Maharishi Mahesh Yogi Der kichernde Guru

Er nannte sich "spiritueller Lehrer der Beatles", gründete eine "Weltregierung" und machte Millionen mit Meditation. Maharishi Mahesh Yogi verstand es blendend, fernöstliche Spiritualität mit westlichem Geschäftssinn zu paaren.
1 / 30

Maharishi Mahesh Yogi 1992 bei einer Veranstaltung in den Niederlanden: In den späten Siebziger- und den Achtzigerjahren fand er zwar weiterhin Anhänger und eröffnet überall auf der Welt neue Meditationszentren, um dort wahlweise Weltpläne, Weltregierungen und ideale Gesellschaften auszurufen. Doch zugleich wurden Kritiker lauter, die seine Methoden als Scharlatanerie werteten und die "vollfette Glückseligkeit" (SPIEGEL) des umtriebigen Unternehmers als reines Mittel zum kapitalistischen Zweck sehen.

Foto:

Régis Bossu/ Getty Images

2 / 30

Maharishi Mahesh Yogi war vor knapp 60 Jahren der neue Stern am noch wenig erkundeten Guru-Himmel. Das Foto zeigt ihn 1961 bei einer Konferenz in London - in wenigen Sekunden wird er seine Woche des Schweigens beenden, die er, natürlich, im meditierenden Zustand verbracht hat. Einige Jahre später machte ihn der Besuch der Beatles in Indien weltberühmt. 

Foto: Anonymous/ ASSOCIATED PRESS
3 / 30

Der Hippie-Trail: Als in den späten Sechzigerjahre die Flower-Power-Generation den Reiz Asiens entdeckten, war Maharishi zur Stelle - er verstand es, fernöstliche Spiritualität mit westlicher Geschäftstüchtigkeit zu vereinen. Das Foto zeigt Hippies 1971 in Afghanistan, auf der Route nach Indien.

Foto: Jack Garofalo/ Paris Match/ Getty Images
4 / 30

Die Beatles ließen sich 1967 von der Gattin ihres Mitglieds George Harrison überreden, eine TM-Veranstaltung in London zu besuchen. Gut ein Jahrzehnt zuvor war Maharishi Mahesh Yogi aus der Einsamkeit des Himalayas hinabgestiegen, um in der westlichen Welt mit seinen Reisen ins Ich reich zu werden. Nun ließ sich die Crème de la Crème der Popkultur bei ihm blicken - Mick Jagger, ganz links, begleitet hier die Beatles. Für den Maharishi ("großen Seher") ist es wie ein Sechser im Lotto.

Foto: Getty Images/ Popperfoto
5 / 30

Den "spirituellen Lehrer der Beatles" wird er sich fortan nennen, eine fantastische Publicity für sein Guru-Unternehmen. Die Beatles sind vom ersten Treffen mit dem Maharishi so begeistert, dass sie offiziell verkünden, ihn in seinem Ashram in Indien zu besuchen.

Foto: imago/ ZUMA/ Keystone
6 / 30

Zu Gast in der NBC-Sendung "Today": Die Begegnung mit den Beatles und Mick Jagger machte den indischen Guru schlagartig zu einer Symbolfigur der noch jungen Hippie-Bewegung. Hier erklärt er dem NBC-Journalisten Joe Garagiola, wie man mit nur zweimal 20 Minuten Meditation am Tag sein Leben ändern kann und auch noch lästige Falten im Gesicht beseitigt.

Foto: Getty Images/ NBC NewsWire
7 / 30

In Cambridge sprach zu Harvards Jurastudenten, um die gestressten Manager von morgen in der Kunst der geistigen Reinigung von heute zu lehren - Foto vom 23. Januar 1968, kurz vor seinem Abflug nach Indien. Wie immer dabei, wenn der Maharishi auftritt: ein bequemes Sofa und jede Menge Blumen, die er als Zeichen höchster Wertschätzung bezeichnet.

Foto: AP
8 / 30

Aufbruch in eine neue Welt: Am 26. Januar 1968 landen die Beatles und ihr Gefolge aus Schauspielern und anderen Musikern in Neu-Delhi. Hier wird Leinwandikone Mia Farrow, die sich noch in einem hässlichen Scheidungskrieg mit ihrem Gatten Frank Sinatra befindet, gemeinsam mit dem Yogi am Flughafen der indischen Hauptstadt begrüßt. Selbstverständlich mit Blumen.

Foto: AP
9 / 30

Mia und der Maharishi: Der Jünger des 1953 verstorbenen Swami Brahmananda Saraswati verbreitete seit Mitte der Fünfzigerjahre seine Lehre der "Transzendentalen Meditation" (kurz: TM), vor allem in Städten an der US-amerikanischen West-Küste. 1959 eröffnete er in Los Angelas die "Bewegung der geistigen Erneuerung" und ließ in zahlreichen weiteren Zentren von ihm ausgebildete Lehrer frische Anhänger zu unterrichten.

Foto: JF/ AP
10 / 30

Stargäste im Meditationszentrum in Rishikesh: Die Beatles fliegen Ende Januar 1968 in kompletter Besetzung auf die andere Seite der Welt, um eine andere Seite an sich selbst kennenzulernen. Hier markiert Paul McCartney (rechts) seinen Sangeskollegen, den Schotten Donovan, mit roter Farbe. 800 Journalisten aus aller Welt beobachten die Selbstfindung der Prominenten.

Foto: Rolls Press/ Popperfoto/ Getty Images
11 / 30

John Lennon selbstvergessen an der Querflöte: In den Jahren zuvor hat Lennon schon viel ausprobiert, um zu sich selbst zu finden - vorrangig diverse Drogen. Jetzt ist er auch hier, um den plötzlichen Tod des Beatles-Managers Brian Epstein zu verarbeiten. Den Journalisten diktiert Lennon Sätze wie diesen in die Blöcke: "Man hat uns doch immer Vorbilder der Jugend genannt, und wir glauben, dass dies ein guter Weg ist, ein Vorbild abzugeben."

Foto: Rolls Press/ Popperfoto/ Getty Images
12 / 30

Auch Donovan zeigte sich beeindruckt vom Charisma Maharishis, der meist mit durchaus ansteckender Heiterkeit auftrat. Auf dem Bild nimmt der schottische Sänger und Gitarristen ein Sonnenbad am 18. März 1968 in einem Ashram nahe Rishikesh.

Foto: Rolls Press/ Popperfoto/ Getty Images
13 / 30

"Wie eine Feder auf einem Heißluftrohr" - so beschrieb Paul McCartney die ersten Erfahrungen der regelmäßigen Meditationen. Musiker Mike Love (im Bild), Gründungsmitglied der Beach Boys, hat Farbe angenommen. "Ich habe die Transzendentale Meditation kennengelernt, der Maharishi Mahesh Yogi wurde mein Guru. Er hat mich gelehrt, ohne Drogen und Alkohol zu relaxen. Meditation ist der deutlich bessere Lifestyle. Ich konnte viele dafür begeistern, nur meine Bandkollegen nicht", sagte Mike Love 2017 im einestages-Interview. 

Foto: Rolls Press/ Popperfoto/ Getty Images
14 / 30

Ein Bild geht um die Welt: Die Beatles samt Lebensgefährtinnen, Beach Boy Mike Love und Beatles-Roadie Mal Evans haben sich für ein Gruppenbild vor dem Maharishi aufgereiht, der wiederum unter einem Bildnis seines Lehrers Swami Brahmananda Saraswati thront. Die Idylle währte nur kurze Zeit. Ringo Starr reiste schon nach einer Woche wieder ab, bald darauf Paul McCartney und am 11. April 1968 schließlich auch George Harrison und John Lennon. Ein böses Gerücht hatte zuvor die Runde gemacht: Der Yogi soll eine anwesende Amerikanerin verführt haben. "Er ist eben auch nur ein geiler alter Bock", blaffte Lennon in die Mikrofone und stieg ins Taxi, wo er den Song "Sexie Sadie" geschrieben haben soll. "Was hast du getan?", heißt es da, "du hast jeden zum Narren gehalten."

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
15 / 30

Die fernöstliche Guru-Kultur wurde elementarer Teil der Hippie-Bewegung, das konnte auch das hässliche Ende der Beatles-Reise ins Herz der "Transzendentalen Meditation" nicht verhindern. Diese Reise trug enorm viel bei zum Boom der Wellness-Industrie samt Ayurveda-Behandlungen und Yogakursen. Das Foto zeigt meditierende Hippies in Afghanistan anno 1971.

Foto: Jack Garofalo/ Paris Match/ Getty Images
16 / 30

Hare-Krishna-Jünger bei einem Tänzchen in Indien: Auch andere Vertreter fernöstlicher Glaubensrichtungen verdanken dem Hype um den Maharishi ihren Aufschwung.

Foto: Jack Garofalo/ Paris Match/ Getty Images
17 / 30

Bhagwan Shree Rajneesh, der sich später Osho nannte, profitierte ebenfalls stark von den Sinnsuchern aus dem Westen. Ab Mitte der Siebzigerjahre zog sein Ashram in Poona viele Jünger an, die "Sannyasins", viele davon aus den USA und Deutschland. Man erkannte sie in den Achtzigerjahren an ihren roten Gewändern und der Mala, einer Kette aus Holzperlen mit einem Bild des Meisters.

Foto: JACK SMITH/ ASSOCIATED PRESS
18 / 30

Bhagwan alias Osho kaufte sich eine legendäre Flotte von 93 Rolls Royce zusammen. Hier huldigen Sannyasin ihm beim "Drive by" mit Blumen, die auf die Motorhaube legen. Die Bewegung war eine Mischung aus Spiritualität, (Selbst-)Therapie, Tanz und Orgien. Und zugleich, ganz wie bei Maharishi, ein Geschäftsmodell - der indische Guru predigte Enthaltsamkeit und lebte Dekadenz. 

Foto: AP
19 / 30

Das sogenannte Yogische Fliegen demonstriert auf diesem Bild von 1986 ein TM-Lehrer 1986 im Washington Convention Center. Laut TM kann der Mensch es nur im Zustand allerhöchster Konzentration erreichen. Ob Fliegen oder doch eher Hopsen von erfahrenen Yogaschülern - es wird zum Symbol der immer verstörenderen Methoden des Meisters aus Indien.

Foto: Ira Schwarz/ AP
20 / 30

Zentrale in Vlodrop (im Jahr 2007): Könnte auch eines der bescheideneren Anwesen von Donald Trump sein, ist aber das Weltzentrum des "Transzendentalen Meditation". Hier verbrachte der Meister bis zu seinem Tod einen Großteil seiner Zeit.

Foto: Peter Wijnands/ AFP
21 / 30

Schüler der Maharishi University of Management in Fairfield (US-Bundesstaat Iowa): TM-Lehrerin Siggi Lamothe (rechts) beobachtet hier die Fortschritte ihrer Schützlinge. Zum Zeitpunkt der Aufnahme im Jahr 2004 macht TM allein in den USA einen Umsatz von 300 Millionen - da kann es helfen, die Manager von morgen auszubilden.

Foto: Charlie Neibergall/ AP
22 / 30

Hier präsentiert eine Mitarbeiterin 2007 eine Banknote des vom Guru ausgerufenen Globalen Land des Weltfriedens, den "Raam", eine Währung, die tatsächlich in einigen Teilen der Niederlande Verwendung findet. Immer wieder überraschte der Maharishi mit neuen Ideen, die Welt zu retten. Oder zumindest friedlicher zu gestalten.

Foto: imago/ Bild 13
23 / 30

Wie im Fluge, beinah: 1992 gründete sich - ausgehend von einem Wunsch des Gurus - die "Naturgesetz Partei", die in Deutschland die Lehren des Maharishi in die Politik übertragen sollte (hier: das Yogische Fliegen) und unter anderem 10.000 Strafanzeigen gegen Politiker sammeln wollte. Ihre skurrilen Wahlwerbespots in ARD und ZDF sorgten für Aufsehen, aber nicht für Wahlerfolge.

Foto: Associated Press
24 / 30

Versuch der irdischen Einflussnahme: Wie hier die "Natural Law Party" in den USA (Präsidentschaftskandidat John Hagelin, 1995) traten TM-Parteien ab 1992 für gut ein Jahrzehnt auch in vielen weiteren Ländern an, durchweg ohne nennenswerten Ertrag. So erreichte die deutsche Kleinstpartei bei der Bundestagswahl 1994 nur 0,16 Prozent der Stimmen, 1998 waren es 0,06 Prozent. 2004 löste sie sich auf.

Foto: Bob Galbraith/ AP
25 / 30

Filmregisseur David Lynch: Auch Jahrzehnte nach dem legendären Besuch der Beatles hat TM prominente Anhänger aus dem Showbusiness. David Lynch etwa schwört auf TM und behauptet, dass die Meditation weltweit gegen Stress helfe und damit den Weltfrieden beschleunige. Lynch hat das Renommee und das Talent, anderen namhaften (oder wohlhabenden) TM-Praktizierenden das nötige Geld in Form von Spenden abzuzwacken.

Foto: Alex Wong/ Getty Images
26 / 30

Die ehemalige Radarstation auf dem Berliner Teufelsberg war einst ein Horchposten im Kalten Krieg und ist längst ein Trümmerhaufen der Geschichte. Auf diesem ließ die Maharishi-Stiftung eine "vedische Friedensuniversität" errichten; David Lynch legte dafür 2008 sogar den Grundstein. 1000 Studenten sollten unterm "Turm der Unbesiegbarkeit" transzendentale Meditation und yogisches Fliegen lernen (ohne den Drachenfliegern der Umgebung in die Quere zu kommen). Aber auch diese Erleuchtung erlosch irgendwo im Nirgendwo. 

Foto: Pawel Kopczynski/ REUTERS
27 / 30

Videobotschaften vom großen Meister: Noch wenige Tage vor seinem Tod rief der Maharishi seine Jünger via Internet zu einer Massenmeditation auf, um die nötige positive Kraft über den Erdball zu verteilen.

Foto: Peter Dejong/ AP
28 / 30

Lasst Blumen sprechen: Der Yogi starb schließlich am 5. Februar 2008 in den Niederlanden, vermutlich im Alter von 90 Jahren - so genau weiß man das nicht, zu seinem Geburtsdatum gibt es unterschiedliche Angaben; der 12. Januar 1918 stand in seinem Ausweis. Sein Leichnam wurde nach Indien überführt und dort auf einem Meer von Blumen aufgebahrt.

Foto: Rajesh Kumar Singh/ AP
29 / 30

Verbrennung des toten Gurus: In Allahabad hat der Begründer der Transzendentalen Meditation, Kurzzeit-Lehrer der Beatles und höchst erfolgreiche Geschäftsmann seinen letzten großen Auftritt, ehe...

Foto: Jitendra Prakash/ REUTERS
30 / 30

...die Asche von Maharishi Mahesh Yogi auf dem Ganges verteilt wurde (am 12. Februar 2008).

Foto: Rajesh Kumar Singh/ AP