Ruinen in den Alpen Warum Italiener auf die eigene Bergfestung schossen

Ein Fotograf wanderte durch die Alpen und fing verlassene Skischanzen, Fabriken und Villen ein. Jedes Bild von Stefan Hefele erzählt eine Geschichte - wie die vom Granathagel auf die Bastion Varisello.
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Hochebene: Die direkte Strecke von Turin nach Lyon führt über das Mont-Cenis-Plateau. Die Italiener errichteten hier ab 1877 eine fünfeckige Festung (Bildmitte). Damals war der Pass noch Teil ihres Staatsgebiets und hieß Moncenisio.

Foto: imago/ Westend61
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Burggraben: Das Fort liegt auf 2106 Metern, heißt Varisello und verfällt heute. Wer es betreten möchte, muss über diese wackelige Brücke. Der preisgekrönte Landschaftsfotograf Stefan Hefele entdeckte die Bastion, als er auf Wanderschaft durch die Alpen nach malerischen Bildmotiven suchte.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Schießscharten: Einst war Varisello mit 120-Millimeter-Geschützen bestückt und beherbergte 420 Soldaten. Die schmalen Fenster boten Schützen Deckung.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Hochebene: Die dicken Gemäuer der Forts sollten gegnerischem Artilleriefeuer standhalten (im Bild eine französische Festung). Doch als die Waffeningenieure Sprenggranaten entwickelten, wurden die Wälle verwundbar.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Granatenhagel Die Italiener verließen Varisello - und nutzten die Festung ab 1909 als Ziel für ihre Waffentests. Die neuartigen Geschosse zertrümmerten die Westmauer des Forts (im Bild), das niemals ein Feind angegriffen hatte.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Geflutet: Nach dem zweiten Weltkrieg erhielt Frankreich die Hochebene. 1968 staute ein Energiekonzern den Bergsee der Hochebene weiter auf und errichtete ein Kraftwerk.

Foto: De Agostini/ Getty Images
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Versunken: Nun gingen viele der italienischen Bunker auf dem Pass im Stausee unter.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Aufgetaucht: Nur wenn der Wasserstand absinkt, kommen die Anlagen hervor - im Bild einer der Bunker. Mitte des 20. Jahrhunderts erlebte die Wasserkraft im ganzen Alpenraum einen Aufschwung.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Kirche unter: In Südtirol staute ein Energieunternehmen um 1950 den Fluss Etsch. Hundert Familien mussten weichen, denn ihre Dörfer versanken im Reschensee. Heute ragt der Kirchturm von Alt-Graun aus dem Wasser.

Foto: imago/ CHROMORANGE
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Katastrophe: Dämme in den Bergen sind ein Risiko. Im nordöstlichen Italien rutschte im Herbst 1963 ein Hang in den Vajont-Stausau ab. Eine riesige Flutwelle schwappte über die Mauer (im Bild)...

Foto: Marco Secchi/ Getty Images
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...und ergoss sich in das enge Tal. Die Stadt Longarone wurde verwüstet. Im Bild vom 17. Oktober 1963 suchen Rettungskräfte nach Überlebenden.

Foto: imago/ United Archives International
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Verlassen: Etwa 2000 Menschen starben bei der Katastrophe. Die Welle traf auch Nachbardörfer von Longarone; dieses Haus in Etno ist seitdem verlassen.

Foto: Marco Secchi/ Getty Images
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Überbleibsel: Die Flutwelle spülte Trümmer wie diesen Balken und die goldene Plastik weit durch das Tal.

Foto: Paris Match/ Getty Images
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Geräumt: Im nordwestitalienischen Balestrino befürchteten die Behörden einen Erdrutsch. Die Einwohner verließen 1953 den Ortskern.

Foto: imago/ CHROMORANGE
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Das mittelalterliche Geisterdorf lockte jedoch bald die ersten Abenteurer - und auch Filmcrews (im Bild). 2008 drehte der britische Regisseur Iain Softley hier den Fantasystreifen "Tintenherz".

Foto: ddp images
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Bedrohlich: Andere verlassene Gebäude in den Alpen eignen sich eher für düstere Krimis. Diese Ruine nahe dem französischen Livet-et-Gavet diente den "Purpurnen Flüssen" als Schauplatz.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Der Fotograf: Stefan Hefele hat die meisten der hier gezeigten Bilder geschossen. Manche seiner Fotos zeigen recht bekannte Ruinen, andere...

Foto: Felix Röser/ Bruckmann Verlag
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...führen den Betrachter an unbekannte Orte wie in dieses Landschloss in den französischen Alpen.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Eingewachsener Luxus: Diese herrschaftliche Villa verfällt im italienischen Ligurien.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Las Vegas der Alpen: Im lombardischen Consonno riss ein Graf fast alle Häuser ab und errichtete ein Casino, mit chinesischen Pagoden, einer mittelalterliche Burg und einem arabischem Markt (im Bild). Sein Plan aber scheiterte.

Foto: Moment Editorial/ Getty Images
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Bald musste der Graf seine alpine Vergnügungsstadt aufgeben. Zurück blieb eine faszinierende Geisterstadt. Im Bild ist der Blick aus der Kuppel unter dem Minarett zu sehen.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Skiflieger: Der Norweger Jan Olaf Roaldset rast 1968 bei den Olympischen Spielen im französischen Grenoble die Großschanze hinab. Am Ende erreicht er den 13. Platz. Gold holte der Wladimir Beloussow aus der Sowjetunion. Die Anlage aber...

Foto: Popperfoto/ Getty Images
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...rentierte sich offenbar bald nicht mehr, sie verfiel. Der Blick von der Startposition lässt einen dennoch mit Beloussow und Roaldset mitfühlen - und ihren Mut bewundern.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Entdecker: Fotograf Stefan Hefele kletterte in viele Gebäude hinein. Im feuchten Keller einer italienischen Alpenvilla fand er zwischen Gerümpel und Müll zwei Dutzend Lampenschirme.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Ins Licht: In einem anderen verlassenen Landhaus in Italien entdeckte Hefele diesen Treppenaufgang.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Nach dem Boom: Ende des 19. Jahrhunderts eroberte die Industrie den Alpenraum. Wasserkraftwerke versprachen billige Energie, die verarmten Bergbauern billige Arbeitskräfte. Doch viele Firmen konnten bald nicht mehr auf dem Weltmarkt mithalten - wie diese italienische Mine.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Ferien für immer: Mit den Bergbauern verließen die Kinder die Hochtäler. Wenig später schlossen die Schulen, auch diese in den italienischen Südalpen.

Foto: Stefan Hefele/ Bruckmann Verlag
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Unterminiert: Die Passstraße Stilfser Joch windet sich über Dutzende Serpentinen auf 2757 Höhenmeter und verbindet die Lombardei mit Südtirol. Die Hütte am Pass ist verlassen. Bald soll ein Tunnel unter dem Berg hindurchführen.

Foto: imago/ Westend61
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Militärisches Versailles: Frankreich sicherte seine Grenze. Die drei Festungen von Tournoux im Ubaye-Tal sind über Tunnel in den Bergen verbunden. Heute führen Tourguides durch die renovierte Anlage.

Foto: imago/ McPHOTO/ F. Scholz