Erfindung der Jukebox Ein Groschen pro Hit

Ich zahle, also beschalle ich! Die Jukebox verhalf verpönter Musik zu Ruhm, ließ die Kulturkritiker verzweifeln - und füllte die Kassen der Mafia. einestages über Aufstieg und Fall der revolutionären Hitmaschine.
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Die Schöne und der Automat: Die 19-jährige Brünette Pascale Breugnot räkelt sich 1959 in einer Pariser Bar auf einer Musikbox - sie wurde soeben zur "Miss Jukebox" gewählt.

Foto: AFP
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Der Prototyp: Thomas Alva Edison vor seinem Zinnfolien-Phonografen. Der US-Tüftler reichte 1877 das Patent für seine "Sprechmaschine" ein. Während er die Zukunft des Phonografen als Diktiergerät sah, erkannte Kollege Louis T. Glass das revolutionäre Potenzial des Phonografen als Musik-Abspielgerät.

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Urahn der Jukebox: Fasziniert umringt diese Gruppe behüteter US-Bürger einen in Salina, Kansas, aufgestellten Münzphonografen aus den Neunzigerjahren des 19. Jahrhunderts. Wer einen Nickel einwarf, schnappte sich einen der stethoskopähnlichen Kopfhörer und lauschte dem kreischenden Sound.

Foto: Corbis
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Bunt, blinkend, bombastisch: Eine wahre Sinfonie in Chrom und Plastik bietet sich dem Besucher des "Smitty's Jukebox Museum" in Texas. Im Vordergrund (v.l.): eine Rock-Ola sowie drei Modelle des langjährigen US-Marktführers Wurlitzer.

Foto: Library of Congress
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Verpönt: Vier Damen posieren vor einer Musikbox der Marke AMI. Der Begriff "Jukebox" leitet sich von "jook" ("tanzen") ab und wurde durch die "Juke-Joints" geprägt: von Schwarzen besuchte Tanzlokale im Süden der USA. Bis in die Vierzigerjahre vermied die Industrie die Bezeichnung "Jukebox" - hoffähig machte den Begriff erst Swing-Legende Glenn Miller.

Foto: State Library and Archives of Florida
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Musik-Kasten: An eine Wohnzimmer-Kommode erinnert diese kastig-hölzerne Musikbox der Firma Seeburg, das "Modell BX - Symphonola" stammt aus dem Jahr 1937. Wer eine Münze einwarf, hatte die Wahl zwischen zwölf verschiedenen Titeln.

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Soldaten-Glück: Ein junger GI tanzt im Camp Bowie, Texas, mit seiner Angebeteten zum Rhythmus der Hits, den die prächtige Wurlitzer-Jukebox ausspuckt (Aufnahme vom Februar 1941). Charakteristisch: das verspielte Pfauen-Motiv auf der Front - es gab dem Modell "Peacock" von 1941 den Namen. Die US-Soldaten exportierten das Kulturgut Jukebox nach dem Zweiten Weltkrieg nach Europa.

Foto: Corbis
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Wagenrad: "Wagon Wheel" hieß diese, an einen wuchtigen Schrank gemahnende Musikbox der Firma Wurlitzer. Die "Wurlitzer 780" von 1941 bot bereits 24 Wahlmöglichkeiten für Schellacks - jedoch nur einseitig abspielbar. Beworben wurde die Jukebox mit dem Slogan "Harmoniert mit den feinsten Möbeln".

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Hitmaschine: Ehrfürchtig berühren diese Teenager die Jukebox - ein US-Modell der Automatic Musical Instrument Company, kurz AMI. Im Frühjahr 1942 brach die Herstellung der Musikboxen kriegsbedingt ein - Wurlitzer produzierte fortan Enteisungsanlagen für Flugzeuge und die Firma Seeburg elektromechanische Teile.

Foto: State Library and Archives of Florida
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Plastik-Mutter: "Mother of Plastic" war der liebevolle Spitzname dieser quietschbunt-schillernden, mit farbigen Glassteinen verzierten Jukebox. Die Firma AMI brachte das Modell A 1946/47 auf den Markt, der Hörer konnte zwischen 40 Songtiteln wählen.

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Musiktraum vom Fließband: Blick in eine Produktionshalle in Kansas City von 1947. Der enormen Nachfrage wegen wurden die Jukeboxen in Fließband-Arbeit gefertigt.

Foto: William P. Straeter/ ASSOCIATED PRESS
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Herausforderer: Im Jahr 1946 kam die "Challenger '47" auf den US-Markt - der Hersteller warb damit, dass dies der einzige Phonograf sei, der 30 Platten in seinem Inneren beherberge. Weitere Gimmicks waren laut der Anzeige: ein elektrischer Geldzähler - und ein externer Lautstärkeregler.

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Super-Rakete: 1951 feierte die Rock-Ola 1434, die sogenannte "Super-Rocket", Premiere. Die Jukebox war mit einem doppelten Tonarm versehen und bot 50 Wahlmöglichkeiten.

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Blubbermaschine: Bandleader Sammy Kaye, US-Star der Vierzigerjahre, posiert mit einer alten Wurlitzer. Zur bekanntesten Jukebox aller Zeiten avancierte die Wurlitzer 1015 ("bubbler") von 1946 - benannt nach den aufsteigenden Gasblasen in den seitlichen Röhren.

Foto: Corbis
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Nachkriegs-Revival: Am 24. September 1947 stand New York kopf, Cover-Girl Ginger Johnson (l.) und Schwester Jeri tauften vor Managern der Musikindustrie mit einer Flasche Champagner die angeblich erste Nachkriegs-Jukebox in der Stadt.

Foto: Corbis
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Hübsches Auslaufmodell: 1948/49 brachte Wurlitzer dieses 24 verschiedene Songs bietende Modell 1100 heraus - vom Design her genial, von der Technik jedoch veraltet. Denn 1948 drängte Konkurrent Seeburg mit der legendären M100A auf den Markt: einer Musikbox, die 100 verschiedene Titel spielen konnte.

Foto: Ronald L./ Jukebox-World
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Eine Box für den King: Szenenbild aus dem Film "Der Tag, an dem Elvis nach Bremerhaven kam" von 1978. Die Jukebox verhalf dem Rock'n'Roll-Star zu globalem Ruhm: Waren sich zahlreiche Radiosender zunächst zu fein, die Songs von Elvis zu spielen, spielten die Hitmaschinen in den Eckkneipen, Milchbars und Eisdielen gegen Gebühr die vom Establishment geschmähte Musik.

Foto: ddp images
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Kommunistenschreck: Den passenden Hit zum Hotdog wählt dieser Teenager vor einer Jukebox in New York im Jahr 1959. Die Musikboxen stürzten die Machthaber jenseits des Eisernen Vorhangs in ein Dilemma: Sollten sie die Kapitalistenmaschine verbieten und den Kommunismus retten - oder die Jukeboxen tolerieren und Geld damit verdienen?

Foto: Corbis
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Rotlicht-Accessoire: Eine Jukebox der Firma Seeburg ziert einen Nachtclub in Memphis, Tennessee. Das Unternehmen stieg im Jahr 1927 in die Musikbox-Produktion ein, als die elektrischen Verstärker aufkamen.

Foto: Corbis
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Flirt-Treff: 1958 fand diese deutsch-italienische Begegnung vor einer Jukebox im Adria-Badeort Milano Marittima statt. Magisch zog der Musikautomat die Jugendlichen an: Wer eine Münze einwarf, galt als Chef - zumindest für zwei, drei Minuten.

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Made in Germany: "Diplomat B" hieß diese, im Design perfekt zum Nierentisch passende Musikbox der Firma Wiegandt aus dem Jahr 1957. Während die Deutschen nach dem Krieg zunächst Jukeboxen aus den USA importiert hatten, wurden die beliebten Hitmaschinen ab 1952 auch im eigenen Land gefertigt.

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Modell "Sachsenklang": Auch in der DDR erfreute sich die Musikbox großer Beliebtheit - diese "Sachsenklang M3", Baujahr 1965, wurde von der Firma Böhm-Automatic gefertigt. Die 80-Titel-Jukebox war ein sogenannter Halbautomat: Die Platte musste von Hand in den Schlitz geschoben werden.

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Schlicht und ergreifend: Ein Paar tanzt 1963 zu den Klängen der Jukebox in einer Bar. In den Sechzigerjahren dominierte, was das Design betrifft, die kastige, schnörkellose Form.

Foto: Murphy/ Getty Images
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Olé-Ola! Gut gelaunt präsentiert dieses Modell im Jahr 1964 italienische Strandmode - als Kulisse dient, vor mintgrüner Wand, eine Jukebox der Marke Rock Ola. 1935 begann das US-Unternehmen mit der Produktion von Jukeboxen - benannt ist sie nach dem Firmengründer David Cullen Rockola.

Foto: Anonymous/ AP
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Raumschiff: Von 1963 stammt diese Aufnahme einer Jukebox in Frankfurt - über dem futuristisch gestalteten Modell scheint die halbrunde Tafel zur Auswahl der Songs zu schweben.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/ Abisag Tüllmann
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Sehen und Hören: Kneipenbesucher bestaunen im Jahr 1963 eine Scopitone - die in Frankreich entwickelte Jukebox spuckte nicht nur Hits aus, sondern zeigte auch eigens produzierte 16-Millimeter-Clips: die Vorgänger der Musikvideos.

Foto: imago
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Schlagerschleuder: Eine Touch-Screen-Jukebox von NEC im Bonner Haus der Geschichte. Die Musikboxen verhalfen einst nicht nur der Musik der Schwarzen und dem Rock'n'Roll zu Ruhm, sondern erwiesen sich - gerade in der Bundesrepublik - auch als wahre Schlagerschleudern.

Foto: Jˆrg Carstensen/ picture-alliance/ dpa
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Jukebox des 19. Jahrhunderts: "Polyhpon" heißt diese um 1890 hergestellte Plattenspieldose - einer der Vorläufer der modernen Jukebox. Die Melodie wird erzeugt, indem die auf der Unterseite der Platte angeordneten ausgestanzten Zinken durch einen Metallkamm angerissen werden. Dieses Modell enthält 18 verschiedene Blechlochplatten.

Foto: Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz/ Musikinstrumenten-Museum
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Auch der Kinofilm "Catch me if you can" von 1989 mit Matt Latanzi schuf der Wurlitzer-Jukebox ein Denkmal. Insgesamt verkaufte die Firma mehr als 750.000 Musikboxen, bevor sie sie Produktion 1974 einstellte.

Foto: ddp images
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Wiederbelebung im CD-Zeitalter: Musiker George Benson lauscht 1986 dem Sound einer Laser-Jukebox des US-Herstellers Seeburg - das Gerät greift nicht mehr auf Schallplatten zurück, sondern auf Compact Discs.

Foto: Rick Maiman/ AP