Kriegsdienstverweigerer im "Dritten Reich" Die Neinsager - zum Tode verurteilt

Neben den Zeugen Jehovas verweigerten vereinzelt auch Angehörige anderer Glaubensgemeinschaften den Dienst an der Waffe. Die Wehrmachtsjustiz ließ aber keinerlei Ausnahmen zu.
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August Dickmann starb vor den Augen von Tausenden Häftlingen, die zur Exekution am Freitag, den 15. September 1939 um 18 Uhr auf dem Appellplatz antreten mussten. Die undatierte Aufnahme zeigt einen Zählappell in KZ Sachsenhausen, rechts im Bild ein auf den Platz gerichtetes Maschinengewehr. Zum Verhängnis geworden war ihm Post von seiner Frau.

Foto: AP
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August Dickmann saß bereits drei Jahre in Haft, als sich die SS entschloss, an ihm ein Exempel zu statuieren und ihn 14 Tage nach Beginn des Zweiten Weltkriegs im KZ Sachsenhausen zu erschießen - eine als Schau inszenierte Hinrichtung.

Foto: Jehovas Zeugen in Deutschland
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Die Glaubensgemeinschaft der Zeugen Jehovas wurde 1933 von den Nationalsozialisten verboten. Dennoch setzten die Gläubigen ihre Missionierungen selbst in Konzentrationslagern fort. Die Religionsgemeinschaft war aus der Ende des 19. Jahrhunderts gegründeten Internationalen Bibelforscher-Vereinigung hervorgegangen. Das Foto von 1941 entstand in den USA und zeigt eine Zeugin Jehovas mit einem Passanten.

Foto: Hulton-Deutsch Collection/ Corbis/ Getty Images
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Die Erschießung Dickmanns blieb die einzige öffentliche Hinrichtung eines Kriegsdienstverweigerers - ihre Abschreckungswirkung hatte sie verfehlt. Daher führte die SS die meisten weiteren Exekutionen in Abgeschiedenheit durch. Das Foto zeigt den Schießstand im KZ Sachsenhausen.

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Die ganz überwiegende Zahl der Kriegsdienstverweigerer im Zweiten Weltkrieg kam aus den Reihen der Zeugen Jehovas. Doch es gab auch andere: Franz Jägerstätter war ein einfacher österreichischer Bauer und Katholik, der aus persönlicher Glaubensüberzeugung zu seiner Haltung gelangt war. Es war eine einsame Entscheidung, denn...

Foto: Erna Putz
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...bei Priestern, die er um Rat fragte, stieß er auf völliges Unverständnis. Am 6. Juli 1943 wurde er vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt, einen Monat später hingerichtet. Seine Familie hatte ihm dieses Foto der Töchter zu Ostern 1943 ins Gefängnis geschickt. Auf Initiative amerikanischer Bischöfe wurde Franz Jägerstätter 2007 als Märtyrer von Papst Benedikt XVI. seliggesprochen.

Foto: Erna Putz
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Der einzige katholische Priester, der den Fahneneid auf Hitler verweigerte, war der österreichische Pater Franz Reinisch. Im September 1940 erhielt er Predigt- und Redeverbot. Nachdem er der Einberufung zum Militär im Frühjahr 1942 keine Folge leistete, verurteilte ihn das Reichskriegsgericht am 7. Juli 1942 zum Tode. Sechs Wochen später wurde er enthauptet.

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Anton Brugger gehörte zu den Reformadventisten, einer Gruppe, die - weil sie schon im Ersten Weltkrieg den Kriegsdienst ablehnte - von ihrer Mutterkirche, den Siebenten-Tags-Adventisten, ausgeschlossen worden war. Nach Beginn des Zweiten Weltkriegs floh der Österreicher zunächst nach Italien, wurde in Mailand verhaftet, kam in verschiedene Arbeitslager und wurde als Häftling im November 1942 zur Wehrmacht eingezogen. Da er den Dienst verweigerte, wurde er wegen "Wehrkraftzersetzung" zum Tode verurteilt und im Februar 1943 in der Strafanstalt Brandenburg-Görden hingerichtet.

Foto: Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten
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Das Zuchthaus Brandenburg-Görden war neben dem Strafgefängnis Plötzensee die häufigste Hinrichtungsstätte für Menschen, die wegen Ablehnung des Militärdienstes vom Reichskriegsgericht zum Tode verurteilt wurden.

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Der katholische Ordensbruder Josef Ruf hatte den Fahneneid in der irrigen Hoffnung abgelegt, er könnte beim Militär als Sanitäter dienen. So leistete er zunächst den Grundwehrdienst in der Garnison in Pinkafeld/Burgenland und wurde sogar als bester Schütze seiner Kompanie ausgezeichnet. Als ihm klar wurde, dass er zum Waffendienst verpflichtet würde, verweigerte er. Die Wehrmacht gewährte keine Ausnahme, Ruf wurde im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Foto: Archiv Christkönigs-Institut Meitingen
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Ort der Vollstreckung: der Hinrichtungsraum mit Fallbeil im Strafgefängnis Plötzensee im Nordwesten von Berlin (Foto aus dem Mai 1945)

Foto: Gedenkstätte Deutscher Widerstand
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Unter dem Fallbeil in Plötzensee starb der evangelische Theologe und Staatswissenschaftler Hermann Stör. Im Ersten Weltkrieg hatte er als Marineoffizier gedient. Als er zum 22. August 1939 erneut einberufen wurde, verweigerte er den Waffendienst und verlangte, ersatzweise einen Arbeitsdienst ableisten zu dürfen. Wegen Fahnenflucht wurde er daraufhin - noch nach friedensrechtlichen Bestimmungen - zu einer einjährigen Gefängnisstrafe verurteilt, 1940 dann in einem weiteren Verfahren zum Tode, wegen "Zersetzung der Wehrkraft".

Foto: Privatbesitz/ Reproduktion Gedenkstätte Deutscher Widerstand
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Der katholische Allgäuer Bauernsohn Michael Lerpscher beschäftigte sich intensiv mit Religion und Politik, seit er die Landwirtschaftsschule des bayerischen Benediktinerklosters St. Ottilien besuchte. Danach schloss er sich einem Kreis um den pazifistischen Priester Max Josef Metzger an. Nach Verweigerung des Fahneneids wurde er im August 1940 zum Tode verurteilt und einen Monat später hingerichtet.

Foto: Archiv Christkönigs-Institut Meitingen
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Der Prediger Alfred Münch gehörte zu der kleinen Gruppe der Siebenten-Tags-Adventisten-Reformationsbewegung. Neben den Zeugen Jehovas war sie die einzige Glaubensgemeinschaft, die in ihrer Gesamtheit die Kriegsdienstverweigerung vertrat. Die gesamte Zeit des Krieges verbrachte er in Gefängnissen und Konzentrationslagern, zuletzt auf der Kanalinsel Alderney, wo die Häftlinge zum Bunkerbau eingesetzt wurden. Kurz vor Kriegsende kam er ums Leben.

Foto: Tillmann, Internationale/ Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten
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Der Adventist Günter Pietz aus Oberschlesien war erst 17, als er im April 1943 den Kriegsdienst ablehnte. Alle Versuche, ihn nach seiner Inhaftierung umzustimmen, schlugen fehl. Seinen Eltern schrieb er: "Wegen der Todesstrafe habe und mache ich mir gar keine Gedanken. Denn ich weiß, dass mir Gott beisteht, und so einen Frieden und eine Ruhe im Herzen habe ich nicht gehabt wie in diesen letzten Tagen." Im September wurde das Urteil mit dem Fallbeil vollstreckt. Auf dem Totenschein stand: "Plötzlicher Herztod, Atemstillstand."

Foto: Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten
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Der in Schlesien geborene Victor Pacha trat mit 18 Jahren aus der katholischen Kirche aus und ließ sich als Adventist taufen. Ende 1940 erhielt er seinen Einberufungsbefehl zur Wehrmacht und erschien bei seiner Truppe. Als jedoch die Waffen ausgegeben wurden, erklärte er seinem Vorgesetzten, dass er kein Gewehr anrühre. Im Alter von 25 Jahren wurde Pacha 1943 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Foto: Internationale Missionsgesellschaft der Siebenten-Tags-Adventisten