Die Bayern-Stars in der Saisonkritik Hummels punktet, Müller schwächelt

Es war eine durchwachsene Saison für den alten und neuen Meister FC Bayern und viele seiner Stars. Neuer, Lewandowski und Hummels standen ihren Mann, aber Thomas Müller würde die Spielzeit am liebsten vergessen.
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Carlo Ancelotti (Trainer) 3 Sterne: Als der 57-Jährige im Sommer 2016 seinen Dienst in München antrat, herrschte an der Säbener Straße große Freude, vor allem bei den Spielern. Nach drei intensiven Jahren unter dem emotional distanzierten Katalanen Josep Guardiola hatten sie nun endlich wieder einen Trainer mit warmem Herz und offenem Ohr. Mehr der Typ liebenswerter Großonkel, einer zum Anvertrauen, wie einst Ottmar Hitzfeld und Jupp Heynckes. Menschlich verstanden sich Mannschaft und Trainer schnell, spielerisch nicht. Es dauerte bis zur Rückrunde, bis die Spieler seine strategischen Ideen auf dem Platz flüssig umsetzen konnten. Doch so gut das in der Bundesliga funktionierte, so schlecht lief es im April, als es wirklich darauf ankam. Auch wenn die Bayern gerade in dieser Phase Pech mit Verletzungen hatten: Der oft lethargisch wirkende Ancelotti wechselte in beiden Spielen gegen Real Madrid im falschen Moment die falschen Spieler aus und trug daher eine große Mitschuld am frühen Aus im Viertelfinale der Champions League. Zudem hielt er zu sehr an seinen Routiniers fest, weshalb gerade der zu Saisonbeginn fröhlich aufspielende Joshua Kimmich als dauerhafter Bankdrücker die Lust und auch das Selbstvertrauen verlor. Nach dem Aus im Pokal-Halbfinale blieb ihm als Trostpreis nur die Meisterschaft. Ein sehr durchwachsenes erstes Jahr für den Mister. Prognose: Hat nach dem ersten Eingewöhnungsjahr nach wie vor die volle Rückendeckung des Präsidiums, steht für die kommende Saison aber enorm unter Zugzwang. Ancelotti muss nun liefern und Titel holen, mindestens ein Double. Gelingt auch 2018 nur der Pflichttitel deutsche Meisterschaft, könnte Ancelottis Zeit in München nach zwei Jahren schon wieder vorbei sein.

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Manuel Neuer (Tor) 5 Sterne.Hält immer noch die Unhaltbaren. Eine einmal mehr überragende Saison des vierfachen Welttorhüters. Blieb in mehr als der Hälfte seiner Bundesliga-Spiele ohne Gegentor (14 Mal), strahlte wie die Jahre zuvor eine unnachahmliche Ruhe aus, bewies wie immer auch viel Übersicht beim Spielaufbau nach vorne. Allein ihm war es zu verdanken, dass die Bayern im Viertelfinal-Hinspiel gegen Real Madrid nicht gedemütigt wurden, sondern nur 1:2 verloren. Beim Rückspiel in Madrid brach er sich in der Verlängerung vor dem entscheidenden 3:2 durch Cristiano Ronaldo den linken Fuß. Das Saison-Aus kam zeitgleich mit dem Ende des Triple-Traums. Sorgte am Samstag, nachdem die Bayern in Wolfsburg den Titel sicherten, für den kuriosesten Jubel, als er daheim am Tegernsee seine Krücken freudig in die Luft warf. Nachzusehen auf Instagram. Prognose: Seine Position als Nummer 1 steht außer Frage. Konkurrenzlos auf seiner Position. Im Verein, in der Liga, auf der ganzen Welt. 2021 läuft sein Vertrag aus. Dann wird er vermutlich achtfacher Welttorhüter sein.

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Sven Ulreich (Tor) 2 Sterne: Kam in den Schon- und Verletzungszeiten Neuers zum Einsatz, was diesmal sehr viel häufiger vorkam als in der Vorsaison. Fing sich für Bayern-Verhältnisse recht viele Tore ein (10), auch wenn er meistens gar nicht schuld war. Es kann auch nicht besonders viel Spaß machen, bei gerade einmal acht Einsätzen fast genauso viele Niederlagen (3) erleben zu müssen wie Neuer im gesamten Rest der Saison (4). Prognose: Wer als Torwart zu den Bayern kommt, der will eher etwas von Manuel Neuer lernen als ihn verdrängen. Der Ex-Stuttgarter hat offen kommuniziert, dass er die Bayern im Sommer verlassen wird, um bei einem anderen Verein wieder regelmäßig im Tor zu stehen.

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Rafinha (Abwehr) 3 Sterne: Er besang die deutsche Meisterschaft auf dem Heimweg von Wolfsburg mal wieder am lautesten. Es wäre allerdings unfair, ihn nur als den Gute-Laune-Onkel des Bayern-Kaders zu bezeichnen. Zumal es viel Teamgeist braucht, um permanent in der zweiten Reihe zu stehen, ohne jemals zu meckern, da er rechts hinten immer nur zum Einsatz kam, wenn Philipp Lahm mal eine Pause brauchte. Doch er kümmert sich eben um das Drumherum, und sei es nur, dass er in Madrid dem vierten Offiziellen die Fehlentscheidungen auf dem Smartphone zeigt. Er scheint manchmal Bayerns größter Fan zu sein, der ab und zu auch mitspielen darf. Eigentlich auch recht oft, jedoch selten über 90 Minuten. Seine Leistungen ließen im Saisonverlauf ein wenig nach. Prognose: Hatte 2016 angekündigt, dass er wegen des neuen Trainerteams auf der nächsten Meisterfeier italienisch singen will. Mal sehen. Nach dem Abschied von Lahm könnte er vielleicht doch noch Stammspieler werden - dann nämlich, wenn Joshua Kimmich als neuer Rechtsverteidiger nicht überzeugt.

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Mats Hummels (Abwehr) 4 Sterne: Eine überzeugende erste Saison des Innenverteidigers beim FC Bayern, nach der Rückkehr von Borussia Dortmund zu seinem Heimatklub, für den er in der Jugend und der Regionalliga kickte. Verletzte sich ausgerechnet drei Tage vor dem Hinspiel gegen Real Madrid am Sprunggelenk. Sehr souverän in seinem Auftreten auf dem Platz und außerhalb. Stand nach Spielende regelmäßig so ausführlich für Interviews zur Verfügung wie sonst keiner seiner Mitspieler und sorgte dabei für erstaunliche Erkenntnisse. Etwa nach dem Erstrunden-Pokalspiel, dass er gerne in Stadien wie in Jena spiele. "Die erinnern mich an meine Zeit in der Regionalliga." Und dass ihn die Erfolgsserie Hoffenheims in der Bundesliga beglücke: "Ich habe im kicker-Managerspiel viele TSG-Spieler in mein Team gewählt." Sich selbst stellte er dort übrigens auch auf. Prognose: Auch künftig ist der 28-Jährige mit seinen 1,91 Metern eine feste Größe in der Innenverteidigung. Hat sich bis 2021 langfristig an die Bayern gebunden. Bleibt er gesund, erzielt er mit seiner eigenen Nominierung im Managerspiel erneut viele Bonus-Punkte.

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Jérome Boateng (Abwehr) 3 Sterne: Schleppte sich mit Verletzungen durch die Saison. Muskelbündelriss, Schulterprobleme, Adduktorenbeschwerden. Wurde zudem von Klubboss Karl-Heinz Rummenigge persönlich gerüffelt wie sonst kein Bayern-Spieler in dieser Saison. "Es wäre in seinem Sinne und in dem des Klubs, wenn er mal wieder back to Earth kommen würde", polterte Rummenigge nach der 2:3-Niederlage in der Champions-League-Vorrunde in Rostow. Eine Anspielung auf die vielen Werbetermine und Fotoshootings des Innenverteidigers. In den wenigen Spielen, die der Innenverteidiger auflief, blieb er weitgehend fehlerlos, aber auch nicht mehr so imposant und dominant in seiner Ausstrahlung und in seinem Auftreten. Hatte schon bessere Jahre. Prognose: Ohne weitere Verletzungen sollte Boateng (Vertrag bis 2021) wieder zur alten Stärke zurückfinden und müsste auch im Spiel nach vorne wieder aktiver werden. Sonst könnte er öfters auf der Bank sitzen, mit Mats Hummels und Javi Martinez hat Carlo Ancelotti zwei mindestens ebenbürtige Alternativen in der Innenverteidigung. Hauptsache, er ist wieder zurück auf der Erde.

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Juan Bernat (Abwehr) 2 Sterne. Ist so etwas wie die der Rafinha auf links, kann allerdings nicht so schön singen wie dieser - und ist deshalb in der Gesamtwahrnehmung noch unauffälliger. Wenn der junge Spanier spielt, lässt er sich zwar wenig zuschulden kommen, doch das hilft ihm wenig mit Blick auf eine Stammplatz-Perspektive. Dass er sage und schreibe 20 Mal nicht einmal im Kader stand, zeigt, dass er bisweilen nicht einmal als zweiter Mann auf der Linksverteidiger-Position hinter David Alaba gehandelt wird. Prognose: Wird weiterhin nur dann spielen, wenn Alaba eine Pause braucht. Oder, wenn er zu einem anderen Verein wechselt.

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David Alaba (Abwehr) 3 Sterne: Über weite Strecke der Saison wirkte der österreichische Linksverteidiger überspielt und müde - als hätte er sich von der Enttäuschung vom Sommer 2016, als er mit seiner Nationalmannschaft schon in der Vorrunde rausflog, noch nicht erholt. Weder physisch noch psychisch. Gerade in der Vorrunde hatte er oft Abstimmungsschwierigkeiten mit Franck Ribéry, das Duo harmonierte lange nicht so geschmeidig wie auf der rechten Seite Arjen Robben und Philipp Lahm. In den beiden Spielen im Viertelfinale gegen Real mühte er sich, doch am Ende ging ihm gerade im Rückspiel in der Verlängerung die Kraft aus. Bezeichnend für die gesamte Saison. Prognose: Alaba hat einen Vertrag bis 2021, ist auch für die kommende Saison auf der linken Abwehrseite gesetzt. Gut nur, dass im Sommer kein großes Turnier ansteht, an dem er mit Österreich teilnehmen muss. So kann er sich endlich erholen und neue Kraft tanken.

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Philipp Lahm (Abwehr) 4 Sterne. Hat in seiner großen Karriere fast immer richtig entschieden, und das nie mit dem Bauch, sondern stets mit dem Kopf. Sachlich, nüchtern und kühl kalkulierend. Sein Rücktritt aus der Nationalmannschaft 2014 war ebenso konsequent wie das Karriereende beim FC Bayern. Lahm wusste schon immer, wann es Zeit ist, loszulassen - und auch wann was wie gesagt werden muss. So wie er einst Michael Ballack als DFB-Kapitän demontierte, so düpierte er im Februar auch die sich ahnungslos gebenden Klub-Bosse Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge, als er eigenmächtig seinen Abschied zum Saisonende erklärte und gleichzeitig als möglicher Sportdirektor absagte. In seinen letzten Wochen merkte man ihm allmählich das Alter an, gerade als er im Pokal-Halbfinale gegen Dortmund vor dem 2:3 den Ball verstolperte und läuferisch nicht mehr hinterherkam. Es ist Zeit für ihn zu gehen. Weiß er selbst am besten. Prognose: Macht erst einmal Urlaub, wird sich dann seinem anderen Standbein in der Wirtschaft widmen, wo er bereits Gesellschafter in mehreren Unternehmen ist. Kehrt irgendwann als Sportdirektor zum FC Bayern zurück - aber erst, wenn Hoeneß und Rummenigge in Rente sind.

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Joshua Kimmich (Abwehr/Mittelfeld) 2 Sterne: Im September sah alles noch rosig aus für den Jungspund im Team, nach einer guten EM für Deutschland schoss er plötzlich auch noch wichtige Tore, so wie auf Schalke am zweiten Spieltag. Doch zum Saisonende ist die Bilanz mager: Bei keinem einzigen Spitzenspiel stand der 22-Jährige in der Startelf, der Allrounder wurde auf den meisten Positionen, die er spielen kann, zur zweiten Wahl. Das wiederum ist die Hauptkritik an Trainer Ancelotti: Er gebe Talenten wenig Zeit, sich zu entwickeln. Sein eigenes Fazit: "Auf jeden Fall nicht zufriedenstellend für mich", sagte er in einem Anflug erster Kritik. Prognose: Hat in der kommenden Saison den Druck, liefern zu müssen, wenn die Rechtsverteidiger-Planstelle durch Lahms Abgang nun dauerhaft frei wird. Sollte ihm Ancelotti weiterhin wenig Spielzeit einräumen, dürfte er bald den Verein wechseln.

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Thiago Alcantara (Mittelfeld) 3 Sterne: Nur zwei Tage nach dem 2:3 im Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund verlängerte der Spanier seinen 2019 auslaufenden Vertrag vorzeitig um zwei Jahre. Ein demonstratives Zeichen, dass die Bayern auch die kommenden fünf Jahre auf den 26-Jährigen setzen. Sorgte für die schönste Torvorlage der Saison, als er beim Spiel in Hamburg kurz vor Schluss aus dem Fußgelenk einen Traumpass auf Joshua Kimmich schlug, der dann den Siegtreffer zum 1:0 schoss. In der Bundesliga starker Mittelfeldstratege, allerdings tauchte er gerade in den entscheidenden Spielen wie gegen Real Madrid oder im Pokal gegen Borussia Dortmund ab und ließ die Qualitäten vermissen, die man von einem Führungsspieler wie ihn erwarten sollte. Prognose: Thiago oder nix. Einer der berühmtesten Sätze seines Förderers Josep Guardiola. In der kommenden Saison muss er aber auch in großen Spielen zeigen, dass er wirklich alternativlos ist. Sonst wird es auf Dauer eher nix.

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Javi Martinez (Mittelfeld) 3 Sterne: Die vielleicht beste Nachricht für den 28-jährigen Spanier: Er spielt wieder regelmäßig. Seit seiner Münchner Premierensaison 2012/13 stand der Defensiv-Allrounder nie so oft zur Verfügung wie diesmal. Er spielte jedoch nur ein einziges Mal im defensiven Mittelfeld, weil dort kein Bedarf war - dafür umso mehr in der Abwehr. Als die Bayern ihn am meisten brauchten, im Champions-League-Rückspiel bei Real Madrid, fehlte er wegen einer Gelb-Rot-Sperre aus dem Hinspiel. Trotz überragender Zweikampfwerte und Torgefahr bei Standards: In entscheidenden Spielen spielte er immer wieder unglücklich. Prognose: Er ist bald fünf Jahre im Verein, seine Familie fühlt sich in München wohl. Sein Vertrag läuft bis 2021. Wenn er auch in großen Spielen noch mal seine Bestleistung abrufen kann, dann winkt ihm ein bayerischer Legendenstatus.

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Xabi Alonso (Mittelfeld) 3 Sterne: Neben Philipp Lahm die zweite große Spielerpersönlichkeit, die nach der Karriere die Saison beendet. Auch in dieser Saison glänzte er wieder mit seinem unverwechselbar eleganten und erhabenen Auftreten, doch die ganz großen Impulse wie noch in seinen ersten beiden Jahren beim FC Bayern konnte er nicht mehr setzen. Seine Stärken hatte er, wenn er aus dem Stand weite Pässe aus dem defensiven Mittelfeld schlagen konnte. Ging es ans Laufen, offenbarten sich seine Schwächen, mit seinen 35 Jahren ist der zweimalige Champions-League-Sieger einfach langsam geworden. Der Traum vom dritten Titel platzte ausgerechnet bei seinem Ex-Klub Real Madrid. Der Abschied kommt genau richtig, mit einem weiteren Jahr hätte er sich selbst keinen Gefallen mehr getan. Prognose: Wird vermutlich wieder zurück nach Spanien gehen, eines Tages als Trainer erfolgreich eine große Mannschaft betreuen und in der Coaching Zone so elegant auftreten wie einst auf dem Spielfeld.

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Arturo Vidal (Mittelfeld) 3 Sterne: Fußball kann ungerecht sein, doch der kampfstarke Chilene wird mit Blick auf die Saison 2016/17 vor allem für zwei Dinge in Erinnerung bleiben: für einen verschossenen Elfmeter (im Hinspiel gegen Real Madrid) und für einen mehr oder weniger unglücklichen Platzverweis (im Rückspiel gegen Real Madrid). Dabei zeigte er auf dem Weg zur Meisterschaft häufig Bestleistungen und war in Sachen Körpersprache und Zweikampfhärte fast immer Anführer auf dem Platz – übrigens mit nur einer einstelligen Zahl an gelben Karten. Zuletzt machte seine Familie traurige Schlagzeilen, als der Freund seiner Schwester in Chile erschossen wurde, Vidal spielte trotzdem. Prognose: Hat noch einen Vertrag bis 2019. Wird noch im Mai 30 Jahre alt, gehört also auch schon bald zu Bayerns altem Eisen. Das sich aber vermutlich noch eine Weile recht gut schmieden lässt.

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Arjen Robben (Angriff) 4 Sterne: In seinem achten Jahr beim FC Bayern sorgte er für ein Novum: Erstmals gab es nicht die sonst regelmäßig geführte Ego-Debatte, ob der Holländer zu eigensinnig in seinem Spiel sei und zu egoistisch. In dieser Saison war er dafür einfach zu gut, brachte mit seinem unnachahmlichen Robben-Move (von rechts in die Mitte laufen und mit dem linken Fuß ins lange Eck zirkeln) gegnerische Abwehrspieler kollektiv zur Verzweiflung. Fand beim bitteren Aus gegen Real seine Meister jedoch in den humorlosen Verteidigern Sergio Ramos, Nacho und Marcelo und vergab den Einzug ins DFB-Pokalfinale, als Dortmunds Sven Bender seinen Schuss mit der Grätsche des Jahrzehnts von der Linie kratzte. Emotionalstes Erlebnis: das Gastspiel in Eindhoven, die Rückkehr zu seinem alten Verein PSV. Nach dem Spiel feierte er nicht mit der Mannschaft, sondern der Familie - und kaufte sich nach 1 Uhr nachts gegenüber vom Teamhotel noch einen Döner. Da ging er doch wieder seinen eigenen Weg. Prognose: Der 33-Jährige verlängerte beim FC Bayern nach monatelanger Hängepartie im Januar noch um ein weiteres Jahr bis 2018. Spielt er kommende Saison erneut auf Top-Niveau, könnte es sogar bis 2019 weitergehen. Ansonsten dürfte er, wie von ihm angedeutet, über ein Millionen-Angebot aus China nachdenken.

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Franck Ribéry (Angriff) 4 Sterne: Ist schon 34, spielt nach Worten seines Trainers aber noch wie 27. Bekam Anfang April von Carlo Ancelotti ein Geburtstagsküsschen, danach wirkte das Verhältnis der beiden nicht mehr so harmonisch. Die Auswechslungen gegen Real Madrid und im Pokal gegen Dortmund verstimmten den Franzosen, dem es immerhin gelang, sein Temperament in dieser Saison zu zügeln. Nach seiner ungeahndeten Tätlichkeit zu Saisonbeginn im Supercup gegen Dortmunds Felix Passlack bändigte er sich nach internen Rüffeln erfolgreich und wirbelte sich auf der linken Offensivseite gewohnt spektakulär durch die Abwehrreihen. Weiterhin unumstrittener Publikumsliebling. Prognose: Im Sommer feiert er sein Zehnjähriges beim FC Bayern, erklärte bereits, er könne sich eine Karriere bis 2020 vorstellen, aber nicht mehr zu einem anderen Verein zu wechseln. Hofft auf weitere Küsschen seines Trainers.

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Douglas Costa (Angriff) 3 Sterne: Durfte am Wochenende eine Art Double feiern, denn er war live dabei, als sein Athletiktrainer deutscher Meister mit der Futsal-Mannschaft von Jahn Regensburg wurde. Hatte zu Beginn der Saison mit Knieproblemen zu kämpfen, hinkte danach der Leistung seiner durchaus spektakulären Münchner Premieren-Saison hinterher. Als Tor-Vorbereiter immer noch sehr nützlich, wirklich wichtige Tore gelangen ihm aber selten. Das Bedeutendste war wohl sein 1:0-Siegtreffer in Darmstadt. Hat gegen einen weitgehend fitten Ribéry den Linksaußen-Konkurrenzkampf klar verloren. Prognose: Richtig zufrieden wirkte der Brasilianer zuletzt nur noch selten, kein Wunder, dass sich Abschiedsgerüchte um ihn ranken. Sollte er gehen, braucht Bayern schleunigst einen neuen, flinken Flügelstürmer.

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Renato Sanches (Mittelfeld) 1 Stern: Im Frühjahr 2016 verpflichteten die Bayern den damals 18-jährigen Portugiesen für 35 Millionen Euro von Benfica Lissabon. Nach dem EM-Triumph Portugals frohlockte Karl-Heinz Rummenigge über den großen Coup, rechtzeitig vor anderen Interessen wie Manchester United zugeschlagen und ihn noch so günstig bekommen zu haben: "Nach dem Titelgewinn wäre er unbezahlbar gewesen." Die Euphorie ist inzwischen verflogen. Sanches war die größte Enttäuschung der Saison. Insgesamt spielte er in der Bundesliga nur 525 Minuten, in allen Pflichtspielen zusammen nur 813. Fremdelte mit der neuen Umgebung, mit München und dem Verein, wirkt fehl am Platz, wie ein Fremdkörper. Fehlerhaft und unsicher im Spiel, fand zu keinem Zeitpunkt in die Mannschaft. Ein Risikofaktor. Prognose: Sanches muss hart an sich selbst arbeiten, um sich in der Stadt und beim FC Bayern zu integrieren. Sonst droht ihm das Schicksal als Dauerreservist, bevor ihn die Bayern wieder als Minusgeschäft verkaufen. 35 Millionen bekommen sie dann nicht mehr.

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Robert Lewandowski (Angriff) 5 Sterne: Wenigstens er könnte noch ein persönliches Double holen, neben dem Meistertitel auch die Torjägerkanone. Lewandowskis Zweikampf mit Pierre-Emerick Aubameyang ist in den bedeutungslosen finalen vier Saison-Spielen beim FC Bayern noch der einzig letzte Spannungsmoment. Seit drei Jahren in München, erzielte in 93 Bundesliga-Spielen 75 Tore, Torquote: 0,81 pro Spiel. Bester Mittelstürmer seit Gerd Müller (0,85). Zog sich beim 4:1 gegen Dortmund am 8. April eine Schulterverletzung zu und fiel für das wichtige Hinspiel gegen Real aus. Schmerzhaft für ihn, noch mehr aber für die Bayern, wo die Klub-Bosse fahrlässigerweise auf seine ewige Unverwundbarkeit setzten. Sein schönster Torjubel: Im Dezember nach dem Treffer zum 1:0 gegen Atlético Madrid, als er den Ball unters Trikot steckte und den Finger in den Mund nahm: Seine Frau Anna war da im fünften Monat schwanger. Prognose: Der 28-Jährige (Vertrag bis 2021) ist im besten Stürmeralter, außerdem ist Carlo Ancelotti überzeugt, dass Lewandowski als Vater noch stärker wird. Interessante These. Unersetzlich, aber nicht unverletzlich. Höchste Zeit, dass die Bayern einen zweiten Stand-by-Mittelstürmer für den Ernstfall verpflichten.

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Thomas Müller (Angriff) 2 Sterne: Jetzt ist es also passiert: Der WM-Torschützenkönig von 2010, den Manchester United 2015 für 100 Millionen Euro kaufen wollte, hat seine Konstanz verloren. Der meist so gut gelaunte Mia-san-mia-Vorzeigebayer wurde zuletzt auch in der Interviewzone immer schmallippiger oder sagte oft gar nichts mehr. Dass die Bayern in dieser Saison besonders abhängig von Lewandowskis Toren waren, hat auch mit seinem Leistungsabfall zu tun. Und es ist fraglich, dass dieser nur zustande kam, weil Müller unter Ancelotti im Angriff oft nicht mehr zentral spielen darf. Prognose: Es handelt sich um einen Präzedenzfall, denn Müller spielte noch nie über einen längeren Zeitraum so klar unter seinen Möglichkeiten. Zeigte gegen Ende der Saison wieder etwas mehr Spaß am Fußball, was ihm helfen wird, in der Sommerpause nicht zu sehr ins Grübeln zu geraten.

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Kingsley Coman (Angriff) 1 Stern: Seinen Wert für die Mannschaft kann man an den zwei Pflichtspieltoren der Saison ablesen: Beide erzielte er beim 8:0-Sieg über den HSV, gegen einen demoralisierten Gegner also. Den Gegner zu frustrieren, gelang ihm selbst aber so gut wie nie. Konnte nach einer Verletzung im Herbst mit seinen Kurzeinsätzen den Trainer, der nicht gerade dem Jugendwahn verfallen ist, nicht davon überzeugen, dass er wieder mehr zu tun bekommen sollte. Trotzdem zogen die Bayern bei dem bislang von Juventus Turin nur ausgeliehenen Linksaußen nun die Kaufoption – und sprachen dabei von Comans großem Potenzial. Das hat er aber bislang nur in der Vorsaison unter Beweis gestellt. Prognose: Coman ist 20 Jahre jung, wird aber trotzdem schon als fünffacher nationaler Meister geführt (2x in Frankreich, 1x in Italien, 2x Bayern). Muss künftig bei den Bayern aber beweisen, dass er mehr ist als nur ein flinkes Maskottchen.

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