Filmgeschichte Posen und Kosen

Jung, nackt - unschuldig? Der Fotograf David Hamilton erlangte in den siebziger Jahren mit weichgezeichneten Mädchenfotos Weltruhm. Sein kitschiger Softerotik-Film "Bilitis" wurde zum Kassenschlager. Dann wandelte sich das gesellschaftliche Klima - und ächtete seine Filme.
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Unter Freundinnen: Besonders Jugendliche waren fasziniert, als "Bilitis" 1977 ins Kino kam. Der Film war bereits für Zuschauer ab 16 Jahren freigegeben und bot so auch Pubertierenden Einblick in die Welt des Sex - zu einer Zeit, als er noch nicht jederzeit über einen Mausklick im Internet zu finden war.

Foto: ddp images
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"Bilitis"-Filmplakat: In David Hamiltons Weichzeichner-Epos "Bilitis" über die ersten sexuellen Erfahrungen eines jungen Mädchens spielte neben Hauptdarstellerin Patti D'Arbanville auch der deutsche Schauspieler Mathieu Carrière mit. Er ist auf dem Filmplakat unten in der Mitte zu erkennen.

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Märchenwelt: "Bilitis" entführte seine Zuschauer an Traumorte, an denen ein mondänes Leben voller sommerlicher Leichtigkeit in luxuriösen Villen inmitten schöner Landschaften geführt wurde. Dazwischen bewegten sich leichtbekleidete Mädchen und Frauen wie Feen in einem Märchen.

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Heuschober-Erotik: Die Handlung von "Bilitis" war dürftig - eine Internatsschülerin entdeckt in den Ferien die Liebe, weiß aber noch nicht, ob sie sich mehr zu einem jungen Mann oder einer älteren Freundin hingezogen fühlt. Also experimentiert siie mit beiden herum.

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Tanz im Garten: "Bilitis"-Regisseur David Hamilton sah sein Werk als anspruchs- und geschmackvollen Inszenierung erwachender Sexualität, ja als Kunst. Problematisiert wurde die Zurschaustellung jugendlicher Sexualität in den siebziger Jahren kaum - erst in den neunziger Jahren begann hier ein Umdenken.

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Lolita: Hauptdarstellerin Patti D'Arbanville war bei den Dreharbeiten zu "Bilitis" schon Mitte Zwanzig, deutlich älter als die von ihr dargestellte Figur. Sie hatte bereits 1968 in Andy Warhols "Flesh" ihr Schauspieldebüt gegeben; der Folksänger Cat Stevens hatte ihr das Lied "Lady D'Arbanville" gewidmet. Sie steht bis heute vor der Kamera, während "Bilitis" für ihre Filmpartnerin Mona Kristensen der einzige Kinoauftritt blieb.

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Fotograf Hamilton: David Hamilton mit seiner Ehefrau Gertrude im Sommer 1995 in St. Tropez. Nachdem Hamilton mehrere Jahre mit der "Bilitis"-Darstellerin Mona Kristensen zusammengelebt hatte, heiratete er Gertrude, die als Modell für ihn gearbeitet hatte. Die Ehe scheiterte jedoch.

Foto: CORBIS
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Verträumt im Bad: Als Reaktion auf die Sex-ist-wie-essen-Attitüde der 68er sehnte sich die nächste Generation in den siebziger Jahren wieder nach Gefühlen und kuscheliger Romantik - einen Wunsch, den die ästhetisierenden, konfliktfreien Bilder von David Hamilton perfekt bedienten.

Aus dem Fotoband "David Hamilton: Erotische Geschichten"

Foto: David Hamilton/Knesebeck-Verlag
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Blumenmädchen: Viel Weichzeichner und warme Pastellfarben waren die Zutaten in David Hamiltons Erfolgsrezept - und möglichst unschuldig wirkende Blondinen natürlich.

Aus dem Fotoband "David Hamilton: Erotische Geschichten"

Foto: David Hamilton/Knesebeck-Verlag
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Lob des Tastsinns: In "Die Geschichte der Laura M.", David Hamiltons zweitem Kinofilm nach "Bilitis" zog der gelernte Tischler erneut alle Register der Weichzeichnererotik - mit einem von Altherrenphantasie nur so strotzenden Plot. Ein junges Mädchen verliebt sich in einen älteren Bildhauer. Dieser, der früher einmal der Geliebte ihrer Mutter war, beginnt eine Skulptur von ihr anzufertigen. Doch er erblindet, bevor das Kunstwerk fertig ist - er muss (darf?) sich sein Bild von ihr ertasten.

Foto: ddp images / pwe
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Das am kontroversten diskutierte Cover: Das Titelbild der Scorpions-LP "Virgin Killer" von 1976 zeigte eine nackte Minderjährige in lasziver Pose. Gemessen an diesem Motiv waren die Aufnahmen von jungen Mädchen in dem im gleichen Jahr entstandenen Softerotik-Film "Bilitis" des Fotografen David Hamilton eher zahm. Das Scorpions-Cover belegt, wie gering die Sensibilität für die Pädophilie-Problematik in den siebziger Jahren allgemein war. Laut Auskunft der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien war das Scorpions-Cover in Deutschland nie indiziert. Allerdings nahm die Plattenfirma das Original nach Protesten vom Markt und ersetzte es...

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...durch dieses neutrale Motiv, das statt der Minderjährigen die zweifellos volljährigen und zudem bekleideten Bandmitglieder der Scorpions zeigt.

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Heu und Weichzeichner: Hamiltons zweiter großer Kinoerfolg "Zärtliche Cousinen" spielt im Sommer 1939 in einem kleinen Hotel in der Provence. Inmitten von allerlei Liebesreigen und Dreiecksgeschichten bricht der Zweite Weltkrieg aus und alle Männer müssen an die Front - bis auf den erst 14-jährigen Julien, der in dieser Situation endlich auch für seine Cousine Julia interessant wird und mit ihr sein erstes Mal erleben darf. Für die deutsche Schauspielerin Anja Schüte war dieser Film der Beginn ihrer Karriere.

Foto: ddp images
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Jung und verschwommen: Der Fotograf David Hamilton war schon für seine mit starken Weichzeichnereffekten fotografierten Mädchenaufnahmen bekannt, bevor er in den siebzigern "Bilitis" drehte.

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