Altes Ehepaar in La Estrella "Die Deppen, die geblieben sind"

Einst lebten in La Estrella etwa 200 Menschen. Doch seit 30 Jahren sind Juan Martin Colomer und seine Frau Sinforosa Sancho die letzten Bewohner des spanischen Dorfes. Ein Besuch in Bildern.
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Sinforosa Sancho, 85, und ihr Ehemann Juan Martin Colomer, 84, spazieren die verwaiste Hauptstraße (Calle Mayor) in La Estrella entlang: Die beiden sind die letzten Bewohner des spanischen Dorfes. Die Fotografin Susana Vera hat das Paar für die Nachrichtenagentur Reuters besucht.

Foto: SUSANA VERA/ REUTERS
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La Estrella liegt in der autonomen Gemeinschaft Aragon - einer dünn besiedelten Region im Nordosten Spaniens. Einst lebten etwa 200 Menschen in dem Bergdorf. Doch das ist lange her. Seit gut 30 Jahren sind nur noch Sinforosa und Juan Martin dort zu Hause.

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"Alle sind weg, wir sind die Deppen, die geblieben sind", sagt Sinforosa und lacht dabei. "Wir haben immer so gelebt. Wenn es kalt ist, machen wir ein Feuer. Es gibt Hühner, Kaninchen und das Land, das wir bewirtschaften."

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Das Leben in der Einsamkeit ist einfach, aber nicht leicht: Juan Martin erneuert den Zaun um ein Feld. Das Paar lebt von etwa 1200 Euro Rente pro Monat.

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Ganz allein sind die beiden dann doch nicht: Mehr als 20 Katzen leben mit ihnen in La Estrella.

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Zudem haben Juan Martin und seine Frau ein paar Hunde. Er und Sinforosa sind in La Estrella geboren und aufgewachsen. "Zu der Zeit war es ein lebendiges Dorf", sagte sie vor zwei Jahren der BBC. "Wir hatten eine Schule, zwei Wirtshäuser, mehrere Läden." Aber es wurde immer schwerer, von der Landwirtschaft zu leben, viele Menschen zog es auf der Suche nach Arbeit in die Städte. "Es begann in den Fünfzigern, und in den Achtzigern waren wir dann allein", sagt Sinforosa.

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"Se vende" - zu verkaufen: Dieses Schild hängt schon lange im Fenster dieses verlassenen Hauses in La Estrella. Das abgelegene Dorf ist ein extremes Beispiel für die Entwicklung in der Region. In der Provinz Teruel leben gerade einmal neun Einwohner pro Quadratkilometer, insgesamt etwa 135.000 Menschen. 1950 waren es noch mehr als 240.000.

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In diesem Gebäude war einmal die Schule des Ortes untergebracht. Doch als der einzige Lehrer im Ort fortging, wurde sie geschlossen. Vicente, der Sohn von Sinforosa und Juan Martin war das letzte Kind, das in La Estrella lebte. Auch ihn hielt es nicht dort. "Wenn es keine Kinder gibt, gibt es kein Leben", sagt Juan Martin.

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Ein Vorteil der Abgeschiedenheit: Sinforosa kann sich für ein Nickerchen auch einfach auf dem Dorfplatz hinlegen.

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Einmal im Jahr herrscht so etwas wie Trubel in La Estrella. Dann pilgern Gläubige zur Kirche des Ortes, um dort eine Messe zu feiern. Hier ist Sinforosa bei den Vorbereitungen für die Wallfahrt zu sehen. Sie putzt die Kirche und schmückt sie mit Blumen.

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Blumen, Fotos und andere Gegenstände, die Pilger in der Kirche gelassen haben, sind hinter dem Altar zu sehen.

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"Wir hatten nie eine Telefonleitung", sagt Sinforosa. "Und Handyempfang gibt es nur auf dem Friedhof." Wenn die beiden telefonieren wollen, müssen sie also zu diesem Ort gehen. Übrigens: Ein Postbote kommt nicht nach La Estrella.

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Warum sie in La Estrella geblieben sind? "Es ist unsere Heimat. Wir haben hier unser Haus, unsere Tiere, unseren Garten, unsere Wurzeln", sagt die 85-Jährige. "Wir würden niemals fortgehen." Einsam fühlen sich die beiden nicht, sagen sie: "Wir haben uns und einmal im Jahr die Pilger. Von Zeit zu Zeit kommen Besucher, wenn sie den Weg finden."

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Juan Martin und Sinforosa kochen entweder an einer Feuerstelle oder auf einem Gasherd. Ein- oder zweimal pro Monat fahren die beiden mit ihrem alten Land Rover ins etwa 20 Kilometer entfernte Dorf Villafranca. Dort kaufen sie Lebensmittel ein, die sie nicht selbst anbauen oder produzieren können. "Wir sind immer froh, wenn wir zurück in unseren schönen Bergen sind, mit frischer Luft und Ruhe", sagt Sinforosa.

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Zum Abendessen gibt es unter anderem Schinken, Gegrilltes und Brot.

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Sinforosa versucht, ihrem Mann in der Küche einen Splitter aus der Hand zu ziehen. Bis vor zehn Jahren nutzte das Paar Öllampen, um das Haus zu beleuchten. Seitdem liefern Sonnenkollektoren Strom für ein paar Lampen und den Kühlschrank.

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Ein einsames Licht ist am Abend zu sehen. Es dringt aus einem Fenster im Haus des Ehepaares nach draußen.

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Sinforosa und Juan Martin sitzen im Dunkeln vor ihrem Haus: Die beiden haben keinen Fernseher. Unterhaltung bietet ein kleines Transistorradio.

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"Wir sind in der Einsamkeit aufgewachsen, und wir mögen es", sagt Juan Martin, der hier nach einem Schlüssel sucht.

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Der 84-Jährige erwartet nicht, dass in Zukunft jemand so leben will wie er und seine Frau. "La Estrella wird mit uns aussterben."

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