Houdini Der Handschellen-König

Er befreite sich aus vernagelten Kisten, zauberte Elefanten weg und stieg zum ersten US-Superstar auf: 1915 schenkte Harry Houdini der Welt seinen grandiosen Zwangsjacken-Trick. Der Illusionist starb 1000 Beinahe-Tode - und scheiterte an einer Telefonzelle.
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Vom US-Präsidenten beneidet: Tadellos sitzende Krawatte, finsterer Blick - Harry Houdini, Meister der Selbstinszenierung, in seiner Lieblingspose. Hier wird er von drei Herren, unter ihnen ein Polizist, in eine Zwangsjacke gesteckt. Wer die Männer sind, steht nicht fest - klar ist indes, dass sich Houdini auch aus dieser Fessel lösen wird (undatierte Aufnahme). "Ich beneide Ihr Talent, sich aus einer Zwangslage zu befreien", soll der US-Präsident Woodrow Wilson dem Entfesselungskünstler einst gestanden haben.

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"Symbol der Freiheit": Je mehr Ketten und Schlösser, desto besser - Entfesselungskünstler Harry Houdini (1874-1926) kurz vor der Performance. Um dem Publikum zu suggerieren, dass er nicht mit Tricks arbeite, weder Dietrich noch Metallsäge in der Hosentasche mit sich führe, präsentierte der gebürtige Ungar sich oft nahezu unbekleidet. In Deutschland wurde er zu Beginn des 20. Jahrhunderts euphorisch gefeiert, die Presse rühmte ihn als "Symbol der Freiheit" (Foto von ca. 1899).

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"Napoleon der Reklame": Mit grellen Plakaten bewarb Harry Houdini seine Show. Der marktschreierischen Methoden wegen titulierten deutsche Medien das Marketing-Genie damals als "Napoleon der Reklame". Ab dem Jahr 1899 bürgerte sich in den USA das Verb "to houdinize" ("entwischen", "den Kopf aus der Schlinge ziehen") im Sprachgebrauch ein. Im selben Jahr wurde der muskelbepackte Mann von dem Vaudeville-Tycoon Martin Beck entdeckt - und zum internationalen Star aufgebaut.

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Gefesselt und versenkt: 1912 verblüffte Houdini sein Publikum mit dieser Sensation, die am 7. Juli in New York Premiere feierte. Der Entfesselungskünstler ließ sich an Händen und Füßen fesseln und stieg in eine hölzerne Kiste,...

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...die, vernagelt und mit Seilen zugebunden, von einem Boot aus in den East River versenkt wurde. Ein sicheres Todesurteil? Nicht für Houdini. Innerhalb von 57 Sekunden schaffte es der jüdische Emigrant,...

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...sich auch aus dieser Zwangslage zu befreien und tauchte gut gelaunt wieder auf - sehr zum Erstaunen der sprachlos wirkenden New Yorker. Wie stellte er das an? Eine mögliche Erklärung: Bereits vor der Versenkung löste Houdini die Fesseln und Handschellen. Sobald die Kiste im Wasser ankam, wand sich Houdini durch eines der nur lose befestigten Bretter hinaus, das er vorm Auftauchen wieder unauffällig zuschob.

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Der Milchkannen-Trick: Für diese 1908 erstmals präsentierte Nummer zwängte sich Houdini, mit Handschellen gefesselt, in eine gigantische, mit Wasser gefüllte Milchkanne. Mehrere Minuten lang verharrte er dort regungslos - und stand am Ende klatschnass und prustend neben dem Gefäß. Heute weiß man, wie der Trick funktioniert hat: Nachdem der Vorhang gefallen war, stemmte Houdini mit den Schultern das nur lose aufsitzende Kannen-Oberteil in die Höhe, kletterte raus, befreite sich von seinen Fesseln und verschloss das Gefäß wieder.

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Die "chinesische Wasserfolterzelle": Doch Houdini ging noch weiter, getrieben von der Sucht nach immer neuen Rekorden. Am 21. September 1912 präsentierte er erstmals die berühmte "chinesische Wasserfolterzelle" beim Circus Busch in Berlin. Der Magier ließ sich kopfüber und an den Füßen fixiert, in einen wassergefüllten, mehrfach verschlossenen Glastank sperren - aus dem er wie von Geisterhand wieder auftauchte.

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Verkehrte Welt: Auf dem Times Square in New York vollführte Harry Houdini 1915 einen seiner populärsten Tricks - kopfüber baumelte er, in eine Zwangsjacke verpuppt, über dem Publikum. Der Künstler schaffte es, sich innerhalb weniger Minuten aus der Fixierung zu befreien. Der Zwangsjacken-Stunt ist auch deshalb so spektakulär, weil Houdini - anders als bei den meisten seiner anderen Darbietungen - von Anfang bis Ende zu sehen war, also nicht mogeln konnte.

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Teufels Werk: Als eine Art Gottheit, der wahlweise Engelchen oder Teufelchen behilflich sind, stilisierte sich Harry Houdini auf diesem britischen Werbeplakat von circa 1900. Hier geht es um jenen Trick, bei dem sich der Entfesselungskünstler in ein Fass sperren ließ, das in einer Gefängniszelle deponiert wurde - natürlich entwischte der Ausbrecherkönig. 100 Pfund verspricht die Reklame demjenigen, der nachweisen kann, dass Houdini mogelt.

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Letzte Ruhe im Trick-Sarg: Am 31. Oktober 1926 starb Harry Houdini in Detroit - mit gerade einmal 52 Jahren. Sein Sarg - ein Exemplar aus Bronze, das er sich für einen seiner kühnsten Tricks hatte konstruieren lassen - wurde in der West End Chapel der Familie Rothschild in New York City aufgebahrt. Tausende Menschen erwiesen dem Entfesselungskünstler die letzte Ehre. Wie Houdini selbst verfügt hatte, ruhte sein Kopf auf einem schwarzen Beutel, in dem die Briefe seiner geliebten Mutter Cecilia gebündelt waren.

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Sadomaso-Held? Gebannt blickt das Publikum auf Harry Houdini, der sich gefesselt und mit einer Kugel am Fuß im Schwimmbad versenken lässt. Woher stammt diese lebenslange Obsession, sich fesseln zu lassen und dann zu befreien? Biograf Kenneth Silverman bescheinigt Houdini sadomasochistische Neigungen. Andere sehen in den immer neuen Stunts eine zwanghafte Wiederholung des Geburtserlebnisses - mithin der Ur-Befreiung überhaupt.

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Alle lieben Harry: Der Zweiteiler "Houdini" lief 2014 erstmals im US-Fernsehen, Regie führte Uli Edel. Als Harry versuchte sich der muskelbepackte Oscar-Preisträger Adrien Brody (r.), Bess wurde von Kristen Connolly gespielt. Der Entfesselungskünstler reizte zahlreiche namhafte Regisseure und Schauspieler - in die Rolle des legendären Harry schlüpften bislang etwa Norman Mailer, Harvey Keitel und Paul Michael Glaser. 2014 wurde publik, dass auch Johnny Depp sich demnächst in einem Houdini-Film als Illusionist fesseln lassen möchte.

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Filmstar Harry: Zwischen 1919 und 1923 versuchte sich Harry Houdini mit durchwachsenem Erfolg selbst als Schauspieler. Diese Szene stammt aus dem Stummfilm "Terror Island", der 1920 in die Kinos kam. Houdini spielt darin einen Mann namens Harry Harper. Harper-Houdini gerät in die Fänge von Kannibalen, die ihm nicht sonderlich wohlgesonnenen sind. Doch natürlich wird sich der Filmheld auch aus dieser Zwangslage mit Bravour befreien.

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Glühender Geisterjäger: "Kehren Geister wieder? Houdini sagt nein - und beweist es", lautet die Botschaft dieses Show-Plakats. Gegen Ende seines Lebens kämpfte der Entfesselungskünstler energisch gegen jegliche Formen von Spiritismus. Er entlarvte betrügerische Geisterbeschwörer, beriet den US-Kongress, setzte Detektive auf selbst ernannte Medien an. Houdinis Furor traf vor allem Mina Crandon, eine angebliche Geisterbeschwörerin aus Ontario.

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Meister des Beinahe-Todes: Harvey Hanford heißt der Held in Zwangsjacke, den Houdini 1919 im Stummfilm "The Grim Game" verkörperte. Auch dieser Streifen lebt davon, dass sich Protagonist Houdini mehrfach aus verschiedenen Formen der Gefangenschaft befreit. Viele seiner Tricks sind bis heute nicht enträtselt, nur wenige gab Houdini selbst preis: So könne man die meisten "Handschellen mühelos öffnen", schrieb er, "indem man sie, das Schlüsselloch nach unten, hart aufschlägt".

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"König des Varíété": In puncto jungenhaftes Lächeln existiert eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Harry Houdini und Hollywood-Star Tony Curtis, der ihn 1953 in der US-Produktion "Houdini, der König des Variété" verkörpert hat. Ansonsten hat der Film jedoch wenig mit der Realität zu tun: Assistentin und Ehefrau Bess war nicht blond, blauäugig und vollbusig wie Schauspielerin Janet Leigh (liegend), sondern brünett und schmal. Und Houdini verstarb auch nicht bei der Präsentation eines Entfesselungstricks auf der Bühne, sondern eher unspektakulär im Krankenhaus - nach einem unbehandelten Blinddarmriss.

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Anfang einer großen Karriere: Mit dem Slogan "Houdini, König der Karten" warb dieses Plakat von circa 1895 für die Künste des jungen Harry Houdini. Bevor er als "König der Handschellen" in die Geschichte einging, hielt sich der aus bitterarmen Verhältnissen stammende, gebürtige Ungar mit Kartentricks und anderen Gauklereien mehr schlecht als recht über Wasser.

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"Ich möchte immer der Erste sein": Harry Houdini und sein berühmter Handschellentrick (Aufnahme von circa 1906). Der Künstler war zeitlebens von einem extremen Ehrgeiz beseelt. "Ich möchte immer der Erste sein. Das ist es, wofür ich lebe und meine ganze Kraft gebe. Wenn ich das nicht länger schaffe, möchte ich mich aus dem Leben verabschieden", sagte er 1910 einem Journalisten.

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Chloroform für zu neugierige Zuschauer: Show-Poster von 1913, das Houdini in seiner legendären "chinesischen Wasserfolterzelle" zeigt. 200 Dollar werden jenem versprochen, der nachweisen kann, dass es möglich ist, bei diesem Trick Luft zu bekommen. Zu genau durfte allerdings niemand dem Meister in die Karten schauen: Einer Legende nach waren Houdinis Mitarbeiter dazu angehalten, allzu neugierige und aufdringliche Zuschauer mit Chloroform zu betäuben.

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Abrakadabra - und weg ist der Elefant! Am 7. Januar 1918 verblüffte Houdini die Zuschauer im New Yorker "Hippodrome" mit dem "Vanishing Elephant": Während andere Magier sich damit begnügten, ein Kaninchen verschwinden lassen, zauberte Houdini kurzerhand diese tonnenschwere Elefantendame namens Jennie weg. Den Trick hatte Houdini einst einem britischen Erfinder namens Charles Morritt abgekauft.

Foto: Library of Congress/White Studio
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Dickhäuter hinterm magischen Vorhang: Laut R.D. Adams, jenem Mann, der für Houdini die Bühnen-Apparaturen konstruierte, beruht die Nummer auf einem raffinierten Trick. In dem Augenblick, in dem Houdini zur scheinbaren Steigerung der Dramatik mit einer Pistole in die Luft schießt und das Publikum blinzeln muss, saust ein Vorhang herunter, der exakt so aussieht wie die leere Bühne (Illustration aus dem "Modern Mechanix" vom Dezember 1929).

Foto: Modern Mechanix
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Lebendig begraben! In grellbunten Farben wirbt dieses Poster für die Entfesselungskünste des "Master Mystifiers" Houdini, der laut Eigenwerbung sogar die "ägyptischen Fakire übertrifft" (Plakat von 1926). Houdini plante, die "Lebendig-begraben"-Nummer im Rahmen einer abendfüllenden Show zu perfektionieren, starb jedoch vorher. Jedes Jahr an seinem Todestag versammeln sich die US-Magier, um eine Botschaft Houdinis aus dem Jenseits zu empfangen - bislang vergeblich.

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91 Minuten im luftdichten Sarg: Am 5. August 1926, wenige Wochen vor seinem Tod, sorgte Harry Houdini im Hotel Shelton in New York mit diesem Trick für Ratlosigkeit unter den Zuschauern. Er ließ sich in einen luftdicht abgeschlossenen Metallsarg sperren und in den Hotelpool versenken. 91 Minuten hielt er es dort aus - angeblich dank der von ihm perfektionierten, kontrollierten Atmung.

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Show-Prügelei: Auf diesem Foto aus den Zwanzigerjahren treten Boxer Jack Dempsey (l.), Illusionist Harry Houdini (M.) und Boxer Benny Leonard (r.) zu einem Spaßkampf gegeneinander an. Der Entfesselungskünstler warb damit, dass er jeden Schlag in den Bauch durch Anspannung seiner Muskulatur überleben würde. Genau dies wurde ihm zum Verhängnis: Am 22. Oktober 1926 schlug ihm der Student Jocelyn Gordon Whitehead mehrfach kräftig in den Bauch. Die Ärzte diagnostizierten einen Blinddarmriss - neun Tage später war Houdini tot.

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Große Liebe, lebenslange Assistentin: Neben seiner Mutter Cecilia war die deutschstämmige Variété-Tänzerin Beatrice Rahner (1876-1943), genannt Bess, die wichtigste Frau in Houdinis Leben. Der Entfesselungskünstler heiratete sie im Jahr 1894 - drei Wochen, nachdem er sie kennengelernt hatte. Bess erlangte Ruhm als Houdinis lebenslange Assistentin. Die ersten zehn Jahre nach seinem Tod lud Houdinis Witwe Spiritisten ein, um Kontakt zu ihm aufzunehmen. Zwischenzeitlich hieß es, dies sei dem Geisterbeschwörer Arthur Ford gelungen - bis herauskam, dass dieser eine Affäre mit Bess hatte.

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Unerschrockener Flugpionier: Höhenangst kannte der Meister des Bluffs keine - die Szene stammt aus "The Grim Game", einem Houdini-Stummfilm von 1919, in dem der Illusionist den flugaffinen Helden Harvey Hanford spielt. Doch auch abseits der Kamera war Houdini ein leidenschaftlicher Flieger: 1910 unternahm er mit seinem in Hamburg erworbenen Voisin-Doppeldecker den ersten gesteuerten Motorflug auf dem australischen Kontinent.

Foto: Corbis
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