Streit in Braunau Kneipe, Schule, Hitlerhaus

Außen oll, innen leer - und trotzdem streitet ganz Österreich über dieses Haus: In Braunau kam Adolf Hitler zur Welt, für die Stadt ist das eine schwere Bürde. Jetzt greift die Regierung durch, aber die Probleme bleiben.
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Das gelb getünchte Haus in der Salzburger Vorstadt 15, Ecke Schmiedgasse in Braunau am Inn: Vermutlich in einem Zimmer des zweiten Stocks brachte Klara Hitler am 20. April 1889 ihren dritten Sohn zur Welt, Adolf. Das Gebäude ist seit langem ein Streitobjekt.

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Das Zimmer, in dem Adolf Hitler zur Welt gekommen sein soll. Es gilt als wahrscheinlich, dass dieser Raum sich im zweiten Stock des Hauses befand - historisch gesichert ist aber auch das nicht.

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Taufschein und Geburtszeugnis: Dass der spätere Diktator im beschaulichen Braunau geboren wurde, lastet seit Jahrzehnten auf dem Ort - denn der ist aus nur diesem Grund weltbekannt.

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Adolf Hitler als Einjähriger im Jahr 1890: Als er ein halbes Jahrhundert später wieder nach Braunau kam, jubelten viele Menschen dem deutschen Diktator zu.

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Hitlers Eltern Klara und Alois Hitler wechselten häufig den Wohnort, da der Vater als Zollbeamter regelmäßig versetzt wurde. Der spätere NSDAP-Politiker lebte als Kind, Jugendlicher und junger Mann unter anderem in Leonding bei Linz, in Passau und Wien.

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Umgezogen: Lange lebten die Hitlers allerdings nicht in dem Eckhaus, zu dem auch dieser Laubengang gehörte (Foto von 1938). Schon nach wenigen Wochen zog die Familie in eine Wohnung in der zentral gelegenen Linzer Straße; nach drei Jahren verließen sie Braunau.

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Hakenkreuze am Hitlerhaus: Zwischen der deutschen Annexion Österreichs 1938 und dem Kriegsausbruch 1939 gab es einen staatlich geförderten Hitler-Tourismus nach Braunau. Das Geburtshaus des Diktators ließen die Nazis mit Blumen und Fahnen schmücken - auch schon 1934, unter dem austrofaschistischen Regime in Österreich.

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Dem späteren Diktator war sein Geburtsort offenkundig ziemlich egal. Dokumentiert ist Hitlers kurze Fahrt durch die Stadt anlässlich der deutschen Annexion Österreichs im März 1938. Zudem soll er seinen Geburtstort auch schon 1920 noch einmal besucht haben - sicher belegt ist diese Visite allerdings nicht.

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Zumindest offiziell waren Braunau und Hitler über Jahrzehnte eng miteinander verbunden: Während des Zweiten Weltkriegs verlieh die Stadt dem Diktator das Heimatrecht, das mittlerweile eingemeindete Örtchen Ranshofen ernannte ihn sogar zum Ehrenbürger. Beides erkannte der Braunauer Gemeinderat 2011 wieder ab.

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"Volksbücherei Braunau": Bis 1938 befand sich eine Gaststätte in dem Haus, dann ließ Hitlers Sekretär Martin Bormann dort ein sogenanntes Kulturzentrum einrichten, zu dem auch eine Volksbücherei gehörte. Der entsprechende Schriftzug ist bis heute auf der Fassade zu lesen.

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Triumph im Geburtshaus des Kriegstreibers: US-Soldaten verewigten sich im Juni 1945 an den Wänden eines Raumes, den sie für das Geburtszimmer Adolf Hitlers halten.

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Weltbekannt ist Braunau ausschließlich wegen der Geburt Adolf Hitlers in der österreichischen Grenzstadt. Dabei hat der Ort am Inn deutlich mehr zu bieten: zum Beispiel einen mittelalterlichen Stadtkern mit gotischen Giebelhäusern.

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Der bedenkliche Bekanntheitsgrad Braunaus lässt sich auch in Deutschland beobachten: Dieses Hinweisschild steht im mecklenburgischen Dorf Jamel, das als Hochburg von Neonazis gilt.

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"Nie wieder Faschismus": Seit 1989 steht vor dem Geburtshaus ein Stein aus dem ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen, der an die Opfer der nationalsozialistischen Diktatur erinnert. Warum der Stein an dieser Stelle steht, wird dort allerdings nicht erklärt.

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Zwischennutzung: Nach dem Krieg sprach ein Gericht das Gebäude wieder den ursprünglichen Eigentümern zu, die es 1972 an das Innenministerium vermieteten. Die überließ es daraufhin einer Einrichtung für Behinderte, welche 2011 jedoch auszog.

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Das in Braunau "Hitlerhaus" genannte Gebäude steht seit mittlerweile fünf Jahren leer, und das ist dem gelben Klotz auch anzusehen: An den Außenmauern haben sich dunkle Nässeflecken gebildet, von den Fensterrahmen blättert die Farbe ab.

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Umwidmung: Er kämpft seit mehr als 15 Jahren dafür, das Gebäude in eine Jugendbegegnungsstätte mit dem Namen "Haus der Verantwortung" umzuwandeln: der Politikwissenschaftler und Heimatforscher Andreas Maislinger.

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Entmystifizierung: Florian Kotanko, Vorsitzender des Braunauer Vereins für Zeitgeschichte, setzt sich für eine "historische Kontextualisierung" des Hauses ein, will aber ein "Hitler-Museum" unbedingt verhindern: "Wir müssen das Haus entmystifizieren", sagt der pensionierte Schuldirektor.

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