Friedhof Heiliger Sand Rätsel aus der jüdischen Vergangenheit

Auf dem ältesten jüdischen Friedhof Europas stehen jahrhundertealte Grabsteine, deren Inschriften kaum noch lesbar sind. Mit einem 3-D-Scanverfahren haben Forscher begonnen, die verwitterten Wormser Tafeln zu entschlüsseln. Ihre Botschaften sind romantisch und grausig zugleich.
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Heiliger Sand in Worms: Der älteste jüdische Friedhof Europas wurde vermutlich im Jahr 1034 angelegt. Der älteste datierbare Grabstein stammt aus dem Jahr 1076. Ein interdisziplinäres Forscherteam hat sich zur Aufgabe gemacht, den Heiligen Sand umfassend wissenschaftlich zu dokumentieren.

Foto: IWR / Hubert Mara
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Mit Ornamenten dekorierter Grabstein: Mehrere berühmte jüdische Persönlichkeiten fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Etwa 1400 Grabsteine umfasst der Friedhof. Die meisten tragen Inschriften - doch deren Inhalt ist weitestgehend unerforscht.

Foto: IWR / Hubert Mara
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Stein Nr. 1061: Die meisten Tafeln sind aufgrund der Verwitterung nicht mehr lesbar - das Schriftfeld wirkt wie ausradiert. Auf diesem Grabstein sind auch noch Kugeleinschläge zu sehen. Sie sind Hinterlassenschaften des Pfälzischen Erbfolgekriegs von 1689.

Foto: Wilfried Keil / Landesdenkmalpflege Rheinland-Pfalz
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Dreidimensionaler Streifenlicht-Scanner: Mit Hilfe modernster Technik wollen die Forscher die Grabinschriften entschlüsseln. Feine, vertikale Lichtstreifen werden auf die Steinoberfläche projiziert und wandern langsam von links nach rechts. Dabei entsteht genau an der Grenze zwischen hell und dunkel eine sehr scharfe, das Relief darstellende Bildlinie.

Foto: IWR / Hubert Mara
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Während die Streifen über den Stein ziehen, machen zwei Digitalkameras, die sich jeweils links und rechts des Projektors befinden, pausenlos Aufnahmen. So werden alle entstehenden Bildlinien abgelichtet.

Foto: Visualisierung und Numerische Geometrie / Hubert Mara / IWR
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Im Rechner lassen sich diese später zu einer vollständigen Darstellung des Grabsteins zusammensetzen. Die beiden Kameras funktionieren bei dieser Methode ähnlich wie unsere Augen: Sie liefern von links und rechts unterschiedliche Bilder an das Gehirn, und Letzteres rechnet diese Information in ein Abschätzen der Tiefe um - Nach demselben Prinzip kalkuliert der Computer auch noch die geringsten Vertiefungen in der Steinoberfläche.

Foto: Visualisierung und Numerische Geometrie / Hubert Mara / IWR
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Inschrift von Stein Nr. 1061: Nach und nach kommen die Forscher auf diese Weise den Schriftzeichen auf den Grabsteinen auf die Spur.

Foto: Michael Brocke
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Bereits vor Ort können die Forscher die ersten Auswertungen am Computer ansehen.

Foto: IWR / Hubert Mara
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Punktwolke aus etwa 20 Millionen Punkten: Mitarbeiter des Geographischen Instituts der Universität Heidelberg haben das gesamte Friedhofsareal mit einem 360-Grad-Laserscanner erfasst, jeden einzelnen Stein, jeden Busch und das komplette Geländeprofil.

Foto: Labor fu¿r Geomorphologie und Geoökologie
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Die Geografen nahmen das Terrain aus vier verschiedenen Positionen auf, jeder dieser Scanner-Standorte hat eine Punktwolke von knapp 20 Millionen einzelnen Messpunkten geliefert. In diesem Bild ist jedem Punkt die Entfernung vom Scanner als Grauwert zugeordnet.

Foto: Labor fu¿r Geomorphologie und Geoökologie
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Die Falschfarbendarstellung zeigt die erste, zweite und dritte Reflexion in Grün, Gelb und Blau. Bereiche, die von diesem Scanner-Standort nicht erfasst werden können, sind schwarz dargestellt.

Foto: Labor fu¿r Geomorphologie und Geoökologie
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Plan des jüdischen Friedhofs Heiliger Sand: Sämtliche Grabsteine sind eingezeichnet, etwa 1400 Stück. Nachdem 1911 ein neuer jüdischer Friedhof außerhalb Worms angelegt wurde, lief die Nutzung des Heiligen Sandes weitgehend aus. Die letzten Bestattungen wurden in den dreißiger Jahren durchgeführt.

Foto: Landesdenkmalpflege Rheinland-Pfalz
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