Wie die Zeit vergeht mit... Passagierflugzeugen

Wer 1914 ein Passagierflugzeug bestieg, musste lebensmüde sein: Es war wackelig, laut, windig und gefährlich. einestages erinnert an den Siegeszug des Flugzeugs - von der Jahrmarktattraktion zum komfortablen Massentransport.
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Der Anfang: Das erste Passagierflugzeug wurde in Russland gebaut. Die viermotorige Sikorski Ilja Muromez bot den Fluggästen bereits allerhand Annehmlichkeiten. Die geschlossene Passagierkabine war mit bequemen Sesseln ausgestattet, im hinteren Bereich gab es eine abgetrennte Privatkabine mit einem Bett. Im Oberdeck befand sich ein Waschraum, es gab Licht, Heizung und eine Toilette. Die ersten 16 Fluggäste stiegen im Februar 1914 zum Testflug auf. Zum regelmäßigen Einsatz kam die Maschine jedoch nicht. Im Ersten Weltkrieg lag die zivile Luftfahrt brach.

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Der Neuanfang: Der Passagierflug hatte während des Ersten Weltkriegs keine Chance, die militärische Nutzung von Fluggeräten ging vor. Erst als die Waffen ruhten, machten sich die Flugzeugkonstrukteure wieder ans Werk, die zivile Luftfahrt zu beflügeln. Wann und wo genau es losging, ist heute unklar: Viele Pioniere reklamieren den ersten Passagierflug für sich.

Kann vielleicht schon das Flugboot, das 1914 in Florida zwischen St. Petersburg und Tampa verkehrte, als Linienflug gelten? Die Maschine flog zweimal am Tag über die Old Tampa Bay. Für fünf Dollar konnten Passagiere in nur 20 Minuten die Bucht überqueren. Der Zug kostete zwar nur einen Dollar, war dafür aber stundenlang unterwegs. Oder...

Foto: San Diego Air and Space Museum Archive/ Walter J. Addems Collection
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...gab womöglich die Deutsche Luft-Reederei (DLR) im Februar 1919 den Startschuss? Sie transportierte hauptsächlich Post und Zeitungen, bot aber auch zwei Fluggästen Platz. Im ersten Monat beförderte die DLR auf 120 Flügen immerhin 19 Passagiere zwischen Weimar und Berlin. Oder...

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...gilt erst der internationale Flug von London nach Paris als Geburtsstunde des Passagierflugverkehrs? Die De Havilland D. H. 16 der britischen Aircraft Transport and Travel Ltd (AT/T) startete erstmals am 25. August 1919. In der umgebauten Militärmaschine konnten vier Passagiere mitfliegen. Von Komfort konnte allerdings noch keine Rede sein. Der Flug blieb ein gefährliches Abenteuer.

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Luxuskabine: Die Konkurrenz ließ nicht lange auf sich warten. Handley Page Transport baute nach dem Ende des Ersten Weltkriegs Bomber in Passagierflugzeuge um. Das Unternehmen beförderte seine Gäste von Anfang an in vergleichsweise luxuriös gestalteten Innenräumen. Dekorative Blendsäulen, edle Vorhänge und Wandleuchter schufen eine Salon-Atmosphäre, in der die Passagiere die Gefahr vergessen sollten. Flugbegleiter mit Speisen und Getränken gab es allerdings nicht. Auch die Aufforderung "Fasten your Seatbelts" hatte noch niemand gehört.

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Kino über den Wolken: Obwohl das Fliegen selbst eine Attraktion war, machten sich die Fluggesellschaften von Anfang an Gedanken zum Unterhaltungsprogramm an Bord. Imperial Airways stattete als erste Fluglinie ein Passagierflugzeug mit Leinwand und Filmprojektor aus. Am 24. April 1925 präsentierte sie den aktuellen Kinofilm "The Lost World" auf einem Flug von London nach Paris. Damit sicherte sich Imperial Airways einen Platz im "Guinness Buch der Rekorde." Die ersten bewegten Bilder an Bord waren das allerdings nicht, denn...

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...auf der "Chicago Pageant of Progress", einer Handelsmesse konnten sich Fluggäste bereits 1921 den Kurzfilm "Howdy Chicago" bei einem Rundflug ansehen. Der Werbefilm für die "windy City" genannte Metropole konnte sich mit dem Hollywood-Kinofilm der Imperial Airways allerdings kaum messen und ist darum in Vergessenheit geraten.

Schon bald rüsteten auch deutsche Fluglinien nach und boten ihren Passagieren Kinoprogramm (Foto von April 1925).

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Service an Bord: Erst im Mai 1927 trat das erste Kabinenpersonal bei Imperial Airways seinen Dienst an. Im Luxusflieger "Silver Wing" reisten die Passagiere in einer komfortablen Flugkabine mit eigenem Steward und vertrieben sich bei einem Vier-Gänge-Menü die Zeit.

In Deutschland setzte die Deutsche Luft Hansa ab April 1928 Flugbegleiter ein. Arthur Hofer, ein ehemaliger Mitropa-Kellner servierte im "fliegenden Speisewagen", einer Junker G 31, die zwischen Berlin und Paris verkehrte, Speisen und Getränke.

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Beruhigende Krankenschwestern: Die erste Stewardess war die Amerikanerin Ellen Church. Die gelernte Krankenschwester und Hobbypilotin hätte das Flugzeug am liebsten selbst geflogen. Doch eine Frau im Cockpit war in den Dreißigerjahren undenkbar. Church überzeugte die Herren von der Fluggesellschaft, Krankenschwestern zur Betreuung der Passagiere einzusetzen. Ihr Anblick sollte beruhigend wirken. Boeing Air Transport, Vorgänger von United Airlines, wagte den Versuch...

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...und stellte acht Stewardessen ein, die auch Krankenschwestern waren. Drei Monate später ging das Pilotprojekt in Serie. Ellen Church wurde Chef-Stewardess und erhielt massenhaft Bewerbungen von Frauen und Männern.

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Über den großen Teich: Die Pazifikrouten waren ab 1927 das Stammgeschäft der Fluggesellschaft Pan American Airways (Pan Am). Am 28. Juni 1939 nahm sie mit Maschinen des Typs Boeing B-314 Clipper als erste Airline auch den Transatlantikverkehr auf den Routen New York-Marseille und New York-Southampton auf.

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Unterhaltung über den Wolken: Die Flugzeuge wurden schneller und sicherer. Sie flogen höher, weiter, überquerten den Atlantik und den Pazifik. Das Bord-Entertainment zog mit. Während des Flugs einen Film zu zeigen, war Mitte der Dreißigerjahre längst ein alter Hut. Immer neue Attraktionen sollte die Faszination des Publikums wecken. Musiker und Sänger gaben Konzerte an Bord, es wurden Modenschauen gezeigt oder Sportveranstaltungen wie Pferderennen übertragen (Foto). Die kabellose Kommunikation machte es möglich.

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Höhenflug: Die Flugzeugtechnik entwickelte sich rasant. Während Auguste Picard an der Entwicklung der Druckkabine arbeitete, experimentierten andere Techniker mit Atemmasken, wie hier auf einem Flug der Northwest Airlines am 23. Februar 1939. Die zehn Passagiere atmeten eine Mischung aus Helium und Sauerstoff und konnten so bequem in einer Höhe von 6000 Metern fliegen, bei einer Außentemperatur von minus 32 Grad.

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Offenes Feuer: "Der Gast ist König!" lautete die Devise noch in den Vierzigerjahren. Selbstverständlich war auch das Rauchen an Bord gestattet. Wo Fluglinien 20 Jahre zuvor noch Kerzen zur Beleuchtung eingesetzt hatten, störte auch die Glut eines Glimmstängels nicht.

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Separée mit Stil: Die Bordtoilette gilt seit jeher als Schauplatz amouröser Begegnungen, ihre Funktionsweise gibt den Menschen bis heute Rätsel auf.

In den Fünfzigerjahren sah die Bordtoilette noch aus wie ein richtiges kleines Badezimmer: Kosmetiktisch, Seife, Handcreme und Spiegel. Dieser komfortable Waschraum befand sich im ersten Düsenjet der Geschichte. Die Comet war 1952 für ein Jahr das Flaggschiff der britischen Flugzeugindustrie.

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Bequem zur Ruhe kommen: Auch im Passagierraum bot die Comet den Fluggästen alle erdenklichen Annehmlichkeiten. Als erster Jet im transatlantischen Linienverkehr flog die Comet 4 von New York nach London in weniger als sechseinhalb Stunden. Die Designerin Gaby Schreiber gestaltete den Innenraum. Von den Liegesitzen in der ersten Klasse können Economy-Class-Passagiere bis heute nur träumen. (Foto von 1958).

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Laufsteg in der Luft: Dieses Bild entspricht schon eher der Erfahrung eines heutigen Passagiers: voll besetzte Reihen, Fluggäste drängeln sich auf dem Gang. Doch der Schein trügt. Die Damen präsentierten die aktuelle Reisemode von 1959. Das skurrile Event findet noch heute Nachahmer: Der kolumbianische Wäschehersteller Ronied zeigte 2011 den überraschten Passagieren eines Linienflugs seine aktuelle Dessous-Kollektion.

Foto: Hans Von Nodle/ AP
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Cocktailparty: Fliegen war in den Fünfzigerjahren schick - und teuer. Für die Passagiere war jeder Flug ein gesellschaftliches Ereignis, für das man sich angemessen kleidete: Die Herren reisten in Anzug und Krawatte, die Damen im Reisekostümen mit Perlenschmuck und hohen Absätzen.

Foto: Pan Am Historical Foundation
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Die verfügbare Frau: In den Sechzigerjahren war die Stewardess das Aushängeschild der Fluggesellschaft. Sie musste jung sein, hübsch, freundlich und - zumindest dem Anschein nach - verfügbar. Die Uniform betonte ihre Reize. 1967 präsentierte die Stewardess Patty Pulsen die neue Uniform von American Airlines: Das kurze Strickkleid mit passendem Gürtel und Haarschleife ersetzte die bis dato gängige Dreiteiler-Montur.

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Königin der Lüfte: Ab 1978 brachte die Concorde ihre Fluggäste mit Überschallgeschwindigkeit ans Ziel. Der "Königin der Lüfte" genannte Passagierjet war sehr populär, er bot Geschäftsreisenden die Möglichkeit, den Atlantik für ein Meeting zu überqueren und noch am selben Tag zurückzufliegen. Nur drei Stunden dauerte ein Flug von New York nach London.

Trotzdem war die Concorde ein kommerzieller Fehlschlag. Die Ölkrise ließ ein Kerosin verschlingendes Überschallflugzeug bald fragwürdig erscheinen, Umweltschützer protestierten gegen die Lärmbelästigung. Dutzende Fluggesellschaften annullierten ihre Bestellungen. Die 14 ausgelieferten Maschinen flogen bis 2003 für British Airways und Air France.

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Streikbrecher an Bord: Die Achtzigerjahre brachten Veränderung. Wegen der Ölkrise war Treibstoff so teuer wie nie. In den USA wurden daher Regelungen für den kommerziellen Flugverkehr aufgehoben, der freie Markt regierte. Große und kleine Fluggesellschaften versuchten ihre Verluste auszugleichen, indem sie die Arbeitsbedingungen verschlechterten. Das Flugpersonal nahm den Arbeitskampf auf.

Eastern Airlines köderte ihre Kunden währenddessen mit speziellen Angeboten. Obwohl zahlreiche Maschinisten, Piloten und Flugbegleiter streikten, waren die Maschinen voll. Die Schnäppchenjäger konnten bei einem nur zwölf Dollar teuren Ticket von Boston nach New York einfach nicht widerstehen.

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Ankunft im Alltag: Spätestens in den Neunzigerjahren wurde das Flugzeug zu einem gängigen Massentransportmittel. Flüge in weit entfernte Länder waren unkompliziert und vor allem erschwinglich. Die Flugzeuge füllten sich, es wurde stickig, laut und eng - vor allem in der Economy-Klasse. Die Stuhlreihen standen dicht an dicht. Bis heute gilt: Mehr Sitzreihen, mehr Fluggäste, mehr Profit.

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Billigflieger ohne Schnickschnack: Sie beschäftigen an Bord nur die Mindestbesatzung, es gibt keinen Service, Getränke, Speisen und Gepäckaufgabe kosten extra, die Sitzreihen stehen eng hintereinander, Start- und Zielflughäfen liegen oft außerhalb größerer Städte. Trotzdem sind Fluggesellschaften wie Ryan Air oder EasyJet seti den späten Neunzigerjahren beliebter denn je. Ihr Konzept: No Frills (kein Schnickschnack) und niedrige Preise.

Die Billigflieger sind jedoch keine neue Erfindung. Laker Airways und Southwest Airline boten schon in den Siebzigern die ersten Flüge zum Schnäppchenpreis an.

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Luxushotel der Lüfte: Während sich sparwütige Touristen in die Billigflieger quetschen, kann sich der wohlhabende Fluggast im neuen Airbus A380, der 2010 auf der Internationalen Flugshow in Berlin-Schönefeld präsentiert wurde, entspannt die Beine vertreten.

Der Riesenjet bietet 489 Passagieren Platz, allerdings können sich nur 14 von ihnen in der Ersten Klasse verwöhnen lassen. Für sie setzt Emirates Airline einen neuen Komfort-Standard: Im "Luxushotel der Lüfte" gibt es private Suiten mit Massagebetten, Blattgoldverzierung und Dusch-Spa. Wem das zuviel Wellness ist, dem stehen gleich zwei Bars zur Verfügung: Cocktails und Canapés müssen mit den Business-Class-Reisenden geteilt werden, am Wasserfall im Oberdeck sind die Premium-Kunden ganz unter sich.

Foto: © Thomas Peter / Reuters/ REUTERS
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