Karikaturen aus dem "Dritten Reich" Ventil für den Wahnsinn

Für so viel Aufmüpfigkeit kamen andere ins KZ: Während Nazi-Architekt Albert Speer an der "Welthauptstadt Germania" arbeitete, karikierte sein Vize den Größenwahn in bissigen Zeichnungen. Die Blätter werden jetzt erstmals komplett in Berlin ausgestellt - einestages zeigt die besten.
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Chaos am Bau: Die Umsetzung der Pläne von Hitler und Speer hätten Berlin in eine lebensfeindliche Bauwüste verwandelt.

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Kinderspiel: Ein Vorschlag aus dem Publikum wie sich der Justizoberinspektor Müller - angeregt durch die Idee seines elfjährigen Sohnes - die Verkehrslösung am Brandenburger Tor dachte. Dargestellt mit den Monumenten der beiden Erfinder.

Bei der Planung der Ost-West-Achse, deren Bau Hans Stephan persönlich leitete, stand der Architekt vor dem Problem, dass das Nadelöhr Brandenburger Tor der Prachtstraße im Weg stand. Auf dieser Zeichnung platziert er es kurzerhand auf den ebenfalls geplanten gigantischen Triumphbogen.

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"Umzug der Siegessäule": Auch die Siegessäule musste den Plänen zur Umgestaltung Berlins weichen. Da bringt sich Victoria lieber per Fallschirm in Sicherheit.

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Vorschlag für den Bau der Nord-Süd-Achse: Durchschlagendes Ergebnis der Personalunion zwischen Generalinspektor und Reichsminister für Bewaffnung und Munition: die grosse Achsenstrasse wird eingeschossen.

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Über den Wolken: Der Adler auf der grossen Halle: "Sieh doch bitte einmal nach, was da unten wieder los ist!"

Auf der Spitze der geplanten Ruhmeshalle in Berlin sollte der Reichsadler auf einer Weltkugel thronen. Das Gebäude wäre der mit Abstand größte Kuppelbau der Welt gewesen.

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Die große Achse: Der Plan, zwei Verkehrsschneisen durch Berlin zu brechen, inspirierte Hans Stephan zu einem Blatt, auf dem er die gewaltige Nord-Süd-Achse einfach bis zum Nordpol und über die Alpen hinweg verlängerte.

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Gefahr der Vertreibung: Meinst du wirklich, dass wir auch noch zum Bereich erklärt werden?

Als Generalinspektor für die Reichshauptstadt hatte Albert Speer die Vollmacht, Gebiete zum "Bereich" zu erklären. Bürger, die dort wohnten, lebten in ständiger Gefahr, kurzfristig vertrieben zu werden.

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"Endlich ein Hochhaus-Klinikum!": "Gottlob! Das ewige Heraufholen war wirklich eine zu grosse Plackerei!"

Zugunsten der Ruhmeshalle hätte die Berliner Charité abgerissen und ein neues Krankenhaus an anderer Stelle errichtet werden müssen. Es kursierten verschiedene Entwürfe - darunter ein kühner Plan für ein Krankenhochhaus.

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Planung im Elfenbeinturm: Das Kloster zur Selbstbeschränkung oder das Gottselige Leben der Bruderschaft "vom Speere".

Wie von einem Elfenbeinturm aus konnten Speer und seine Mitarbeiter über die Neugestaltung Berlins entscheiden. In der Mitte trohnt Speer mit dem Kopf in den Wolken. Um ihn herum versammelt sind seine drei Abteilungsleiter. Links gießt Willi Schelkes, der unter anderem für die Grünplanung zuständig war, Blumen. In der Mitte macht es sich Rudolf Wolters, verantwortlich für den Bau der Nord-Süd-Achse, bequem. Rechts hat Hans Stephan sich selbst porträtiert.

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Daneben gegriffen: Irrtum beim Bau der grossen Halle - der Kollege von Kran F hat versehentlich das Reichstagsgebäude gegriffen.

Gegen die gigantischen Prachtbauten, die für die Umgestaltung Berlins geplant wurden, hätte selbst der Reichstag mickrig gewirkt.

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"Von einem, der selbst dabei war": 1973 ließ Hans Stephan noch ein zweites Mal eine Folge von Fotografien von seinen Zeichnungen herstellen. Der enge Mitarbeiter des Hitler-Architekten Albert Speer zeichnete seine Kommentare zu den Bauplänen zur Umgestaltung Berlins zwischen 1937 und 1942. In dieser Zeit wurden die Blätter von Speer und den anderen Mitarbeitern der Generalbauinspektion geduldet. Nach dem Krieg waren sie Stephan, der bereits 1931 Mitglied der NSDAP wurde, nicht unwillkommen, um seine Rolle im Nationalsozialismus in ein besseres Licht zu rücken.

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Die Drei von der Planung: Heut' schwören wir aufs Neue dem Meister unsre Treue, den Anderen zur Mahnung! Die Dreie von der Planung.

Zum fünften Geburtstag der Generalbauinspektion huldigen die drei Knappen Hans Stephan, Rudolf Wolters und Willi Schelkes - die Abteilungsleiter des Projekts - ihrem Chef Speer.

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"Der Fussgänger-Convoy": Die überbreiten Prachtstraßen, die Albert Speer für Berlin plante, hätten Fußgänger vor ganz neue Probleme gestellt.

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"Der Staatsbesuch": Die gigantischen Ausmaße der geplanten Prunkarchitektur sollten nicht nur Botschafter einschüchtern.

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"Fröhliche Neugestaltung": Unter diesem Titel versammelte Hans Stephan Anfang der vierziger Jahre erstmals seine Zeichnungen. Das Deckblatt zeigt, dass der Abteilungsleiter der Generalbauinspektion sich in der Rolle des Hobby-Karikaturisten nicht etwa in einen subversiven Systemkritiker verwandelte. Im Gegenteil: Der stromlinienförmige Karrierist huldigte darauf unverblümt seinem Chef Albert Speer.

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Albert Speer: Hans Stephan karikierte auch seinen Vorgesetzten Albert Speer.

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Am Zeichentisch: Hans Stephan während seiner Arbeit an der Umgestaltung Berlins zur "Welthauptstadt Germania". Stephan war bei diesem Projekt einer der engsten Vertrauten Albert Speers.

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Selbstportrait: Hans Stephan zeichnete nicht nur seine Kollegen, sondern auch sich selbst.

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"Glückauf 1945!": Herrn Reichsminister Albert Speer: Ich bitte im Laufe des Jahres gelegentlich um einen Termin.

Diese Zeichnung von 1945 enttarnt den gesamten Plan Hitlers als Bauklötzchenspiel.

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