Historische Fake News Erfundene Helden, Falsche Prinzessinnen

Fake News haben im Internetzeitalter Hochkonjunktur. Doch beabsichtigte wie versehentliche Falschmeldungen sind kein neues Phänomen - die Mediengeschichte ist voll von ihnen.
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Diana-Double: Nicht etwa die britische Prinzessin Diana, sondern die ihr täuschend ähnlich sehende Schauspielerin Nicky Lilley trat hier vor die Kamera. Standbilder aus dem Video wurden 1996 von der Boulevardzeitung "The Sun" veröffentlicht. Diana sollte damit öffentlich einer Affäre mit dem ehemaligen Armeeoffizier James Hewitt überführt werden. In ihrer Ausgabe vom 9. Oktober 1996 entschuldigte sich das Blatt für die Falschmeldung und gab an, an der Nase herumgeführt worden zu sein.

Foto: CHRIS BALCOMBE/ ASSOCIATED PRESS
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Lüge und Wahrheit: Das gefälschte Video über Lady Di, aus dem "The Sun" Bilder abgedruckt hatte, löste ein großes Medienecho aus. Britische Zeitungen berichteten auf ihren Titelseiten über den Skandal.

Foto: MARTIN CLEAVER/ ASSOCIATED PRESS
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"Sexiest man alive": Die chinesische Staatspresse glaubte 2012, eine Sensation verkünden zu können. Demnach war der dickliche nordkoreanische Diktatur Kim Yong Un soeben zum Mann mit dem größten Sex-Appeal gekürt worden. Die Zeitung "People's Daily" in Peking ahnte nicht, dass die Meldung von Satirikern in den USA in Umlauf gebracht worden war. Die Chinesen nutzten die Chance, ein Loblied auf die Schönheit des Diktators mit dem Bürstenhaarschnitt anzustimmen:"Mit seinem umwerfend hübschen, runden Gesicht, seinem jungenhaften Charme und seiner starken, stämmigen Figur ist dieser Herzensbrecher aus Pjöngjang der wahrgewordene Traum aller Frauen".

Foto: AFP/KCNA/KNS
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Reichster Hund der Welt: Ihrem geliebten deutschen Schäferhund "Gunther IV." hinterließ Gräfin Carlotta Liebenstein bei ihrem Tod 1991 angeblich ihr gesamtes Vermögen, geschätzte 100 Millionen Schweizer Franken. Zeitungen in aller Welt veröffentlichten 1992 diese Sensationsnachricht. Zahlreiche Fernsehteams fuhren nach Pisa, um den steinreichen Hund zu filmen. Angeblich wurde "Gunther IV." sogar von einem eigenen Koch verwöhnt. Erst drei Jahre danach erklärte die Stiftung, die den Nachlass verwaltete, man habe sich lediglich einen Scherz erlauben wollen.

Foto: Drew Angerer/ Getty Images
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Lektion für stümperhafte Journalisten: Der österreichische Ingenieur und Schriftsteller Arthur Schütz lieferte Redaktionen zwischen 1911 und 1931 zahlreiche gefälschte Nachrichten über absurde technische Erfindungen. So beschrieb er einen von ihm erfundenen "Grubenhund", der im Labor eines Mineningenieurs schlief und angeblich vor einem Erdbeben 1911 Warnzeichen gegeben habe. Schütz wollte mit seinen Geschichten Journalisten, die Wissenschaftlern blind alles glaubten, einen Denkzettel erteilen.

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Vorzeitig in Jenseits befördert: Wird eine bekannte Persönlichkeit fälschlicherweise für tot erklärt, geraten Medien in besonders peinliche Erklärungsnot. So verschickte die dpa am 13. April 1964 eine Eilmeldung zum angeblichen Tod des sowjetischen Ministerpräsidenten Chruschtschow. Dieser sei vier Tage vor seinem 70. Geburtstag an den Folgen einer akuten Hephocapalytirosises verstorben, hieß es unter Berufung auf die Nachrichtenagentur Tass. Kurz darauf wurde die Nachricht als Ente entlarvt. Die angebliche Krankheit existiert überhaupt nicht. Wer dafür verantwortlich war, steht allerdings bis heute nicht fest.

Foto: DPA
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Unfreiwillige Kriegsheldin: Im Dritten Golfkrieg wurde die US-Soldatin Jessica Lynch 2003 zur Symbolfigur für das Kampfgeist der amerikanischen Streitkräfte. Laut unterschiedlichen Medienberichten hatte sie sich im irakischen Nasiriya tapfer gegen Angreifer verteidigt, bevor sie verwundet in Kriegsgefangenschaft kam. Anschließend wurde sie angeblich in einer spektakulären Aktion aus einem irakischen Krankenhaus befreit. Wie sich erst später herausstellte, war sie aber nicht im Kugelhagel, sondern bei einem Unfall mit ihrem Militärlaster verletzt worden. Als US-Truppen das Hospital stürmten, war die irakische Armee längst abgezogen. Lynch war vorher bereits von irakischen Ärzten an die Amerikaner übergeben worden.

Foto: NY Daily News/Getty Images
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Vermeintliche Hitler-Tagebücher: Das Magazin "Stern" geriet ins Zwielicht, nachdem 1983 Auszüge aus angeblichen geheimen Aufzeichnungen von Adolf Hitler erschienen waren. Die vorgeblichen Tagebücher waren von Konrad Kujau gefälscht worden. Als das BKA den Schwindel aufdeckte, hatte "Stern" bereits 62 Bände für 9,3 Millionen DM gekauft.

Foto: ullstein bild
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Weltweite Sensation: Auch Medien wie das US-Magazin "Newsweek" berichteten 1983 in großer Aufmachung über die angeblichen Hitler-Tagebücher. Die Frage, ob die Aufzeichnungen tatsächlich echt seien, stand dort allerdings von Anfang an im Raum. Wie später herauskam, handelte es sich um dreiste Fälschungen des Malers Konrad Kujau, der damit das Magazin "Stern" in große Schwierigkeiten brachte.

Foto: AP
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Gefälschte Promi-Interviews: Der Schweizer Journalist Tom Kummer gab vor, jederzeit Zutritt zu der Welt der Reichen und Schönen zu haben. Das "Süddeutsche Zeitung Magazin" veröffentlichte bis 1999 zahlreiche seiner Interviews mit Hollywood-Stars wie Brad Pitt, Pamela Anderson und Sharon Stone. Im Jahr 2000 enthüllte das Magazin "Focus", dass er seine Artikel aus Texten von Kollegen zusammengeschrieben hatte. Die damaligen Chefredakteure des Magazins, Ulf Poschardt und Christian Kämmerling, mussten gehen. Kummer selbst hatte sich schon mehrere Jahre zuvor als "Borderline-Journalist" geoutet. Nach dem Skandal um diese Interviews arbeitete er für andere Medien - und wurde dort wieder mit Plagiatsvorwürfen konfrontiert.

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Beyoncé und der Butterpreis: Wie vorher schon Tom Kummer bewies auch "Neon"-Redakteur Ingo Mocek bei seiner Arbeit eine blühende Fantasie. Ein Interview mit der Popsängerin Beyoncé Knowles, das im Januar 2010 erschien, stellte sich als frei erfunden heraus. Der Journalist ließ das fiktive Gespräch mit einer Frage nach dem Butterpreis beginnen. Das amerikanische Management des Stars kam Mocek auf die Schliche, nachdem über das Interview in einem Blog diskutiert worden war. Dem Fälscher wurde daraufhin fristlos gekündigt.

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Fingierte Erstürmung: Angeblich seilten sich Anfang 1991 US-Soldaten von Hubschraubern ab, um die Botschaft ihres Landes in Kuwait-Stadt aus der Gewalt der irakischen Invasoren zu befreien. Dieses Foto ging um die Welt - es war allerdings gestellt. Das Gebäude war zu dem Zeitpunkt bereits seit Tagen verlassen. Die US-Truppen hätten ungehindert durch den Haupteingang marschieren können. Während des Zweiten Golfkriegs und anderer Auseinandersetzungen nutzte die Regierung in Washington offensichtlich die Macht der Bilder für eigene PR-Aktionen. Viele Medien übernahmen solche manipulierten Informationen, die kaum von unabhängiger Seite zu überprüfen waren. Zeitungsenten und Fake News sind bis heute ein erhebliches Problem der Massenmedien.

Foto: BOB PEARSON/ AFP
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Seife aus toten Soldaten: Der britische General John Charteris brachte 1917 während des Ersten Weltkriegs eine makabre Falschmeldung in Umlauf. Bei einem toten deutschen Soldaten waren Fotos gefallener Kameraden und von Pferdekadavern gefunden worden. Letztere waren für eine Seifenfabrik bestimmt. Die Inhalte der beiden Fotos wurden miteinander verquickt, um den Feind zu diskreditieren. Britische Zeitungen berichteten, die Deutschen würden aus den Leichen ihrer Soldaten kriegswichtige Öle gewinnen. Erst nach dem Krieg flog die Lüge auf.

Foto: imago/United Archives
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Gewagte Liaison: "Die Westdeutsche Allgemeine Zeitung" berichtete 2003, Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder habe mit der Moderatorin Sandra Maischberger angebändelt. Man berief sich auf Enthüllungen der britischen Zeitung "The Mail on Sunday", die offensichtlich nicht stimmten. Die Chefredaktion äußerte im Nachhinein Bedauern.

Foto: imago/teutopress
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Nessie lebt: Das Ungeheuer schafft es mit schöner Regelmäßigkeit, Schlagzeilen zu machen. Zuerst hatte 1933 die Lokalzeitung "Inverness Courier" über merkwürdige Vorgänge in dem schottischen See Loch Ness berichtet. "Im See, der eben noch so ruhig wie und glatt da gelegen hatte wie ein Mühlteich, fand sich auf einmal ein gewaltiger Hügel", hieß es. Ein Ehepaar habe beobachtet, wie eine walähnliche Kreatur in den Fluten umhergesprungen und dann wieder untergetaucht sei. Die Legende von dem Monster entstand eigentlich schon vor Jahrhunderten. Doch erst der Zeitungsbericht von 1933 machte "Nessie" zum Star. Zahlreiche Fotos von der rätselhaften Erscheinung geistern bis heute durch Medien in aller Welt.

Foto: AP
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Präparierte Leichen: Diese Menschen fielen angeblich im Dezember 1989 der Brutalität von Rumäniens Diktator Nicolae Ceaușescu zum Opfer. Bilder von einem Massaker, dass das Terrorregime wenige Tage vor seinem Sturz an Bewohnern der westrumänischen Stadt Temeswar begangen haben soll, verbreiteten sich durch die Medien rasch in aller Welt. Über 4600 Menschen sollen damals niedergemetzelt worden sein. In Wirklichkeit stammten die aufgebahrten Leichen aus Armengräbern und waren zum Zeitpunkt der Aufnahmen teils bereits stark verwest. Die Schnitte an den Körpern wurden bei Autopsien vorgenommen und waren somit keine Folterspuren. Bei der Niederschlagung des Volksaufstands in Temeswar durch Ceaușescus Truppen starben in Wirklichkeit 72 Menschen, weitere 253 wurden verletzt.

Foto: Patrick Robert - Corbis/ Sygma via Getty Images
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Schockierende Nachricht: Heinz Rühmann musste 1938 in der Zeitung lesen, er habe Suizid begangen. Der beliebte Schauspieler war jedoch höchst lebendig und verschied erst 1994 im hohen Alter von 92 Jahren.

Foto: ullstein bild
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Fiktiver achtjähriger Junkie: Am 28. September 1980 erschien auf der Titelseite der "Washington Post" die aufsehenerregende Reportage "Jimmy's World". Das drogensüchtige schwarze Kind, dessen Schicksal in der Bevölkerung eine Welle des Mitleids auslöste, existierte jedoch nicht. Auch die Bebilderung des Artikels stützte sich auf frei erfundene Details. Erst als die Journalistin Janet Cooke für ihre Geschichte im Frühjahr 1981 den Pulitzerpreis erhalten sollte, brach ihr Lügengebilde zusammen.

Foto: Washington Post
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Harter Absturz: Von maßlosem Ehrgeiz angetrieben, wollte Janet Cooke bei der "Washington Post" möglichst schnell Karriere machen. Die Redaktionsleitung sicherte ihr 1980 zu, dass sie ihre Quellen für eine brisante Reportage über den angeblichen achtjährigen Junkie "Jimmy" nicht offenlegen müsste. Cooke bewies große Fantasie und schmückte die Geschichte mit Details aus, die sie sich selbst ausdachte. Als der Schwindel aufflog, war ihre Laufbahn als Journalistin beendet. Später musste sie sich als Verkäuferin durchschlagen. Dieses Foto stammt aus einer Zeit, in der ihre Medienkarriere bereits Geschichte war.

Foto: ASSOCIATED PRESS
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Professionelle Blenderin: Wenn Janet Cooke schick gekleidet und mit selbstbewusstem Gang die Redaktion der "Washington Post" betrat, zog sie die Blicke auf sich. Die Journalistin besaß nicht nur Charme, sondern auch Talent zum Schreiben. Leider hielt sie es mit der Wahrheit nicht genau. Der Skandal um die erfundene Reportage "Jimmy's World" schadete nicht nur dem Ruf der "Washington Post", sondern brachte aus rassistischen Ressentiments auch andere schwarze Journalisten in Misskredit - einfach nur, weil sie die gleiche Hautfarbe wie Cooke hatten.

Foto: AP
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Getäuschte Spürnase: Selbst der legendäre Bob Woodward, der mit Carl Bernstein die Watergate-Affäre um Präsident Richard Nixon aufgedeckt hatte, ließ sich von Janet Cooke einwickeln. Woodward - hier an seinem Schreibtisch - setzte sich sogar dafür ein, dass Cookes Reportage über einen heroinabhängigen Achtjährigen für den Pulitzerpreis nominiert wurde. Als Cooke den Preis gewann, fiel die Manipulation auf, weil sie auch ihren Lebenslauf geschönt hatte. Als der stellvertretende Chefredakteur Woodward und andere Kollegen sie in die Mangel nahmen, gab die Hochstaplerin unter Tränen zu, sich die ganze Geschichte ausgedacht zu haben. Zum ersten Mal in der Geschichte des Pulitzerpreises wurde die Auszeichnung zurückgegeben.

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