Groteske Geständnisse Die besten Dopingerklärungen

In der Sportgeschichte gibt es etliche überführte Doper. Während einige schlicht bestreiten, überhaupt verbotene Mittel genommen zu haben, sind andere sehr kreativ, was die Begründung für positive Befunde angeht. SPIEGEL ONLINE stellt die skurrilsten Erklärungen vor.
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In China essen sie Hunde: Tischtennisspieler Dimitrij Ovtcharov führte den Fund von Clenbuterol in seinem Blut auf verseuchtes Essen bei einem Besuch in China zurück. "Es liegt für mich nahe, dass ich im normalen Nahrungsmittelkreislauf, also etwa bei täglichen Fleischmahlzeiten in China, Opfer einer für mich nicht erkennbaren Nahrungsmittelkontamination geworden bin." Allerdings: Die Veranstalter der China Open haben ausgeschlossen, dass die Substanz über verseuchtes Hotelessen in den Körper des Athleten gelangt sei. Das Essen in dem Fünf-Sterne-Hotel sei strengstens kontrolliert worden. Anscheinend...

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...war Ovtcharovs Begründung trotzdem derart überzeugend, dass der Radprofi Alberto Contador sie auch gleich für sich in Anspruch genommen hat. Er ließ verlauten, eine Lebensmittelverunreinigung sei für das positive Ergebnis in A- und B-Probe verantwortlich. Dies sei die einzige Möglichkeit.

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Saurer Drops: Dem ehemaligen Radprofi des Teams Saunier Duval, Gilberto Simoni, wurde 2002 ebenfalls der Gebrauch von Dopingmitteln nachgewiesen. Zunächst begründete er den Fund mit einem Zahnarztbesuch. Anschließend behauptete er, seine Schwester habe ihm Bonbons aus Peru mitgebracht, die möglicherweise in Kokablätter eingewickelt gewesen sein könnten.

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Fabelwesen: Zeitfahr-Olympiasieger Tyler Hamilton ist sich keiner Schuld bewusst. Für den Dopingbefund 2004 bei ihm hat er eine "einfache" und "plausible" Erklärung parat. Er habe sich keineswegs fremdes Blut injizieren lassen. Nein, er sei eine Chimäre (Mischwesen), und die fremden Blutzellen in seinem Körper würden von den Stammzellen seines noch vor der Geburt gestorbenen Zwillingsbruders produziert. Klingt logisch, oder?

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Weight Watcher: 2003 wurden dem gebürtigen Deutschen Johann Mühlegg aufgrund eines Dopingfundes die letzten beiden seiner drei Olympia-Goldmedaillen aberkannt, die er, nach Erhalt der spanischen Staatsbürgerschaft, für den spanischen Verband geholt hatte. Die Erklärung des sogenannten Miguel Indurain auf Skiern, in Anlehnung an den legendären Radfahrer, warum bei ihm das dem Epo-ähnliche Darbepoetin festgestellt wurde: eine spezielle Diät. Wenn das Reiner Calmund wüsste.

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Böser Kater: Im Sommer 2002 wurde der deutsche Tour-Sieger Jan Ullrich positiv auf Amphetamine getestet. Als Begründung führte er an, irgendwer hätte ihm in einer Disco zwei Pillen angedreht. Er habe es versäumt, nein zu sagen.

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Mundfäule: 1999 wurden beim 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann nach Trainingskontrollen zweimal deutlich erhöhte Nandrolon-Werte festgestellt. Baumann sah sich aber nicht als Täter, sondern als Opfer. Weil in einer von ihm benutzten Zahnpasta der Wirkstoff Norandrostendion nachgewiesen werden konnte, vermutete Baumann einen "kriminellen Akt" gegen ihn. Unbekannte hätten seine Zahnpasta manipuliert. Wenigstens sein Zahnarzt dürfte mit Baumann zufrieden sein, hat er sich doch offensichtlich regelmäßig die Zähne geputzt.

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Auf den Hund gekommen: Nachdem bei dem mittlerweile verstorbenen Radprofi Frank Vandenbroucke 2002 Medikamente in seinem Haus sichergestellt wurden, die als Dopingmittel dienen können, musste eine kreative Begründung her. Vandenbroucke fand sie: Das sichergestellte Asthmamittel Clenbuterol sei für seinen Hund bestimmt gewesen.

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Familiensinn: Für den erhöhten Testosteronwert, der beim ehemaligen Radprofi Christian Henn 1999 entdeckt wurde, machte dieser familiäre Umstände verantwortlich. Schon 1997 habe er ein Hausmittel zu sich genommen, das ihm bei der Zeugung seines ersten Kindes geholfen habe. Zwei Jahre später wollte er auf diese Weise erneut seine Zeugungskraft positiv beeinflussen. Positiv verlief zunächst einmal aber sein Dopingtest.

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Po-Probleme: Als 1999 bei Tour-Rekordsieger Lance Armstrong ein ungewöhnlicher hoher Kortikoid-Wert entdeckt wurde, machte er eine Salbe, mit der er sich seinen Allerwertesten eingerieben hatte, für den Befund verantwortlich.

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Inhalator-Anschlag: Im Mai 2007 wurde die Mountainbikerin Ivonne Kraft positiv auf das Asthma-Mittel Fenoterol getestet. Sie gab sogar zu, das Mittel inhaliert zu haben: Als der Asthma-Inhalator ihrer Mama in ihrem Beisein explodierte, habe sie vor Schreck "'Huch' gesagt und wohl versehentlich etwas inhaliert". Huch, wie blöd.

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Zum Verwechseln ähnlich: 1997 wurden dem Radfahrer Andreas Kappes Appetitzügler, die auf der Dopingliste stehen, nachgewiesen. Das seien eigentlich die seiner Frau, gab Kappes später zu Protokoll, er habe sie nur mit seinen Vitaminpräparaten verwechselt. Seine kleine Tochter habe die Präparate vertauscht. Wohl bekomm's.

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Potenter Prahler: Der Mann weiß einfach, wie es geht. US-Sprinter Dennis Mitchell (l.) erklärte seinen hohen Testosteron-Wert mit einer Geburtstagsparty, bei der er fünf Flaschen Bier getrunken und anschließend viermal Sex mit einer Frau gehabt haben will. Sein Kommentar: "Die Lady verdiente was Besonderes." Mitchell selbst verdiente anschließend auch eine besondere Behandlung: 1999 wurde er vom Leichtathletikweltverband IAAF für zwei Jahre gesperrt.

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Rindfleisch reloaded: Wie Ovtcharov und Contador führte der Bobfahrer Lenny Paul 1997 seinen hohen Nandrolon-Wert auf kontaminiertes Essen zurück. Das verbotene Mittel soll in einer Bolognese-Soße enthalten gewesen sein, die er am Vortag über seine Spaghetti gekippt hatte. Mamma Mia!

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Krankenpflege: 2002 beförderte die Frau des Radprofis Raimondas Rumsas in ihrem Wagen ein ganzes Sortiment an Dopingmitteln. Die waren aber angeblich nicht für ihren Mann, sondern als Medikamente für ihre kranke Mutter gedacht. Raimondas Rumsas blieb vorerst unbehelligt. Sei's drum, im folgenden Jahr wurde er dennoch während des Giro d'Italia des Epo-Dopings überführt. Doch auch dafür hatte Rumsas eine Erklärung: Er vermutete den Rennstall Lampre als Urheber. Es sei angemerkt, dass er in der entsprechenden Saison selbst für Lampre gefahren war.

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Böser Trainer: Die bei den Olympischen Sommerspielen überführte Kugelstoßerin Nadeschda Ostaptschuk hat die illegalen Substanzen angeblich heimlich von ihrem Trainer ins Essen gemischt bekommen. Alexander Jefimow habe seiner Athletin das Dopingmittel aus Angst um ein gutes Resultat bei den Sommerspielen verabreicht.

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