John Churchill Bogenschütze mit Maschinengewehr

John Churchill soll mit Dudelsack, Schwert und Langbogen in den Kampf gegen die Wehrmacht gezogen sein. Ein Verrückter? Alles nur erfunden? Spurensuche nach dem verwegensten Offizier der britischen Armee.
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Schwertkrieger? Diese Aufnahme scheint zu belegen, dass der britische Offizier John Churchill, vorne rechts im Bild, mit einem Schwert in den Zweiten Weltkrieg zog. Auf Nachfrage von einestages stufte der Rechteinhaber, das Londoner Imperial War Museum, die Aufnahme als authentisch ein. Allerdings entstand sie nicht im Krieg, sondern 1939 bei einer militärischen Übung in Schottland. Bilder, die Churchill während des Krieges mit Schwert zeigen, sind nicht bekannt.

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Guter Schütze: John Churchill soll im Frühjahr 1940 einem deutschen Feldwebel in dem französischen Ort l'Epinette einen Pfeil in die linke Brust geschossen haben. Es war angeblich der letzte Mann, der auf diese Weise in einem modernen Krieg getötet wurde. Aktenkundig ist der Fall allerdings nicht, sondern beruht auf Aussagen eines ehemaligen Weggefährten.

Nachweislich aber war der Brite ein guter Schütze. Er vertrat sein Land 1939 bei den IX. Weltmeisterschaften im Bogenschießen. Mit 1182 Punkten belegte er Platz 26.

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"Schottischer" Engländer: Diese Aufnahme zeigt John Churchill nach dem Krieg dudelsackspielend auf einer Beerdigung. Geboren in Sri Lanka und aufgewachsen in Südengland war Churchill im Herzen wohl eher ein Schotte - mit Vorlieben für schottische Breitschwerter und Dudelsäcke. Angeblich nahm er seinen Dudelsack sogar mit in den Krieg; vor dem Angriff seiner Spezialeinheit auf die norwegische Insel Vagsoy soll er damit ein Kriegslied angestimmt haben. Aufnahmen von ihm aus dieser Zeit gibt es allerdings nicht.

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Verwegener Abenteurer: Diese Zeichnung zeigt John Churchill, Spitzname "Mad Jack", auf seinem Motorrad in der britischen Kolonie Burma. Mit seiner Einheit, dem Manchester Regiment, war Churchill vor Ausbruch des Weltkrieges in Burma ausgebildet worden und dort durch eine tagelange Motorradfahrt durch den Dschungel aufgefallen. Nach Ende des Krieges in Europa wurde Churchill erneut Richtung Burma geschickt, um gegen die Japaner zu kämpfen. Doch die Atombombenabwürfe über Hiroshima und Nagasaki beendeten den Krieg, bevor er das Land erreichte.

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Erschöpft: Diese Aufnahme soll John Churchill im Juni 1944 unmittelbar nach seiner Gefangennahme auf der jugoslawischen Insel Brac zeigen, in der Hand noch den Mantel seines getöteten Vorgesetzten J.C. "Pops" Manners.

Die Umstände der Gefangennahme durch die Deutschen beschreibt Churchill nach dem Krieg so: In aussichtloser Lage habe er "Will Ye No Come Back Again?" auf seinem Dudelsack gespielt, um andere Einheiten in der Umgebung um Hilfe zu bitten. Ein Granatsplitter habe ihn kurz danach am Kopf getroffen; als er wieder das Bewusstsein erlangte, sei er von den Deutschen umzingelt gewesen. Belegen lässt sich das alles nicht; Churchills wenige Begleiter überlebten den Krieg nicht.

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Doppelte Flucht: Der britische Kriegsveteran Bertram Arthur James, gestorben im Jahr 2008, war einer der Zeitzeugen, die zumindest einen Teil der Biografie von John Churchill bestätigen konnten. Im September 1944 gelang ihm mit Churchill und zwei weiteren Briten die Flucht aus dem KZ Sachsenhausen. Zuvor war er bereits beim Massenausbruch aus dem berüchtigten Stalag Luft III entkommen, aber später wieder gefangen genommen worden. James beschrieb beide Fluchten in seinem Buch "Pechschwarze Nacht".

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Hilfreiches Missverständnis: Baracken des ehemaligen Sonderlagers A im Konzentrationslager Sachsenhausen. Im abgetrennten Bereich für prominente Häftlinge wurde 1944 auch John Churchill interniert. Die Deutschen dachten offenbar, sie hätten einen Neffen Winston Churchills geschnappt. Ein langlebiger Irrtum: Auch der SPIEGEL bezeichnete John Churchill noch 1967 in einer kurzen Meldung als Neffen des britischen Premiers.

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Rätselhafter Kriegsheld: Der Offizier John Malcom Thorpe Fleming Churchill, genannt Jack Churchill, wird in Großbritannien dafür bewundert, weil er mit Schwert und Langbogen in den Zweiten Weltkrieg gezogen sein soll. In der Literatur und in historischen Quellen finden sich dazu aber nur wenige Hinweise und Indizien. Im Kriegstagebuch von Churchills Regiment wird aber dessen Patrouille mit Pfeil und Bogen am Strand von Dünkirchen erwähnt. Churchill starb 1996 im Alter von 89 Jahren und hinterließ keine Memoiren.

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Kriegsheld - und Kinodarsteller? Szene aus dem Abenteuerfilm "The Drum" ("Gefahr am Doro-Paß") von 1938. Mitunter wird behauptet, John Churchill habe vor dem Krieg in solchen Filmen Kurzauftritte als Dudelsackspieler und Bogenschütze übernommen. Ob...

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...dieser Mann (Szenenbild aus "The Drum") aber wirklich John Churchill ist, lässt sich trotz erkennbar großer Ähnlichkeiten nicht zweifelsfrei sagen.

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Historischer Erfolg: Surfer auf einer Gezeitenwelle des Severn, dem längsten Fluss Großbritanniens (Aufnahme von 2015). Sechzig Jahre zuvor - am 21. Juli 1955 - war dem britischen Kriegsveteranen John Churchill als Erster ein Ritt auf der Gezeitenwelle gelungen. Seine Liebe zum Surfen hatte Churchill in Australien entdeckt, wo er nach dem Krieg als Ausbilder in einem Stützpunkt der australischen Armee arbeitete.

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Kriegsbeute: John Churchill begutachtet zu Beginn des Zweiten Weltkriegs in Belgien ein erobertes Geschütz.

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Extrovertierter Oberstleutnant: John Churchill (vorne im Bild) soll eine ungewöhnliche Vorliebe für archaische Waffen gehegt haben - und das im modernsten Vernichtungskrieg der Geschichte. "Jeder Offizier, der ohne Schwert in den Kampf zieht, ist unpassend gekleidet", soll er laut einem Zeitzeugen einmal gesagt haben.