Karikaturen Technikvisionen des 19. Jahrhunderts

Die industrielle Revolution des 19. Jahrhunderts weckte nicht nur Euphorie. Die Karikaturenausstellung "Technische Paradiese" zeigt, wie Menschen mit ihrer Angst vor Überforderung oft umgingen: Sie lachten sie weg.
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Stellarer Brückenbau: "Die Geheimnisse des Unendlichen" - 1844 spielte der Karikaturist Grandville auf diesem Holzstich mit den Motiven von Erkenntnisfortschritt und Machbarkeitswahn. Ein häufiges Motiv von Zeichnern des 19. Jahrhundert war die Angst vor den Entwicklungen der Zukunft.

Foto: Museum LA8
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Mehr Kuriosum als Karikatur: "Dr. Church's London & Birminghammotor Car" war 1833 keine Zukunftsvision mehr. Dampfbusse für bis zu 26 Passagiere verkehrten zuerst ab circa 1830 in Schottland, bald darauf in den britischen Großstädten. Lange Zeit blieben sie aber selten gesehene technologische "Monster".

Foto: Museum L8A/ Slg. D. Ante
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Mensch, der Maschine ausgeliefert: Der kranke Passagier will halten, der Schaffner vertröstet ihn - eine Lithografie von Honoré Daumier, 1843.
- Schaffner! Schaffner! Um Himmels Willen, halten Sie an! Ich habe eine Kolik! - Unmöglich... Die Verwaltung verbietet das! Aber in zweieinviertel Stunden sind wir in Orléans!

Foto: Museum LA8/ Honoré-Daumier-Gesellschaft
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Aus dem britischen Satiremagazin "Punch", 1865: Die moderne Spinne, eine Dampfmaschine.

Foto: Museum LA8/ Slg. D. Ante
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Mechanisierung des Menschen: Fortbewegung nannte Robert Seymour seine Karikatur aus dem Jahr 1835.

Foto: Museum LA8
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Weitsichtig: 1883, zwei Jahre nach der ersten Stereo-Liveübertragung eines Konzerts per Telefontechnik, entwarf Albert Robida seine Vision einer Live-Bildübertragung. Hörsalons für Konzertübertragungen waren beliebte Events der Zeit - und das Bild sah Robida als nächsten Schritt. Eine smarte Prognose.

Foto: Museum LA8
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Luftverkehr: "Paris bei Nacht", 1883, ebenfalls von Albert Robida. Eine Vision privater Fliegerei über den Städten, die manche heute noch träumen.

Foto: Museum LA8/ Slg. D. Ante
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Fernverkehr: Auch für den Expressversand von Menschen hatte Robida 1883 eine passende Idee - und dabei offenbar die Rohrpost im Sinn.

Foto: Museum LA8/ Slg. D. Ante
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Albtraum U-Boot-Krieg: Dass Robida den kriegerischen Einsatz von Unterseebooten befürchtete, war 1883 keine Vision mehr. Bereits am 17. Februar 1864 hatte im amerikanischen Sezessionskrieg das U-Boot CSS H. L. Hunley das dampfbetriebene Segelkriegsschiff USS Housatonic (Nordstaaten) versenkt. Seitdem galt der Unterwasserkrieg als konkrete Möglichkeit.

Foto: Museum LA8/ Privatsammlung
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"Die Batterie der angstfreien Chemiker" (1883): Frankreich hatte 1870/71 den Krieg gegen ein Bündnis deutscher Staaten nicht zuletzt deshalb verloren, weil deren überlegene Artillerie die französische Armee regelrecht niederbombte. Krieg war nun ein Geschäft der "Wissenschaft", der militärische "Fortschritt" offensichtlich eine Entmenschlichung - eine Industrialisierung des Tötens skizzierte Robida.

Foto: Museum LA8/ Privatsammlung
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Tiefseeträume: Alphonse de Neuville illustrierte die technologischen Träume von Jules Verne (hier: "20.000 Meilen unter dem Meer", erschienen 1869).

Foto: Museum LA8
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Musikmaschinen (Grandville, 1844): Würde sich die Maschine irgendwann auch der Kultur bemächtigen, den Künstler überflüssig machen?

Foto: Museum LA8/ Slg. D. Ante
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"Abgehobene Projekte", George Cruikshank, 1825: Schön, dass man jetzt fliegen kann, sagt diese Karikatur. Aber wozu, und wohin? Als Reiseveranstalter konkurriert das "Blasen-Büro" mit Humbug-Reisen und der Mondreiseagentur.

Foto: Museum LA8/ Universitätsbibliothek Johann Christian Senckenberg, Frankfurt a. M.
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Mechanischer Selbstfahrer von Carl Olof Petersen, 1916: Zu den Grundmotiven der Technik-Kritik gehörte auch jede Form von Roboter, also eine handelnde, den Menschen ersetzende Maschine.

Foto: Museum LA8
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"Die Kruppschen Teufel", Heinrich Kley, 1913: Sechs teuflische Gestalten besaufen sich in einer Gussstahlfabrik mit glühendem Metall - ein ironischer Verweis auf die dunkle Seite des Fortschrittsrausches.

Foto: Museum LA8
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1904 holt sich der Spaziergänger seine "Frische Luft", so der Titel des Holzstichs im humoristischen Wochenblatt "Figaro" (1904). Und zwar per Schnorchel mit Filter und aus Höhen über der Russ- und Rauchwolke. Zu dieser Zeit war das in vielen Ballungsräumen ein Kommentar zu den Abgaswolken des aufkommenden Autoverkehrs.

Foto: Museum LA8
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Massenkommunikation: Viel hielt Heinrich Kley 1910 offenbar nicht von den Möglichkeiten der "Schnellpresse".

Foto: LWL-Industriemuseum
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Kein Fortschritt: Den "Hyde Park, wie er einmal sein wird", wenn Pferde durch Dampfrosse ersetzt sind, malte John Leech 1844.

Foto: Museum L8A/ Slg. D. Ante
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Sicherheitskleidung für Eisenbahn-Reisende, 1847: Geschwindigkeit lockte, machte aber auch Angst.

Foto: Museum La8/ Slg. D. Ante