Fotoserie "Mischlinge" "Tag der Freiheit"

Der deutsch-jüdische Fotograf Marc Erwin Babej inszeniert für die Serie "Mischlinge" Deutsche als Vorzeige-Arier. Wir stellen seine provokante Arbeit exklusiv vor. Sie stellt eine zentrale Frage: Wer ist Deutscher? Hier Episode I: "Tag der Freiheit".
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Wer ist Deutscher? Was ist deutsch? Babej bat seine Models, sich einem simplen DNA-Speicheltest zu unterziehen, als zusätzlicher Kommentar zur Absurdität des NS-Rassekonzepts. Resultat des deutsch-israelischen Musikers Asi Meskin: Laut Test zu 93 Prozent europäisch-jüdischer Herkunft, zu drei Prozent italienisch/griechischer, zu zwei Prozent nordeuropäischer und zu einem Prozent irischer. Was an 100 Prozent fehlt, sind Anteile, die unter einem Prozent liegen und deswegen nicht aufgeführt werden.

Foto: Marc E. Babej
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Das Lebensborn-Kind Patrick Lasch inmitten der "Schwarzen Sonne" im von Heinrich Himmler geplanten Versammlungsort für SS-Führer in der Wewelsburg.

Foto: Marc E. Babej
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Lebensborn-Kind Lasch (ursprünglicher Vorname: Attila) in der Gruft der Wewelsburg. Sein DNA-Test-Ergebnis: 39 Prozent westeuropäisch, 31 Prozent osteuropäisch, 21 Prozent nordeuropäisch, drei Prozent iberisch, drei Prozent italienisch/griechisch, ein Prozent europäisch-jüdisch.

Foto: Marc E. Babej
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Die Moderatorin und Schauspielerin Collien Ulmen-Fernandes im Hof von Hermann Görings ehemaligen Reichsluftfahrtministeriums (jetzt Detlev-Rohwedder-Haus, Sitz des Bundesministeriums der Finanzen). Ihr DNA-Test: 55 Prozent südasiatisch, 18 Prozent nordeuropäisch, elf Prozent westeuropäisch, vier Prozent irisch, vier Prozent iberisch, zwei Prozent ostasiatisch.

Foto: Marc E. Babej
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Karamba Diaby, SPD, eines der ersten Bundestagsmitglieder mit Migrationshintergrund aus Afrika, am Denkmal zur Erinnerung an 96 von den Nationalsozialisten ermordete Reichstagsabgeordnete vor dem Reichstag.

Foto: Marc E. Babej
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Rainer Höß, Enkel von Rudolf Höß, Kommandant von Auschwitz, am Stacheldrahtzaun des KZ Buchenwald. Tätowiert sind die Häftlingsnummern von Auschwitz-Überlebenden, denen er sich besonders verbunden fühlt. Laut Test ist Höß zu 35 Prozent westeuropäischer Herkunft, zu 33 Prozent osteuropäischer, zu 21 Prozent nordeuropäischer, zu sieben Prozent italienisch-griechischer, zu vier Prozent iberischer.

Foto: Marc E. Babej
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Die Schauspielerin Pina Akin. Laut Test folgende Hauptanteile: zu 67 Prozent kaukasisch, zu 18 Prozent Prozent italienisch-griechisch, zu vier Prozent europäisch-jüdisch, zu drei Prozent Mittlerer Osten.

Foto: Marc E. Babej
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Die politische Führungskraft: Cem Özdemir, Mitglied des Bundestages für die Grünen, auf der Ehrentribüne des Berliner Olympiastadions, in dem das Hitler-Regime 1936 die Olympischen Spiele abhalten ließ. DNA-Test: 84 Prozent Kaukasus, 13 Prozent Italien/Griechenland, ein Prozent Mittlerer Osten.

Foto: Marc E. Babej
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Özdemir im ehemaligen Reichsluftfahrtministerium. Die Lampe zu seiner Rechten diente einst als Flugabwehrscheinwerfer.

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Der Fotograf und DDR-Regimekritiker Siegfried Wittenburg in der Ehrenhalle des ehemaligen Flughafens Berlin-Tempelhof

Foto: Marc E. Babej
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Werner Kleeman mit Janina Scheuer, am 6. Juni 2014 vor seinem Haus in Queens, New York. Vor 70 Jahren landete der Dachau-Überlebende Kleeman als US-Soldat auf Utah Beach in der Normandie. In seiner Hand sein alter Pass, gekennzeichnet mit dem "J"-Stempel. Kleeman ist laut DNA-Test zu 100 Prozent europäisch-jüdischer Herkunft, Scheuer zu 83 Prozent westeuropäischer, zu sechs Prozent iberischer, zu zwei Prozent je europäisch-jüdischer, nordeuropäischer und italienisch-griechischer Herkunft.

Foto: Marc E. Babej
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Die Frankfurterinnen Karen Ardinast und Gabriela Goldenberg auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Frankfurt am Main. Etwa 800 Juden zogen den Freitod ihrer bevorstehenden Deportation vor. Üblicherweise werden Selbstmörder in einem hinteren Winkel eines jüdischen Friedhofs begraben. In Frankfurt finden sich die Gräber im vorderen Teil. Ardinast und Goldenberg haben selbst große Teile ihrer Familien im Holocaust verloren. Ardinasts Großmutter hat Treblinka überlebt.

Foto: Marc E. Babej
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Am Grab von Marc Erwin Babejs Großmutter auf dem Neuen Jüdischen Friedhof in Frankfurt. Babejs Großvater hat kein Grab im eigentlichen Sinne: Seine Asche wurde kurz vor Kriegsende - zusammen mit den Überresten von mehr als 20.000 anderen Opfern aus Theresienstadt - in den Fluß Eger geschüttet. Anna Taub hat Erwin um 62 Jahre überlebt. Sie hat nie wieder geheiratet.

Foto: Marc E. Babej
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Die Todesfallanzeige Erwin Taubs aus dem Ghetto Theresienstadt, 1943

Foto: National Archives/ Archival group Matriky/ Registers of Jewish Religious Communities in the Czech regions (HBMa), kart. 23.
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In Erinnerung an Erwin Taub (r. mit seinem kleinen Bruder Felix), Marienbad, 1935. Das einzige verbliebene Bild des Großvaters von Marc Erwin Babej. Die drei Gebrüder Taub starben allesamt im Holocaust.
Sehen Sie auch die Episode II von Marc Erwin Babejs Fotoprojekt, "Triumph". Benannt nach "Triumph des Willens", dem berühmt-berüchtigten Film vom Parteitag 1934, zeigt sie Deutsche von heute im Kontext von baulichen Relikten aus der NS-Zeit.

Foto: Marc E. Babej