Die Macht der Symbole Freundschaft auf Gräbern

Das Bild der händchenhaltenden Staatsmänner ging um die Welt: 1984 demonstrierten Frankreichs Präsident François Mitterrand und der deutsche Bundeskanzler Helmut Kohl über den Gräbern von Verdun Versöhnung. Doch die Geste kam damals nicht so gut an - auch, weil Kohl mit Macht auf Symbolik drängte.
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Geste der Freundschaft: "Wir haben und versöhnt. Wir haben uns verständigt. Wir sind Freunde geworden", teilten Bundeskanzler Kohl und Staatschef Mitterrand nach dem Besuch in einer gemeinsamen schriftlichen Erklärung mit. Man habe an "historischer Stätte" ein Zeichen gesetzt, dass "beide Völker unwiderruflich den Weg des Friedens, der Vernunft und freundschaftlichen Zusammenarbeit eingeschlagen haben". Reden und politische Gespräche waren bei dem Treffen nicht vorgesehen.

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Bild für die Geschichtsbücher: Eine spontane oder geplante Geste? Darüber wird bis heute spekuliert. Während einer Zeremonie vor dem Beinhaus Douaumont, in dem die sterblichen Überreste von 130.000 unbekannten Kriegstoten lagern sollen, fassten sich Kohl und Mitterrand plötzlich an den Händen und verharrten minutenlang schweigend in dieser Geste. Das Fort Douaumont war während es Ersten Weltkriegs heftig zwischen Deutschen und Franzosen umkämpft; in der Nähe liegt heute ein riesiger Soldatenfriedhof.

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Gemeinsame Truppenparade: Vor der gemeinsamen Messe in Reims hielten Konrad Adenauer und Charles de Gaulle eine deutsch-französische Militärparade auf dem Truppenübungsplatz in Mourmelon ab. Hier, in der Champagne, hatten sich Deutsche und Franzosen im Ersten Weltkrieg blutige Stellungsgefechte geliefert. Die Parade war ein Novum in den deutsch-französischen Beziehungen und eine Aufwertung der Bundesrepublik - einige Berater de Gaulles waren über die Geste damals entsetzt.

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Versöhnung in Reims: Im Juli 1962 feierten sich Charles de Gaulle und Konrad Adenauer eine gemeinsame Messe in der Kathedrale von Reims - die Symbolik ernte damals ein großes Medienecho: Denn in der Kirche wurden im Mittelalter französische Könige gesalbt und gekrönt. Im Ersten Weltkrieg wurde die Kathedrale durch den Angriff der Deutschen erheblich beschädigt - was viele Franzosen als Beweis für die deutsche Barbarei empfanden.

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Versöhnung auf Schlachtfeldern: Nur vier Stunden dauerte 1984 Helmut Kohls Verdun-Besuch, der eher den Charakter einer unpolitischen Stippvisite hatte. Zunächst trafen sich Helmut Kohl in Staatschef François Mitterrand Kohls auf dem deutschen Soldatenfriedhof Consenvoye, dreizehn Kilometer nördlich von Verdun. Die Grabkreuze der deutschen Soldaten sind hier schwarz - die Deutschen sollten auch nach ihrem Tod für immer als die Angreifer gebrandmarkt werden.

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Neue Symbolik: Kohl und Mitterrand auf dem großen französischen Soldatenfriedhof bei Douaumont. Anders als auf dem deutschen Soldatenfriedhof in Consenvoye sind hier die Kreuze der Gefallenen weiß. Kohls gesamter Besuch war der Versuch, Verdun als Symbol der deutsch-französischen Feindschaft in ein Symbol der Freundschaft und Versöhnung umzudeuten. Das Städtchen Verdun selbst besuchte Kohl übrigens nicht - auch dies war nicht ohne Symbolik: Denn bis nach Verdun kamen 1916 die deutschen Truppen im Ersten Weltkrieg nicht - trotz aller Bemühungen.

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Ein schönes Paar: "Es gibt mehr als nur Sex im Leben eines Paares" - 2004 verfremdete Pink TV, Frankreichs erster Sender für Homosexuelle, das berühmte Foto der beiden Staatsmänner für eine Werbekampagne.

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60 Jahre D-Day: Helmut Kohl soll 1984 im Vorfeld des 40. Jahrestages des D-Day darauf gedrängt haben, zu den großen Feierlichkeiten eingeladen zu werden. Als Staatschef François Mitterrand dies ablehnte, soll als Ersatz das symbolische Treffen an den Kriegsgräbern in Verdun vereinbart worden sein. 2004 nahm schließlich Gerhard Schröder als erster deutscher Bundeskanzler an Feierlichkeiten zum D-Day teil - genau 60 Jahre nach der Landung der Alliierten in der Normandie. Das Foto zeigt ihn auf dem Friedhof in Ranville.

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Willy Brandts Kniefall: Auch diese symbolische Geste brannte sich in das kollektive Gedächtnis ein - Bundeskanzler Willy Brandt kniet vor dem Mahnmal, das den Helden des Aufstands im Warschauer Ghetto 1943 gewidmet ist. Der legendäre Kniefall markierte den Beginn des schwierigen Versöhnungsprozesses zwischen Deutschland und Polen. Als erster Bundeskanzler nahm Gerhard Schröder 2004 an den Gedenkveranstaltungen zum Beginn des Warschauer Aufstands gegen die deutsche Besatzung teil.

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Das Schlachtfeld von Verdun: Blutgetränkt und von unzähligen Granaten zerpflückt sind die Höhen nahe der französische Stadt Verdun, auf denen eine der schwersten und verlustreichsten Schlachten des Ersten Weltkriegs stattfand. Am 21. Februar 1916 hatte die 5. Deutsche Armee mit dem Angriff auf französische Stellungen das schreckliche Schlachten eingeleitet - Ziel war es, die französische Armee "auszubluten". Vermutlich eine halbe Million Tote auf beiden Seiten waren die Bilanz der Kämpfe. Im Dezember 1916 waren die Deutschen in etwa wieder auf ihre Anfangsposition zurückgeworfen - und Verdun wurde zum Symbol für die Sinnlosigkeit und die Unmenschlichkeit einer industrialisierten Menschen- und Materialschlacht.

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Beinhaus Douaumont: Das Beinhaus von Douaumont auf einem Foto aus dem Jahr 1966. Es wurde 1932 fertiggestellt; die Form erinnert an eine riesige Granate. Im Inneren sollen die Gebeine von etwa 130.00 getöteten, unbekannten Soldaten liegen. Vor dem 46 Meter hohem Beinhaus fand am 22. September 1984 die Hauptzeremonie bei Kohls Verdun-Besuch statt.

Foto: testimon-Fotoarchiv
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