Missbrauchsfall Staufen Chronologie des Grauens

Jahrelang ist ein Junge aus Staufen bei Freiburg missbraucht und für Vergewaltigungen im Internet angeboten worden. Die Vorgeschichte, die Vorwürfe und die Urteile.
1 / 16

Staufen bei Freiburg: Hier lebte ein heute zehn Jahre alter Junge, der von seiner Mutter, ihrem Partner und fünf weiteren Beschuldigten missbraucht worden war.

Foto: Simon Hofmann/ Getty Images
2 / 16

Die Vorwürfe werden im Januar 2018 öffentlich. Laut dem Landeskriminalamt   ist es der "schwerste Fall des sexuellen Missbrauchs, der in Baden-Württemberg von der Ermittlungsbehörde bisher bearbeitet wurde".

Foto: Patrick Seeger/ dpa
3 / 16

Die Polizei kommt den Tatverdächtigen nach einem anonymen Hinweis aus dem Internet im Herbst 2017 auf die Spur. Im September 2017 nehmen sie den Hauptverdächtigen Christian L. vor einem Supermarkt fest. Danach machen die Ermittler weitere Tatverdächtige ausfindig und nehmen sie fest. Insgesamt stehen im Zusammenhang mit dem Tatkomplex acht Beschuldigte vor Gericht.

Foto: Markus Donner
4 / 16

Stadtsee in Staufen: Hier finden Polizisten eine Festplatte von Christian L. Er war einschlägig vorbestraft: Bis 2014 war er mehr als vier Jahre in Haft, weil er eine 13-Jährige missbraucht und Kinderpornos besessen hatte. Nach seiner Freilassung lernt er Berrin T. bei der Freiburger Tafel kennen. Sie ist die Mutter des Jungen. 2015 beginnen sie, den damals Siebenjährigen zu missbrauchen und bieten ihn im Darknet gegen Geld für Vergewaltigungen an.

Foto: Simon Hofmann/ Getty Images
5 / 16

Die Polizei findet im Februar 2017 heraus, dass Christian L. gegen seine Bewährungsauflagen verstieß, indem er ohne Anwesenheit der Mutter Kontakt mit dem Jungen hatte. Das Jugendamt des Landkreises Breisgau-Hochschwarzwald (im Bild) wird informiert, es gibt den Jungen im März 2017 in eine Pflegefamilie.

Foto: picture alliance/ Patrick Seege
6 / 16

Das Amtsgericht Freiburg (Foto) beendet die Inobhutnahme, im April kommt der Junge zurück zur Mutter. Das Oberlandesgericht bestätigt die Entscheidung später. In beiden Verhandlungen versichert Berrin T., den Jungen von Christian L. fernzuhalten.

7 / 16

Bei der Zentralstelle für Internetermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt geht im September 2017 der erste Hinweis auf den Missbrauch des Jungen ein. Der Junge wird aus der Familie genommen, insgesamt acht Verdächtige werden festgenommen.

Foto: imago/ Ralph Peters
8 / 16

Im April 2018 beginnt der erste Prozess im Staufener Missbrauchsfall. Angeklagt ist Markus K. Er wird am 19. April zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren sowie einer Geldstrafe von 12.500 Euro verurteilt. Zudem ordnet das Freiburger Landgericht Sicherungsverwahrung an. Der Mann hatte gestanden, den aus Staufen bei Freiburg stammenden Jungen zweimal vergewaltigt und dabei gefilmt zu haben. Das Urteil ist inzwischen rechtskräftig.

Foto: Patrick Seeger/ dpa
9 / 16

Im Prozess gegen Markus K. vor dem Freiburger Landgericht sagt auch Christian L. aus. Er legt ein umfassendes Geständnis ab: Es habe von 2015 bis Herbst 2017 schätzungsweise mehr als 60 Taten gegeben, sagt L. Der Junge habe die Männer im Freien, in der eigenen Wohnung oder in angemieteten Ferienwohnungen treffen müssen. Er selbst habe sich im Schnitt ein Mal pro Woche an dem Kind vergangen, sagt L. Auch die Mutter sei beteiligt gewesen.

10 / 16

Vor dem Landgericht Freiburg fällt am 16. Mai das Urteil gegen den Bundeswehrsoldaten Knut S. Der 50 Jahre alte Stabsfeldwebel wird unter anderem wegen schweren sexuellen Kindesmissbrauchs und Vergewaltigung zu acht Jahren Haft verurteilt. Auch er muss an das Kind 12.500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Sicherungsverwahrung, wie es die Anklage und auch die Vertreterin des Jungen als Nebenkläger gefordert hatten, bekommt er nicht. Staatsanwaltschaft und Verteidigung gehen in Revision.

Foto: Patrick Seeger/ dpa
11 / 16

Das Landgericht Kiel (Foto) verurteilt einen 32 Jahre alten Mann aus Neumünster am 5. Juni wegen Vergewaltigung seiner Tochter zu sieben Jahren und drei Monaten Haft. Der Mann war aufgeflogen, weil Filmaufnahmen vom Missbrauch seiner Tochter bei Ermittlungen der baden-württembergischen Behörden gegen die anderen Verdächtigen im Staufener Missbrauchsfall aufgetaucht waren. Am Missbrauch des Jungen war der 32-Jährige nicht beteiligt.

12 / 16

Am 6. Juni beginnt der Prozess gegen Jürgen W. Er wird einen Monat später zu neun Jahren Gefängnis verurteilt. Das Landgericht Freiburg ordnet Sicherungsverwahrung an. Außerdem muss der Verurteilte 14.000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen. Der gelernte Maurer aus dem Kanton St. Gallen hatte zugegeben, den heute zehn Jahre alten Jungen dreimal vergewaltigt und dafür Geld gezahlt zu haben.

Foto: Patrick Seeger/ dpa
13 / 16

Die Hauptangeklagten vor Gericht: Am 11. Juni beginnt der Prozess gegen Berrin T. und Christian L. Dem Paar werden unter anderem schwere Vergewaltigung und Zwangsprostitution in jeweils knapp 50 Fällen zur Last gelegt. In der mehr als hundert Seiten langen Anklageschrift gegen die Mutter und ihren Partner ist die Rede von Fesselungen, Demütigungen, Beschimpfungen, Drohungen, körperlicher Gewalt.

Foto: Patrick Seeger/ dpa
14 / 16

Der 44-jährige Daniel V. wird Ende Juni vom Landgericht Karlsruhe zu acht Jahren Haft verurteilt. Die Richter ordneten zudem die anschließende Sicherungsverwahrung für den einschlägig vorbestraften Handwerker an. Daniel V. war nach Überzeugung des Gerichts im vergangenen Jahr nach Karlsruhe gereist, um dort einen neunjährigen Jungen zu vergewaltigen. Bei seiner Festnahme wurden Fesseln gefunden. Er soll im Darknet auch angefragt haben, ob er den Jungen nach dem Missbrauch töten dürfe. Das aber soll Christian L. abgelehnt haben.

Foto: Uli Deck/ dpa
15 / 16

Ende Juli beginnt der letzte Prozess im Staufener Missbrauchsfall. Angeklagt ist ein 33-Jähriger aus Spanien. Das Gericht verurteilt ihn zu zehn Jahren, außerdem muss der Mann 18.000 Euro Schmerzensgeld an das Opfer zahlen.

Foto: Patrick Seeger/ dpa
16 / 16

Am 7. Juli fällt das vorerst letzte Urteil in dem Fall mit acht Beschuldigten. Berrin T. muss zwölf Jahre und sechs Monate in Haft; Christian L. wird zu einer zwölfjährigen Gefängnisstrafe mit anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Das Paar hatte die Taten vor Gericht eingeräumt. Sie sollen insgesamt 42.500 Euro Schmerzensgeld an den Jungen sowie an ein weiteres Opfer, ein kleines Mädchen, zahlen.

Foto: THOMAS KIENZLE/ AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.