im Eis steckenblieb (Bild). Auch auf der anderen Seite der Antarktis spielte sich ein Drama ab, als die "Aurora" bei einem Sturm beschädigt wurde und im Eis eingeschlossen abtrieb - mit einem Großteil der Verpflegung. Die zurückgebliebenen Männer legten dennoch wie vereinbart Verpflegungsdepots an, drei von ihnen starben. Jahrzehntlang wurde das Schicksal von Shackletons Helfern am Rossmeer in der Forschung kaum beachtet.

Foto: Library of Congress
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Gefangen in der Eishölle: Der britische Polarforscher Ernest Shackleton wollte als erster Mensch die Antarktis durchqueren, ein Gewaltmarsch von 2900 Kilometern, doch die kühne Mission mündete in einem Debakel. Shackletons Schiff "Endurance" wurde schon im Frühjahr 1915 vom Packeis eingeschlossen (Foto) und Monate später von den Eismassen zerdrückt. An eine Durchquerung war nicht mehr zu denken, die Mannschaft konnte sich nur mit viel Glück retten.

Foto: Library of Congress
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Das Ende: Monatelang hoffte Expeditionsleiter Ernest Shackleton, dass die eingeschlossene "Endurance" noch freikommt oder zumindest dem Druck der Eismassen standhält. Im November 1915 ist es damit vorbei. Das Schiff wird vom Packeis zerdrückt - ohne dass die Welt davon erfährt, denn eine Funkverbindung ist nicht herzustellen. Die Mannschaft ist nun ganz auf sich allein gestellt.

Foto: Library of Congress
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Notlager: Nachdem Shackletons Expeditionsschiff "Endurance" vom Packeis zerdrückt worden war, saß die Mannschaft monatelang auf Elephant-Island im Nordosten der Antarktis fest. Hier sitzt Shackleton, rechts, zusammen mit Frank Wild, der einen Fisch zerlegt, vor dem Ofen des Camps.

Foto: Library of Congress
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Husarenritt: Nach dem Verlust der "Endurance" bricht Shackleton mit einem Teil der Mannschaft in dem nur sechs Meter langen Rettungsboot "James Caird" auf, um Hilfe zu holen.

Tatsächlich erreichen die sechs Männer die 1200 Kilometer entfernte Inselgruppe Südgeorgien. Shackleton überquert noch zu Fuß einen Gletscher, bis er im Mai 1916 in einer Walfangstation auf Menschen trifft. Von dort aus organisiert er die Hilfe für die zurückgebliebenen Kameraden. Für diese dramatische Aktion wurde Shackleton trotz des Scheiterns seiner Expedition zeitlebens bewundert und verehrt.

Foto: Library of Congress
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Ungewisser Abschied: 22 Männer winken dem Rettungsboot "James Caird" nach, mit dem sich Shackleton am 24. April 1916 aufmachten, um Hilfe zu organisieren. Sie wissen, dass die gewagte, wochenlange Fahrt über das offene Meer auch ihre einzige Hoffnung ist, aus der Antarktis gerettet zu werden - Monate später werden die 22 Zurückgebliebenen tatsächlich von einem chilenischen Marineschiff evakuiert.

Foto: Library of Congress
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Wohin nur? Einige Besatzungsmitglieder der im Eis der Antarktis festsitzenden "Endurance" erkunden 1915 mögliche Auswege aus der verheerenden Situation.

Foto: Library of Congress
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Die Geretteten: Zwei Jahre lang mussten die Männer der Ross Sea Party, einem Teil der "Endurance"-Expedition, in der Antarktis ausharren, bis sie im Jahr 1917 endlich gerettet wurden. Sie hatten nicht mehr damit gerechnet, dass ihre "Aurora", die 1915 nach einem Sturm im Eis eingeschlossen abgetrieben war, noch einmal - repariert und generalüberholt - zurückkehren würde. Für drei der Zurückgebliebenen kam die Rettung dennoch zu spät, sie waren schon 1916 in der Antarktis gestorben.

Die Aufnahme zeigt die Überlebenden an Bord der "Aurora" im Januar 1917. Von links: Irving Owen Gaze, Richard Walter Richards, Harry Ernest Wild, Andrew Keith Jack, John Lachlan Cope, Ernest Edward Joyce und Alexander Stevens.

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Der Volksheld: Am 1. August 1914 bekommt der britische Polarforscher Ernest Shackleton, Mitte, auf der "Endurance" in den Millwall Docks in London ein Bund weiße Heide überreicht, bevor er mit seiner Mannschaft Richtung Süden aufbricht, um die Antarktis zu durchqueren. Obwohl seine Mission vollständig scheitert und drei seiner Männer sterben, wird der Brite noch lange als Volksheld verehrt - zu spektakulär war die Art und Weise, wie er einen Teil seiner Mannschaft aus einer schier ausweglosen Situation gerettet hat.

Foto: Getty Images