Fotostrecke "Nature Writing"-Buchempfehlungen

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Wildnis
Erin ist 19, als sie eine Doku über einen dieser Aussteiger sieht, die in Alaska als "Mountain Men" leben, ihr Alleinsein, die Freiheit in der Wildnis feiern. Und sie begreift, dass dieser Film wie all die Bücher von Jack London und Henry David Thoreau eine Natur präsentiert, die in ihrem Blick ganz anders wirken würde: Denn sie ist eine Frau. Also packt sie ihren Rucksack und zieht los, mit Frachtschiff und zu Fuß nach: genau, Alaska. Über ihr Alter Ego zeigt uns Abi Andrews mit scharfer Selbstreflektion die Wildnis, wie wir sie noch nie gesehen haben.

Anzeige Abi Andrews: "Wildnis ist ein weibliches Wort"
Übersetzt von Mayela Gerhardt. Tempo; 400 Seiten; 22,00 Euro.
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Wetter
"Himmeln": ein Wort wie ein Abendwolkenschauspiel. Der englische Maler John Constable bezeichnete so seine täglichen Himmelsstudien: schnelle Wolkenskizzen, dazu Uhrzeit, Windrichtung. Den wissenschaftlichen Forscherdrang, der sich hier mit poetischem Beobachten verbindet, packt Klaus Reichert in "Wolkendienst" zu etwas Einzigartigem zusammen: Hier wehen Meteorologiehistorie und Wetterkunst ineinander. Auf dass man fortan anders nach oben schaut.

Anzeige Klaus Reichert: "Wolkendienst. Figuren des Flüchtigen"
S. Fischer; 248 Seiten; 26,00 Euro.
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Tiere
Das Buch ist längst ein moderner Klassiker und hat die neue Welle des angelsächsischen "Nature Writing" international bekannt gemacht: Helen Macdonalds Erlebnisse mit Mabel, dem Habicht. Eine Art Selbstbegehung draußen in der wilden Natur, in der Trauer nach dem Tod ihres Vaters. Selbst wer nichts mit Greifvögeln anfangen kann: Diese feine Analyse als Tier-Mensch-Duo lässt auf jeder Seite Neues aufblitzen. Macdonalds Schreibe verbindet unverwechselbar gelassenes, kritisches Selbstgespräch mit Waldszenen, die wirken, als würde man neben Rehen auf eine Lichtung blicken. In ihrer Zeit mit Mabel, schreibt sie etwa, habe sie besser gelernt, was es heiße, wie ein Mensch zu fühlen - weil sie nun, zumindest in der Phantasie, genauer wisse, wie es sei, keiner zu sein.

Anzeige Helen Macdonald: "H wie Habicht"
Aus dem Englischen von Ulrike Kretschmer. Ullstein; 416 Seiten; 20,00 Euro.
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Wald und Gelände
Auch hier, wie bei Macdonald, steht ein Tod, ein Abschied am Anfang. Eine Reise nach und durch italienische Regionen - gemeinsam geplant, alleine gemacht. Und so wirkt Esther Kinskys "Geländeroman", als ob die Erzählerin sich übers Beobachten am Jetzt festhält: So genau ist ihr Fokus, mit dem sie wandelnde Lichtstimmungen, raschelndes Brombeergestrüpp oder den kleinen Falter auf dem Scheibenwischer wahrnimmt. Immer auf der Suche nach Perspektive. Sie findet sie im Blick auf die Landschaft, die daliegt wie "ein Netz kleiner Irrwege durch längst Dagewesenes und nicht mehr Aufsuchbares".

Anzeige Esther Kinsky: "Hain. Geländeroman"
Suhrkamp; 287 Seiten; 24,00 Euro.
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Wasser
Egal, in welche Richtung sie marschiert - binnen weniger Meter bis Kilometer trifft Amy Liptrot auf Wasser, auf sprühende Gischt, dort auf Orkney, wo sie aufgewachsen ist. Sie ist zurück, weil London sie in einen Alkoholnebel gezogen hat, hier befreit sie sich, Schwimmzug um Schwimmzug neben Seehunden und Seetang, im Regen und nachts. Die aufgewühlte See - wie die Querfeldeinwanderungen über die Inseln - wird zum Mittel gegen ihr aufgewühltes Inneres. Liptrots "Nachtlichter" ist ein Paradebeispiel für "New Nature Writing" als Mix aus poetischer Annäherung und profunder Naturkunde, weil sie sich in Flora und Fauna spiegelt und Orientierung findet, die die Stadt nicht bieten konnte.

Anzeige Amy Liptrot: "Nachtlichter"
Aus dem Englischen von Bettina Münch. btb; 352 Seiten; 18,00 Euro.
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