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Job & Karriere

Indische Callcenter Butler, Designer und Lehrer erzählen von ihrer Arbeit

Keine Zeit für die Fleurop-Bestellung? Keinen Nerv, die eigenen Termine zu organisieren? Nicht nur Konzerne, auch Privatleute können solche Aufgaben in indische Callcenter auslagern. Helfer aus Bangalore und Bombay berichten von ihrer Arbeit.
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Ein schmuckloses Großraumbüro: Hier sitzt der Callcenter-Anbieter Get Friday,...

Foto: Katharina Finke
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...der von diesem Bürkomplex in Bangalore aus auch europäischen Privatkunden die Dienste persönlicher Assistenten offeriert. mehr… .

Foto: Katharina Finke
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Hier arbeitet zum Beispiel Sachin Alex, 22, der über seine Arbeit sagt:

"Ich habe nach meinem Abschluss direkt als virtueller Assistent beim Sekretärsservice Get Friday für den europäischen Raum angefangen, ein Jahr ist das jetzt her. Montags bis Freitags arbeite ich neun Stunden, mit einer Stunde Pause. Allerdings sind die Arbeitszeiten unkonventionell, wegen der Zeitverschiebung. Mir gefällt, dass meine Aufgaben so abwechslungsreich sind, von Kalendermanagement über Reiseplanung bis zur Beantwortung von Fragen, etwa nach den angesagtesten China-Restaurants in Berlin. Das Gehalt von 16.000 bis 20.000 Indischen Rupien (250 bis 300 Euro) pro Monat ist auch okay.
Ich hatte schon eine Reihe von Kunden aus Deutschland. Die Deutschen beherrschen die wichtigste Regel für eine gute Zusammenarbeit mit uns Assistenten: sehr genaue Anweisungen geben, um Missverständnisse zu vermeiden. Manchmal bin ich enttäuscht, wenn ich nicht alle ihre Erwartungen erfülle. Doch das Feedback ist meist sehr gut."

Foto: Katharina Finke
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Trupti Lalawani, 26, Offshore-Grafikdesignerin in Mumbai, erledigt kreative Arbeiten von Indien aus. Sie erzählt:

"Meine zwei Leidenschaften sind Bollywood-Tanz und Design. Um später finanziell abgesichert zu sein, habe ich erst mal Wirtschaftswissenschaften studiert. Vor sieben Jahren hat mich Global Solutions India eingestellt, für das Entwerfen von Logos, Illustrationen und Grafiken. Mit Entwürfen für ausländische Kunden verdiene ich viel Geld, 65.000 Indische Rupien (1000 Euro) im Monat, plus Boni. Und ich musste den Bollywood-Tanz nicht aufgeben, dank der Gleitzeiten von 10 bis 18 Uhr und weil mein Chef mich oft eine halbe Stunde früher gehen lässt, kann ich meinem Hobby weiterhin nachgehen. ...

Foto: Global Solutions India
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...Mein Job macht mir großen Spaß", sagt Lalawani, "schwierig ist es nur, die Vorlieben und Geschmäcker der Kunden im Kontakt via E-Mail und Skype zu verstehen. Manchmal können die Auftraggeber da ganz schön anspruchsvoll sein. Aber eigentlich habe ich bislang nur gute Erfahrungen gemacht." Im Bild: Der Büroraum, wo Lalawani mit elf Kollegen zusammenarbeitet.

Foto: Global Solutions India
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Navneet Kumar, 34, Offshore-Finanzbuchhalter und Teamleiter in New Delhi:

"Ich leite bei FinTax Experts India ein Team von sieben Finanzbuchhaltern, an die ich die Aufgaben der Kunden delegiere. Dazu gehört das Erstellen von Abrechnungen, Abstimmung und Abschluss von Konten sowie das Erstellen von Finanzberichten. Schließlich überprüfe ich die Ergebnisse und stelle sicher, dass sie pünktlich an die Kunden rausgehen. Meinen Abschluss als Finanz- und Wirtschaftsberater habe ich parallel zur Arbeit gemacht.
Die Sprache ist meist kein Problem, da im Finanzbereich ohnehin viel auf Englisch kommuniziert wird. Bei anderen Sprachen kann die Korrespondenz schon mal schwieriger sein, aber dann verwenden wir Übersetzer. Selbstverständlich müssen wir uns auch mit der Gesetzgebung der verschiedenen Länder auskennen. Das lernen wir bei internen Fortbildungen oder mit entsprechender Software.
Wenn es in einem Projekt sehr schnell fertig werden muss, dann schuftet unser Team auch mal die Nächte durch. Das steht dann in keinem Verhältnis mehr zu der monatlichen Bezahlung von 65.000 Indischen Rupien (1000 Euro). Sehr schade ist es natürlich, wenn der Zeitdruck durch die Kunden selbst verursacht wurde und sie dann versuchen, uns die Schuld in die Schuhe zu schieben. Für gewöhnlich sind die Kunden sehr professionell und dankbar."

Foto: Katharina Finke
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Büro statt Klassenzimmer: An diesen Computerarbeitsplätzen sitzen die Lehrer von TutorVista, die per Internetchat Sprachunterricht in aller Welt geben. Zu ihnen gehört...

Foto: Katharina Finke
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...Divya Gandhi, 26 , Online-Mathematiklehrerin in Bangalore. Sie erklärt ihre Arbeitsplatzwahl:

"Lehrer werden in Indien nicht besonders gut bezahlt, weswegen zahlreiche gut qualifizierte Fachkräfte inzwischen ausländische Schüler via Internet unterrichten. Das kann man vor allem auch von zu Hause aus machen. Für mich als Mutter ist das perfekt. Die Schichten, von 8.30 bis 10.30, 13.30 bis 16.30 und 00.30 bis 2.30 Uhr passen sehr gut in meinen Tagesablauf. Außerdem erspare ich mir Fahrtzeiten, die in Indien sehr lange sein können, und verdiene mit 32.000 Indischen Rupien (500 Euro) im Monat überdurchschnittlich.
Online läuft der Unterricht anders ab als in gewöhnlichen Schulen. Bei meiner Firma TutorVista nutzen wir in der Regel keinen Lehrplan. Hier loggen sich die Schüler bei uns ein und bearbeiten eine konkrete Fragestellung. In einer 45-minütigen Session versuchen wir, im Eins-zu-eins-Kontakt zu helfen und machen weitere Übungen. Auf einem Bildschirm, den sowohl der Schüler als auch ich sehen kann, schreiben und zeichnen wir gemeinsam.
Das einzige Problem ist, dass ich nicht persönlich mit den Schülern kommunizieren kann, sondern nur über Chat und es daher nicht immer so einfach ist, ihre Bedürfnisse zu verstehen. Manchmal nutzen sie die Anonymität des Chats auch aus. So wurde ich beispielsweise schon als Nichtsnutz beschimpft. In meiner fünfjährigen Laufbahn ist das aber bislang nur dreimal vorgekommen."

Foto: Privat