Parolen von Juso-Vorsitzenden "Ja, ich bin ein Marxist"

Kevin Kühnert wird für seine Kapitalismuskritik attackiert. Doch vor ihm provozierten schon andere Juso-Chefs mit radikalen Äußerungen - einer schaffte es später sogar zum Kanzler. Der Überblick in Bildern.
1 / 8

Gerhard Schröder "Ja, ich bin Marxist", bekannte Schröder einst. Der spätere Bundeskanzler war zwischen 1978 und 1980 Vorsitzender der Jusos. In dieser Zeit vertrat der Anwalt Schröder den damals als RAF-Terroristen inhaftierten Horst Mahler. Die Entscheidung sorgte für Aufsehen, obwohl Schröder damals im SPIEGEL sagte, er sei über den Auftrag nicht begeistert. Auch seine Forderungen zum Ende der Atomkraft sorgten für Diskussionsstoff. "Kein Zubau neuer Kernkraftwerke und ein Stopp auch bestehender und laufender Kernkraftwerke" , forderte Schröder. Als Juso-Chef hatte er sich zum Ziel gesetzt, die Vorrechte der herrschenden Klasse zu beseitigen.

Foto: Fratzer/ AP
2 / 8

Als Schröder von 1998 bis 2005 das Amt des Bundeskanzlers übernahm, war von seinen Marxismus-Schwärmereien nicht mehr viel übrig. Er zog die Hartz-Reformen mit massiven Sozialkürzungen durch und legte sich immer wieder mit den Jusos an. Vor allem der von Rot-Grün 1999 beschlossene Bundeswehreinsatz im Kosovo sorgte bei der Parteijugend für heftige Kritik.

Foto: AP/Franka Bruns
3 / 8

Niels Annen Heute ist er Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Von 2001 bis 2004 war er Vorsitzender der Jusos und attackierte Gerhard Schröder für seine Agenda 2010 scharf. "Die Agenda hat keine Gerechtigkeitslücke, sie ist eine einzige Gerechtigkeitslücke" , so Annen. Er warf Schröder vor, ein ""Genosse der Bosse" zu sein - eine Bezeichnung, die Schröder lange nicht mehr loswurde.

Foto: Ingo Wagner/ DPA
4 / 8

Andrea Nahles Auch die heutige SPD-Chefin sorgte als Juso-Vorsitzende für Furore. So bezeichnete sie ihren Genossen Gerhard Schröder 1998 als "Abrissbirne der SPD-Programmatik" . Für Aufsehen sorgte sie aber auch mit einer anderen Aussage. Als Juso-Chefin machte sich Nahles für die Rechte von Auszubildenden stark. Dabei fiel 1996 der Satz: "Wer nicht ausbildet, wird umgelegt." Mittlerweile schlägt Nahles weniger radikale Töne an. Für die Neuauflage der Großen Koalition bekam sie heftigen Gegenwind von den Jusos.

Foto: Stefan_Hesse/ picture-alliance / dpa
5 / 8

Olaf Scholz Als Finanzminister hält Scholz vehement an der "Schwarzen Null" fest. Zwischen 1982 und 1988 war der Hamburger stellvertretender Juso-Vorsitzender. In dieser Zeit forderte er die "Überwindung der kapitalistischen Ökonomie" . 2003 verteidigte er die umstrittene Agenda 2010 auf dem Bundeskongress der Jusos.

Foto: Ingo Wagner/ DPA
6 / 8

Heidemarie Wieczorek-Zeul Als erste Frau stand Wieczorek-Zeul von 1974 bis 1977 an der Spitze der Jusos. Ihre radikalen Ansichten brachten ihr den Beinamen "rote Heidi" ein. Sie selbst bezeichnete sich als eine "Radikale im öffentlichen Dienst" . Wieczorek-Zeul wurde später zur Entwicklungsministerin. Angesprochen auf ihren Spitznamen aus Jusos-Zeiten, sagt sie noch heute: "Lieber rot als blass."

Foto: Bertram/ DPA
7 / 8

Klaus Uwe Benneter Er trug den Beinamen "Benni der Bürgerschreck": Der frühere Juso-Vorsitzende war für seine radikalen Ansichten bekannt. Er forderte einen Schulterschluss mit dem Kommunismus und das Ende der sozialliberalen Regierung. Benneter bezeichnete die CDU als "Klassenfeind"". Vergleichsweise wohlwollend sah er in der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) den "politischen Gegner".

Foto: imago images/ Sven Simon
8 / 8

1977 wurde Benneter wegen seines Verhaltens und vor allem auf Betreiben des damaligen SPD-Geschäftsführers Egon Bahr aus der Partei ausgeschlossen. Gerhard Schröder übernahm den frei gewordenen Juso-Vorsitz, holte Benneter aber 1983 zurück in die SPD. Er hat die Agenda 2010 befürwortet und schaffte es 2004 zum Generalsekretär der Sozialdemokraten.

Foto: Eckehard Schulz/ AP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.