Reporter im Irak Die Lüge vom sauberen Krieg

Er dokumentierte, was die Militärs verschwiegen: Als am 17. Januar 1991 die alliierten Luftangriffe auf Irak begannen, erhielt Gerhard Kromschröder als einziger deutscher Printjournalist ein Visum für Bagdad. Ansichten eines Kriegsreporters.
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Unendliches Leid: Im Kuwait-Krieg 1991 hat diese Irakerin soeben die Nachricht vom Tod ihrer Tochter erhalten - die Ärzte im Krankenhaus konnten dem bei einem Bombenangriff schwerverletzten Mädchen nicht mehr helfen. Weinend klammert sich die Frau an die Schultern ihres Mannes. Der damalige "Stern"-Auslandskorrespondent Gerhard Kromschröder dokumentierte den Schrecken des Krieges mit der Kamera. Als einziger deutscher Printjournalist hatte er ein Visum für Bagdad bekommen.

Foto: Gerhard Kromschröder
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In "vorindustrielles Zeitalter" zurückgebombt: Aufräumarbeiten in einer Fabrik für Babymilch in Abu Gharib am östlichen Stadtrand von Bagdad. Die Anti-Saddam-Koalition hat den Irak nach den Worten des finnischen Uno-Beauftragten Martti Ahtisaari in ein "vorindustrielles Zeitalter" zurückgebombt und "die meisten Mittel moderner Lebenshaltung zerstört oder geschwächt".

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Kein Wasser, kein Strom, keine Brücken: Die Luftangriffe haben die Infrastruktur der Stadt Bagdad nahezu komplett zerstört. Es gibt keinen Strom, die Brücken sind gesprengt, die Wasserleitungen zerstört. Geduldig warten diese Mädchen an einem Brunnen auf ihre Zuteilung.

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Das Grauen am Tag danach: Im Hof des Jarmouk-Hospitals liegen die Opfer einer Bagdader Bombennacht, ein Arzt mit Mundschutz wartet auf ihre Identifizierung, um die Totenscheine auszustellen.

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Begehrte Petroleumlampen: Da die Elektrizitätswerke zerstört sind, funktioniert kein Licht mehr. Auf dem Straßenmarkt im Bagdader Stadtteil Schorja erzielen Petroleum-Lampen und Kerzen Spitzenpreise.

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Am Ende: Ahmet Ali Juma, 58, steht vor den Ruinen seines Hauses - ein Bombenangriff hat seine gesamte Familie ausgelöscht. Resigniert hebt der Mann die Hand. Wie Gerhard Kromschröder erfahren hat, versucht er, sich in Gottergebenheit zu flüchten.

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In Schutt und Asche: Ein Bürohaus in der Innenstadt. Mehr als 100.000 Einsätze flogen die alliierten Streitkräfte nach eigenen Angaben während der 38 Tage andauernden Luftoffensive - durchschnittlich zwei pro Minute.

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"Gebt mir mein Kind zurück!" Schmerzverzerrt hält sich diese Frau die Hände vors Gesicht, die Umstehenden können die Trauernde nicht beruhigen. "Gebt mir mein Kind zurück!", ruft sie.

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Allgegenwärtiger Saddam: Unter dem überlebensgroßen Konterfei von Diktator Saddam Hussein trotzen diese Kinder mit einem Fest dem Kriegsalltag.

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Zuflucht in der Moschee: Frauen suchen am Morgen Trost beim Gebet in der Kadumyha-Moschee. Kromschröder reiste zwei Wochen nach Ausbruch des Kuwait-Kriegs 1991 in den Irak. Da man mit dem Flugzeug längst nicht mehr nach Bagdad kam, musste er die rund 1200 Kilometer von der jordanischen Haupstadt Amman nach Bagdad auf dem Landweg bewältigen.

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Weltempfänger vom Schwarzmarkt: Die Brüder Mustafa und Amir sind von ihren Eltern zu ihrem Onkel Mohammed Mansur aufs Land geschickt worden. Vom Schwarzmarkt in Bagdad haben sie einen Sony-Weltempfänger mitgebracht, gespannt verfolgen sie die Kriegsereignisse.

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Auf dem Dach des Todesbunkers: Fassungslos schauen diese Männer am Morgen des 13. Februar 1991 in den Al-Amiriya-Bunker hinab. Zwei amerikanische Marschflugkörper haben sich durch die Stahlbetondecke gebohrt, um im Innern zu explodieren. Mehr als 400 Menschen starben.

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Suche nach Überlebenden: Noch immer herrscht starke Hitze in den rußgeschwärzten Bunkerräumen, vergeblich suchen Helfer zwischen den deformierten Bettgestellen nach Überlebenden.

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Hass auf West-Journalisten:"Sagt uns, wer lebt und wer tot ist", rufen diese Frauen am Zaun vor dem getroffenen Amiriya-Bunker. Nach dem verheerenden Bombenangriff entlädt sich der Hass der Bevölkerung auch auf West-Journalisten. Man habe versucht, ihn mit der Kalaschnikow zu lynchen, erzählt Gerhard Kromschröder im Interview mit SPIEGEL ONLINE.

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Fataler Irrtum: Auf der Suche nach Angehörigen erklimmen Männer über eine hastig angestellte Leiter das Dach des immer noch rauchenden Bunkers. Bei keinem anderen Luftangriff wurden so viele Zivilisten getötet wie bei der Bombardierung des Al-Amiriya-Bunkers. Die US-Regierung beharrte damals auf ihrem Standpunkt, es habe sich um einen Irrtum gehandelt und verwies darauf, dass der Bunker über einen Tarnanstrich verfügt habe, wie er typisch für militärische Anlagen sei. Einen Tarnanstrich lassen die Fotos Kromschröders nicht erkennen.

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Wider die Entkörperlichung des Kriegs: Milizionäre haben irakische Flaggen über den Toten aus dem Al-Amiriya-Bunker ausgebreitet. Um sie abzutransportieren, müssen Lastwagen eingesetzt werden. Reporter Kromschröder hat das Grauen schonungslos dokumentiert - auf die Gefahr hin, als Zyniker verurteilt zu werden. "Ich habe versucht, den Menschen jene Würde zurückzugeben, die sie im Augenblick des Todes nicht mehr hatten. Die Opfer wollen nicht, dass man ihr Leid unterdrückt", rechtfertigt er die drastischen Fotos. Der Journalist wollte ein Zeichen setzen gegen das, was er die "Entkörperlichung" des Kriegs nennt.

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Alltag in Bagdad: Kesselschmied Abu Malik aus dem Bagdader Stadtteil Muthana stellt Wasser-Vorratstanks her - begehrte Behälter, seitdem die Wasserleitungen zerstört worden sind.

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Lebensmittelknappheit: Diese junge Witwe verkauft Nüsse beim Straßenverkauf am Tigrisufer. Da die Bauern das Land nicht mehr be- und entwässern konnten, sank die Nahrungsmittelproduktion während des Kriegs drastisch.

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Tödliches Spiel: Diese Frau berichtet, wie die acht Jahre alte Tahani beim Spielen mit einem Blindgänger getötet worden ist. Während seiner Recherche in Bagdad wurde Gerhard Kromschröder, wie bei allen Reportern üblich, von einem staatlichen Aufpasser begleitet, einem sogenannten Minder. Sein Minder hieß Amir, zwischen ihnen habe sich ein Vertrauensverhältnis entwickelt, erzählt Kromschröder. Anstatt den Reporter zu zensieren, habe Amir ihm den Zugang zu zahlreichen Orten ermöglicht, die anderen Journalisten verwehrt geblieben seien.

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Illuminierter Diktator: Das mit Kerzen beleuchtete Saddam-Porträt hat Kromschröder im Keller eines Hauses abgelichtet, der, mit Sandsäcken notdürftig verstärkt, als Luftschutzraum herhalten musste.

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Flucht aus dem Kriegsgebiet: Geflüchtete indische Gastarbeiter hüllen sich im Niemandsland zwischen Jordanien und dem Irak in wärmende Decken. Auch sie gehören zu den Leidtragenden des Kriegs.

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Über Nacht Waisen: Vor ihrem Elternhaus, in dem insgesamt 13 Menschen getötet wurden, sitzen Aishe, Mohammed und Khalil Matuscha. Über Nacht sind sie zu Vollwaisen geworden. Sie hatten bei einer Tante ein paar Straßen weiter übernachtet - und deshalb überlebt.

Foto: Gerhard Kromschröder
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Kamera als Schutzschild: Wehklagend empfangen diese Frauen die Nachricht vom Tod ihrer Angehörigen. In schrecklichen Situationen wie dieser flüchtete sich Kromschröder ins Fotografieren - wie ein Schutzschild habe er die Kamera zwischen sich und die grausige Realität gehalten.

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Irak oder Genf, Krieg oder Frieden? Wegweiser in einem vom Internationalen Roten Kreuz aus Genf errichteten Lager für Kriegsflüchtlinge in der syrischen Wüste.

Foto: Gerhard Kromschröder
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Schmuggelware: Gerhard Kromschröder 1991 in Bagdad. Weil der Fotograf des "Stern" kein Visum bekam, griff Kromschröder zur Kamera. Während des Kriegs gelang es ihm, die Aufnahmen aus dem zerstörten Bagdad an der irakischen Zensur vorbei außer Landes zu schmuggeln.

Foto: Gerhard Kromschröder
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