Freddie Oversteegen Die Widerstandszelle in Haarlem

Freddie Oversteegen war 15 Jahre alt, als sie zum ersten Mal einen Nazi-Offizier erschoss - weitere folgten. Hierzulande ist die niederländische Widerstandskämpferin kaum bekannt. Im September 2018 verstarb sie mit 92 Jahren.
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Junge Widerstandskämpferin: Freddie Oversteegen (1925-2018) war erst 15 Jahre alt, als sie zum ersten Mal einen Nazi-Offizier erschoss. Wenn Freddie und ihre zwei Jahre ältere Schwester Truus geheime Aufträge für den niederländischen Widerstand ausführten, waren sie oft wochenlang von ihrer Mutter Trijntje getrennt. "Wir konnten damals keine Kinder sein. Wir haben unsere Mutter sehr vermisst, wir wollten spüren, wie sie uns in den Arm nimmt", erzählte Freddie nach dem Krieg .

Foto: National Hannie Schaft Foundation
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Späte Ehrung: Freddie und Truus Oversteegen bekamen am 15. April 2014 den Militärorden "Mobilisatie-Oorlogskruis" vom niederländischen Ministerpräsidenten Mark Rutte verliehen. Truus Oversteegen (1923-2016; Mitte) hielt zeitlebens an ihren Überzeugungen fest: "Wir haben damals Tumore aus der Gesellschaft entfernt! Wenn ich jetzt 16 Jahre alt wäre, würde ich zu Greenpeace gehen oder mit Amnesty arbeiten. Ich habe niemals meine Ideale verloren."

Foto: National Hannie Schaft Foundation
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Bis zum Schluss: Deutsche Soldaten und niederländische Widerstandskämpfer lieferten sich am 7. Mai 1945 heftige Feuergefechte auf den Straßen von Amsterdam. Zwei Tage zuvor kapitulierte die Wehrmacht in den Niederlanden; der 5. Mai wird seitdem als "Bevrijdingsdag" gefeiert.

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"Das Mädchen mit dem roten Haar": So nannten die Nazis die landesweit gesuchte Widerstandskämpferin und Jurastudentin Hannie Schaft (1920-1945). Sie war sehr belesen, sprach Deutsch und Englisch und galt in der Widerstandsgruppe als die "Intellektuelle". Alle anderen Mitglieder stammten aus Arbeiterfamilien. Freddie und Truus Oversteegen arbeiteten während des Kriegs zeitweise als Krankenpflegerinnen.

Foto: Nationaal Archief
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Erinnerungskultur: Nach dem Krieg war Freddie Oversteegen im Aufsichtsrat der "National Hannie Schaft Foundation"  tätig, die ihre Schwester Truus 1996 gegründet hatte. Während des Kalten Kriegs fanden überlebende kommunistische Widerstandskämpfer kaum Gehör - in den Fünfzigern wurden sogar Gedenkfeiern zu Ehren von Hannie Schaft (Foto) offiziell verboten. Inzwischen sind in der niederländischen Stadt Haarlem Straßen nach Hannie Schaft sowie nach Freddie und Truus Oversteegen benannt.

Foto: Verzetsmuseum
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Gefasst: Die roten Haaransätze ihrer schwarz gefärbten Haare verrieten sie, als Hannie Schaft im März 1945 verhaftet wurde. Nach tagelanger Folter wurde sie am 17. April 1945 hingerichtet. Der niederländische Kinofilm "Das Mädchen mit den roten Haaren" erschien 1981 und wurde europaweit ein Erfolg (Szenenfoto). Der Film unter der Regie von Ben Verbong schildert das Leben der Widerstandskämpferin und basiert auf dem gleichnamigen Roman von Theun de Vries aus dem Jahr 1956.

Foto: ddp images
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Judenverfolgung: Die Nazis ermordeten und verhafteten jüdische Menschen in den Niederlanden während der gesamten Besetzungszeit, wie hier in Amsterdam im Februar 1941. Von über 140.000 jüdischen Menschen, die in den Niederlanden wohnten, überlebten nur 38.000 die Shoah.

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Nachkriegszeit: Freddie Oversteegen heiratete nach dem Krieg Jan Dekker, der als Ingenieur in einer örtlichen Stahlfabrik arbeitete. Die beiden hatten drei Kinder und unternahmen wochenlange Wohnmobilreisen nach Portugal, Spanien und Marokko. Während Truus häufig in der Öffentlichkeit von ihren Erlebnissen im Widerstand erzählte, zog sich Freddie weitgehend zurück. "Sie erschoss ein paar Menschen, und das waren wirklich, wirklich schlechte Menschen", sagt Freddies Sohn Remi Dekker. "Aber sie hasste es, und sie hasste sich selbst dafür, dass sie es getan hat."

Foto: National Hannie Schaft Foundation
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Haarlem, 3. Mai 1982: Juliana (rechts), von 1948 bis 1980 Königin der Niederlande, zusammen mit Truus Oversteegen (links) anlässlich der Präsentation von Truus' Skulptur zu Ehren Hannie Schafts. Truus arbeitete nach dem Krieg als Bildhauerin und Malerin.

Foto: Hans van Dijk/ ANEFO/ Nationaal Archief
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Trümmerfeld: Hermann Göring, Reichsmarschall und Oberbefehlshaber der deutschen Luftwaffe, besichtigt auf dieser Aufnahme das zerstörte Rotterdam, nachdem die Nazis am 10. Mai 1940 die Niederlande überfallen hatten.

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Erwischt: Niederländische Widerstandskämpfer verhaften im September 1944 einen Kollaborateur. Viele Kollaborateure wurden liquidiert. Truus Oversteegen berichtet nach dem Krieg: "So eine Erschießung ist keine leichte Sache. Nicht wie im Film, wenn ein Cowboy einen Kerl erschießt - es war tragisch und sehr schwierig, und wir haben danach geweint. Wir hatten nicht das Gefühl, dass das alles zu uns passt, das passt zu niemandem, solange man nicht wirklich kriminell ist. Man verliert dabei alles. Es vergiftet die schönen Dinge des Lebens."

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Anti-Propaganda: Antifaschistische Plakate an einem Wehrmachtsheim in der niederländischen Stadt Apeldoorn. Während der Besatzung warben die Nazis auf großen Plakaten für niederländische Arbeiter, die in Deutschland bei der Kriegsproduktion helfen sollten. In nächtlichen Aktionen überklebte die Familie Oversteegen diese Plakate: "Geht nicht nach Deutschland! Für jeden Niederländer, der in Deutschland arbeitet, geht ein Deutscher an die Front!"

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Auf der Flucht: Niederländische Zivilisten fliehen im Mai 1940 vor den Kampfhandlungen. Die Mutter von Freddie und Truus, die 1900 geborene Trijntje Oversteegen, engagierte sich schon früh in der 1922 gegründeten Internationalen Roten Hilfe (IRH), dem kommunistischen Gegenstück zum Roten Kreuz. Die IRH half geflüchteten Menschen im Zweiten Weltkrieg unter anderem bei illegalen Grenzübertritten zwischen Deutschland und den Niederlanden. Bereits vor dem Krieg - die Oversteegens wohnten damals noch auf einem großen Hausboot in Haarlem - versteckten sie geflüchtete Menschen aus Litauen im Frachtraum.

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Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Heinrich Himmler (vorn), Reichsführer der SS und Chef der deutschen Polizei, trifft 1942 den Reichskommissar für die besetzten Niederlande Arthur Seyß-Inquart, dessen Kinder die Widerstandsgruppe um Freddie und Truus Oversteegen nicht entführen wollte. "Widerstandskämpfer töten keine Kinder!", kommentierte Freddie später den Entschluss. Himmler nahm sich am 23. Mai 1945 das Leben. Seyß-Inquart wurde bei den Nürnberger Prozessen wegen schwerer Verbrechen gegen die Menschlichkeit schuldig gesprochen und am 16. Oktober 1946 hingerichtet.

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