Bildmanipulationen Mehr Blut, mehr Rauch, weniger Speck

Kann man seinen Augen trauen? Mit gefälschten Bildern wird Politik gemacht - wie 2008 im Fall der manipulierten Raketenfotos aus Iran. Eine Revue der krassesten, bizarrsten und peinlichsten Fälle.
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Wasser zu Blut: Das Schweizer Boulevard-Blatt "Blick" bildete im November 1997 ein Foto des Hatschepsut-Tempels im ägyptischen Luxor ab. Dort hatte einen Tag zuvor ein Massaker stattgefunden. Die harmlose Wasserpfütze wurde rot eingefärbt und so zu einer schockierenden Blutlache umgedeutet. Die Zeitung sorgte durch ihre Manipulation für heftige Diskussionen über die Macht der Bilder.

Foto: Michael Jensch, Axel Thünker / Haus der Geschichte
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Der Hatschepsut-Tempel: Das Originalfoto vom 18. November 1997 zeigt zwei ägyptische Soldaten und eine Wasserpfütze vor dem Hatschepsut-Tempel in Luxor. Dort wurden einen Tag zuvor bei einem Massaker 62 Menschen getötet. Das schweizer Boulevard-Blatt "Blick" hatte die Pfütze, die aus dem Tempel fließt rot eingefärbt.

Foto: AP
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Irakischer Soldat: Das farbige Originalbild in der Mitte zeigt einen irakischen Soldaten umgeben von US-Soldaten während des Irak-Kriegs 2003. Die Fotomontage wurde von Artdirektorin Ursula Dahmen für den Tagesspiegel angefertigt, um in der Gegenüberstellung zu demonstrieren, wie unterschiedliche Bildausschnitte die Interpretation eines Bildes beeinflussen können. Auch dies ist Bildmanipulation.

Die Fotomontage ist Teil der Wanderausstellung "X für U - Bilder, die lügen", welche von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erarbeitet und mit finanzieller Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung an Leihnehmer weitergegeben wurde.

Foto: ap / Ursula Dahmen
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Schlank per Photoshop: Nicolas Sarkozy paddelt während seines Urlaubs im August 2007 mit seinem Sohn Louis auf dem Lake Winnipesaukee in New Hampshire (USA). Auf dem Originalbild (unten) ist über dem Badehosenbund des französischen Präsidenten ein Speckröllchen zu sehen. Die obere Version wurde von der Presse in Frankreich nachbearbeitet - Präsidenten haben eben keine Speckröllchen!

Foto: Paris Match / Reuters
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Lenin mit Kamenew und Trotzki: Postkarte mit dem Originalfoto von Lenin mit Kamenew und Trotzki (rechts neben Pult) auf dem Swerdlow-Platz in Moskau. Als die beiden Mitstreiter Lenins als Abweichler in Ungnade fielen, wurden sie kurzerhand herausretuschiert.

Die Fotomontage (Ursula Dahmen/"Der Tagesspiegel") ist Teil der Wanderausstellung "X für U - Bilder, die lügen", welche von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erarbeitet und mit finanzieller Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung an Leihnehmer weitergegeben wurde.

Foto: Staatliches Historisches Museum Moskau
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Lenin ohne Kamenew und Trotzki: Lenin am 5. Mai 1920 auf dem Swerdlow-Platz in Moskau - Kamenew und Trotzki wurden herausretuschiert und durch fünf Holzstufen ersetzt.

Das Bild ist Teil der Wanderausstellung "X für U - Bilder, die lügen", welche von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erarbeitet und mit finanzieller Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung an Leihnehmer weitergegeben wurde.

Foto: Staatliches Historisches Museum Moskau
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Mehr Rauch: Kurz nach der Bombardierung von Beirut durch die israelische Luftwaffe Anfang August 2006 verbreitete die Agentur Reuters die linke Aufnahme. Sie zeigt dichten, schwarzen Rauch über den Dächern der Stadt - mehr, als zum Zeitpunkt der Aufnahme vor Ort zu sehen war, wie die Original-Aufnahme beweist. Nachdem Blogger aufgedeckt hatten, dass die Wolken per Bildbearbeitung hineinretuschiert worden waren, tauschte Reuters das Bild aus und beendete die Zusammenarbeit mit dem Fotografen.

Foto: REUTERS
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Merkel in Bayreuth: Kanzlerkandidatin Angela Merkel winkt am 25. Juli 2003 neben ihrem Mann Joachim Sauer vor dem Bayreuther Festspielhaus den Journalisten zu - mit einem Schweißfleck unter dem Arm. So wurde das Bild auch von der Presseagentur DPA verbreitet. Nur auf der Homepage des Bayrischen Rundfunks erschien die Aufnahme ohne Schweißfleck. Nachdem die Manipulation aufgedeckt worden war, verschwand das geschönte Bild von der Internetseite.

Foto: dpa
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Uhr-Schrei: Die beiden Bilder zeigen den damaligen Siemens-Chef Klaus Kleinfeld am 29. Juli 2004. Das linke Foto wurde vom Unternehmen im Sommer 2004 publiziert und zeigt Kleinfeld noch mit einer teuren Rolex-Uhr am Handgelenk. Das rechte Bild wurde von Siemens zur Hauptversammlung am 27. Januar 2005 an die Medien weitergegeben. Die Uhr auf dieser Version war auf Wunsch von Kleinfeld wegretuschiert worden. Ein Hinweis auf die Bildmanipulation fehlte.

Foto: dpa
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Trittin auf Gewalt-Demo? Am 29. Januar 2001 veröffentlichte die "Bild"-Zeitung ein Foto des Politikers Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen). Es zeigt ihn auf einer Demonstration im Juli 1994 - inmitten von mit Schlagstock und Bolzenschneider ausgerüsteten Demonstranten. So zumindest die Interpretation der "Bild"-Zeitung. Allerdings handelt es sich bei diesem Foto nur um einen Ausschnitt. Das ganze Bild offenbart, dass es sich bei dem vermeintlichen Schlagstock um ein Seil und bei dem Bolzenschneider um einen Handschuh handelte.

Foto: Bild
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Friedlicher Trittin: Das Originalbild aus einem Film von Sat.1 zeigt Jürgen Trittin auf der Göttinger Demonstration im Juli 1994. Und beweist: Bei dem angeblichen Schlagstock (unten rechts) handelte es sich um ein Seil, an dem sich ein Demonstrant festhielt; der Bolzenschneider war nur ein harmloser Handschuh.

Foto: dpa
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Gefälschte Babybilder: Stéphanie von Monaco mit verschiedenen Babys auf den Covern verschiedener Illustrierter. Die frechen Montagen entstanden teils Wochen vor der Geburt.

Das Motiv ist Teil der Wanderausstellung "X für U - Bilder, die lügen", welche von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erarbeitet und mit finanzieller Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung an Leihnehmer weitergegeben wurde.

Foto: DER SPIEGEL
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John Kerry und Jane Fonda: Diese digitale Bildkomposition tauchte auf, als Senator John Kerry 2004 bei den Vorwahlen um die amerikanische Präsidentschaft kandidierte. Doch das Bild von Kerry wurde im Juni 1971 in New York aufgenommen. Das Foto von Jane Fonda entstand, als die US-Schauspielerin im August 1972 in Miami, Florida bei einer politischen Kundgebung sprach.

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Hitler mit Franco: Ein Ereignis, zwei Francos. Diese identischen Bilder vom Treffen des spanischen Diktators mit Hitler am 23. Oktober 1940 im französischen Hendaye zeigen Franco in zwei völlig unterschiedlichen Gemütszuständen. Auf dem Original (oben) streckt er seinen rechten Arm verkrampft von sich, hat die Augen geschlossen und einen merkwürdig verzogenen Mund. Unten sieht man das Bild, das später von der spanischen Presseagentur EFE veröffentlicht wurde. Hier sind Francos Augen weit geöffnet und der Arm ist entspannter. Das Bild wurde von den spanischen Zensoren manipuliert, um das Image des Diktators zu verbessern.

Foto: AP
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"Hot Lips": "The Mirror" montierte Dodi Al-Fayeds Kopf so um, dass er in Dianas Richtung schaut, statt, wie im Original, von ihr weg. Mit diesem manipulierten Titelblatt vom 9. August 1997 lieferte die englische Tageszeitung "das Bild, das alle wollten".

Dieser Zeitungsausschnitt ist Teil der Wanderausstellung "X für U - Bilder, die lügen", welche von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erarbeitet und mit finanzieller Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung an Leihnehmer weitergegeben wurde.

Foto: Michael Jensch, Axel Thünker / Haus der Geschichte
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Diana und Dodi: Das Originalfoto von Dodi Al-Fayed und Diana von einer Bootstour im Sommer 1997. Al-Fayed schaut ganz unromantisch nach rechts.

Das Bild ist Teil der Wanderausstellung "X für U - Bilder, die lügen", welche von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erarbeitet und mit finanzieller Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung an Leihnehmer weitergegeben wurde.

Foto: SIPA Press, Paris
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Kniefall zu zweit: Der Künstler Matthias Wähner verfremdet historische Bilder, indem er sich selbst hineinmontiert. Hier hat er sich neben Willy Brandt bei dessen Kniefall am Mahnmal, das an das Warschauer Ghetto erinnert, am 7. Dezember 1970 eingebaut.

Die Fotomontage ist Teil der Wanderausstellung "X für U - Bilder, die lügen", welche von der Stiftung Haus der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland erarbeitet und mit finanzieller Unterstützung der Bundeszentrale für politische Bildung an Leihnehmer weitergegeben wurde.

Foto: Matthias Wähner / Stiftung Haus der Geschichte
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Gestellte Ikone: Das Bild vom Aufstellen der Flagge auf der japanischen Pazifikinsel Iwo Jima zählt heute zu den absoluten Bildikonen - und es ist gestellt. Als der Kriegsfotograf Joe Rosenthal am 23. Februar 1945 auf der Insel ankam, wehte bereits seit drei Stunden eine US-Flagge im Wind. Doch sie war zu mickrig, um sie gescheit zu fotografieren. So inszenierte der Fotograf dieses heroische Motiv. Auch dies ist eine Form der Bildmanipulation.

Foto: AP
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Rote Fahne auf dem Berliner Reichstag 1945: Das Foto vom 2. Mai 1945 zeigt sowjetische Soldaten beim Hissen des roten Banners auf dem Berliner Reichstag. Die Abbildung dieser symbolträchtigen Geste des Sieges über Hitlerdeutschland wurde zur Bildikone. Die Szene wurde jedoch erst zwei Tage nach der Erstürmung des Reichstags nachgestellt. Zudem musste der Fotograf der sowjetischen Nachrichtenagentur TASS, Jewgeni Chaldej, bei dem Soldaten, der die Beine des anderen hält, eine Armbanduhr wegretuschieren. Im Originalbild trug er an jedem Arm einen Chronographen - ein Hinweis auf Plünderei. Diese galt natürlich offiziell als Kriegsverbrechen und durfte nicht auf dem Bild festgehalten werden.

Foto: dpa