Das Ruhrpott-Archiv Pudel, Tauben, Kohle

Tauben züchten, Pudel frisieren, Kohle abbauen: In Tausenden Bildern porträtierte der Fotograf Hans Rudolf Uthoff in den fünfziger Jahren das Leben der einfachen Leute im Ruhrpott. Jahrzehntelang hielt er sein Archiv verschlossen - jetzt zeigt er erstmals seinen Bilderschatz.
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Schwarzer Mann: Völlig verdreckt und doch strahlend posierte der türkische Bergmann Birol 1965 für Uthoff in einer Gelsenkirchener Waschkaue. Vier Jahre zuvor hatten die Bundesrepublik Deutschland und die Türkische Republik ein Abkommen zur zeitlich begrenzten Anwerbung von Arbeitskräften abgeschlossen. In der Folgezeit kamen zahlreiche türkische Gastarbeiter ins Ruhrgebiet.

Mehr historische Ruhrfotos von Hans Rudolf Uthoff finden Sie hier .

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Neue Heimat im Ruhrpott: Oftmals nur mit einem Koffer in der Hand kommen türkische Gastarbeiter 1965 am Dortmunder Hauptbahnhof an. Hans Rudolf Uthoff begleitete die jungen Männer bei ihrer Zugreise von Istanbul in die Bundesrepublik. "Wie Helden" seien sie damals in ihrer Heimat verabschiedet worden, erinnert sich der Fotojournalist im Gespräch.

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Toiletten-Rollenspiel: Die eine konzentriert, der andere amüsiert - Spaß haben beide gleichermaßen auf einer Feier in Bochum beim Mumienspiel. Ziel ist es, einen Spielteilnehmer von Kopf bis Fuß mit Toilettenpapier einzuwickeln. Die Mannschaft, die am schnellsten "mumifiziert", hat gewonnen. Diese zwei, aufgenommen im Jahr 1965, sind allerdings noch Papierrollen weit vom Sieg entfernt.

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Vierbeiniges Model: Vor dem Auftritt ihres Pudels bei einer Hundeschau 1962 in Bochum bringt dieses Frauchen mit Taft-Haarspray die Fellpuschel an den Hinterpfoten ihres Prachtexemplars in Form.

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Selbstporträt in der Waschkaue: Hans Rudolf Uthoff mit seiner Leica MP 85. Der Fotograf lebte zwischen 1955 und 1969 in Bochum, das Ruhrgebiet kennt er wie seine Westentasche.

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Aus voller Kehle: Anlässlich einer DGB-Veranstaltung mit dem Musiker Addi Münster und dem Gewerkschafter Otto Brenner 1966 in Essen tritt der Männerchor des Deutschen Gewerkschaftsbundes auf.

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Junger Kapellmeister: Die Bochumer Bergmannskapelle bei einem Auftritt 1961. Zahlreiche Bergmänner waren damals Mitglied in den Bergmannskapellen und Chören. Zu dem bekanntesten Bergmannslied gehört bis heute "Glück auf, der Steiger kommt" - es erschallt unter anderem bei Heimspielen des FC Schalke 04, aber auch von Rot-Weiss Essen.

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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In Tuchfühlung mit dem Prunk: Diese vier Frauen besuchten 1962 die Villa Hügel in Essen, um einen Blick auf den Reichtum der Industriellenfamilie Krupp zu erhaschen - und dabei gemütlich eine Butterbrotstulle zu verzehren. Das über den betagten Damen schwebende Gemälde von George Harcourt trägt den Titel "Die Familie Krupp von Bohlen und Halbach" und entstand 1930.

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Behaarungsvermögen: Um das geliebte Gokart-Rennen möglichst lange zu verfolgen, ohne sich dabei Blasen an den Füßen zu holen, entledigte sich diese behaarte Dame kurzerhand ihres hochhackigen Schuhwerks. Hans Rudolf Uthoff lichtete sie 1962 in Dortmund ab.

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Hans Rudolf Uthoff: Der gebürtige Hannoveraner (hier an seinem Schreibtisch in Hamburg-Eppendorf) entdeckte seine Fotoleidenschaft 1955 beim Besuch des Schahs von Persien in Bonn. Für 98 Mark erwarb er eine Regula-Kamera und knipste los. Die Aufnahmen, die der damals 28-Jährige von dem Traumpaar schoss, wurden vom Bonner "Generalanzeiger" abgedruckt - und der gelernte Glasmaler sattelte auf Fotografie um.

Foto: Katja Iken
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Mini-Formel 1: Ein Rasenmähermotor als Antrieb, Strohballen als Sicherheitspuffer - und los geht der Rennspaß. Aufgenommen hat Uthoff dieses Gokart-Rennen 1962 in Dortmund.

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Ernster Dreier: Während seiner Zeit im Ruhrgebiet stieß Hans Rudolf Uthoff immer wieder auf Skatrunden wie diese in einem Park in Essen aufgenommene Partie. "Dabei konnte man herrlich die verschiedenen Spieler-Typologien beobachten", erinnert sich der 83-Jährige.

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Geflügeltes Rennpferd: Eine Taube auf der Schulter, Gartenzwerge auf der Fensterbank - nach Feierabend machte es sich jeder auf seine Weise gemütlich. "Tauben waren das Rennpferd des kleinen Mannes", erinnert sich Hans Rudolf Uthoff. Während der fünfziger und sechziger Jahre galt das Ruhrgebiet als deutsche Hochburg der Taubenzüchter. Diesen beleibten Taubenfreund nahm der Fotograf 1962 vor seinem Gartenhaus in Bochum auf.

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Ab ins Grüne: Im Sonntagsstaat machen sich Großmutter und Großvater mit ihren beiden Enkeln auf den Weg in den familieneigenen Kleingarten (aufgenommen um 1960 vor den Toren des Schrebergartenvereins Bochum-Riemke).

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Schwätzchen auf der Autobahn: Bevor der Ruhrschnellweg zwischen Duisburg und Dortmund zu einer der meist befahrenen Straßen in Deutschland wurde, ließ sich noch gemütlich auf der Fahrbahn plauschen (aufgenommen 1955).

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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Funkenregen: Ein Stahlarbeiter aus Bochum beim Hochofenanstich mit der Sauerstofflanze (aufgenommen 1959).

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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"In Frieden arbeiten, in Freiheit leben": Mit Slogans wie "Wir fordern höhere Löhne", "Die schönen Dinge sind für alle da", "Solidarität über alle Grenzen" und "Für sozialen Fortschritt" machten diese Arbeiter auf den Maifeierlichkeiten 1963 in Bochum ihrem Ärger Luft. Das Zechensterben, das den Niedergang der Montanindustrie im Ruhrgebiet einläutete, setzte bereits Ende der fünfziger Jahre ein - allein zwischen 1958 und 1964 verloren 203.000 Kumpel ihren Arbeitsplatz.

Foto: Hans Rudolf Uthoff
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