Fußball-WM 1978 Weltmeisterschaft der Ungereimtheiten

Fünf Tore in 50 Minuten: Vieles deutet darauf, dass sich bei der letzten Fußball-WM in Südamerika 1978 Argentinien den Titel ergaunerte. Das Skandal-Turnier wurde überschattet von sonderbaren Zwischenfällen, politischen Einflussnahmen und sogar Mord.
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Trost für die Verlierer: Im Finale der Fußball-Weltmeisterschaft 1978 besiegte die argentinische Auswahl die Niederländer - nach einem Turnier, das als skandalöseste WM aller Zeiten in die Sportgeschichte eingehen sollte.

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Tor über Tor: Jahrhundert-Fußballer Diego Maradona war als 17-Jähriger 1978 noch nicht im argentinischen Nationalteam, stattdessen trumpfte Mario Kempes auf. Immer wieder konnte der spätere WM-Torschützenkönig über seine Treffer jubeln, so wie hier im Endspiel gegen die Niederlande.

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Ecke, Abfiff, Tor: Die erste auffällige Schiedsrichterentscheidung fiel schon am 3. Juni 1978 im Vorrundenspiel zwischen Brasilien und Schweden. Sekunden vor dem vermeintlich spielentscheidenden Treffer des Brasilianers Zico pfiff Referee Clive Thomas ab, während der Ball noch durch die Luft zum schwedischen Tor flog. Die Brasilianer überstanden zwar die Vorrunde, sehen sich aber wegen weiterer Unregelmäßigkeiten bis heute als der betrogene Champion des Turniers von 1978.

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Diktator Jorge Videla: Der Chef der argentinischen Militär-Junta jubelte sich mit seiner Nationalmannschaft durch das Turnier, auf diesem Foto nach einem Treffer gegen die westdeutsche Auswahl. Der Despot hatte laut dem peruanischen Ex-Senator Genaro Ledesma ein klares Ziel für das Turnier im eigenen Land: "Die Weltmeisterschaft gewinnen, um Argentiniens schlechten Ruf in der Welt aufzupolieren."

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Umstrittener Schiedsrichter: Der elsässische Schiedsrichter Robert Wurtz soll die argentinische Mannschaft systematisch bevorteilt haben. Der SPIEGEL schrieb über Wurtz nach dessen Leitung der Partie zwischen Peru und Argentinien: "Was irgendwie nach argentinischem Eckball aussah, das pfiff er auch. Bei Zweikämpfen entschied er fast immer für die Einheimischen. Beim vierten Tor übersah er, dass der Torschütze im Abseits stand."

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Kleines Finale: Vor dem Spiel um den dritten Platz zwischen Brasilien und Italien spielte eine Militärkapelle die Hymnen beider Mannschaften. Die Brasilianer siegten trotz ihrer Enttäuschung über das Verpassen des Finales 2:1 gegen die Südeuropäer - übrigens in einem offenbar nicht manipulierten Spiel.

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Groteske mit Gips: Im Finale erreichte der argentinische Mannschaftskapitän Daniel Passarella vor dem Anpfiff beim Schiedsrichter, dass der gegnerische Stürmer René van de Kerkhof seinen eingegipsten Arm mit weichem Stoff umwickeln musste. Van de Kerkhof warf Passarella später vor, dass er die niederländische Mannschaft so gezielt habe schwächen wollen.

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Sieg dank verbotener Aufputschmittel? Perus damaliger Nationalspieler Jaime Duarte (r.) behauptete 1998, die Argentinier hätten unter Drogeneinfluss gespielt. Diese Theorie vertraten auch die Autoren Jimmy Burns und David Yallop, die Argentiniens WM-Sieg von 1978 für ein Ergebnis diverser Manipulationen halten.

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Seltsamer Sieg: Besonders großen Argwohn ruft bis heute der leichtfüßige 6:0-Triumph über Peru hervor, der Argentinien den Finaleinzug ermöglichte. Vor allem der peruanische Verteidiger Rodolfo Manzo - der hier beim 0:6 durch Leopoldo Luque zu spät kommt - steht unter Verdacht, für seine schlechte Leistung Geld bekommen zu haben. Nach dem Turnier wechselte Manzo nach Argentinien und erhielt den Spitznamen "El Vendido": der Verkaufte.

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Statist statt Keeper: Auch die Rolle von Perus Torwart Ramón Quiroga (r.) wirft Fragen auf. Sechsmal ließ der peruanische Nationalspieler bei der Partie gegen die Gastgeber den Ball ins Tornetz durch und ermöglichte Argentinien damit den Finaleinzug. Argwöhnisch stimmte vor allem, dass Quiroga selbst gebürtiger Argentinier ist.

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Duell der Giganten? Ob am 25. Juni 1978 mit den Niederländern und den Argentiniern wirklich die beiden besten Mannschaften im Finale standen, ist bis heute umstritten. Denn schon in der Vorrunde hatten zwei Rote Karten den Argentiniern beim mühevollen 2:1-Sieg über Ungarn geholfen, und beim 2:1-Erfolg gegen Frankreich war es ein fragwürdiger Elfmeter.

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Sport und Mord: Während Tausende Argentinier in einen patriotischen WM-Taumel verfielen, misshandelte ihr Staatschef mit Unterstützung des Militärs unzählige Bürger seines Landes. Seit Jorge Videlas Putsch von 1976 folterten seine Schergen in Konzentrationslagern Verdächtige und Andersdenkende zu Tode, andere wurden direkt erschossen. 30.000 Menschen starben insgesamt unter der Diktatur Videlas zwischen 1976 und 1983.

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Fragwürdige Siege: Möglicherweise konnte Argentiniens Offensiv-Talent Leopoldo Luque (l.) nur deshalb auch noch im Finale gegen die Niederlande groß aufspielen, weil politischer Druck zuvor den 6:0-Sieg gegen Peru ermöglicht hatte. Angeblich sollen Diktator Videla und US-Außenminister Henry Kissinger sogar in der Kabine der Peruaner auftaucht und Druck aufgebaut haben.

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Nazi-Größe im DFB-Camp: Die Mannschaft der Bundesrepublik von Trainer Helmut Schön enttäuschte nicht nur sportlich, sondern auch moralisch. Schön äußerte sich zum heiklen Thema der argentinischen Militärdiktatur so gut wie gar nicht und verteidigte den Besuch des Nazi-Generals Hans-Ulrich Rudel im DFB-Camp. "Warum soll ich ihn nicht begrüßen?", erwiderte er auf Journalistenfragen, "er hat im Krieg Hervorragendes geleistet."

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Tod und Spiele: Auch das Unrechtsbewusstsein der deutschen Delegation war nicht besonders ausgeprägt. "Belasten tut mich das nicht, dass dort gefoltert wird", sagte etwa Nationalspieler Manfred Kaltz über die argentinische Militärdiktatur: "Ich habe andere Probleme."

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"Das Wunder von Rosario": Mario Kempes traf beim Sieg über Peru zum 3:0 für Argentinien - offenbar aber nicht aus sportlicher Überlegenheit: Den Sieg soll sich das Videla-Regime für 50 Millionen Dollar und 35.000 Tonnen Getreide bei den Peruanern erkauft haben. Verantwortlich dafür war angeblich WM-Organisationschef Jorge Lacoste.

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Ziel erreicht: Nach drei Wochen voll seltsamer Zufälle, Schiedsrichterentscheidungen und Formschwankungen hatte Diktator Jorge Videla (M.) sein Propagandaziel erreicht und Team-Kapitän Daniel Passarella (mit dem WM-Pokal) sein sportliches: Argentinien war zum ersten Mal Weltmeister. Unter weniger fragwürdigen Umständen sollte das Team diesen Triumph 1986 noch einmal erreichen.

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Jubel im ganzen Land: Zwar löste der Turniersieg der Argentinier eine gewaltige Welle der Euphorie aus, doch sportlich war er über weite Strecken keine Glanzleistung gewesen. Bis zu ihrem 6:0-Sieg über Peru hatten die Argentinier mit einem 2:0-Erfolg gegen uninspirierte Polen ihren höchsten Sieg gefeiert und gegen den späteren WM-Vierten aus Italien sogar verloren.

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Architekten des WM-Triumphs: Der argentinische Trainer Luis Cesar Menotti (l.) hat Diktator Videla angeblich abgelehnt. Er soll dem Despoten während des Turniers den Handschlag verweigert haben und sagte nach dem Finalsieg einen Satz mit politischer Symbolik: "Meine Spieler haben die Diktatur der Taktik und den Terror der Systeme besiegt."

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Späte Reue: Am 21. Juni 1978 umkreiste Leopoldo Luque (l.) stolz seine Gegenspieler, viele Jahre später äußerte er sich aber sehr selbstkritisch. "Mit meinem Wissen von heute", so der Spieler, "kann ich nicht sagen, dass ich stolz auf unseren Sieg wäre".

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Sechs Tore in rund 50 Minuten: Nach dem sechsten Treffer, den Leopoldo Luque hier bejubelt, hatten die Argentinier ihre Gegner aus Peru geradezu gedemütigt. Dabei hatte das peruanische Team zuvor ein überraschend starkes Turnier gespielt und auch gegen die Argentinier eine Viertelstunde lang couragiert mitgehalten.

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Jubel und viele Fragen: Ausgerechnet die entscheidenden Partien in der für den Finaleinzug wichtigen Zwischenrunde wurden nicht gleichzeitig, sondern hintereinander ausgetragen. So wussten die Argentinier genau, wie viele Tore gegen Peru für ein Weiterkommen nötig waren. Auf diesen Spielplan hatte das Gastgeberland Argentinien erheblichen Einfluss gehabt.

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