DHB-Team in der Einzelkritik Dauerbrenner Groetzki, Dauerblocker Wiencek

Traumduo in der Abwehr, vorne einen Krieger - und Uwe Gensheimer: Die deutschen Handballer können auf ein gutes Turnier zurückblicken. Doch es gab auch Enttäuschungen und ein Drama um den Spielmacher.
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Andreas Wolff: Der 27-Jährige ging als Nummer eins ins Turnier, das hatte Bundestrainer Prokop im Vorfeld so festgelegt. Das Vertrauen vom Coach und die Unterstützung seines Vertreters Heinevetter beflügelten ihn: Gegen Kroatiens starken Rückraum lief Wolff zur Höchstform auf, auch im Spiel um den dritten Platz war der Kieler wichtig. Seinen mäßigsten Tag erwischte er gegen Norwegen, ausgerechnet im Halbfinale. Wolff beendet das Turnier mit einer Abwehrquote von 35 Prozent und mehr als 70 Paraden, herausragende Werte.

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Silvio Heinevetter: Nahm seine Rolle als Ersatz von Wolff fair an, er baute die Nummer eins immer wieder auf und reichte ihm oft die Trinkflasche. In den eher bedeutungslosen Spielen gegen Serbien und Spanien durfte sich der 34-Jährige in seiner eigentlichen Rolle präsentieren, das machte er gut. Weil Wolff im Halbfinale schwächelte, kam der Berliner auch dort länger zum Einsatz; gegen die norwegischen Würfe vom Kreis blieb er ohne Zugriff und wehrte keinen der sieben Versuche aus der Nahdistanz ab.

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Patrick Wiencek: Der Kieler ist einer der Abwehrchefs im DHB-Team, und diese Rolle hat er beeindruckend gut ausgefüllt: Wiencek kommt auf die meisten erfolgreichen Blocks aller WM-Spieler, der 29-Jährige war zudem läuferisch stark, fing Bälle ab und spielte gut am Kreis. Bitter: Im Halbfinale gegen Norwegen konnte Wiencek nicht an seine starken Leistungen zuvor anknüpfen. Ein Grund für das deutsche WM-Aus.

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Hendrik Pekeler: Die deutsche Abwehr gilt seit dieser WM wieder als eine der besten der Welt. Das ist neben Wiencek auch der Verdienst von Pekeler, zusammen bilden die beiden Kieler Teamkollegen ein Traumduo. Pekeler ist im Vergleich läuferisch etwas stärker und erzielt mehr Tore nach Umschaltsituationen. Angeblich sind auf Pekelers Wunsch zwei Defensivsysteme (die 6-0-Abwehr und die 3-2-1-Formation) einstudiert worden. Fest steht: Wenn die deutsche Abwehr im Spiel ihre Formation umstellte, bekam der Gegner meist Probleme - nur Norwegen nicht.

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Finn Lemke: Als Prokop den 2,11 Meter großen Abwehrriesen vor einem Jahr bei der EM aus dem Kader geworfen und erst später nachnominiert hatte, war der Ärger groß. Nun nahm Prokop den beliebten Lemke direkt mit. Kleine Geschichte aus der Kabine: Der 26-Jährige wird vom Bundestrainer neuerdings "Finni" genannt. Im Team nennt Lemke keiner so. Als der sich bei Prokop erkundigte, wieso Finni, antwortete der Bundestrainer: "Seitdem ich dich mag." Ein Zeichen der Annäherung. Und wie hat Finni gespielt? Kam nur sporadisch zum Einsatz, war dann als Block zur Stelle.

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Martin Strobel: Dem 32-Jährigen dürfte diese WM als schöne und bittere Erfahrung in Erinnerung bleiben. Strobel war von Prokop zurück ins Nationalteam geholt worden, und der Spielmacher war mit seinen Kommandos und elf Assists in sieben Spielen sofort ein Anführer auf der Platte. Strobel kann auch als Zweitliga-Spieler auf WM-Niveau mithalten, das steht nun fest. Dramatisch war sein Kreuzbandriss im Hauptrundenspiel gegen Kroatien. Es wird dauern, bis Strobel wieder angreifen kann.

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Patrick Groetzki: Mit der Nichtnominierung von Tobias Reichmann war klar, dass es für Groetzki ein schweres Turnier wird: Weil er nun unter besonderer Beobachtung stand. Und weil der 29-Jährige als einziger Rechtsaußen im Kader fortan durchspielen musste. Mit über sieben Stunden Spielzeit war Groetzki dann auch der Dauerbrenner des Kaders; insgesamt entfachte er zu wenig Druck über rechts, vergab zu viele Chancen und machte unfreiwillig Werbung für Reichmann.

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Uwe Gensheimer: Hätte es auf jeder Position einen Gensheimer gegeben, die deutsche Mannschaft wäre vielleicht doch Weltmeister geworden. Der Superstar im Team spielte ähnlich lange wie sein guter Freund Groetzki, allerdings war er als Torschütze wesentlich erfolgreicher - 56 Treffer gelangen dem 32-Jährigen, kein anderer Deutscher schoss mehr. Auch im Halbfinale gegen Norwegen glänzte Gensheimer, er trieb Mitspieler und Fans an, erzielte sieben Treffer, wollte unbedingt gewinnen. Nur: Es hat nicht gereicht. Der Linksaußen muss weiter auf seinen ersten großen internationalen Titel (bisher nur EHF-Pokal) warten.

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Jannik Kohlbacher: Der 23-Jährige ist einer der großen Hoffnungsträger für die Zukunft, das hat diese WM und auch das Spiel um Platz drei gezeigt. Kohlbacher war in der Defensive eine wichtige Stütze für Wiencek und Pekeler. Vorne am Kreis spielte er sich oft gut frei, war wie gewohnt souverän im Abschluss und erzielte wichtige Tore (24 Treffer/80 Prozent Torquote). Kohlbacher ist noch jung, er kann ein Großer werden.

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Fabian Wiede: Spätestens nach der Verletzung von Strobel rückte Wiede in den Mittelpunkt. Er übernahm im Zentrum Verantwortung, traf mutige Entscheidungen - mal führten diese zu wichtigen Toren, mal zu ärgerlichen Gegentreffern wie gegen Norwegen. Man wird ihm die Fehler verzeihen: Wiede ist mit 24 Jahren weiter entwicklungsfähig, und er war bei der WM mit fast 50 Assists einer der fünf besten Vorbereiter des Turniers. Wiede kann die Auswahl prägen, wie im Spiel um den dritten Platz und sogar im Rückraum als Spielmacher, wo die DHB-Auswahl noch auf der Suche nach der Idealbesetzung ist.

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Fabian Böhm: Der linke Rückraum ist eine der Entdeckungen des Turniers. Das klingt etwas merkwürdig, denn Böhm ist bereits 29 Jahre alt. Allerdings war es für Böhm das erste Turnier mit der Nationalmannschaft, und er war mit 24 Turniertreffern (Torquote über 70 Prozent) auf Anhieb ein Faktor. Gegen Norwegen (sechs Tore) war er einer der wenigen, die überzeugten. Böhm treibt das Team an, ist auch neben dem Platz eine beeindruckende Erscheinung - einige nennen ihn den Krieger.

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Tim Suton: Der 22-Jährige rückte für den schwer verletzten Strobel in den Kader. Suton brachte sich in seinem ersten Spiel im Hauptrundenduell gegen Spanien gut ein (vier Tore). Im Halbfinale wurde dann aber deutlich, dass der junge Lemgoer noch Zeit braucht, um auf Topniveau eine Hilfe sein zu können. Seine Entwicklung wird man abwarten müssen.

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Kai Häfner: War erst ab der Hauptrunde Teil des Teams. Viel spielte der 29-Jährige dann nicht, gegen Norwegen kam er nur knapp sieben Minuten zum Einsatz. Die Zeit reichte ihm, um drei Würfe zu vergeben. Seine einfachen Tore aus dem Rückraum hätte man für den Einzug ins Finale gebraucht; so wie 2016, als er Deutschland ebenfalls gegen Norwegen mit dem Siegtor in der Verlängerung ins EM-Finale führte.

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Steffen Weinhold: Ihn plagte lange eine Zerrung. Wichtig blieb der 32-Jährige, auch wenn er einmal nicht auf dem Feld stand: Auf der Ersatzbank führte Weinhold viele Gespräche und versuchte seine Teamkollegen in kritischen Phasen aufzubauen. Vielleicht bereitet sich hier schon jemand auf eine Trainerkarriere vor.

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Paul Drux: Mit seiner massigen Statur verlieh der 23-Jährige der Abwehr Stabilität. Er half in der Mitte mit, als Strobel verletzt ausfiel, sein Teamkollege Wiede füllte diese Rolle etwas besser aus. Kritikpunkt: Drux leistete sich mit die meisten Zeitstrafen im DHB-Team und einen schweren Fehlpass gegen Russland, der zum Unentschieden führte - später spielte das Remis allerdings keine Rolle mehr. Sollte Drux in Zukunft von seinem Verletzungspech verschont bleiben, wird er sich weiter steigern.

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Franz Semper: Der Mann vom SC DHfK Leipzig war der Jüngste im Team, und der 21-Jährige musste bereits nach der Vorrunde für Kai Häfner Platz machen. Im rechten Rückraum hat Semper aktuell zu starke Konkurrenten vor sich, zum Beispiel Fabian Wiede. Noch ist der Leipziger kein Faktor, das kann noch werden - er muss auf eine neue Chance bei der EM 2020 hoffen.

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Matthias Musche: Der Magdeburger war als Toptorjäger der Bundesliga und Vertreter von Gensheimer mitgekommen. Wenn die eigentliche Nummer eins auf Linksaußen eine Pause benötigte, machte Musche seinen Job ordentlich. In den wichtigen Spielen gegen Norwegen, Frankreich oder Kroatien kam er nur kurz oder gar nicht zum Einsatz.

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Steffen Fäth: Der linke Rückraum war mit Problemen angereist, im Verein bei den Rhein-Neckar Löwen blieb Fäth in der bisherigen Bundesligasaison oft nur die Nebenrolle. Prokop sprach ihm dennoch das Vertrauen aus - und der 28-Jährige zahlte dies zu Beginn des Turniers mit wichtigen Treffern zurück. Schnell nannte man ihn den X-Faktor. Als es im Halbfinale gegen Norwegen drauf ankam, war der X-Faktor abgemeldet - Fäth war mit null Treffern bei vier Würfen eines der Gesichter einer insgesamt schwachen Offensive.

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