Bilder des Krieges Die letzten Blicke der Toten

Wer war der Unbekannte, der 1942 an der Ostfront einzigartige Fotos machte? Zahllose Leser halfen mit, als einestages Anfang Februar 2010 zur Suche aufrief, bald war die Einheit und sogar das Flugzeug des Anonymus identifiziert. Nun ist auch seine Identität gelüftet - und sein schreckliches Geheimnis.
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Arbeitsnachweis: Um ihre Urheberschaft an einem Film zu dokumentieren, nahmen die PK-Fotografen als erstes Bild einen solchen Zettel mit ihrem Namen und ihrer Einheit auf. Die Wildente war das taktische Zeichen der Propagandakompanie. Rechts sieht man die Fußspitze des Fotografen Johannes Hähle. Das Bild entstand irgendwo am Südabschnitt der Ostfront.

Signatur im Bundesarchiv: Bild 101I-020-1267-02
Zum digitalen Bildarchiv des Bundesarchivs

Foto: Das Bundesarchiv/Johannes Hähle
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Beim Ausstieg: Der Mann, der sich hier lächelnd aus der Luke des Focke-Wulf-Aufklärers stemmt, ist Johannes Hähle, Bildberichter bei der Propagandakompanie 637. Es ist eine von vier Aufnahmen der Fotoserie, die Hähle zeigen. Offenbar überließ er anderen mehrmals seine Kamera, um sein Abenteuer in der Luft vor, während und nach dem Flug über Charkow zu dokumentieren. Dies ist das einzige der vier Bilder, das den damals 37-Jährigen klar erkennbar ohne Kopfbedeckung zeigt.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Fliegender Knipser: Bildberichter Johannes Hähle fotografiert bei seinem Rundflug über dem ukrainischen Charkow durch das Seitenfenster des Focke-Wulf-Aufklärers. Das Foto hat offenbar der Bordbeobachter von seinem Platz mit Hähles anderer Kamera gemacht - oben im Bild erkennt man den Zahnkranz und die Kuppel des oberen MG-Standes.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Bildberichter Hähle: Aus dem Heck der Focke Wulf 189 heraus machte der Bordschütze diese Aufnahme des mitfliegenden Fotografen Johannes Hähle. Aus dem Seitenfenster späht er konzentriert in Richtung Boden, die Kamera schussbereit in den Händen. Gut zu erkennen ist in diesem Bild die Raumaufteilung in der Kabine des Aufklärers.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Focke-Wulf-Aufklärer T1GM: einestages-Leser fanden im Web weitere Fotos aus der Bilderserie des unbekannten Fotografen. Auf diesem ist das Kennzeichen der gesuchten Focke Wulf 189 "Uhu" eindeutig zu erkennen - T1GM. Demnach handelte es sich um Maschine Nr. 7 der 4. Staffel, 2. Gruppe, der Aufklärungsgruppe 10 "Tannenberg". Überlieferten Einsatzlisten zufolge war die "4. (H)/10" (Luftwaffenkürzel) im Mai/Juni 1942 in Charkow stationiert.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Unbekannte Soldaten: Ein Heeresoffizier, ein Pilot und zwei Männer vom Bodenpersonal der 4. Staffel der Aufklärungsgruppe 10 "Tannenberg" vor einer Focke Wulf 189. Wer die Männer waren, die der PK-Bildberichter Johannes Hähle hier im Mai oder Juni 1942 bei Charkow ablichtete, ist ungeklärt - aus dem Flugzeugkennzeichen "T1GM" lässt sich nicht auf die Besatzung zurück schließen.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Gelöste Runde: Von der Besatzung des "Uhu"-Aufklärers machte Johannes Hähle auch diese Nahaufnahme, auf der die Männer ausgezeichnet zu erkennen sind. Ganz rechts steht der Heckschütze, der Pilot ist der zweite von links. Die übrigen gehören vermutlich zur Bodenmannschaft. Erkennt jemand einen der Abgebildeten?

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Soldat mit Kamera: Der Uniformträger mit der Aktentasche und der umgehängten Kleinbildkamera ist Johannes Hähle, Bildberichter bei der Propagandakompanie 637. Offenbar ließ Hähle sich hier beim Einsteigen in die Focke Wulf 189 von einem anderen Soldaten mit seiner zweiten Kamera ablichten.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Tiefflieger: Aus dem gläsernen Heck der Focke Wulf 189 fotografierte Hähle diese Kolonne Pferdewagen am Boden, vermutlich ein Tross der vorrückenden Wehrmacht. Scharf zeichnet sich der Schlagschatten mit dem charakteristischen Doppelrumpf auf dem Boden ab, als die Focke Wulf 189 im Tiefflug über die Karawane donnert.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Rollende Panzer: Drei deutsche Panzer rollen querfeldein an einem Wäldchen vorbei, in der Nähe sind zahlreiche Granateinschläge zu erkennen. Im Hintergrund steht ein weiterer Panzer, von dem nicht eindeutig auszumachen ist, ob er zur vorrückenden Kolonne gehört oder ob es sich vielleicht um einen zerstörten russischen Tank handelt. Dies ist das einzige der Charkower Rundflugbilder des PK-Bildberichters Johannes Hähle, das möglicherweise eine Gefechtsszene zeigt.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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In den Straßen von Kiew: Die Leichen zweier erschossener Männer liegen im besetzten Kiew auf offener Straße. Diese Aufnahme machte der PK-Fotograf Johannes Hähle vermutlich am 1. Oktober 1941 bei einem Rundgang durch die ukrainische Hauptstadt. Die Fußgänger sind aller Wahrscheinlichkeit nicht Juden auf dem Weg zur Erschießung, sondern Passanten. Die Menschen bewegen sich in beide Richtungen, Wachen sind keine zu sehen.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Tod im Rinnstein: Die Szene mit den beiden Leichen auf der Straße mitten in Kiew nahm Johannes Hähleaus der entgegengesetzten Richtung noch ein zweites Mal auf. Das Motiv war bereits bekannt, bevor Hähles Original-Dias im Jahr 2000 auftauchten, allerdings nur als Schwarz-Weiß-Kopie. Außerdem wurde es fälschlicherweise meist seitenverkehrt abgebildet.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Leichenfledderer: Drei Männer in deutschen Uniformen durchwühlen die Habseligkeiten der Kiewer Juden, die kurz zuvor in der Schlucht von Babij Jar erschossen wurden - insgesamt 33.771 Männer Frauen und Kinder. Bildberichter Johannes Hähle machte seine Diaserie, den einzigen Fotobeweis für die Gräueltat, vermutlich am 1. Oktober 1941. Die Massenerschießung fand am 29. und 30. September statt.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Letzte Spuren: Den Ort des Massakers von Babij Jar dokumentierte Hähle äußerlich unbeeindruckt mit fotojournalistischer Professionalität. Neben Panoramaaufnahmen des Geländes machte er auch Nahaufnahmen von persönlichen Gegenständen der ermordeten Juden...

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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...die er in einigen Fällen sogar umarrangierte, um die emotionale Wirkung des Motivs zu steigern. Hier hat Hähle zwei auf dem ersten Foto noch mit der Bildseite nach unten liegenden Familienfotos inmitten des Kleiderhaufens umgedreht und gezielt ins Bild gerückt.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Massengrab: Ein deutscher Wachtposten auf dem Rand der Schlucht von Babij Jar spricht mit zwei ukrainischen Frauen, unten in der Schlucht sind Zwangsarbeiter mit Schaufeln zu sehen. Heerespioniere hatten nach der Massenerschießung die Ränder der Schlucht gesprengt. Andere Bilder Hähles zeigen, wie Männer in die dünne Erdschicht über den mehr als 33.000 Opfern Bäumchen pflanzen.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Todgeweihte: Gut zwei Wochen nachdem Johannes Hähle in Babij Jar fotografiert hatte, wurde er im ukrainischen Lubny, 200 Kilometer östlich von Kiew, Zeuge eines weiteren Massakers. Die Aufnahme vom 16. Oktober 1941 zeigt von den Deutschen zusammengetriebene Juden aus Lubny unmittelbar vor ihrer Exekution.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Gesichter der Opfer: Auch in Lubny fotografierte Hähle nicht nur aus der Totalen, sondern machte zahlreiche Nahaufnahmen der Opfer. Die Emotionen der Todgeweihten sprechen aus ihren Gesichtern - welche Gefühle und Gedanken den Fotografen bewegt haben mögen, wird sich nicht mehr klären lassen.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Auge in Auge: Eine junge Frau schaut direkt in das Objektiv des Fotografen Hähle, der auf der Suche nach Motiven durch Menschenmenge der zusammengetrieben Juden von Lubny läuft. Gleich wird sie mit allen anderen auf dem Foto von Männern des SD-Sonderkommandos 4a erschossen werden.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Mutter mit Kindern: Unter den Porträts, die der PK-Fotograf Hähle am 16. Oktober 1941 unter den zur Exekution zusammengetriebenen Juden von Lubny machte, ist auch dieses von einer jungen Mutter mit ihren beiden Kindern. Auch sie gehörten vermutlich zu den 1865 Erschossenen.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Schutzlos: Eine junge Frau, neben sich ein Kind, knöpft ihre Strickjacke auf. vermutlich befolgt sie die Anweisung der sie umringenden Uniformierten, sich zu entkleiden. Rechts im Bild löst ein anderes Kind seinen Schal. Die Männer sind vermutlich Angehörige des Sonderkommandos 4a, das den Massenmord von Lubny durchführte.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Mörder und Opfer: SS-Männer überwachen jüdische Bewohner von Lubny beim Entkleiden vor der Exekution. Das Sonderkommando 4a meldete nach dem Massaker "störungslosen" Vollzug. Der Uniformierte im Vordergrund ist ein SS-Hauptscharführer (Hauptfeldwebel), der Winkel mit der Rosette auf seinem Ärmel weist ihn als ehemaligen Angehörigen der Polizei oder der Wehrmacht aus, der in die SS übergetreten ist.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Beweismittel: Dieselbe Situation fotografierte Hähle noch einmal im Weitwinkel. Die SS-Männer im Vordergrund nehmen den Opfern offenbar Papiere ab. Das Interesse des Fotografen gilt der Frau mit den kurzen schwarzen Haaren zwischen den beiden Uniformierten, die gleich in seine Richtung gehen wird. Links ist ein Motorrad zu erkennen, seine Satteltasche trägt deutlich erkennbar das taktische Kennzeichen des Sonderkommandos 4a. Auch das Nummernschild "Pol 71312" ist lesbar.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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Letzter Gang: Nach der Kontrolle geht die Frau an den SS-Leuten vorbei auf den Fotografen zu und schaut ihn an. Sie ist auf dem Weg zu ihrer Hinrichtung.

Foto: Hamburger Institut für Sozialforschung
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