Tempel, Paläste, Leuchttürme Berühmte Bauwerke auf Wanderschaft

Wenn Immobilien mobilmachen: Jahrhundertlang standen sie hier. Plötzlich sind sie woanders - wegtransportiert auf Rollen, Schienen und per Lastwagen, trotz ihres tonnenschweren Gewichts.
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Platz da! 1929 kaufte eine US-Telefongesellschaft in Indianapolis dieses achtstöckige Gebäude und wollte es erst einreißen, um ein größeres Hauptquartier zu errichten. Als billigere Variante schlug ein Architekt vor: Verschiebung um 16 Meter in den Süden, 30 in den Westen, um Platz für eine Erweiterung zu schaffen. Dazu mussten 11.000 Tonnen bewegt werden. Der Clou: Die Verlegung war so langsam, dass alle Angestellten weiterarbeiten konnten. Das Gebäude betraten sie über eine Notbrücke. Gas, Wasser und Strom funktionierten weiter - und, ganz wichtig: auch der Telefonservice der Firma.

Foto: Indy Star
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Zieh! Die Fassade des historischen Fairmont-Hotels von 1906 sieht eigentlich luftig-leicht aus. Und doch dauerte es sechs Tage, bis das Hotel 1985 in San Antonio (Texas) seinen neuen Standort erreichte - obwohl der nur fünf Blöcke weiter weg war. Der aufwendige Einsatz von sechs Trucks lohnte sich, sonst hätte das hübsche Gebäude abgerissen werden müssen.

Foto: SA Conservation
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Runter vom teuren Erz: Anfang des 20. Jahrhunderts zog im US-Bundesstaat Minnesota fast eine ganze Kleinstadt um. Hibbing, benannt nach seinem Gründer, dem deutschen Auswanderer Frank Hibbing, stand nämlich auf einem reichen Eisenerzvorkommen. Also wurden zwischen 1919 und 1921 etwa 200 Gebäude um zwei Meilen südlich in die Nähe des Ortes Alice verlegt. Nur ein Gebäude überstand das nicht - ein Hotel fiel vom Transportwagen.

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Londons weiße Perle: Auch der berühmte Torbogen Marble Arch aus Marmor wurde versetzt. Ursprünglich bildete er seit seiner Fertigstellung 1833 das Eingangstor zum Buckingham Palace; passieren durften damals nur Mitglieder des Königshauses. Als der Palast zu eng wurde, musste der Bogen 1851 weichen. So steht er heute isoliert auf einer großen Verkehrsinsel in der Nähe des Hyde Parks. Dass der Marble Arch nur verlegt wurde, weil ihn die Königin mit ihrer breiten Kutsche nicht passieren konnte, ist längst als Legende entlarvt.

Foto: Hulton Archive/ Getty Images
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Westernstadt auf Wanderschaft: Um ihren Gläubigern zu entkommen, griffen die Bürger von Ulysses (Kansas) 1909 zu einer radikalen Maßnahme. Sie zogen um - mit ihrer kompletten Stadt. Pferdefuhrwerke schleppten ganze Häuser, Scheunen und sogar ein Hotel mit 35 Zimmern durch die Prärie.

Foto: Colliers Magazine
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Über den großen Teich: Von Großbritannien in die USA wurde 1926 dieses prächtige Herrenhaus verlegt. Das Agecroft Hall, berühmt für seine Holzarchitektur, wurde im späten 15. Jahrhundert errichtet. Im 19. Jahrhundert litt es durch die Industrialisierung und den Kohlebergbau in seiner Umgebung. 1925 versteigerte die Familie ihr Anwesen. Der Käufer aus den USA baute es bis 1928 für die stattliche Summe von 250.000 US-Dollar originalgetreu in Virginia wieder auf. Heute ist das Haus ein Museum.

Foto: imago/United Archives International
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Die größte Antiquität der Welt wurde ebenfalls von Großbritannien über den Atlantik verschifft. Das Foto aus dem Jahr 1999 zeigt die London Bridge an ihrem neuen Standort in Lake Havasu in Arizona. Der amerikanische Millionär Robert P. McCulloch hatte 1968 die berühmte Brücke für 2.460.000 Dollar gekauft und demontieren lassen. Drei Jahre später stand sie wieder - mitten in der Wüste.

Foto: STAN USINOWICZ/ ASSOCIATED PRESS
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Gerettet: Nicht auf Rollen oder Schienen verlegt, sondern mühsam abgetragen und wieder aufgebaut wurden zwischen 1963 und 1968 die zwei ägyptischen Tempel von Abu Simbel. Grund war der Bau des Assuan-Staudamms durch Staatspräsident Nasser. Das Nilwasser in dem gewaltigen Stausee stieg durch den Bau deutlich an und hätte auch die angrenzenden Tempelanlagen versinken lassen. Die Tempel wurden 64 Meter höher wieder aufgebaut und gehören heute zum Unesco-Weltkulturerbe.

Foto: imago/ZUMA/Keystone
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Doppelhaushälften: Um dieses Holzhaus im US-Bundesstaat New Jersey besser versetzen und transportieren zu können, sägten es Zimmermänner einfach in der Mitte auseinander. Danach nichts wie weg - und wieder zusammennageln.

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Kurzes Theater: Nur ein paar Stunden dauerte im März 1998 der Umzug des New Yorker Empire Theatre zu seinem neuen Standort 50 Meter weiter. Die Schwerstarbeit leistet scheinbar das berühmte Komikerduo Bud Abbott und Lou Costello - ein Hauch Kölner Karneval in diesem New Yorker Frühling. Schon ein Jahr zuvor...

Foto: Emile Wamsteker/AP
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...war in Detroit ein anderes altehrwürdiges Schauspielhaus umgezogen: die Gem and Century Theaters. Der Umzug des 1902 errichteten Gebäudes war notwendig geworden, weil der Sport mal wieder die Kultur verdrängte: Das Baseballteam Detroit Tigers sollte ein neues Stadion bekommen; die großen Baupläne störte das historische Theater.

Foto: Manning Brothers Historic Photographic Collection/Forbes Management
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Stolz: Als 1974 in der kolumbischen Hauptstadt Bogota der Cudecom-Gebäudekomplex um 29 Meter in den Süden verschoben wurde, um eine Straße zu erweitern, fieberte die ganze Stadt mit. Die Operation gelang - und wurde später auf einer Briefmarke gefeiert und verewigt.

Foto: Antonio Páez Restrepo
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Der Nächste bitte! Neben Abu Simbel war auch die auf der Nilinsel Philae errichtete Anlage mit dem berühmten Isis-Tempel vom Untergang bedroht. Schon in den Sechzigerjahren war die Insel oft überflutet, dann stand ein Teil der Anlage im Wasser (Foto) - eine Folge des alten Assuan-Staudamms. Bis 1980 wurde der Tempel komplett abgebaut und auf einer anderen Nilinsel wieder aufgebaut. Philae ist heute gänzlich versunken.

Foto: imago/ZUMA/Keystone
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7600 Tonnen: Kein Problem für den rumänischen Ingenieur Eugenio Iordachescu, der in Bukarest in den Achtzigerjahren schon etliche Kirchen versetzen ließ. Warum also nicht, wie hier 1987, auch riesige Wohnblöcke bewegen, die den radikalen Umbauplänen des Diktators Ceausescu im Wege standen?

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Achtung, Kirche kommt: Vorsichtig wird die Heuersdorfer Emmauskirche 2007 mit einem Speziallaster mit 160 Rädern zu ihrer neuen Heimat auf dem Martin-Luther-Platz in der sächsischen Kleinstadt Borna bei Leipzig gebracht. Der Platz liegt rund zwölf Kilometer...

Foto: Jan Woitas/ picture-alliance/ dpa
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...vom ursprünglichen Standort der Kirche im Örtchen Heuersdorf entfernt. Diese Siedlung musste trotz massiven Widerstandes ihrer Bewohner 2007 dem großen Braunkohlentagebau Vereinigtes Schleenhain Platz machen.

Foto: Jan Woitas/ picture-alliance/ ZB
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Verschont: Vom historischen Brüx, dem heutigen Most in Tschechien, ist fast nichts mehr übrig - außer der Dekanatskirche Maria Himmelfahrt aus dem 16. Jahrhundert. Sie wurde 1975 auf einer Art Eisenbahnstrecke um 841 Meter verschoben. Die Stadt war während des Zweiten Weltkriegs erheblich zerstört worden. Zudem entschied die tschechoslowakische Regierung in den Sechzigern, das historische Zentrum abzureißen, um dort einen neuen Schacht für ein großes Kohlebergwerk zu errichten. So entstand eine neue Stadt. Dort thront heute im Zentrum die gerettete Kirche.

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Leuchtturm auf Reisen: Um knapp 900 Meter versetzt wurde 1999 dieser Atlantik-Leuchtturm von 1870 im US-Bundesstaat North Carolina. Einen Monat brauchte es, um den 2800 Tonnen schweren und etwa 60 Meter hohen Koloss zu seinem neuen Standort zu bringen. Kein Einzelfall: Durch den Bau neuer Häfen oder die Veränderung des Meeresspiegels sind viele Leuchttürme heute verwaist; nur die wenigsten werden so aufwendig verschoben.

Foto: JOHN ALTHOUSE/ AFP
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Gottes Gericht: Diese historische Baptistenkirche von 1806 muss 2009 in Salem (Massachusetts) weichen, weil an ihrem alten Standort das neue Gericht gebaut werden sollte. Drei Dutzend hydraulische Heber ermöglichten den Umzug. Die Kirche diente danach als Bibliothek für das neue Gericht.

Foto: The Salem News
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Platz für Sicherheit: 135 Jahre lang stand sie am selben Ort. 2017 aber wurde die Haupthalle von Shanghais berühmtem Jade-Buddha-Tempel um etwa 30 Meter nördlich verlegt und um einen Meter angehoben - mitsamt der prächtigen Buddha-Statuen aus Jade. So sollte mehr Platz zwischen den Hallen der Tempelanlage entstehen und dadurch die Brandgefahr in den Holzgebäuden verringert werden.

Foto: imago/VCG
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