Jamaika-Streitereien "In diesem Klima kann nichts gedeihen"

Sticheln, schimpfen, provozieren - Union, FDP und Grüne schenken sich schon in den Sondierungsgesprächen nichts. Eine Lektion in Jamaikanisch für Anfänger.
1 / 16

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt gilt als einer der "Bad Boys" von Jamaika. Schon vor Beginn der Sondierungsgespräche setzt er via "Bild"-Zeitung den Ton gegenüber den Verhandlungspartnern von den Grünen: "Wir werden keine linken Spinnereien dulden."

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa
2 / 16

Zu den Lautsprechern gehört von Amts wegen auch Dobrindts Parteifreund Andreas Scheuer. Als die Grünen eine Debatte über einen zweiten Vizekanzlerposten in der möglichen Jamaikakoalition anzetteln, ätzt der CSU-Generalsekretär: "Tofu predigen, aber so schnell wie möglich an die Fleischtöpfe wollen: Typisch grün!"

Foto: Steffi Loos/ Getty Images
3 / 16

Es knirscht auch zwischen FDP und Grünen. "Mir scheint, die Grünen sind nicht verhandlungsfähig", sagt der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Fraktion, Marco Buschmann, am 25. Oktober. Er ärgert sich über die Grünen-Verhandler Cem Özdemir und Jürgen Trittin, die vermeintliche Zwischenergebnisse zum Thema Finanzen wieder infrage stellen.

Foto: John MACDOUGALL/AFP
4 / 16

Grünen-Bundesgeschäftsführer Michael Kellner schießt via Twitter zurück: "Hallo FDP, der Wahlkampf ist vorbei! Schon gemerkt?"

Foto: Maurizio Gambarini/ dpa
5 / 16

Am 29. Oktober knöpft sich Christian Lindner die Grünen vor. "Wenn die Grünen sich bei den zukünftigen Gesprächen nicht bewegen, bleibt Jamaika ein Luftschloss", sagt der FDP-Chef in der "Bild am Sonntag".

Foto: Paul Zinken/ dpa
6 / 16

Tags darauf legt die CSU nach. Landesgruppenchef Alexander Dobrindt erklärt in der "Bild"-Zeitung: "Die Grünen provozieren das Scheitern von Jamaika." Dobrindts Mahnung: "Die Grünen müssen endlich verstehen, dass es hier um unser ganzes Land geht und nicht um die Prenzlauer-Berg-Mentalität der Wohlstandsgrünen."

Foto: ODD ANDERSEN/ AFP
7 / 16

Wieder einen Tag später, am 30. Oktober, versucht CSU-Chef Horst Seehofer, die Wogen ein wenig zu glätten. "Wenn's kühler wird, wird's drinnen wärmer", prophezeit der bayerische Ministerpräsident mit Blick auf die Atmosphäre in den Sondierungsrunden.

Foto: Paul Zinken/ dpa
8 / 16

Zu warm ist aber auch nicht gut, findet wohl Christian Lindner. Nur einen Tag nach Seehofers Beschwichtigung wirft der FDP-Vorsitzende - wieder einmal via "Bild"-Zeitung - den Grünen vor, ihre Flüchtlingspolitik sei ein "Konjunkturprogramm für die AfD".

9 / 16

"Das entspricht nicht meinem Niveau, um dezidiert darauf einzugehen", sagt Grünen-Chefin Simone Peter in der "Berliner Zeitung" zu Lindners Äußerung. Sie tut es dann doch: "Mit populistischen Plattitüden lassen sich Sondierungen allerdings nicht ernsthaft führen."

Foto: Bernd von Jutrczenka/ dpa
10 / 16

2. November, diesmal ist die Landwirtschaft das Streitthema. CSU-General Andreas Scheuer missfällt die Interpretation der entsprechenden Gesprächsrunde durch Schleswig-Holsteins grünen Agrarminister Robert Habeck. Dieser müsse "in einer anderen Veranstaltung gewesen sein", sagt Scheuer. denn seine Äußerungen stünden "im krassen Widerspruch" zum bisherigen Sondierungsergebnis. "Das ist echt schizophren", empört sich Scheuer.

Foto: Michael Kappeler/ dpa
11 / 16

Grünen-Verhandler Jürgen Trittin kontert via Twitter: "Nur weil man lesen kann, ist man noch nicht schizophren."

Foto: Carsten Koall/ Getty Images
12 / 16

Am gleichen Tag bläst FDP-Vize Wolfgang Kubicki zur Generalattacke auf die Grünen. "Sie fordern von den Freien Demokraten Demutsgesten, öffentliche Bekenntnisse, teilen aus wie wild und sind beleidigt, wenn ihre Positionen sachlich infrage gestellt werden. In diesem Klima kann nichts gedeihen", grollt Kubicki im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Foto: TOBIAS SCHWARZ/ AFP
13 / 16

Die Grünen antworten wieder trocken. Fraktionsmanagerin Britta Haßelmann (im Bild ganz links) twittert von den Sondierungsgesprächen zum Thema Familie, bei denen Kubicki nicht dabei ist: "Kubicki wird hier nicht vermisst."

Foto: Steffi Loos/ Getty Images
14 / 16

Der FDP-Vize lässt aber nicht locker. Einen Tag später kritisiert er in den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland die angebliche Nähe zwischen CDU und Grünen. "Wenn Union und Grüne sich auf eine falsche Politik verständigen wollen, werden wir die Einzigen sein, die widerstehen", sagt Wolfgang Kubicki.

Foto: ODD ANDERSEN/ AFP
15 / 16

In den gleichen Blättern meldet sich der Vorsitzende der Bayern-FDP (letztes Landtagswahlergebnis: 3,3 Prozent) zu Wort. "Ich sehe kaum eine Chance. Jamaika ist eine Totgeburt", sagt Albert Duin. "Der ideologische Hypermoralismus der Grünen macht jede Form einer gemeinsamen Regierungsbildung unmöglich."

Foto: Sven Hoppe/ picture alliance / Sven Hoppe/dp
16 / 16

Bei so viel Zankerei fragt man sich: Wo ist eigentlich Angela Merkel? Zwei Wochen ist von der Kanzlerin nichts zu den Jamaika-Gesprächen zu hören. Dann zieht sie doch eine kurze Zwischenbilanz. Man stehe auch weiterhin vor schwierigen Beratungen, sagt die CDU-Chefin."Aber ich glaube nach wie vor, dass wir die Enden zusammenbinden können, wenn wir uns bemühen und anstrengen." Na dann.

Foto: Michael Kappeler/ dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.