Horst Kopp Der Desinformant
Horst Kopp spielte sein Leben lang leidenschaftlich gerne Fußball, hier eine Aufnahme mit der Mannschaft von Turbine Neustadt (hintere Reihe, Zweiter von links). Kopp machte zunächst eine Lehre als Drucker und Schriftsetzer, fiel als kluger Kopf in der FDJ Kyritz auf. 1960 warb die Stasi den 27-Jährigen an - unter einem Vorwand verschwand Kopp aus Kyritz nach Berlin. Nur seine Frau kannte die Wahrheit. Aus dem FDJ-Funktionär
"Der Desinformant" ein paar Jahrzehnte später, wieder zurück in Kyritz: Horst Kopp, 85 Jahre alt, in seinem Wohnzimmer. Seine Wohnung teilt der Ex-Stasi-Offizier sich mit seiner resoluten Lebensgefährtin und Hündin Bijou, ein einäugiger Mops. Ein paar FDJ-Gefährten von damals leben immer noch in Kyritz; sie grüßen sich dann mit dem traditionellen FDJ-Gruß "Freundschaft".
Werber: Ab 1957 fuhr Kopp mit dem Fahrrad als hauptamtlicher FDJ-Instrukteur der Kyritzer Kreisleitung durch die brandenburgischen Dörfer, um neue Mitglieder für die FDJ zu gewinnen. Diese Aufnahme zeigt ihn (hintere Reihe, Fünfter von rechts) bei einem einjährigen FDJ-Lehrgang der Jugendhochschule "Wilhelm Pieck" am Bogensee.
Im Feindesland: Kopp besuchte 1959 als Mitglied einer FDJ-Abordnung die Weltfestspiele der Jugend und Studenten in Wien (Zweiter von rechts). Angeblich gefiel es ihm nicht im Westen, wie er in seinem Buch "Der Desinformant" schreibt: "Wien war schön, das Festival angenehm, aber alles in allem enttäuschte uns der Kapitalismus. ( ) Nein, wir hatten volle Schaufenster, leuchtende Reklame und glitzernde Fassaden erwartet. Alles Fehlanzeige. Es war grau und trist wie daheim. Aber daheim war eben Heimat."
Wo alles begann: Der ehemalige Referatsleiter Heinz Kopp aus der Abteilung X der HVA posiert 2016 vor dem Haus in der Schwedter Straße 226 in Berlin. Dort befand sich bis 1966 eine Außenstelle der HVA, getarnt als Vertretung des VEB Zekiwa, der Kinderwagen produzierte. Erst später kam Kopp in die Zentrale der HVA nach Berlin-Lichtenberg. Der Major stieg dort bis zum Referatsleiter auf, bis er 1985 in Ungnade fiel.
Freizeit eines Geheimdienstlers: Gemeinsam mit Kollegen schlachtet Horst Kopp eine Sau, Aufnahme Mitte der Siebzigerjahre.
Archiv Kopp
Verrat mit Folgen: Kopps größter Erfolg war die Bestechung des hochrangigen CSU-Politikers Leo Wagner (links im Bild). Über einen Mittelsmann, IM "Dürer" aus Nürnberg, will Kopp Wagner 50.000 D-Mark übergeben haben. Wagner, hochverschuldeter Lebemann und enger Freund von Franz Josef Strauß, enthielt sich daraufhin beim Misstrauensvotum von 1972 gegen SPD-Bundeskanzler Willy Brand der Stimme. Weil die Stasi noch einen weiteren Unionspolitiker kaufte, überstand Brandt die Abstimmung. Obwohl Wagner zumindest ab 1975 eine IM-Tätigkeit nachgewiesen werden konnte, bestritt er den Vorwurf auch nach der Wende.
Weggefährten: Horst Kopp und Günter Bohnsack (Aufnahme von 1997, links im Bild mit dem Ex-Stasi Offizier Klaus Roßberg) kannten sich aus der Schulzeit. Später lotste Kopp Bohnsack zur Abteilung X der HVA, die für Desinformation zuständig war. Dort machte Bohnsack Karriere und enthüllte 1991 zusammen mit Herbert Brehmer zahlreiche Details und Operationen der Abteilung X in seinem Buch "Auftrag: Irreführung". Viele ehemalige Kollegen aus der HVA beschimpften und schnitten danach Bohnsack. Kopp traf seinen einstigen HVA-Kollegen noch kurz vor dessen Tod 2013.