Wie die Zeit vergeht mit... Schreibmaschinen

Tack-Tack-Tack-Tack-Ring! Sie trieb Nietzsche in den Wahnsinn, machte einen Waffenfabrikanten reich - und sorgte 1957 als Elektroversion für Furore. Längst ausrangiert, darf die Schreibmaschine auf ein Revival hoffen - der NSA sei Dank.
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Uhrartiges Urvieh: 1829 konstruierte der US-Amerikaner William Austin Burt diese stark an eine Standuhr erinnernde hölzerne Maschine. Die einzelnen Buchstaben sitzen auf einem Rad, das an einem halbkreisförmigen Rahmen angebracht ist. Um einen Buchstaben auszuwählen, muss das Rad bewegt werden, dann wird der Buchstabe mittels eines Hebels auf das Papier gedrückt. 1836 brannte das Patentamt in Washington nieder - und Burts Erfindung ging in Flammen auf. Das Foto zeigt eine Replik. Die Geschichte der Schreibmaschine brachte viele aus heutiger Sicht bizarre Gerätschaften zutage.

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Klavier-Kasten: Der britische Experimentalphysiker Sir Charles Wheatstone erfand nicht nur mehrere Telegrafen, das Spiegelstereoskop und ein akkordeonartiges Musikinstrument namens "Concertina", sondern konstruierte in den Fünfzigerjahren des 19. Jahrhunderts auch Schreibmaschinen. Dieses Modell von 1851 erinnert stark an ein Klavier, die Buchstaben werden über schwarze und weiße Tasten eingegeben.

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Für 200 Lire zu haben: Dieses Gerät entwickelte der italienische Rechtsgelehrte Giuseppe Ravizza, der als erster das Farbband einsetzte und für seine Konstruktion Klaviertasten benutzte. Ravizza patentierte sein "Cembalo Scrivano" 1855, im Jahr darauf präsentierte er seine Erfindung auf der Industrieausstellung in Turin. Dort wurde es für 200 Lire zum Verkauf angeboten - zugegriffen haben jedoch nur wenige.

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Belächeltes Gadget: Als Urvater der Schreibmaschine gilt der Südtiroler Zimmermann Peter Mitterhofer - diese wuchtige Holzkonstruktion stammt von 1864. Mitterhofer konstruierte fünf Modelle, sein viertes besaß bereits Metalltypen, eine Volltastatur mit 82 Tasten und erlaubte Groß- und Kleinschreibung auf Papier auf einer Schreibwalze. Im Jahr 1866 präsentierte der Zimmermann seine Erfindung am Hof des Kaisers Franz Joseph in Wien. Der sponserte die Erfindung zwar mit 200 Gulden, war jedoch nicht wirklich überzeugt: Selbst bei viel Übung dürfte wohl "niemals dieselbe Geschwindigkeit und Sicherheit wie beim gewöhnlichen Schreiben erreicht werden", befanden die Gutachter des Monarchen. Mitterhofer versäumte es, seine Schreibmaschinen durch Patente schützen zu lassen und starb 1893.

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Nein, dies ist kein Käseigel: Sondern die sogenannte "Skrivekugle", eine der Vorläuferinnen der modernen Schreibmaschine. Entwickelt wurde sie 1865 von dem dänischen Pastor Rasmus Malling-Hansen, Leiter des Königlichen Taubstummen-Instituts in Kopenhagen. Das ursprünglich für Malling-Hansens Schützlinge konzipierte Gerät wurde zwar noch von Hand, jedoch schon in größeren Stückzahlen hergestellt und europaweit verkauft, sein berühmtester Besitzer war der Philosoph Friedrich Nietzsche. Die Typenstäbe werden von einer Halbkugelschale gehalten, statt einer Walze dient ein Halbzylinder als Träger.

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"Diskursmaschinengewehr": Zeitgleich mit Mitterhofer und Malling-Hansen arbeiteten Christopher Latham Sholes, Charles Glidden und Samuel W. Soulé in den USA an einer Schreibmaschine, die Aufnahme dieses Kastens stammt von 1868. Der gelernte Buchdrucker Sholes warb bei der Kleinwaffen- und Nähmaschinenfabrik Remington für seine Erfindung - und fand Gehör: Nach dem Ende des Amerikanischen Bürgerkriegs suchte Remington nach neuen zivilen Produktionsfeldern, ließ das Modell von Sholes überarbeiten und schickte 1874 die erste "Typewriter"-Generation in Serie. "Die Schreibmaschine wurde zum Diskursmaschinengewehr", schreibt der Medientheoretiker Friedrich Kittler.

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Aller Anfang ist klobig: "The first typist" - "Die erste Schreibkraft" steht unter dieser Fotografie von 1872. Bei der jungen Dame hinter dem wuchtigen Klapperkasten handelt es sich um Lillian Sholes, die Tochter des Schreibmaschinenpioniers Christopher Latham Sholes. Dass diese Schreibmaschine tatsächlich die allererste war, darf bezweifelt werden, da viele Männer der Meinung waren, die Schreibmaschine erfunden zu haben: So meldete etwa der englische Wasserbau-Ingenieur Henry Mill bereits 1714 ein Patent für eine "Maschine zum Eindrücken oder Übertragen von einzelnen oder fortlaufenden Buchstaben" an. Doch davon ist weder ein Gerät noch eine Zeichnung erhalten.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Die Maschine wird weiblich: Diese Remington aus dem Jahr 1873 findet Platz auf einem Nähmaschinentisch, der Wagen wird durch ein Fußpedal transportiert. Seit den Achtzigerjahren des 19. Jahrhunderts geriet die Schreibmaschine zum Verkaufserfolg in den USA, 1890 verkaufte Remington bereits 65.000 Schreibmaschinen. Der große Vorteil: Endlich ließen sich mehrere Durchschläge in einem Arbeitsgang erledigen. Bald war die Schreibmaschine aus den Büros nicht mehr wegzudenken - und wurde zunehmend weiblich: Gab es in den USA 1870 unter den Stenographen und Maschinenschreibern einen Frauenanteil von nur 4,5 Prozent, stieg dieser 1880 bereits auf 40 Prozent. 1910 waren 80 Prozent aller Schreibkräfte in den US-Büros weiblich und 1930 sogar 95,6 Prozent.

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Dem Nachwuchs die Bauklötzchen geklaut: Hat der Erfinder dieser frühen Schreibmaschine. Der US-Amerikaner Robert Thomas Pritchard Allen meldete sein Modell "Typewriter" im Jahr 1876 zum Patent an. Die Holzquader, auf denen sich die Buchstaben befinden, soll Allen seiner Tochter Emma stibitzt haben. Auf den Markt schaffte es dieses Modell nicht.

Foto: Bettmann Archive/ Getty Images
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Je kleiner die Schreibmaschine, desto cooler die Tippmamsell: Blick in ein New Yorker Büro, aufgenommen 1924. Rechts kämpft eine typische Stenotypistin der Jahrhundertwende mit einem Schreibmaschinenungetüm, links erledigt ihre rauchende Kollegin von 1924 die Arbeit mit lässiger Eleganz. Und zeigt dabei auch noch jede Menge Bein. Der über beiden thronende Kerl? Darf sich aussuchen, wer von beiden für ihn schuften muss.

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Wer tippt am schnellsten? Eine ernste Sache - die Maschineschreiben-Meisterschaft in Österreich, veranstaltet 1909 in Wien vom österreichischen Reichsverein "Stenotypistenbund". In der Mitte, recht erschöpft dreinblickend: die Siegerin des Wettbewerbs.

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Durch den Krieg ausgebremst: Werbeplakat für die "Mercedes Elektra", die weltweit erste elektrische und im Büro verwendbare Typenhebelmaschine. Betrieben wurde sie durch einen seitlich angeflanschten Elektromotor. Ingenieur Carl Schlüns hatte das Gerät bereits 1914 entwickelt. Wegen des Ersten Weltkriegs musste die Herstellung jedoch zurückgestellt werden, die Schreibmaschine wurde erst ab 1921 gebaut. Der US-Amerikaner George Blickensderfer hatte bereits 1902 eine elektrische Variante der Schreibmaschine entwickelt, die sich jedoch nicht durchsetzte. Ein möglicher Grund: die damals in den US-Bundesstaaten unterschiedlich genormten Stromnetze.

Foto: Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte/ Kunstbibliothek, SMB/ Dietmar Katz
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Mobile Maschine: Der Mann lenkt - die Frau... tippt. Diese Aufnahme eines fahrenden Büros entstand 1930 in Los Angeles.

Foto: Imagno/ Getty Images
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"Für das Heim": Die Kinder spielen friedlich, während Mutti im Sessel sitzt und in aller Ruhe die Korrespondenz erledigt - Werbeplakat für die Klein-Continental Schreibmaschine der Wanderer-Werke Siegmar-Schönau (um 1935). Die tragbare Variante wurde von 1929 bis 1948 produziert - beworben hat Wanderer sein Produkt mit dem selbstbewussten Slogan: die "Vollkommenste der Neuzeit".

Foto: Bildagentur für Kunst, Kultur und Geschichte / Kunstbibliothek, SMB/ Dieter Katz
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"Mit zehn Fingern stets zu schreiben... ...soll Dein Grundsatz sein und bleiben!" Mit solcherlei schlauen Sprüchen drangsaliert wurden die Teilnehmer von Schreibmaschinenkursen wie diesem, aufgenommen 1940 im Warthegau.

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Früh übt sich: Die stark an eine Waage erinnernde Kinderschreibmaschine "Bambino", hergestellt seit circa 1950 im VEB Optima Büromaschinenwerk in Erfurt. Hierbei wird der Buchstabe per Hebel angesteuert, mit einem Druck auf die verschieden gefärbten Tasten (schwarz für Klein-, grün für Großbuchstaben, rot für Zahlen und Satzzeichen) wird das gewünschte Zeichen aufs Papier gebracht.

Foto: ullstein bild
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"Wie elektrisiert staunte jede Sekretärin... ...die zum ersten Mal mit der MATURA electric in Berührung kommt. (...) Alles geht so spielend leicht und viel, viel flinker." Mit diesen Worten pries die Firma Grundig ihre elektrische Schreibmaschine an. Am 7. Mai 1957 wurden auf der Büromaschinen-Fachausstellung der Hannover Messe erstmals in Deutschland elektrische Schreibmaschinen wie die "Matura Electric" einem größeren Publikum vorgestellt. Die neuen Geräte waren deutlich leiser als die mechanischen, zudem wurde die Arbeit leichter: Bei der elektrischen Schreibmaschine ist nur noch rund ein Siebzigstel des vorherigen Kraftaufwands nötig, da ein Motor den Papierwagen zurückzieht und den Typenhebel anschlägt.

Foto: TA Triumph-Adler History
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Sekretärinnen-Traum: Diese Dame hat allen Grund zu bester Laune - schließlich darf sie an einer Kugelkopf-Schreibmaschine von IBM arbeiten. Die Kugelkopftechnik, eingeführt 1961 im "IBM Selectric typewriter", löste den Schreibwagenrücklauf herkömmlicher Maschinen ab: Ab sofort ließen sich mit einem einzigen Handgriff alle Typen gemeinsam austauschen, zudem konnten keine Typenhebel mehr verhaken.

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Kultobjekt: Wunderschön anzuschauen, geht gern auf Reisen - die legendäre "Olympia Traveller de Luxe"-Schreibmaschine, aufgenommen in einem Trödelshop in Sevilla. Die mechanische Kleinschreibmaschine wurde ab 1969 bis etwa 1985 von der ehemaligen Olympia Werke AG in Roffhausen bei Wilhelmshaven hergestellt. US-Autor Paul Auster tippt seine Romane heute noch auf diesem Modell.

Foto: imago/ Manngold
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Tipp und Chill: Er sollte das Leben der Sekretärinnen ein wenig angenehmer machen - der Bürosessel mit integrierter Schreibmaschine. Präsentiert wurde die Kreation 1972 auf einer Ausstellung in Paris.

Foto: Keystone/ Getty Images
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Aufgemotzt: Diese Dame arbeitet an einer SE 2000 - der ersten elektronischen Schreibmaschine von Triumph-Adler (Aufnahme von 1981). Als DS-Version verfügte das Gerät über ein Display - sogar ein Diskettenlaufwerk konnte angeschlossen werden.

Foto: imago/ Sven Simon
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Aufs Altenteil geschoben: Sieht fast aus wie ein Computer - eine elektronische Schreibmaschine der Marke Brother. Besitzt Fettdruckfunktion, Unterstreichautomatik und Korrekturspeicher, hat den Wettlauf gegen den Rechner aber trotzdem verloren: 2003 wurde die Schreibmaschine aus dem Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamts gestrichen - und damit definitiv in Rente geschickt.

Foto: imago/ Paul von Stroheim
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