David Hamilton zum 80. Geburtstag Das nackte Entsetzen

David Hamilton versteht die Welt nicht mehr. Und sie ihn erst recht nicht. In den Siebzigern war er der König des Weichzeichners. Seine erotischen Fotografien und Filme wie "Bilitis" galten als Kunst, er war ein Star. Heute blickt die Welt anders auf sein Werk - und sieht darin ein dunkles Geheimnis.
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"Bilitis": Der Streifen von 1977 ist der erste Film des mit Bildbänden von leichtbekleideten, sehr jungen Frauen bekanntgewordenen Fotografen David Hamilton. Die Hauptrolle der "Bilitis" spielte das Model Patti D'Arbanville. Neben ihr ist in dieser Szene Mathieu Carrière in einer Nebenrolle zu sehen.

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Pseudo-Kunstfilm: Fotograf David Hamilton sah in dem Softsex-Kitsch in Pastelltönen seines Film "Bilitis" tatsächlich künstlerische Ästhetik. Doch neben diesem Anspruch blieb zudem die Handlung auf der Strecke.

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Im Film fast wie im Leben: Patti D'Arbanville, links, und Mona Kristensen in einer Szene des Films "Bilitis". D'Arbanville spielt die erst 17-jährige Bilitis, die sich in einen älteren Mann, einen Fotografen verliebt, Mona Kristensen ihre Freundin Melissa. Im wahren Leben war der Fotograf und Regisseur des Films, David Hamilton, mit Kristensen liiert.

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Softsex-Erotik: Die beiden Mädchen Bilitis, links, und ihre Freundin Melissa stürzen sich in ein kurzes lesbisches Abenteuer. Unter dem Vorwand, das Aufkeimen der ersten sexuellen Erfahrungen in der Pubertät zu zeigen, bietet der Film viel nackte und vor allem sehr junge Haut. Vor dem Hintergrund der sexuellen Revolution in den Siebzigern war "Bilitis" zwar zunächst sehr erfolgreich, doch heute hat sich die Wahrnehmung von Hamiltons Bildern mit allzu kindlichen Akteurinnen in die eines ausbeutenden, triebhaften Voyeurismus verkehrt.

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Patti D'Arbanville: "Bilitis" war nicht der erste Film der Schauspielerin, die sich hier so lasziv unter den Armen ihres Liebhabers im Stroh räkelt. Bereits 1968 hatte sie ihr Debüt in dem Andy-Warhol-Streifen "Flesh". Ende der Sechziger hatte sie eine Beziehung mit Cat Stevens, der ihr den Song "Lady D'Arbanville" widmete.

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Vermeintliche Hommage: Hamilton drehte das Sexfilmchen "Bilitis" und seine anderen Werke unter dem Vorwand, der Schönheit der Mädchen zu huldigen und ihre in der Pubertät aufkommende Sexualität bei ersten Liebeleien zu zeigen. Doch sein Blick auf die stets leicht bekleideten weiblichen Teenager in "natürlichen" Posen lässt keine Möglichkeit aus, vulgär zu werden. Selbst eine scheinbar ungezwungene Szene wie diese ist dann nicht viel mehr als eine lüsterne Altherrenphantasie.

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Obszöner Blick: Durch die Wahl des Balletts als eines der im Film "Die Geschichte der Laura M." von 1979 relevanten Motive konnte Hamilton seinen Zuschauern wie zufällig Blicke unter die Röcke der jungen Balletttänzerinnen servieren. Hier kam auch das Markenzeichen Hamiltons - der Weichzeichner - zum Einsatz.

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Unschuld im Weichzeichner-Licht: "Zärtliche Cousinen" von 1980 mit Anja Schüte drehte David Hamilton auf einem Landsitz in Frankreich. Das ländliche französische Umfeld war die bevorzugte Kulisse für seine Filme und Bilder. Seine Darstellerinnen steckte er in mädchenhafte Kleider aus dünnem Stoff. Weichzeichner gab den Bildern etwas Gemäldehaftes.

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"Erste Sehnsucht": Der Film von 1984 mit Anja Schüte, links, und Inger Maria Granzow flog bei den Kritikern aufgrund seiner voyeuristischen Pseudoästhetik in hohem Bogen durch.

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Schüler-Darstellerin: Die Kölner Schülerin Anja Schüte, hier am 11. März 1981 mit Hamilton in Hamburg, spielte im Alter von erst 15 Jahren in Hamiltons 1979/80 in Frankreich gedrehten Film "Zärtliche Cousinen" die Hauptrolle und stand ihm zuvor bereits für Fotoaufnahmen Modell.

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Ungleiches Paar: David Hamilton war mehrere Jahre mit der "Bilitis"-Darstellerin Mona Kristensen liiert, bevor er das Model Gertrude heiratete, die ebenfalls für ihn gearbeitet hatte. Sie hatten sich Ende der achtziger Jahre am Strand kennengelernt. Das Bild zeigt das Ehepaar im Sommer 1995 in St.-Tropez. Ihre Ehe scheiterte.

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Hamilton mit Muse: Kritiker attestierten dem Fotografen und Regisseur unter anderem, seine Filme seien weltfremd und kitschig. Für Hamilton war diese Kritik unverständlich, lebte er doch nach dem Modell, das er in seinen Filmen zeigte: als alternder Künstler mit junger Muse. Der weitaus schwerwiegendere Vorwurf jedoch war jener der latent pädophilen Ausstrahlung seiner Kunst, auf den er gekränkt reagierte.

Die Aufnahme zeigt den 73-Jährigen am 21. April 2006 mit seiner Muse Elodie Durand.

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