Holocaust: "Die Liebe ließ mich überleben" - befreit aus dem KZ 27.01.2017
 "In Zwodau war ich wegen Skorbut am ganzen Körper mit Furunkel befallen. Ich...
Stefan Hanke

"In Zwodau war ich wegen Skorbut am ganzen Körper mit Furunkel befallen. Ich konnte nicht schlafen, nicht liegen, nicht urinieren. Ich bestand nur noch aus Eiter und Blut. Dort sprach ich zum lieben Gott und bat ihn um Erlösung. Da ich keine Antwort vom lieben Gott bekam, hörte ich auf, an ihn zu glauben. Aber wer war dann 'zuständig' für mein Überleben?"

Josef Salomonovič 2011 vor einem Wachturm der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg. In seiner Hand hält er das kleine Flugzeug, das ihm am Tag der Befreiung ein amerikanischer Kriegsgefangener geschenkt hatte. Dieser Mann hatte in einer Scheune, neben jener, in der Josef und seine Familie auf der Flucht Unterschlupf gefunden hatten, versteckt gelegen.

Josef war erst drei Jahre alt, als seine Familie in Prag verhaftet und in das polnische Ghetto Litzmannstadt deportiert wurde, um dort für die Deutschen Munitionswerke zu arbeiten. Für den kleinen Josef Salomonovič begann damit eine Odyssee, die ihn über Auschwitz-Birkenau und Stutthof, wo sein Vater ermordet wurde, in das tschechische KZ-Außenlager Zwodau führte. Dort lag er in einer Kiste mit Holzwolle, ausgezehrt vom Hunger, bis die Häftlinge Mitte April 1945 in einem Todesmarsch Richtung Süden getrieben wurden. Dabei gelang es seiner Mutter, mit ihm und seinem älteren Bruder zu fliehen.