Kalter Krieg ums TV Fernsehen mit dem Wundertopf

Störsender, Propagandasendungen, abgeknickte Antennen - der Kalte Krieg machte in den sechziger Jahren auch vor dem Wohnzimmer nicht Halt. DDR-Bürger, die sich den Empfang westlicher Programme nicht verbieten lassen wollten, rüsteten auf - mit geradezu genialen Erfindungen. Von Günter Möstl
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"Russentod" für Koaxialkabelanschluss: Mit diesem simplen Apparat konnten die russischen Störfrequenzen aus den TV-Übertragungen verbannt werden. Der Zylinder ist aus Aluminiumblech selbst gefertigt. Im oberen Teil trägt ein schmaler Bügel eine Abstimmschraube mit einer runden Metallplatte, an deren Unterseite die dicke Kupferspule befestigt ist. Durch Dehnen oder Stauchen der Spule beim Drehen des verdickten Schraubenkopfes konnte auf die Störfrequenz optimal eingestellt werden.

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Günter Möstl

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Chemnitz (Karl-Marx-Stadt) 2008: Die Häuser sind leer, alles wurde geräumt, nur für die Antennenanlagen gab es keine Verwendung mehr. So künden sie noch immer von den aufwendigen Versuchen ihrer einstigen Bewohner, sich die Welt diesseits und jenseits des Eisernen Vorhangs ins traute Heim zu holen.

Foto: Günter Möstl/Klaus Möstl
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Antennenschmuck in Chemnitz: Noch immer gibt es zahlreiche alte Wohnblöcke, die auf ihre Sanierung warten - oder auf den Abriss. Viele tragen noch, wenn auch schon stark gelichtet, ihren einstigen Antennenschmuck. Denn fast jede Familie hatte in der DDR ihre eigene Antennenanlage auf oder unter dem Dach. Zur vollen Ausrüstung gehörte neben der Ochsenkopf- und DDR -Antenne auch eine UKW-Antenne.

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Empfang auf allen Frequenzen: Ochsenkopf-, DDR- und UKW-Antenne halten noch heute in trauter Gemeinsamkeit zur Stange.

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Blick ins Innere des "Russentods": Innenansicht der Entstör-Anlage Marke Eigenbau. Je eine Steckbuchse rechts und links für den Antennenein- und Ausgang. Dem über ein Flachbandkabel geführten Antennensignal wurde mittels eines Resonanzkreises - Hauptbestandteil eine Kupferspule - die Störfrequenz buchstäblich entzogen. Für die Spule aus dickem Kupferrohr musste die Hausfrau häufig ihren Tauchsieder spendieren.

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Entstör-Anlage Marke Eigenbau: Aus einem Milchtopf wird ein technisches Gerät - der "Russentod", in den sechziger Jahren in vielen Teilen von Sachsen und Thüringen unverzichtbar für einen akzeptablen Empfang des Westfernsehens. Ohne den Entstörer Marke Eigenbau ertönte Mitten im schönsten Fernsehgenuss oft die Kommandostimme der "sowjetischen Freunde".

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Typische Ochsenkopf-Antenne: Ihren Namen erhielten diese Antennen nach dem Großsender auf dem Ochsenkopf im bayerischen Fichtelgebirge, der unter anderem auch das Erste Fernsehprogramm der ARD im VHF Band 1 in vertikaler Polarisation ausstrahlte. Diese Frequenzen erforderten eine Länge der Antennenstäbe von 250 Zentimetern. Mit den drei Elementen Dipol, Reflektor und Direktor und deren senkrechte Anordnung waren diese Antennen auf den Dächern von Sachsen und Thüringen das weithin sichtbare Symbol für den Westempfang.

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Cubical Quad Antenne: Eine sehr sperrige Alternative zur typischen Ochsenkopfantenne. Abgesehen von der ideologischen Signalwirkung war eine stabile Anordnung auf dem Dach kaum möglich. Fast ausschließlich fand sie ihren Platz unterm Dach, selten in den Wohnungen selbst.

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Blick ins Innere des "Russentods": Im unteren Teil ist die Aluminiumplatte mit der daran befestigten Kupferspule sichtbar - große Physik mit einfachsten Mitteln. Keine Schaltpläne, keine komplizierten Konstruktionszeichnungen: Mit dem Daumen konnte man beim Nachbarn Maßnehmen.

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Ausgefunkt: Antennenwälder auf maroden Dächern warten auf Signale, die niemand mehr sendet. Aufgrund der relativ hohen Frequenzen der DDR-Fernsehsender konnten die Antennenstäbe sehr kurz gehalten und mehrfach hintereinander angeordnet werden, was zu einer Verbesserung der Empfindlichkeit und der Richtwirkung führte. Damit erhielten die meisten dieser DDR- Antennen ihre charakteristische, langgestreckte Form.

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DDR-Fernsehen vor 50 Jahren: Karl-Eduard von Schnitzler, Chef-Kommentator des DDR-Fernsehens, bei seinem letzten Auftritt in seiner Sendung "Der schwarze Kanal" am 31.10.1989 im DDR-Fernsehen. Für seine ätzenden, mit süffisantem Lächeln und klassenkämpferischem Pathos vorgetragenen Kommentare erhielt er in der DDR den Spitznamen "Sudel-Ede".

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Erster Digital-Sender Oberfrankens: Der 163 Meter hohe und 5000 Tonnen schweren Sendeturm auf dem Ochsenkopf in Fichtelberg (Landkreis Bayreuth) wurde am 1. Oktober 2000 als Sendeanlage des ersten Digitalen Radio Oberfrankens in Betrieb genommen.

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