Kreml-Flieger Mathias Rust Fliegen für den Frieden

1987 landete Mathias Rust in einer geliehenen Cessna in Moskau und stellte mitten im Kalten Krieg die Sowjetunion bloß. Für kurze Zeit war der Teenager der berühmteste Pilot der Welt - bis wenig später ein dramatischer Abstieg begann.
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Im Sportflugzeug durch den Eisernen Vorhang: Am Morgen des 28. Mai 1987 machte sich Mathias Rust mit einer Cessna 172 auf den Weg. Seine Reise führte ihn von Hamburg über die Faröer, Island, Bergen und Helsinki nach Moskau.

Foto: Till Ludwig
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Hobbypilot: Mathias Rust, hier am 25. Mai 1989, gab später als Motiv für seinen Abenteuerflug an, er habe nur für den Weltfrieden werben wollen. Es hielten sich aber auch zahlreiche Verschwörungstheorien. Die beliebteste spekuliert über eine Inszenierung des Kremls - Gorbatschow habe so unliebsame Gegner loswerden können.

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Unbekanntes Flugobjekt: Der junge Pilot Mathias Rust funktioniert am 28. Mai 1987 das Areal um den Roten Platz in Moskau kurzerhand in eine Landebahn um. Während seines Fluges über sowjetisches Territorium war der Deutsche dank der Verkettung von Zufällen nicht am Weiterfliegen gehindert worden. Einige der verantwortlichen Militärs, darunter der Verteidigungsminister, wurden von Michail Gorbatschow in den Ruhestand geschickt.

Foto: imago/ ITAR-Tass
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Ende der Reise: Rust landete 100 Meter vom Roten Platz in Moskau entfernt, auf der nahe gelegenen Großen Moskwa-Brücke. Die Aufnahme zeigt das Flugzeug vor der Basilius-Kathedrale, wo es schließlich zum Stehen kam. KGB-Mitarbeiter verhafteten den Deutschen direkt nach der Landung.

Foto: AP
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"Wenn ich gewusst hätte, was sich daraus entwickelt, ich würde es nicht noch mal wagen": 2012 drehte die Filmemacherin Gabriele Dennecke eine Dokumentation über Mathias Rusts Landung in Moskau.

Foto: Gebrüder Beetz Filmproduktion
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Nachrichtenmeldung: Die russische Nachrichtenagentur Tass informierte die Medien am 29. Mai 1987 wie folgt über den tollkühnen Flug des Mathias Rust: "...ein von BRD-Bürger Mathias Rust gesteuertes einmotoriges Sportflugzeug hat am Donnerstag den Luftraum der UdSSR verletzt. Der Flug wurde nicht unterbunden und das Flugzeug landete in Moskau."

Foto: NDR
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Top-Nachricht: Auch die "Tagesschau" berichtete am 29. Mai 1987 über Rusts spektakuläre "Landung auf dem Roten Platz" in Moskau.

Foto: NDR
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Medienstar: Am 1. Juni 1987 erschien der SPIEGEL mit einer Titelgeschichte zum tollkühnen Kreml-Flieger.

Foto: DER SPIEGEL
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"Der Mann hat ja mit dem Feuer gespielt": Sagte der einstige Außenminister Hans-Dietrich Genscher über Rust. Genscher setzte sich für die Freilassung des Kreml-Fliegers ein, der von einem sowjetischen Gericht zu vier Jahren Arbeitslager verurteilt worden war, wegen "illegalen Grenzübertritts", "Verletzung internationaler Flugverkehrsvorschriften" und "schweren Rowdytums".

Foto: Gebrüder Beetz Filmproduktion
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Rückkehr mit der Linienmaschine: Nachdem er für seinen Moskau-Flug 14 Monate im Lefortowo-Gefängnis inhaftiert war, kam Mathias Rust am 3. August 1988 am Flughafen Frankfurt an.

Foto: Roland Witschel/ picture alliance / dpa
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Bedroht und beschimpft: Die Familie Rust auf dem heimischen Sofa. V.l.n.r.: Vater Karl-Heinz, Mathias mit Hund, Bruder Ingo, Mutter Monika. Nach der Rückkehr des Hobbypiloten wurden die Rusts wurden als "Russenfreunde" diffamiert, ihre Autoreifen zerstochen, ihr Haus mit Parolen beschmiert. Die Familie erhielt Morddrohungen, Bruder Ingo musste die Schule wechseln.

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Vor Gericht: Nach dem Messerangriff musste sich Rust für seine Tat vor Gericht verantworten. Mathias Rust im April 1991 auf dem Weg in den Verhandlungssaal im Landgericht Hamburg. Er wurde wegen versuchten Totschlags in einem minderschweren Fall zu 30 Monaten Haft verurteilt. Nach Verbüßung der Hälfte der Strafe wurde er im Oktober 1993 entlassen.

Foto: Carsten Rehder/ dpa
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Versuch eines Neuanfangs: 1994 kehrte Mathias Rust noch einmal nach Moskau zurück - um in der Stadt seiner einstigen Ruhmestat für einen deutschen Gastronomen als Kellner zu arbeiten. Das Foto zeigt Rust vor seinem Abflug auf dem Flughafen Berlin-Tegel.

Foto: ullstein bild
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Erneut aktenkundig: Mathias Rust stand am 17. April 2001 abermals in Hamburg vor Gericht. Im November des Vorjahres hatte er in einem Kaufhaus der Hansestadt einen Kaschmir-Pullover gestohlen. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Geldstrafe. Vier Jahre später wurde er wegen Betrugs mit ungedeckten Schecks ebenfalls zu einer Geldstrafe verurteilt.

Foto: Ulrich_Perrey/ dpa
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Absurdes Theater: Rusts abenteuerlicher Flug wurde im Jahr 2010 in dem satirischen Theaterstück "Rust - Ein deutscher Messias" unter der Regie von Studio Braun am Hamburger Schauspielhaus verarbeitet. Der einst von den deutschen Medien hochgejubelte "Teufelsflieger" wurde nach seiner Rückkehr aus Moskauer Haft 1988 wegen seiner ungelenken Interviews als "geistiger Tiefflieger" bloßgestellt.

Das Bild zeigt eine Szene während der Probe vom 19. Oktober 2010. Fabian Hinrichs spielte den Mathias Rust.

Foto: dpa
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Volksheld reloaded: 25 Jahre nach seiner Landung vor dem Kreml in Moskau war Mathias Rust zu Gast in der Talkshow von Markus Lanz.

Foto: Berit Notzke/ face to face