"2001 - Odyssee im Weltraum" Wie der Science-Fiction-Klassiker entstand

"2001 - Odyssee im Weltraum" gilt als bester Science-Fiction-Film der Geschichte. Ein Bildband zeigt, mit welchen Taschenspielertricks Stanley Kubrick sein Meisterwerk drehte - und wie ein Fußballspiel einen Teil der Aufnahmen ruinierte.
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Köpfe hinter der Weltraum-Odyssee: Im März 1964 kontaktierte Regisseur Stanley Kubrick den von ihm verehrten Science-Fiction-Autor Arthur C. Clarke. Er wollte mithilfe des renommierten Schriftstellers ein Novum wagen - einen "richtig guten Science-Fiction-Film drehen". Clarke und Kubrick, hier auf dem Set der Aries-Mondlandefähre aus dem Film, verstanden sich sofort.

So elegant und durchgestylt, wie das Ambiente der Film-Mondlandefähre von innen wirkte, war das Set...

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./ TASCHEN
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...von außen jedoch nicht. Mit ungeheurem Aufwand und tatkräftiger Unterstützung der hauseigenen Tischler und Set-Dekorateure der MGM-Studios wurden die Sets für das 1968 veröffentlichte Meisterwerk "2001 - Odyssee im Weltraum" gebaut. Wenige Jahre später wäre ein solcher Produktionsaufwand aus finanziellen Gründen bereits nicht mehr denkbar gewesen.

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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Stein des Anstoßes: Der mysteriöse Monolith spielt eine Schlüsselrolle in Stanley Kubricks Film. Obwohl der geheimnisvolle mattschwarze Block auf der Leinwand wie aus massivem Stein gehauen wirkte, war er in Wirklichkeit nur...

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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...ein schwarz angestrichener und mit Grafit beschichteter Holzklotz. Da die Beschichtung Staub anzog, achtete Kubrick penibelst darauf, dass die Oberfläche sauber war. Bühnenarbeiter, die versehentlich den Monolithen berührt und dabei Spuren hinterlassen hatten, konnten so schon einmal das vorzeitige Ende eines Drehs herbeiführen.

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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Körperloser Bösewicht: Überwacht wird die Jupiter-Mission in "2001" von dem Computer Hal 9000. Während des Einsatzes wächst jedoch das Misstrauen zwischen Besatzung und Computer, sodass es schließlich zu einem Konflikt auf Leben und Tod kommt. Das alles beobachtende Maschinenauge des Computers wird dabei zu einem Sinnbild des Bösen. Tatsächlich war dieses im Film gezeigte "Auge" jedoch nur eine Kameralinse, die mit rotem Licht angestrahlt wurde.

Foto: ddp images
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Riesenrad mit Kamera: In einer spektakulären Szene scheint ein Astronaut einmal im Kreis am Boden eines wagenradförmigen Raumes entlangzulaufen. Stanley Kubrick beobachtet den Raum hier aus der Bodenklappe heraus, von der aus gefilmt wurde.

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./ TASCHEN
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Flieh- statt Schwerkraft: Kubricks Idee hinter der rotierenden wagenradförmigen Raumstation (hier in einem Konzeptbild) war, dass in ihr die im Weltraum fehlende Gravitation durch die Fliehkraft der Drehung ersetzt werden sollte.

Foto: ddp images
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Stewardess mit Klebeschuhen: In einer anderen Filmszene scheint eine Stewardess mithilfe von Klettschuhen in der Schwerelosigkeit des Weltraums die Wand eines ringförmigen Durchgangs entlangzulaufen. Tatsächlich ließ Kubrick auch hier den gesamten Raum rotieren und von einer fest montierten Kamera filmen.

Foto: DDP
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Saubere Sache: Vor Drehbeginn wurde darauf geachtet, dass kein Staub das Bild der betont steril gehaltenen Innenräume der Raumschiffkulisse störte. Hier bereitet die Crew den Dreh der Szene vor, in der der Astronaut Bowman in einer Raumkapsel von einem Reparatureinsatz zurückkehrt.

Im fertigen Film...

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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...war dann tatsächlich kein störendes Staubkorn mehr im Bild zu erkennen, das den keimfreien Look des Sets gestört hätte.

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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Musikalisches Elektronenhirn: Während im Film Astronaut Bowman den mordenden Computer HAL 9000 abschaltet, singt dieser für ihn das Kinderlied "Hänschen klein" - das immer leieriger und langsamer wird.

Im Original war das Lied "Daisy Bell" zu hören. Arthur C. Clarke hatte es 1962 zufällig bei einer Vorführung früher elektronischer Musik in den Bell Laboratories in Murray Hill, New Jersey, gehört - gespielt über einen Vocoder, der es ermöglicht, mit einer menschlichen Stimme synthetisch erzeugte Klänge zu modulieren.

Foto: MGM/Warner Home Video
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Akribische Planung: Der genaue Aufbau des Film-Raumschiffes "Discovery" und die Lage aller im Film gezeigten Räumlichkeiten wurden im Vorfeld von Kubrick genauestens durchdacht - wie dieses Konzeptbild illustriert.

Foto: Oliver Rennert/ Turner Entertainment Co./ TASCHEN
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Evolutionssprung: Die erste Begegnung der Menschheit mit einer außerirdischen Intelligenz vollzieht sich im Film durch das Auftauchen des schwarzen Monolithen vor einer Gruppe von Vormenschen. Tatsächlich waren die scheinbar in der afrikanischen Savanne entstandenen Aufnahmen...

Foto: ddp images
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...mit einem Trick im Studio gefilmt worden: Die Schauspieler im Affenkostüm hatten dabei vor einer Leinwand gespielt, auf die Aufnahmen einer Savannenlandschaft projiziert wurden. Die Kamera wurde dabei direkt vor ihnen platziert, sodass ihr durch das Projektorlicht entstandener Schatten hinter ihren Körpern verschwand.

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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Nicht haarig genug: Ursprünglich sollten im ersten Akt des Films nicht affenähnliche Vormenschen, sondern weit weniger behaarte prähistorische Menschen die Hauptrollen spielen. Dabei stieß man jedoch auf ein Problem hinsichtlich der Jugendfreigabe des Films - denn mangels Fell hätten bei diesen Figuren die Genitalien sichtbar sein müssen.

Und so entschied man sich...

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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...doch dafür, Menschen in Affenkostümen spielen zu lassen. Kubrick engagierte hierfür den amerikanischen Darsteller Daniel Richter, der damals in erster Linie mit einer Straßenkünstlergruppe auftrat. Richters Gruppe beobachtete stundenlang Affen im Londoner Zoo, um sich deren typische Bewegungen einzuprägen und um jeden Preis zu vermeiden, im Film wie Menschen in Affenkostümen zu wirken.

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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Ungewöhnliche Lichtführung: Im letzten Teil des Films, "Wiedergeburt" betitelt, findet sich der Astronaut Bowman in sonderbar surrealistischen Räumlichkeiten wieder. Die eigentümliche Stimmung in den im Barockstil eingerichteten Zimmern erzeugte Kubrick vor allem durch die Beleuchtung, die durch transparente Bodenplatten erfolgte.

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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Versteckte Kamera: Während der Aufnahmen in dem von unten beleuchteten Barockzimmer für das Ende des Films wird das Gesicht des Astronauten Bowman mehrfach durch sein Helmvisier hindurch gefilmt. Um zu vermeiden, dass die Kamera in den Spiegelungen des Visiers sichtbar wurde, filmte Kubrick diese Einstellung durch eine Schutzwand hindurch.

Um der Hitze in dem von unzähligen Lampen beleuchteten Raum zu mindern, wurde durch einen großen Schlauch gekühlte Luft von außen hineingeleitet.

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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Kostbares Überbleibsel: Um zu verhindern, dass die Ausstattung seines Filmes für andere Dreharbeiten wiederverwertet würde, ließ Stanley Kubrick alles nach dem Dreh zerstören. Trotzdem tauchte ein Objekt unerwartet wieder auf: Im Jahr 2009 entdeckte ein Brite auf einem Trödelmarkt eine Schaltkonsole des Film-Supercomputers HAL 9000.

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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Visionär: Mit umfangreichen Recherchen versuchte Kubrick sicherzustellen, dass sein Bild von der Zukunft auf Innovationen basierte, die tatsächlich mit hoher Wahrscheinlichkeit eintreten würden. In vielen Fällen lag er richtig: So wies etwa dieser für den Film entworfene tragbare Computer mit einem aufklappbaren Display, einer Kamera und einer Vorrichtung zur computergestützten Telefonie bereits in den Sechzigerjahren viele Merkmale heutiger Laptops auf.

Und noch eine weitere Innovation nahm Kubrick in seinem Film vorweg, die erst Jahrzehnte später in unseren Alltag eindringen sollte, nämlich...

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./ TASCHEN
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...Tablet-Computer, auf denen die Astronauten in dem 1968 veröffentlichten Film die Fernsehnachrichten schauen.

In einem Urheberrechtsstreit mit Apple brachte die Firma Samsung die Tafelrechner aus "2001" später als Beweisstück vor, dass flache Touchscreen-Computer keineswegs eine Erfindung der Firma Apple, sondern Allgemeingut seien.

Foto: ddp images
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Interplanetarische Bastelmission: Kubrick versuchte, jedes Fotografieren des im Film verwendeten Modells der Raumfähre "Discovery" zu verhindern. Daher zeugen heute nur wenige Aufnahmen von der Detailversessenheit, mit der Modellbauer das Miniatur-Raumschiff für die Trickaufnahmen anfertigten.

Später im Film...

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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...sah das kleine Raumschiffmodell dann allerdings bereits weitaus imposanter aus. Um die gefilmten Objekte besonders mächtig wirken zu lassen, wurden sie bei verlangsamter Filmgeschwindigkeit von einer sich im Schneckentempo an ihnen vorbeifahrenden Kamera aufgenommen. Für eine drei Minuten lange Sequenz wurden bei diesem aufwendigen Verfahren drei Stunden Aufnahmedauer benötigt.

Foto: ddp images
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Reinemachmann im Weltall: Die zahlreichen weißen Oberflächen, die Kubricks Weltraumvision ihren charakteristischen Look verliehen, waren leider überaus schmutzanfällig. Und so musste die Crew häufig, wie hier, darauf warten, dass das Reinigungspersonal seine Arbeit beendet hatte, bevor der Dreh weitergehen konnte.

Auf der Leinwand wirkten diese mühevoll sauber gehaltenen Bühnenbilder dafür aber...

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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...umso beeindruckender. Für seine Ausstattung wurde der Film 1968 für den Oscar nominiert.

Foto: Dmitri Kessel/ Turner Entertainment Co./ Getty Images
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Wegweisend: Viele der von Kubrick in "2001" verwendeten Details wurden wegweisend für spätere Science-Fiction-Filme. So gehört etwa die Idee von Kälteschlafzellen (hier links im Bild), in denen Astronauten lange Flüge in einer Art Winterschlaf verbringen, heute zu den gängigen Genre-Elementen.

Foto: ddp images
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Verdammter Antrieb: Vor einigen Herausforderungen musste selbst Kubricks hochkarätiges Team kapitulieren. So sollte eigentlich während der Landesequenz der Aries-Landefähre im Film Licht aus den Düsen des Shuttles ausströmen - ähnlich wie auf diesem Konzeptbild zu sehen. Das Spezialeffekt-Team scheiterte jedoch daran, diese im Film realistisch aussehend umzusetzen, woraufhin auf die aus den Düsen austretenden Flammen ganz verzichtet wurde.

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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Weltraum-Parklücke: Ein Konzeptbild zu "2001 - Odyssee im Weltraum" zeigt die Andockbucht einer Raumstation, an der ein Shuttle angelegt hat, dessen Antriebsdüse noch immer rot glüht. Tatsächlich hatte Kubrick zunächst geplant, im Film einen Antrieb zu zeigen, der Raumschiffe durch eine unablässige Reihe von Nuklearexplosionen vorwärtstrieb.

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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Der Mann hinter der Kamera: Am Set nutzte Kubrick, der auch ausgebildeter Fotograf war, jede freie Minute, um selbst fotografisch den Dreh zu dokumentieren - mithilfe seiner Nikon-Photomic-35-mm-Kamera.

Foto: Stanley Kubrick Archives/ Turner Entertainment Co./TASCHEN
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Genie bei der Arbeit: Ein Anstoß für Stanley Kubrick, einen Science-Fiction-Film zu drehen, war seine Faszination für die Möglichkeit außerirdischen Lebens. Er entschied sich jedoch, auf die bisher in den B-Movies des Genres üblichen Klischees wie kleine grüne Männchen zu verzichten.

Foto: ddp images
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