Kunst im "Dritten Reich" Hitlers Pinselführer

Für die Nazis führte Adolf Ziegler den Kulturkampf gegen die Malerei - und eröffnete 1937 die Ausstellung "Entartete Kunst". Als Maler brachte es der Präsident der Reichskunstkammer allerdings nur zu zweifelhaftem Ruhm: Das Volk kannte ihn als "Meister des deutschen Schamhaars".
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Adolf Ziegler: Durch die richtigen Bekanntschaften und ein NSDAP-Parteibuch mit niedriger Mitgliedsnummer stieg der Bremer Maler zum "Sachberater für Bildende Kunst" in der Reichsleitung der Partei und 1936 zum Präsidenten der Reichskunstkammer auf.
Seine eigenen Aktmalereien, die erst an Bedeutung gewannen, nachdem er sie selbst in die "Große Deutsche Kunstausstellung" gehängt hatte, brachten ihm den Spitznamen "Meister des deutschen Schamhaars" ein.

Ziegler war zuständig für die Auswahl der als "entartet" zu beschlagnahmenden Kunstwerke und organisierte die Ausstellung dazu.

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"Halbakt": Das Gemälde des deutschen Künstlers Alexej von Jawlensky aus dem Jahre 1912 war eines seiner insgesamt 72 Werke, die 1937 von den Nazis als "Entartete Kunst" beschlagnahmt wurden. Jahrelang hatte es sich in der Sammlung der Familie Beck befunden, die es sich als Betreiber eines erfolgreichen Sanitär-Unternehmens hatten leisten können, den von den Nationalsozialisten geächtete Künstler zu unterstützen. Das Bild wurde am 18. Juli 2002 bei einer Auktion von Sotheby's in London für einen Rekordpreis von 2,2 Millionen Euro versteigert.

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"Joseph und Potiphar": Der Bildhauer Christoph Voll hatte seit 1925 als Kunstprofessor gearbeitet, bevor die Nationalsozialisten sein Schaffen als "entartet" brandmarkten und ihm Berufsverbot erteilten. 43 seiner Werke wurden beschlagnahmt, darunter auch diese Holzskulptur, die 1937 in der Ausstellung in München gezeigt wurde. Voll starb 1939 im Alter von nur 42 Jahren.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Zentralarchiv, SMB
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"Tanzpaar": Der in der Schweiz lebende Ernst Ludwig Kirchner war in den zwanziger Jahren einer der führenden Expressionisten. Er gilt als Mitbegründer dieser Kunstrichtung. Ab 1936 durften seine Werke nicht mehr in Deutschland ausgestellt werden, 688 wurden beschlagnahmt. In der Ausstellung "Entartete Kunst" waren 33 noch einmal zu sehen - darunter das "Tanzpaar". Tief enttäuscht über die Ächtung seiner Bilder und seit Jahren morphiumabhängig nahm sich Kirchner 1938 das Leben. Heute hängt sein "Tanzpaar" wieder im Museum Folkwang in Essen, von wo es einst abtransportiert worden war.

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"Ecce Homo": Während Lovis Corinths impressionistisches Frühwerk von den Nationalsozialisten durchaus als "deutsch" geschätzt wurde, waren seine späteren expressionistischen Bilder als "entartet" verachtet. Die Wandlung des Malers erklärte man sich durch einen Schlaganfall, den er 1911 erlitten hatte. 295 seiner Werke wurden beschlagnahmt und teilweise 1937 in München gezeigt. Darunter war auch dieses Bild von 1925 mit dem Titel "Ecce Homo". Ein Großteil von Corinths Bildern wurde schließlich ins Ausland verkauft. "Ecce Homo" hängt heute im Kunstmuseum Basel.

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"Verhöhnung der deutschen Frau": Dieses Motto hatten die Nationalsozialisten dem Raum im Obergeschoss gegeben, in dem sie die nach ihrem Urteil "entartete" Aktkunst ausstellten - darunter "Die Badende", eine Holzskulptur von Ernst Ludwig Kirchner.

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"Männer am Meer": Erich Heckel, der neben Ernst Ludwig Kirchner und Karl Schmidt-Rottluff zu den Gründern der Dresdner Künstlergruppe "Brücke" gehörte, malte 1916 Soldaten eines Sanitätszuges beim Baden im Meer. Da diese Darstellung von Soldaten als menschlich und verwundbar nicht in das Weltbild des Nationalsozialismus passte, wurden die "Männer am Meer" mit knapp 730 anderen Werken Heckels beschlagnahmt, ein Großteil davon 1939 verbrannt.
Dieses Gemälde befand sich jahrelang in Privatbesitz und kehrte erst im Februar 2012 ins Albertinum in Dresden zurück.

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Besucherrekord: Die Ausstellung "Entartete Kunst" zählte - bei freiem Eintritt - nach offiziellen Angaben rund zwei Millionen Besucher. Wer allerdings den Eindruck erweckte, dass er sich tatsächlich für die Exponate interessierte, wurde vom Aufsichtspersonal rasch weitergeschickt. Die zur gleichen Zeit ebenfalls in München stattfindende "Große Deutsche Kunstausstellung" mit den Werken der NS-Kunst sahen hingegen nur rund 400.000 Interessierte.

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"Groteske Köpfe (Leidenschaft und Ruhe)": So hatte der deutsche Expressionist Christian Rohlfs 1915 einen Linolschnitt genannt - ausgestellt 1937 in München in der Ausstellung "Entartete Kunst". Rohlfs war kein Unbekannter, Propagandaminister Goebbels erwähnte ihn 1937 sogar in seinem Tagebuch: "Mit Vetter Thema entartete Kunst. Er wollte Rohlfs in Schutz nehmen. Aber ich heile ihn."

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"Das Leben Christi": Der Maler Emil Nolde hatte sich selbst immer als Nationalsozialist begriffen. Es traf ihn daher schwer, als seine Kunst als "entartet" bezeichnet wurde. Nachdem der Expressionist 1941 ein Malverbot bekam, zog er sich nach Seebüll in Nordfriesland zurück und malt nur noch heimlich. In der Münchner Ausstellung "Entartete Kunst" wurde 1937 sein Bild "Das Leben Christi" gezeigt. Es hatte bereits 1912 für großen Wirbel gesorgt, als es aufgrund von Protesten der Kirche aus der "Ausstellung für religiöse Kunst" in Brüssel ausgeschlossen worden war.

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"Ideologisch wertvoll": Am 19. Juli 1937 begrüßte Adolf Ziegler (ganz rechts in Rückenansicht) die NS-Größen Hermann Göring, Gerdy Troost, Adolf Hitler und Joseph Goebbels zur Eröffnung der von ihm mitorganisierten "Großen Deutschen Kunstausstellung" im Haus der Deutschen Kunst in München. Alles, was dem als Künstler erfolglosen Hitler gefiel, hing hier an den Wänden - auch Zieglers barbusige Arierinnen.

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"Das Zelt": Das um 1927 entstandene Gemälde von Otto Mueller war eines von 13 Werken des Expressionisten, die 1937 in der nationalsozialistischen Ausstellung "Entartete Kunst" in München zu sehen waren. Als Ausdruck der Einheit von Mensch und Natur hatte Mueller häufig Szenen aus dem Zigeunerleben gemalt - und wohl nicht zuletzt damit die Rasseideologen gegen sich aufgebracht. Heute hängt "Das Zelt" heute im Institute of Arts in Detroit.

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Ideologisch unpassend: Es war vor allem der Expressionismus, der in der Ausstellung angeprangert und dessen Werke als "entartet" bezeichnet wurden. Charakteristisch für diese Stilrichtung war die Abkehr von einer naturgetreuen Abbildung. Die Nationalsozialisten hingegen bevorzugten eine wirklichkeitsnahe Darstellung - am liebsten die des "idealen Ariers".
So wurden etwa die 1937 in München gezeigten Bilder von Max Pechstein, Ernst Ludwig Kirchners "Bauernmahlzeit" sowie Karl Schmidt-Rottluffs "Abend", "Mäher" und "Tenne" als "jiddisch" diffamiert.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Zentralarchiv, SMB
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"Eber und Sau": In der Ausstellung in München wurden insgesamt fünf Werke des Malers Franz Marc gezeigt, darunter auch "Eber und Sau" von 1913. Nach einer Intervention des "Deutschen Offiziersbundes" wurde zumindest das Bild "Der Turm der blauen Pferde" wieder aus der Schau entfernt. Marc, der sich freiwillig zum Ersten Weltkrieg gemeldet hatte, war 1916 in der Schlacht von Verdun gefallen.

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Foto: FU Berlin
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"Kleiner Kopf aus Gips": Otto Freundlich, einer der ersten Vertreter der abstrakten Kunst, hatte ab 1924 in Paris gelebt, wo er zu Beginn des Zweiten Weltkriegs interniert wurde. Zwar kam er auf Betreiben Picassos schnell wieder frei, wurde aber 1943 erneut verhaftet und schließlich im KZ Lublin-Majdanek ermordet.
Bereits 1912 hatte er die Plastik "Der neue Mensch" geschaffen, einen riesigen Kopf aus Stein, der symbolisch für den erhofften Neubeginn dieser Zeit stand. Diese Skulptur wurde von den Nationalsozialisten nicht nur in der Ausstellung "Entartete Kunst" gezeigt, sondern prangte auch auf der Titelseite des Katalogs. Während die Ausstellung durch verschiedene Städte wanderte, ging die Skulptur verloren und gilt bis heute als verschollen.
1916 hatte Otto Freundlich diese kleinere, sehr ähnliche Ausgabe der Skulptur "Kleiner Kopf aus Gips" angefertigt.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Zentralarchiv, SMB
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"Das Paar": Nicht nur den Künstler Ernst Ludwig Kirchner, sondern auch den ehemalige Direktor des Hamburger Museums für Kunst und Gewerbe, Max Sauerland, wollten die Nationalsozialisten verhöhnen, als sie in der Ausstellung explizit auf den Kaufpreis der Holzskulptur hinwiesen. 3000 Reichsmark hatte das Museum 1930 für die Figur ausgegeben. Sauerland hatte sich während seiner Zeit als Direktor für viele junge Expressionisten eingesetzt und deren Existenz durch verschiedene Ankäufe gesichert. Gleich 1933 verlor er seinen Posten als Museumsleiter, bald darauf auch seinen Lehrstuhl an der Universität Hamburg. Er starb am Neujahrstag 1934 an einem Magenkarzinom.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Zentralarchiv, SMB
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"Männliches Bildnis": So nannte Hanns Ludwig Katz diese Arbeit, die um 1920 während der Revolutionskämpfe in München entstanden war. Nachdem die Nationalsozialisten an die Macht gekommen waren, floh Katz 1936 nach Südafrika. Doch auch dort wurde ihm die gebührende Anerkennung verweigert, eine Ausstellung seiner Werke verhindert. Katz litt sehr unter der intellektuellen Isolation und starb 1940 an Krebs. Erst in den neunziger Jahren begann die Kunstwelt sich für den vergessenen Maler zu interessieren.

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"Wahnsinn wird Methode" pinselten die Nationalsozialisten 1937 an die Wand jenes Raumes in der Ausstellung, in der sie fünf Bilder von Johannes Molzahn zeigten. Der Diffarmierung seiner Werke überdrüssig, verließt der gebürtige Duisburger bald darauf Deutschland, ging ins amerikanische Exil und kehrte erst 1959 wieder zurück.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Zentralarchiv, SMB
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Beschlagnahmt: Der Depotraum im Schloss Niederschönhausen in Berlin quoll über - innerhalb nur weniger Monate waren an die 20.000 Kunstwerke aus Museum, Sammlungen und Galerien geholt worden. Dabei hatte die Aktion offenbar nicht nur ideologische Gründe: Viele der beschlagnahmten Werke verkauften die Nazis anschließend ins Ausland.

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Abgehängt: Der in München geborene Maler und Grafiker Walter Dexel muss schockiert gewesen sein, als er seine "Abstrakte Komposition" 1937 unter den Werken der "Entarteten Kunst" in der gleichnamigen Münchner Ausstellung fand. Der Kunsthistoriker, der 1933 in die NSDAP eingetreten war, protestierte - mit Erfolg: Seine Arbeiten wurden daraufhin aus der Ausstellung entfernt.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/Zentralarchiv, SMB
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"Der Goldfisch": Der Maler Paul Klee war erst 1931 auf einen Lehrstuhl an der Düsseldorfer Kunstakademie berufen worden - doch schon 1933 wurde er fristlos entlassen und durch Franz Radziwill ersetzt. Klee emigrierte in die Schweiz. In Deutschland wurden 102 seiner Werke als "entartet" beschlagnahmt und ins Ausland verkauft. Unter den in der Münchner Ausstellung von ihm gezeigten Bildern war "Der Goldfisch" von 1925. Heute hängt das Gemälde wieder in der Kunsthalle in Hamburg.

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"Nach dem Bade": Max Pechsteins kolorierte Lithografie von 1923 im Januar 2009 in der Rostocker Kunsthalle. Das Bild war in dem Jahr entstanden, in dem ihn die Preußische Akademie der Künste zum Professor berief. 1933 setzten ihn die Nationalsozialisten ab und erteilten ihm Ausstellungsverbot. Während der NS-Zeit waren seine Bilder in Deutschland ausschließlich in der Ausstellung "Entartete Kunst" zu sehen.

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"Reichsschamhaarmaler": So spottete das Volk über den arrogant erscheinenden Schönling Adolf Ziegler (2.v.r.), wenn dieser nicht gerade in Hörweite war. Als Künstler wenig erfolgreich war Hitlers liebster Aktmaler zum Präsidenten der Reichskammer der Bildenden Künste aufgestiegen. Zusammen mit Hitler und Propagandaminister Goebbels (r.) besuchte er am 5. Mai 1937 das Haus der Deutschen Kunst in München.


Signatur im Bundesarchiv: Bild 183-1992-0410-546
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Foto: Das Bundesarchiv/Hans Dietrich